Vertrauen in die Zukunft – wie Finanzaufsicht Stabilität sichert Bayerischer Sparkassentag
Es gilt das gesprochene Wort.
1 Einleitung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, heute beim Bayerischen Sparkassentag über ein Thema zu sprechen, das sowohl die Zukunft des Bankings als auch die Stabilität unseres Finanzsystems betrifft: Vertrauen in die Zukunft – wie Finanzaufsicht Stabilität sichert
.
Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Der demografische Wandel, die digitale Transformation – insbesondere die Künstliche Intelligenz – und der Klimawandel stellen uns vor Herausforderungen, die nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Gesellschaft nachhaltig prägen.
Doch wie sieht die Zukunft des Bankings inmitten dieses Wandels aus? Welche Risiken, aber auch Chancen gibt es für den Finanzsektor? Und was ist die Rolle der Finanzaufsicht bei der Bewältigung dieser Herausforderungen?
Diese Fragen möchte ich heute mit Ihnen erörtern. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die drei großen Herausforderungen werfen und darüber sprechen, wie wir als Finanzsektor und Gesellschaft darauf reagieren können.
2 Demografischer Wandel: Eine alternde Gesellschaft und ihre Auswirkungen
Beginnen wir mit dem demografischen Wandel. In Deutschland und Europa altert die Gesellschaft, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Finanzsystem hat.
Im Monatsbericht vom Juni haben Fachleute der Bundesbank gezeigt, wie stark die Alterung das Arbeitsangebot einschränkt.[1] Zum einen sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter – insbesondere in den kommenden Jahren, wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen. Zum anderen steigt innerhalb der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter der Anteil älterer Menschen. Da Ältere seltener erwerbstätig sind als Jüngere, geht dadurch die Erwerbsbeteiligung zurück. Beides verringert den Arbeitseinsatz und bremst damit das Wachstum des Produktionspotenzials.
Hinzu kommt, dass die Alterung nach den Analysen der Bundesbank auch die Produktivitätsentwicklung dämpft. Dies deckt sich mit Befunden, wonach die Gründungs- und Innovationsdynamik in Ländern mit älteren Bevölkerungen häufiger geringer ist. Außerdem verändert sich mit dem demografischen Wandel die Konsumstruktur. Die Nachfrage verlagert sich tendenziell hin zu Dienstleistungen, deren Produktivitätswachstum häufig geringer ist.
Die Alterung trägt somit erheblich dazu bei, dass das Potenzialwachstum sinkt: Sie begrenzt den Arbeitseinsatz und dämpft die Produktivitätsentwicklung.
Das bedeutet auch eine Herausforderung für Institute mit Fokus auf klassischem Einlagen- und Kreditgeschäft, wie es die Sparkassen sind.
Zum einen dürfte die Nachfrage nach Krediten für Unternehmensinvestitionen sinken, wenn das Wirtschaftswachstum abnimmt. Auch möglich ist, dass die Nachfrage nach Immobilienkrediten sinkt, da ältere Menschen weniger häufig Immobilien kaufen oder bauen.
Gleichzeitig können der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung das Sparverhalten beeinflussen, etwa wenn Personen damit rechnen, dass sie nach ihrem Renteneintritt eine längere Zeit leben werden und zur Vorbereitung während ihrer Erwerbstätigkeit mehr sparen.
Dies könnte wiederum die Zinsen strukturell senken.
Banken können sich aber nicht darauf verlassen, dass dieses erhöhte Sparverhalten zu vergleichsweise günstigen Einlagen führt.
Vielmehr könnte ein zunehmender Wettbewerb, auch aufgrund fortschreitender Digitalisierung, die stetige Weiterentwicklung attraktiver Angebote für die Altersvorsorge erfordern – die Sparkassen müssen hier am Ball bleiben.
Sollten die Zinsen tatsächlich sinken, könnte das den Druck auf Banken erhöhen, weiter rentable Investitionsmöglichkeiten zu finden. Solch eine Renditejagd muss aber immer durch angemessenes Risikomanagement abgesichert sein.
