Joachim Nagel und Lars Klingbeil bei der Pressekonferenz ©Ingrid Herden

Nagel: „In Europa müssen wir uns fragen: Wie können wir in Zukunft Probleme gemeinsam lösen?“

Insbesondere der starke Anstieg der Energiepreise bedingt durch die Situation im Nahen Osten sei eine Herausforderung, so Nagel in Washington. Und diese wirke sich doppelt aus: Sowohl im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum als auch als Triebkraft der Inflation: Die Situation zeigt, dass wir viel unabhängiger sein müssen. Denn sie hat auch Rückkopplungseffekte auf die Geldpolitik. Insgesamt sei die Lage von Unsicherheit geprägt. Es sei unklar, wie lange die Auswirkungen des Krieges spürbar sein werden, selbst wenn der Konflikt zeitnah beendet würde. 

Nagel unterstrich: In Europa müssen wir uns einmal mehr die Frage stellen: Wo geht die Reise hin? Wie können wir gemeinsam die Zukunftsthemen lösen? Dem Bundesbankpräsidenten zufolge könnten die derzeitigen Herausforderungen auch eine Gelegenheit dafür sein, Themen voranzubringen, um sich in Europa künftig anders aufstellen zu können. 

Deutsche Wirtschaft betroffen – Bremswirkung durch den Kriegsverlauf

Die deutsche Wirtschaft sei von der krisenhaften Situation betroffen, sagte Nagel. Es gebe eine Bremswirkung durch den Kriegsverlauf: Wir sind respektabel ins Jahr gestartet. Dann kam der Krieg. Nun müssen wir davon ausgehen, dass das sehr wachstumsdämpfend wirkt. Er hoffe, dass es bald Frieden gebe. In der Geldpolitik müsse das Mandat der Bundesbank im Mittelpunkt stehen.

An Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit arbeiten

Anlässlich der Tagung sprach Nagel auch mit den Nachrichtensendern Bloomberg und CNBC zur aktuellen Lage: Die Krise hat gezeigt, dass wir an unserer Wettbewerbsfähigkeit und unserer Unabhängigkeit arbeiten müssen, so Nagel im Interview mit CNBC über die Auswirkungen des Irankriegs auf Europa.

Dem Nachrichtensender Bloomberg sagte Nagel: „Die Straße von Hormus ist eine Achillesferse. Wir sollten vorsichtig sein, alle Informationen berücksichtigen und sehen, was passiert.“ Mit Blick auf den nächsten Zinsbeschluss der EZB betonte er, dass weitere Daten erforderlich seien: Zwei Wochen können viele neue Informationen liefern, und wir werden sie berücksichtigen.

Die diesjährigen Frühjahrssitzungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds finden vom 13. bis 18. April statt. Vertreterinnen und Vertreter aus 191 Mitgliedsländern und Tausende politische Entscheidungsträger, Journalisten und zivilgesellschaftliche Stakeholder nehmen daran teil.