Gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit? Handelsblatt Jahrestagung Bankenaufsicht

Es gilt das gesprochene Wort.

1 Einleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie sich schon einmal gefragt, wie sicher unsere Straßen heute im Vergleich zu früher sind? In den 1970er Jahren prägten Fahrzeuge wie der Opel Kadett oder der VW Käfer das Straßenbild – rund 16,5 Millionen Autos mit durchschnittlich 50 bis 70 PS waren damals zugelassen. Heute sind es über 49 Millionen Fahrzeuge mit viel mehr Leistung und damit verbunden einem deutlich höheren Risikopotenzial.

Doch die Zahl der Verkehrstoten ist seitdem um über 85 Prozent gesunken – von über 19.000 im Jahr 1970 auf geschätzte 2.700 im Jahr 2025.[1] Wie ist das möglich? 

Technische Innovationen wie Airbags, Sicherheitsgurte und Bremsassistenten haben einen großen Beitrag geleistet. Hinzu kommen Sicherheitsvorkehrungen wie Radwege, verkehrsberuhigte Zonen und Fußgängerüberwege. Doch der entscheidende Faktor ist ein klares Regelwerk: Alkoholgrenzwerte, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Mindestabstände und zeitgemäße Sicherheitsanforderungen an Fahrzeuge. Diese Regeln schaffen Mindeststandards, die Risiken für alle senken – ähnlich wie die Regulierung im Finanzwesen.

Wenn wir die regulatorischen Anforderungen für Banken betrachten, geht es ebenfalls um Mindestanforderungen – vergleichbar mit den Regeln im Straßenverkehr. So wie der TÜV und die Polizei die Einhaltung von Sicherheitsstandards bei Fahrzeugen kontrollieren, sorgen Regulierung und Aufsicht dafür, dass Banken stabil und sicher agieren. Und genauso ist im Verkehr 50 km/h innerorts eine harte Grenze, die dementsprechend eine angepasste Fahrweise voraussetzt. Analog dazu setzen Mindestkapitalanforderungen im Finanzwesen einen Rahmen, der Stabilität gewährleistet – ohne Innovationen zu verhindern.

Innovationen im Straßenverkehr sind nicht verpflichtend, aber sie erhöhen Sicherheit und Effizienz – denken Sie an Bremsassistenten, Abstandshalter oder Parksensoren. Ähnlich verhält es sich im Finanzwesen: Innovationen und Effizienzsteigerungen können die Wettbewerbsfähigkeit stärken, ohne dass Mindestanforderungen aufgeweicht werden müssen.

Niemand würde fordern, Airbags aus Autos zu entfernen, um Gewicht zu sparen und ein paar km/h schneller zu sein. Genauso wenig sollten wir im Finanzwesen auf Regulierung verzichten, nur um vermeintlich wettbewerbsfähiger zu werden. Die Frage ist also: Bremst uns Regulierung wirklich aus? Oder ist sie – wie im Straßenverkehr – ein unverzichtbarer Sicherheitsfaktor, der Risiken mindert und Stabilität schafft?

In den nächsten Minuten gehe ich mit Ihnen dieser Frage auf den Grund und beleuchte dabei drei Aspekte: Erstens, warum Regulierung nicht nur notwendig ist, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Zweitens, worin die Wettbewerbsunterschiede zwischen europäischen und US-amerikanischen Banken liegen. Und drittens, warum die Stärkung der europäischen Kapitalmärkte der Schlüssel zu einer wettbewerbsfähigeren und wohlhabenderen EU – und damit auch einem produktiveren und profitableren europäischen Bankensystem – ist.

2 Die Rolle der Regulierung und ihre Bedeutung für die Finanzstabilität

Die Finanzkrise 2008 zeigte die verheerenden Folgen unzureichender Regulierung: Erschüttertes Vertrauen ins Finanzsystem, massive wirtschaftliche Schäden, Arbeitsplatz- und Ersparnisverluste sowie Zweifel an der Fairness des Wirtschaftssystems durch milliardenschwere Bankenrettungen. Die anschließende Reform der Bankenregulierung war notwendig und erfolgreich: Sie stärkte die Stabilität, reduzierte Risiken für Steuerzahlende und sicherte eine verlässlichere Kreditvergabe. Europäische Großbanken sind heute widerstandsfähiger denn je. In diesem Umfeld gibt es jetzt Forderungen nach einer Lockerung der Regulierung. 

