Containerschiff ein einem Hafen von oben ©aerial-drone / AdobeStock

Deutsche Wirtschaft trotz bestehender Belastungen wohl leicht gewachsen

Trotz fortbestehender Belastungsfaktoren und zusätzlichem Gegenwind durch den Krieg im Nahen Osten dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2026 saisonbereinigt leicht zugelegt haben, schreibt die Bundesbank im jüngsten Monatsbericht. Umfragedaten für März zeigen eine stabile Lage an, was darauf hinweise, dass sich die negativen Effekte des Kriegs im Nahen Osten größtenteils erst später niederschlagen dürften. 

Industrie zeigte sich robust

Für die Industrie deuten steigende Umsätze und Warenexporte im Januar und Februar auf ein positives Wachstum hin. Gleichzeitig leidet sie unter strukturellen Wachstumshemmnissen, die die Wettbewerbsposition schwächen. Zudem dämpfen die geringe Kapazitätsauslastung und eine restriktivere Kreditvergabe die Investitionsneigung der Unternehmen. Strengere Vergabestandards bei Wohnungsbaukrediten, höhere Bauzinsen und ungünstige Witterung im Januar und Februar belasteten den Bausektor. 

Auch der private Konsum schwächelte nach einem starken Jahresabschluss 2025. Die Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten könnte teils dem sich weiter abschwächenden Arbeitsmarkt geschuldet sein, sowie dem zwar noch kräftigen, aber nachlassenden Lohnwachstum, schreiben die Fachleute. Außerdem hätten die im März aufgrund des Krieges im Nahen Osten deutlich gestiegenen Kraftstoffpreise die Kaufkraft der Haushalte stark belastet. Die Bundesbank geht zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass diese Belastungsfaktoren den privaten Konsum auch im laufenden Quartal deutlich bremsen werden. Positiv zum Wachstum beigetragen haben dürfte dagegen zum Jahresbeginn der Dienstleistungssektor.

Keine Anzeichen für Erholung am Arbeitsmarkt

Der bereits seit einem dreiviertel Jahr anhaltende leichte Beschäftigungsrückgang setzte sich auch in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres fort, heißt es im Monatsbericht. Die aktuellen Frühindikatoren zeigten keine Anzeichen einer Erholung des Arbeitsmarktes in den kommenden Monaten. Und das, obwohl der Krieg im Nahen Osten die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen bislang kaum beeinflusst haben dürfte, schreiben die Expertinnen und Experten. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen betrug im Februar saisonbereinigt 2,98 Millionen Personen, was einer Quote von 6,3 Prozent entspricht.

Energierohstoffpreise im April weiter gestiegen

Aufgrund der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten zogen die Ölpreise auch im April weiter an und waren zugleich von stärkeren Schwankungen geprägt. Die für den globalen Öl- und Flüssiggashandel zentrale Route durch die Straße von Hormus blieb blockiert. Vor diesem Hintergrund schwankte der Preis für Rohöl im April auf einem stark erhöhten Niveau. Ein Fass der Sorte Brent kostet zuletzt 103 US-Dollar und damit 46 Prozent mehr als zu Konfliktbeginn.

Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten deutlich erhöht bleiben

Aufgrund merklich gestiegener Energiepreise, insbesondere für Kraftstoffe und Heizöl, zogen die Verbraucherpreise im März deutlich an. So erhöhte sich der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent nach 0,2 Prozent im Februar. Aber auch die Preise für Nahrungsmittel sowie für Dienstleistungen stiegen im März an. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Gesamtteuerungsrate energiepreisbedingt stark von 2,0 Prozent im Februar auf 2,8 Prozent im März, schreiben die Fachleute. Sie rechnen auch in den kommenden Monaten mit einer deutlich erhöhten Inflationsrate. Wie lange der Inflationsschub andauern und wie stark er ausfallen wird, hänge von der weiteren Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten ab.