Darüber hinaus beeinflusst der demografische Wandel bereits jetzt schon die Geschäftsorganisation vieler regional verankerter Institute. In unseren Umfragen hören wir immer wieder, dass viele Institute vor allem in ländlichen und strukturschwachen Gegenden Probleme haben, Nachwuchskräfte zu finden. Dies dürfte sich in den nächsten Jahren noch einmal deutlich verschärfen.
Sparkassen können und sollten dazu beitragen, dass ländliche Regionen nicht durch den demografischen und strukturellen Wandel abgehängt werden. Zum einen können sie attraktive Arbeitsplätze in sonst eher strukturschwachen Regionen bieten – zum anderen investieren sie häufig gezielt in lokale Infrastruktur und Projekte. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, die Lebensqualität in diesen Regionen zu erhöhen und ländliche Abwanderung zu begrenzen.
Der Finanzsektor kann die Herausforderungen aber nicht allein stemmen. Eine politische Weichenstellung ist nötig. Gezielte Maßnahmen zur Verlängerung der Erwerbszeit und für eine verbesserte Arbeitsmigration können dazu beitragen, die negativen Effekte zu vermindern. Zudem können technologische Innovationen und Investitionen in Bildung und lebenslanges Lernen die Produktivität steigern.
3 Künstliche Intelligenz und Quantencomputing: Chancen und Risiken
Das bringt mich zu dem Thema, das aktuell wohl das größte Potenzial birgt, um die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels abzumildern: die digitale Transformation und insbesondere die Künstliche Intelligenz.
KI hat das Potenzial, den Finanzsektor grundlegend zu verändern. Sie ermöglicht es, Prozesse zu automatisieren, Betrugsmuster in Echtzeit zu erkennen und personalisierte Finanzprodukte anzubieten. All das kann helfen, dem demografischen und strukturellen Wandel zu begegnen. So könnte die KI zum Beispiel Aufgaben wahrnehmen, wenn es an Nachwuchskräften fehlt, die diese sonst übernehmen würden. Digitalisierte Angebote können zudem Beratungsmöglichkeiten für Kunden aus Orten bieten, die keine eigene Bankfiliale mehr haben.
Gleichzeitig wirft die Digitalisierung auch Fragen für die Geschäftsmodelle traditioneller Banken auf, zum Beispiel wenn global agierende Digitalbanken in kürzester Zeit über 60 Millionen Kunden gewinnen. In der Sparkassenorganisation wird deshalb zurecht die Frage diskutiert: Was bedeutet denn das Regionalprinzip in einer grenzüberschreitenden Digitalökonomie?
Kommunal getragene öffentlich-rechtliche Sparkassen waren in den vergangenen Jahrzehnten stets wichtige Pfeiler unseres Finanzsystems und der regionalen, insbesondere mittelständischen Wirtschaft.
Die Zukunft dieses Modells muss sich an veränderten Märkten bewähren und es ist gut, große Kraftanstrengungen zu unternehmen und eigene Effizienzen zu heben, um die anstehenden Milliardeninvestitionen in Digitalisierung, Plattformen, Rechenzentren und KI im Verbund zu finanzieren.
Darüber hinaus bringt die digitale Transformation auch Herausforderungen für die operationellen Risiken der Banken mit sich. So erhöht die zunehmende Abhängigkeit der Institute von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) die Angriffsfläche für Cyberangriffe.
Die Evolution der Künstlichen Intelligenz verringert die Kosten und Einstiegshürden für Attacken und wirkt als Beschleuniger. Die Zeitspannen zwischen dem Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung haben sich über die Jahre und besonders in jüngster Zeit drastisch verkürzt.
Waren es im Jahr 2019 noch rund zwei Jahre, die zwischen Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung lagen, zeigen erste Daten aus diesem Jahr eine durchschnittliche Zeitspanne von lediglich 18 Stunden.[2]
Momentan brauchen viele Institute noch deutlich länger, um sicherheitsrelevante Systemaktualisierungen, sogenannte Patches, vorzunehmen.
Institute müssen deshalb jetzt den Digital Operational Resilience Act, kurz DORA, konsequent und risikobasiert umsetzen. Wir begrüßen, dass viele beaufsichtigte Institute in den vergangenen Jahren bereits tätig wurden und umfangreiche DORA‑Umsetzungsprojekte initiiert haben.