Meine Damen und Herren, kennen Sie den Grüneburgweg hier im Frankfurter Westend? Auf 1.100 Metern Straße finden Sie dort 566 Verkehrszeichen: Alle zwei Meter ein Verkehrsschild ist selbst für deutsche Verhältnisse bemerkenswert. Wahrscheinlich wurde Schild um Schild aufgestellt, ohne den Blick für das Ganze zu wahren.

Aber genau darauf kommt es an. Und deshalb ist es auch in der Finanzmarktregulierung wichtig, Regulierung regelmäßig zu überprüfen. Wir sehen auch die Bürokratie, die damit einhergeht und wollen verschlanken und vereinfachen, wo die Regulierung unnötig komplex ist.

BaFin und Bundesbank treiben eine solche Vereinfachung aktiv voran, ganz aktuell durch Vorschläge zur Einführung eines EU-Kleinbankenregimes oder zur Überarbeitung der Kapitalpufferordnung. Ein Stoppschild ist uns dabei wichtig: Keinesfalls darf damit eine materielle Aufweichung der Regulierung, also Deregulierung, einhergehen.

Forderungen nach einer dauerhaften Verlängerung von Basel-III-Übergangsregelungen und weiteren Kapitalentlastungen bewerten wir daher kritisch. Das käme dem Aufheben von Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts gleich. Solche Maßnahmen lösen strukturelle Wettbewerbsprobleme des Bankensektors nicht, gefährden Finanzstabilitätsziele und könnten einen internationalen Deregulierungswettbewerb befördern[2] – wie jüngste Signale aus den USA zeigen. 

Im Gegenteil: In einer Zeit, in der langjährige Gewissheiten ihre Gültigkeit verlieren, ist Resilienz nützlicher denn je.

3 Wettbewerbsunterschiede zwischen EU- und US-Banken

Was meinen wir nun, wenn wir von Wettbewerb sprechen? Wettbewerb findet zwischen einzelnen Banken statt, die in spezifischen Märkten tätig sind – nicht zwischen gesamten Systemen. Dennoch profitieren alle Banken von gleichen Wettbewerbsbedingungen über die Märkte hinweg. Daher legt das Baseler Rahmenwerk Mindeststandards fest und den Grundstein für Vergleichbarkeit. Diese Vergleichbarkeit an sich ist bereits von großem Wert – ein Gegenbeispiel wären Bilanzierungsregelungen, IFRS versus US-GAAP; Details erspare ich uns allen an dieser Stelle.

Frau Prof. Dr. Claudia Buch, Vorsitzende des Supervisory Boards, hat es im Februar[3] ganz treffend auf den Punkt gebracht: Wettbewerbsfähigkeit beginnt auf der Ebene der einzelnen Bank. 

Wie effizient, produktiv und wettbewerbsfähig Banken sind, hängt von der Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells, ihrer Governance und ihrer Risikokontrollen ab. Aufsichtsbehörden konzentrieren sich genau darauf, wenn sie die Sicherheit und Solidität der Banken überwachen. In diesem Sinne gehen die Widerstandsfähigkeit der Banken und ihre Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand.

Aber wie stehen europäische Banken im Wettbewerb zueinander und über europäische Grenzen hinweg? Der grenzüberschreitende Wettbewerb ist sehr beschränkt. Rund 80 Prozent der Kreditportfolios europäischer Banken sind auf nationaler Ebene investiert.[4]

Zudem unterscheidet sich die Wettbewerbsintensität in den EU-Ländern erheblich: In einigen Mitgliedstaaten dominieren wenige große Banken den Markt, während andere Märkte weniger konzentriert sind. 

Nicht zuletzt daraus resultieren die Unterschiede in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Banken. Während große europäische Banken im Investmentbanking und auf den Kapitalmärkten international agieren, bleibt der Wettbewerb im Kerngeschäft – der Kreditvergabe an Haushalte und kleine Unternehmen – oft auf die nationale Ebene beschränkt. 

Daher lohnt sich der Vergleich zwischen den größten Instituten, die auch international agieren. Hier sehen wir aus europäischer Sicht eine positive Entwicklung. Im Jahr 2025 stieg der kumulierte Nettogewinn der zehn größten europäischen Banken um 8 Prozent auf rund 92 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu verzeichneten die US-amerikanischen Top-Institute einen Rückgang um 9 Prozent – wenngleich sie mit knapp 164 Milliarden Euro, wie bereits in der gesamten vergangenen Dekade, in absoluten Zahlen höhere Nettogewinne erzielten.

