Zentralbankwesen in Zeiten geoökonomischer Fragmentierung und globaler Unsicherheit Rede bei den 157. Baden-Badener Unternehmer Gesprächen
Es gilt das gesprochene Wort.
1 Einleitung
Meine Damen und Herren,
diesen Monat ist es 250 Jahre her, seit „Der Wohlstand der Nationen“ veröffentlicht wurde. Das bahnbrechende Werk von Adam Smith unterstreicht die Bedeutung der Arbeitsteilung für eine Steigerung der Produktivität.
Er gibt darin das bekannte Beispiel einer Stecknadelfabrik, in der zehn Personen durch Spezialisierung auf unterschiedliche Aufgaben 48 000 Stecknadeln pro Tag herstellen konnten. Für sich allein hätte jeder Arbeiter, wenn überhaupt, nur einige wenige Stecknadeln pro Tag produzieren können.
Smith war ein Befürworter der Arbeitsteilung, sowohl zwischen einzelnen Personen als auch zwischen Nationen. Die Idee, dass alle am Produktionsprozess beteiligten Länder durch Spezialisierung und Handel gewinnen, hat sich als ausgesprochen erfolgreich erwiesen.
Im Jahr 1817 entwickelte David Ricardo seine Theorie des „komparativen Kostenvorteils“, ein Konzept, das er dem „absoluten Kostenvorteil“ gegenüberstellte.
Ein absoluter Kostenvorteil bedeutet, dass ein Land eine Ware mit weniger Ressourcen oder zu geringeren Kosten herstellen kann als ein anderes Land. Ein komparativer Kostenvorteil bedeutet, dass es zur Herstellung dieser Ware in geringerem Maße auf die Herstellung anderer Waren verzichten muss. Entscheidend sind also die Opportunitätskosten und nicht die absoluten Kosten.
Ricardo war der Ansicht, dass sich Länder auf die Produktion von Gütern spezialisieren sollten, die sie zu niedrigeren relativen Kosten herstellen können – und mit anderen Ländern Handel treiben sollten.
Er veranschaulichte dies am Beispiel von Wein und Tuch in England und Portugal: Angenommen, Portugal produziere sowohl Wein als auch Tuch effizienter als England. Weiter sei angenommen, dass Portugals Effizienzvorteil bei der Weinproduktion größer sei. Dann würden beide Länder einen größeren Vorteil erzielen, wenn sich Portugal auf die Weinproduktion und England auf die Tuchproduktion spezialisieren würde.
Durch Konzentration auf ihre jeweiligen Stärken könnten sie effizienter produzieren. Sie müssten dabei nicht die effizientesten Produzenten dieser Waren sein. Und selbst wenn ein Land alle Waren effizienter zu produzieren vermöge, könne der Handel mit einem anderen Land für alle Beteiligten von Nutzen sein.
Machen wir nun einen Sprung in die 1990er-Jahre.
Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation beteiligten sich deutlich mehr Länder am internationalen Handel. Vor allem Schwellenländer spielten eine zunehmend wichtige Rolle bei der internationalen Arbeitsteilung.
Dieser starke Globalisierungsprozess hat den weltweiten Wettbewerb erhöht und den Verbraucherinnen und Verbrauchern in den Industrieländern Zugang zu günstigeren Waren und einer größeren Produktvielfalt verschafft.
Doch wo stehen wir heute, in Zeiten geopolitischer Konflikte? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir über geoökonomische Fragmentierung und Unsicherheit sprechen.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem neuen globalen Umfeld? Ich möchte mich hier auf die Auswirkungen auf Wirtschaft, Inflation, Finanzstabilität und Geldpolitik konzentrieren. Abschließend werde ich erörtern, wie Europa den aktuellen Herausforderungen begegnen kann und warum wir europäisches digitales Zentralbankgeld benötigen.