Wichtig in Bezug auf die Cyber-Resilienz ist dabei vor allem, dass Institute ihre IKT‑Asset-Inventare vervollständigen, ihr Patch-Management überprüfen und auch den Worst Case eines Cybervorfalls proben.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass viele Institute von wenigen großen Technologieanbietern abhängig sind, insbesondere aus Drittstaaten wie den Vereinigten Staaten. Dies birgt nicht nur technologische Risiken, wenn es zu Ausfällen bei diesen Anbietern kommt, sondern auch geopolitische und Souveränitäts-Risiken.
Ein Beispiel dafür ist die Entscheidung der US‑Regierung im Juni, den Zugriff auf ‚Claude Mythos‘ und ‚Fable 5‘ des US‑Unternehmens Anthropic für Nicht-US‑Staatsbürger aus nationalen Sicherheitsgründen zu sperren. Anthropic deaktivierte infolgedessen den Zugang zu beiden Modellen weltweit.
Das zeigt, wie abhängig Europa von ausländischen Technologien ist, und unterstreicht die Notwendigkeit, eigene europäische Lösungen zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund setzt das neue europäische Paket der EU‑Kommission zur technologischen Souveränität ein wichtiges und richtiges Signal.
Auch der Finanzwirtschaft kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, denn eine solche Strategie kann nicht allein auf Regulierung basieren, sondern muss von den Marktakteuren aktiv unterstützt werden.
Sparkassen verfügen bereits über wesentliche Voraussetzungen für digitale Souveränität, etwa durch den Betrieb eigener Rechenzentren und den Einsatz offener (europäischer) KI‑Modelle. Künftig wird es vor allem darauf ankommen, diese technologische Handlungsfähigkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dies stärkt nicht nur die digitale Souveränität, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors.
Richten wir den Blick etwas weiter in die Zukunft, erwartet uns dort das Thema Quantencomputing. Quantencomputer werden absehbar für bestimmte Rechenoperationen deutlich leistungsfähiger werden als klassische Computer.
Das bringt große Chancen mit sich, zum Beispiel bei der Portfoliooptimierung oder der Simulation von Risiken. Ich möchte die Gelegenheit aber nutzen, auf zukünftige Risiken hinzuweisen, die uns schon jetzt beschäftigen müssen.
Quantencomputer werden wohl Anfang der 2030er Jahre in der Lage sein, klassische asymmetrische kryptografische Verfahren, wie beispielsweise RSA, zu brechen. Es besteht also eine erhebliche Gefahr für alle möglichen IT‑Systeme. Insbesondere müssen viele der aktuell verwendeten kryptografischen Systeme flächendeckend durch quantenresistente Algorithmen ersetzt werden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt den alleinigen Einsatz der betroffenen Verfahren nur noch bis Ende 2031. Es dürfte wohl klar sein, dass der flächendeckende Austausch kryptografischer Verfahren eine ganz erhebliche Herausforderung für die Finanzbranche darstellt.
Mein eindringlicher Appell an Sie ist daher, sich umgehend mit diesen Gefahren zu befassen. Dringlichkeit ist auch deshalb geboten, weil Hacker bereits heute Daten abfangen können, die dann später mit Quantencomputern entschlüsselt werden; das ist die sogenannte „harvest now decrypt later“-Strategie.
4 Klimarisiken und grüne Transformation
Damit komme ich zur dritten großen Herausforderung für unsere Gesellschaft, aber auch für das Finanzsystem: der Klimawandel und die grüne Transformation. Denn der Klimawandel verursacht nicht nur ökologische Schäden, sondern auch wirtschaftliche und finanzielle Risiken.
Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht mehr erreichbar. Das bedeutet, dass Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels zwar weiterhin essenziell bleiben, gleichzeitig aber eine rasche Anpassung an extremere Wetterphänomene umso wichtiger wird.
Ein zentraler Punkt ist dabei die Frage der Anpassungsfinanzierung. So weist die Europäische Zentralbank darauf hin, dass die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen im Vergleich zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen stark hinterherhinkt.
Nur etwa vier Prozent der weltweit gemeldeten Klimafinanzierung fließen derzeit in Anpassungsmaßnahmen, und rund 98 Prozent davon stammen aus öffentlichen Quellen.