Auch bei der Profitabilität gemessen an der Eigenkapitalrendite (RoE) konnten europäische Großbanken aufholen. Mit 9,8 Prozent erreichten sie den zweithöchsten Wert der vergangenen 12 Jahre. Dennoch liegen die amerikanischen Banken weiterhin vorn, auch wenn ihr RoE von 12,1 Prozent im Vorjahr auf 11,6 Prozent sank. In den vergangenen zehn Jahren war der RoE der US-Banken stets höher als der ihrer europäischen Wettbewerber.[5]

Bankenvertreter haben die Vermutung geäußert, dass die im Durchschnitt niedrigere Profitabilität der europäischen Großbanken auf vergleichsweise schärfere Regulierung, also schärfere Umsetzung der Basel-Standards, zurückzuführen sei. Betrachten wir dazu die Auswirkungen einer hypothetischen Anwendung eines reinen Basel III-Rahmenwerks, ganz ohne individuelle Abweichungen bei der Umsetzung.

Dies zeigt der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht in seinen Auswirkungsstudien: Die derzeitige US-Regulierung führt zu höheren Mindestkapitalanforderungen und ist somit strenger als das reine Basel III-Rahmenwerk – nicht zuletzt wegen des Collins-Floors. Für deutsche Banken sind die berechneten Mindestkapitalanforderungen unter Baseler Rahmenwerk jedoch höher als unter nationaler Regulierung. Das liegt beispielsweise an der weit verbreiteten Nutzung interner Risikomodelle zur RWA-Berechnung und an europäischen Besonderheiten wie dem SME-Supporting Factor. Demnach ist die heimische Regulierung sogar weniger streng als das reine Baseler Rahmenwerk. 

Mit Blick auf G-SIBs, global systemrelevante Banken, bestätigt das auch die EZB. Europäische G-SIBs müssten unter Anwendung des US-Regelwerks wesentlich mehr Kapital vorhalten – auch nach Auslaufen aller in der CRR III enthaltenden Übergangsregelungen und der geplanten Abschwächung des Basel III-Endgames.[6]

Von einer regulatorischen Benachteiligung der europäischen Banken kann man also nicht sprechen – eher im Gegenteil. Wie passt das mit der höheren Profitabilität der US-Banken zusammen? Analysen von Bundesbank-Ökonomen zeigen, dass höhere Kapitalanforderungen die Profitabilität von Banken gar nicht negativ beeinflussen. Höhere Anforderungen haben entweder keinen signifikanten Einfluss oder können sogar positiv wirken.[7] Deshalb ist es auch kein Widerspruch, wenn US-Banken womöglich strenger reguliert und trotzdem profitabler sind. 

Aber lassen Sie uns trotzdem einen Blick darauf werfen, was passieren könnte, wenn sich die US-Regulierung den Anforderungen der EU im Rahmen der Basel-III-Finalisierung annähert. Zwar könnte eine Absenkung der Anforderungen in den USA tatsächlich zusätzliches Kapital freisetzen – sei es für Investitionen oder Ausschüttungen –, aber es entsteht nicht zwingend ein Wettbewerbsvorteil.

Geringere Kapitalanforderungen in den USA könnten es den dortigen Banken erleichtern, verstärkt in zukunftsweisende Technologien wie IT und Künstliche Intelligenz (KI) zu investieren. Solche Investitionen können Skaleneffekte erzeugen, die nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der US-Banken stärken, sondern auch gezielt für einen Markteintritt in die EU genutzt werden könnten. Dies würde den Wettbewerb in Europa weiter intensivieren und könnte europäische Banken zusätzlich unter Druck setzen, ihre Effizienz und Innovationskraft zu steigern. 

Doch erinnern wir uns: Bislang haben europäische Großbanken tendenziell die niedrigeren Anforderungen. Sie hatten und haben also jede Gelegenheit, die eben beschriebenen zukunftsweisenden Investitionen zu tätigen. Die Regulierung war hier bislang kein Hemmschuh, und das wird sie auch zukünftig nicht sein. Das zeigt schon das vorhandene Überschusskapital in europäischen Banken. Allein deutsche Banken verfügten im vierten Quartal 2025 über ein Überschusskapital von rund 184 Milliarden Euro. Dieses Kapital sollte gezielt genutzt werden – sei es für Investitionen, die die Kosten senken – Stichwort Cost-Income-Ratio – oder für Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken. 