Private Investitionen sind also bislang unzureichend. Der Finanzsektor kann hier eine entscheidende Rolle spielen, indem er die Finanzierung privater Anpassungsmaßnahmen voranbringt.
Auch Sparkassen können hier eine Schlüsselrolle spielen, indem sie ihre regionale Expertise nutzen, um nachhaltige Projekte vor Ort zu fördern. Dies umfasst nicht nur die Finanzierung von erneuerbaren Energien, sondern auch die Unterstützung von Unternehmen und Gemeinden bei der Anpassung an klimabedingte Herausforderungen wie Hochwasser oder Dürre.
Neue Instrumente – wie nachhaltigkeitsgebundene Kredite, „Blended Finance“-Strukturen oder spezielle Finanzierungsvehikel für Klimatechnologien – können zudem dazu beitragen, die Finanzierungslücke zu schließen, die öffentliche Mittel allein nicht bewältigen können. Finanzinstitute, die diese Expertise frühzeitig aufbauen, können ihre eigenen Transitionsrisiken effektiver managen und sich einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Darüber hinaus müssen Banken ihre Risiken aus dem Klimawandel sowie aus der Transformation hin zu einer grüneren Wirtschaft aktiv managen. Sie müssen diese stärker in die Geschäfts- und Risikostrategie sowie die Geschäftsorganisation integrieren.
Dies umfasst nicht nur aktuelle Gefahren, sondern auch deren zukünftige Entwicklung, die verbleibenden Restrisiken nach der Anpassung und die Aggregation dieser Risiken über Standorte, Sektoren und Wertschöpfungsketten hinweg.
Positiv möchte ich vermerken, dass viele Institute bereits Schritte in diese Richtung unternommen haben.
So zeigt unsere Umfrage unter den national beaufsichtigten Instituten aus dem Winter 2024/2025, dass inzwischen alle Institute in ihrer Risikoinventur untersuchen, ob und wie sich ESG‑Risiken auf die klassischen Risikoarten wie Kreditrisiko, Marktrisiko und operationelles Risiko auswirken.
Fast alle befragten Institute berücksichtigen darüber hinaus ESG‑Risikotreiber in Stresstests, überwiegend sowohl aus ökonomischer als auch aus normativer Perspektive. Allerdings werden die Stresstestergebnisse bei der Formulierung der Geschäfts- und Risikostrategien bisher nur vereinzelt berücksichtigt.
5 Regulatorische Vereinfachung
Meine Damen und Herren,
vielleicht haben Sie sich auch gefragt, was die Rolle der Finanzaufsicht bei der Bewältigung dieser drei Herausforderungen ist.
Unser Mandat ist gesetzlich klar geregelt: Die Bundesbank hat die Aufgabe, Risiken in den Bilanzen der Institute zu identifizieren und die Finanzstabilität zu wahren.
Wir haben kein Mandat, Maßnahmen zu ergreifen, um die realwirtschaftlichen strukturellen Herausforderungen zu bewältigen – dies müssen der Markt selbst sowie unsere demokratisch legitimierten Volksvertreterinnen und -vertreter tun.
Das heißt nicht, dass demografischer Wandel, Digitalisierung und die grüne Transformation blinde Flecken bei uns sind. Aus unserem Mandat ergibt sich allerdings eine strikt risikoorientierte Sichtweise auf diese Themen.
So arbeiten wir zum Beispiel an der Integration von Klima- und IKT‑Risiken in das Risikomanagement der Banken mit und passen unsere Aufsichtsprozesse entsprechend an.
Die Förderung von Investitionen kann jedoch nicht zu unseren Aufgaben gehören. Denn: Nur, weil eine Investition „innovativ“ oder „transformativ“ ist, heißt es nicht, dass sie weniger risikoreich ist als eine „traditionelle“.
Natürlich schaffen wir mit unserer Regulierung aber die Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe. Vor diesem Hintergrund höre ich inzwischen häufig, dass zu viel Finanzmarktregulierung und zu strenge Aufsicht eine „Wachstumsbremse“ oder ein Hindernis für die Transformation der Wirtschaft seien.
Die Banken bräuchten geringere Kapitalanforderungen, um Innovationen und Transformation finanzieren zu können. Das ist, mit Verlaub, schlichtweg falsch.