Ein verstärkter Markteintritt von US-Instituten in die EU sollte nicht als Problem betrachtet werden – weder aus marktwirtschaftlicher noch aus regulatorischer Sicht. Diese Banken unterliegen in der EU denselben regulatorischen Anforderungen wie alle anderen Institute. Sie können ihre niedrigeren Kapitalkosten und ihre höhere Effizienz, die sie sich durch den tiefen US-Kapitalmarkt und gezielte Investitionen erarbeitet haben, hier gewinnbringend einsetzen. Dies ist ein natürlicher und gewollter Effekt einer freien Marktwirtschaft.

Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass der Markteintritt für US-Banken in die EU keineswegs einfach ist. Aufgrund des fragmentierten europäischen Bankenmarktes und der Vielzahl nationaler Vorschriften können auch US-Banken in Europa nur schwierig Skaleneffekte nutzen. Häufig müssen sie für jedes Land eigene Produkte und Strategien entwickeln. Dies ist eine Herausforderung, die auch europäische Banken kennen. Große europäische Institute verfolgen zwar Strategien außerhalb ihres Heimatlandes, doch ein klarer gesamteuropäischer Ansatz ist bislang nicht etabliert. Diese strukturellen Hürden betreffen also nicht nur europäische, sondern auch international tätige US-Banken.

Um es klar zu sagen: Aktuell treten US-Banken auf dem europäischen Markt preislich nicht besonders aggressiv auf. Das zeigen Bundesbank-Untersuchungen. Analysen auf Basis von AnaCredit-Daten zeigen sogar eine durchschnittlich höhere Verzinsung bei von US-Banken vergebenen, in Euro denominierten „klassischen“ Krediten. 

Selbst bei klassischen USD-Krediten gibt es keine Anzeichen für eine allgemein aggressivere Konditionenpolitik – lediglich bei USD-Konsortialkrediten verzinsen US-Banken etwas geringer als deutsche Institute. Allerdings liegen die günstigsten Konditionen hier bei anderen SSM-Banken.

Kapitalanforderungen sind in erster Linie als Mindestanforderungen für wirtschaftliche Abschwungphasen konzipiert. Sie sind daher nicht der richtige Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, und wirken wie beschrieben auch nicht nachhaltig auf die Profitabilität. Stattdessen sollten wir uns auf andere Maßnahmen konzentrieren, die die strukturellen und operativen Stärken unserer Banken fördern.

Aber natürlich gilt: Sobald das neue Basel-III-Endgame Re-Proposal vorliegt, wird es entscheidend sein, die Fakten genau zu prüfen. Ein Level Playing Field ist im Sinne aller Beteiligten, und diese Haltung bringen wir allen Akteuren gegenüber auch klar zum Ausdruck.

4 Die Rolle der Kapitalmärkte und der Weg nach vorne

Es bleibt die Frage: Warum sind große US-Banken im Durchschnitt insgesamt profitabler als ihre europäischen Pendants? Die Antwort ist vielschichtig – heute möchte ich mich auf die strukturellen Unterschiede zwischen den Kapitalmärkten fokussieren.

Die Kapitalmärkte in den USA sind deutlich größer und tiefer als in Europa. Wir sprechen hier erstens von einem mehr als doppelt so großen Marktvolumen. Hierbei ist insbesondere Risikokapital ein Schlüssel für Innovation und Wachstum mit positiven Effekten für die gesamte Gesellschaft.[8][9][10] Während in den USA zwischen 2013 und 2023 rund 924 Milliarden Euro investiert wurden, liegt Europa weit zurück. Risikokapital ermöglicht die Finanzierung von Start-ups und jungen Unternehmen, die oft keinen Zugang zu klassischen Bankkrediten haben. Insbesondere bei der Begleitung von späteren Börsengängen der innovativen Unternehmen profitieren US-Banken durch Gebühren und Provisionen. Ein besserer Zugang zu Risikokapital würde Europas Innovationskraft und Wachstumspotenzial erheblich stärken.

Doch Europas Kapitalmärkte sind fragmentiert – durch Unterschiede in Regulierung, Insolvenzrecht und Steuerpolitik. Diese Fragmentierung behindert Innovation und Produktivität. Deregulierung allein ist keine Lösung, da sie strukturelle Wettbewerbsunterschiede nicht behebt und die Finanzstabilität gefährden könnte.

Was Europa braucht, sind integrierte, effiziente Kapitalmärkte. Die Spar- und Investitionsunion (SIU) ist ein entscheidender Schritt, um Kapital zu mobilisieren, Innovation zu fördern und die Resilienz Europas zu stärken. Dazu gehört auch die Vollendung der Bankenunion mit einem verbesserten Krisenmanagement und einer glaubwürdigen Einlagensicherung – dafür muss jedoch der Staaten-Banken-Nexus wirksam durchtrennt sein.

Die Umsetzung der SIU ist essenziell für Europas Wohlstand und Souveränität. Die laufende Konsultation der EU-Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors bietet eine Chance, die Fragmentierung zu überwinden und die Weichen für einen wettbewerbsfähigen und stabilen Finanzsektor zu stellen. Nutzen wir dieses Momentum!

5 Fazit

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Abschluss noch einmal auf das Bild des Straßenverkehrs zurückkommen. Die Sicherheitsvorkehrungen – wie Airbags, Sicherheitsgurte und Mindestabstände – sind nicht dazu da, den Verkehr zu behindern, sondern dazu, die Fahrerinnen und Fahrer zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sicher und effizient ans Ziel zu kommen. 

Genauso erhöht eine kluge Regulierung die Sicherheit von Banken, indem Risiken angemessen begrenzt werden. Innovationen können vorangetrieben und die Wirtschaft unterstützt werden, wenn wir über gut funktionierende Kapitalmärkte und gut aufgestellte Banken verfügen.

Die wahre Herausforderung für Europa liegt nicht in der Strenge der Regulierung, sondern in der Fragmentierung und Ineffizienz seiner Kapitalmärkte. Ja, wo der Schilderwald der europäischen Bankenregulierung zu dicht geworden ist, wollen wir ihn lichten. Das treiben wir in der Bundesbank aktiv und mit Nachdruck voran – Nikolas Speer von der BaFin wird dazu später noch etwas mehr ins Detail gehen. Aber wir werden auf keinen Fall Sicherheitsvorkehrungen leichtsinnig abschaffen. Entscheidend ist, dass wir ein neues, gut ausgebautes europäisches Verkehrsnetz schaffen, in dem Kapital möglichst frei fließen kann und Banken ihre Stärken voll ausspielen können. 

Wir wollen diese Herausforderung gemeinsam angehen und die notwendigen Reformen umsetzen, um Europa zu einem Ort zu machen, an dem Banken, Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen prosperieren können.

Vielen Dank.

Fußnoten:

  1. Verkehrsunfälle und Verunglückte im Zeitvergleich (ab 1950) – Statistisches Bundesamt

  2. Buchholz, M., Loeffler, A. and Sigel, P. (2025), “Do capital requirements and their international differences affect banks‘ profitability?

  3. Buch, C. (2026): Banks and competitiveness: promoting competition, protecting resilience

  4.  MFI lending to the private sector

  5. Europas Banken wachsen dynamischer als ihre US-Pendants | EY – Deutschland

  6. Enria, A. (2023): Banking supervision beyond capital

  7. Buchholz, M., Loeffler, A. and Sigel, P. (2025), “Do capital requirements and their international differences affect banks‘ profitability?

  8. Greenwood, J., Han, P., & Sánchez, J. M. (2022). Venture capital: A catalyst for innovation and growth. Federal Reserve Bank of St. Louis Review, 104(2), 120–130. https://doi.org/10.20955/r.104.120–30

  9. Akcigit, U., Dinlersoz, E., Greenwood, J., & Penciakova, V. (2022). Synergizing ventures. Journal of Economic Dynamics and Control, 143, 104560 https://doi.org/10.1016/j.jedc.2022.104560

  10.  Jones, C. I. (2005). Growth and ideas. In P. Aghion & S. N. Durlauf (Eds.), Handbook of economic growth (Vol. 1, pp. 1063–1111). Elsevier. https://doi.org/10.1016/S1574–0684(05)01016–6