Zum einen liegt der Investitionsstau nicht daran, dass Banken nicht ausreichend Kapital haben. Die deutschen Banken verfügen aktuell über ein Überschusskapital von mehr als 180 Milliarden Euro. Auch haben viele Institute im vergangenen Jahr hohe Erträge erwirtschaften können, von denen ein nicht unerheblicher Teil in Ausschüttungen und Aktienrückkäufe geflossen ist.
Zudem zeigt ein aktuelles Technical Paper der Bundesbank, dass der deutsche Bankensektor mit Blick auf die Kapitalausstattung selbst unter konservativen Annahmen in der Lage ist, die zusätzlichen Investitionen zu finanzieren, um das Ziel der Treibhausgasneutralität Deutschlands bis 2045 zu erreichen.[3]
Hier hapert es vielmehr an der Nachfrage nach Krediten für solche Investitionen.
Zum anderen haben die Reformen nach der Finanzkrise das Finanzsystem deutlich widerstandsfähiger gemacht und die Finanzstabilität gestärkt. Dies ist essenziell, damit das Finanzsystem seine Funktionen, wie zum Beispiel die Kreditvergabe, erfüllen kann. Sie sind damit auch Voraussetzung für die Finanzierung der Transformation unserer Wirtschaft.
Aus diesen Gründen lehne ich eine Deregulierung beziehungsweise pauschale Kapitalerleichterungen strikt ab.
Wo wir jedoch ansetzen können – und dies auch tun – ist die Vereinfachung der aktuell sehr komplexen Regulierung, ohne dabei die Finanzstabilität zu gefährden. Denn der aktuelle Erfüllungsaufwand stellt insbesondere kleinere und mittlere Institute vor erhebliche Herausforderungen und bindet Ressourcen, die sonst auch für Investitionen und Innovationen genutzt werden könnten.
Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit der Bafin unter anderem ein europäisches Kleinbankenregime vorgeschlagen. Dieses würde kleinen, risikoärmeren Instituten mit traditionellen Geschäftsmodellen die Möglichkeit bieten, unter einem deutlich vereinfachten regulatorischen Rahmen zu agieren. Ein solcher Rahmen würde Banken und Sparkassen entlasten, ihnen die Möglichkeit geben, sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren, und die Proportionalität in der Regulierung stärken.
Und damit komme ich zum Schluss.
6 Fazit
Meine Damen und Herren,
der demografische Wandel, die digitale Transformation und der Klimawandel stellen die Gesellschaft und den Finanzsektor vor tiefgreifende Veränderungen und Herausforderungen. Diese können wir nur gemeinsam angehen.
Wir als Finanzaufseher spielen eine wichtige Rolle, indem wir Risiken frühzeitig erkennen und die Stabilität des Finanzsystems sichern. Doch wir können nur einen Rahmen schaffen. Die Veränderungen selbst müssen von der Gesellschaft und Politik gestaltet werden – und eben auch von den Instituten.
Die Sparkassen sind dabei in einer besonderen Position. Zum einen spielen Sie mit Ihrer Kundennähe und regionalen Verankerung eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der anstehenden Veränderungen.
Zum anderen sind Sie natürlich auch selbst von diesen Veränderungen betroffen und müssen Ihre Geschäftsorganisation, Risikomanagement und Produkte auf den Prüfstand stellen.
Meine Meinung ist, dass es nun vor allem wichtig ist, diese gesellschaftlichen und institutsspezifischen Entscheidungen zu treffen und dann die entwickelten Strategien und Grundsätze konsequent zu verfolgen. Stillstand oder ein Hin und Her sind keine Optionen.
Denn nur wenn diese Entscheidungen einen glaubhaften Verbindlichkeitsgrad haben, schaffen sie Sicherheit. Sicherheit für Konsum-, Investitions- oder auch Lebensentscheidungen.
Diese Sicherheit brauchen wir, um das Vertrauen in die Zukunft wieder zu stärken.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Fußnoten:
- S. Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsangebot und Wachstum in Deutschland – Herausforderungen und Handlungsspielräume | Publikationen der Bundesbank
- S. Zero Day Clock
- S. Deutsche Bundesbank (2026), Nachhaltigkeitsrisiken in der Bankenaufsicht, Monatsbericht, April 2026.