2 Geoökonomische Fragmentierung und weltweite Unsicherheit
Der Internationale Währungsfonds hat die Definition für geoökonomische Fragmentierung weit gefasst, nämlich als eine politisch gesteuerte Umkehr von Integration, die häufig von strategischen Erwägungen geleitet ist.[1]
In der Regel ist es nicht sinnvoll, auf die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung zu verzichten. Derartige Maßnahmen verringern den weltweiten Wohlstand.
Die Covid-19-Pandemie, ein stärkerer politischer Einfluss auf die chinesische Wirtschaft und Russlands Krieg in der Ukraine haben jedoch gezeigt, dass es wichtig ist, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren.
Dabei gilt der alte Grundsatz: „Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen.“ Diversifizierung verringert Risiken, und das gilt auch für Lieferanten. Eine Verlagerung ins Inland, in näher gelegene Länder oder in befreundete Staaten könnte sich daher bei der Neuausrichtung von Lieferketten als sinnvoll erweisen.[2]
Meine Damen und Herren,
Sie kennen derartige Überlegungen vermutlich aus Ihren eigenen Unternehmen: Wie lassen sich Lieferketten robust gestalten, ohne dabei in größerem Umfang auf Effizienzsteigerungen verzichten zu müssen?
Seit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung hat sich das globale Umfeld erneut deutlich verändert. Geoökonomische Erwägungen sowie protektionistische Maßnahmen spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Die weltweite Handelsordnung ist durch die grundlegende Veränderung der US-Handelspolitik erschüttert worden.
Darunter leidet die internationale Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund sind die geoökonomischen Risiken und die Unsicherheit ausgesprochen hoch.[3]
Angesichts der weltweit schwierigen Lage möchte ich nun darauf eingehen, wie die Bundesbank die wirtschaftliche Situation in Deutschland einschätzt.
3 Wirtschaft, Inflation und Finanzstabilität
Wir rechnen mit einem kalenderbereinigten Wachstum der deutschen Wirtschaft von etwa 0,6 Prozent in diesem Jahr und einem noch stärkeren Wachstum von 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Ohne Kalenderbereinigung fallen die Wachstumsraten aufgrund der größeren Zahl an Arbeitstagen etwas höher aus und liegen bei 0,9 Prozent für 2026 sowie 1,4 Prozent für 2027.
Das sind positive Nachrichten, auch wenn diese Wachstumsraten deutlich unter denen von vor zehn Jahren liegen: In den Jahren 2016 und 2017 war das Bruttoinlandsprodukt noch um 2,2 Prozent beziehungsweise 2,7 Prozent gewachsen.
Die Erholung wird vor allem durch zusätzliche staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur getragen. Diese dürften bis 2028 rund 1,3 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitragen.
Auch die private Nachfrage dürfte allmählich an Fahrt gewinnen. Die Wirtschaft im Euroraum hat sich im vergangenen Jahr trotz der Aufwertung des Euro widerstandsfähiger gezeigt als erwartet.
Im Dezember haben die Fachleute des Eurosystems ihre Projektionen leicht nach oben angepasst. Für dieses Jahr wird im Euroraum ein Wachstum von 1,2 Prozent und für 2027 von 1,4 Prozent erwartet (jeweils kalenderbereinigt).
Die Inflationsentwicklung ist günstig. Sie steht weiterhin im Einklang mit unserem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent. Den Dezember-Projektionen für den Euroraum zufolge wird es in diesem und im kommenden Jahr vorübergehend zu einer leichten Unterschreitung der 2-Prozent-Marke kommen.
Für 2028 erwarten die Fachleute des Eurosystems eine Inflationsrate von genau 2 Prozent. Dieser Ausblick ist jedoch mit erheblicher Unsicherheit behaftet.
Wie zur Bestätigung erklärte denn auch vor zehn Tagen der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten den Großteil der vom US-Präsidenten verhängten Zölle für unzulässig. Zudem haben handelspolitische Konflikte und anhaltende geopolitische Spannungen die Risiken für die Finanzstabilität erhöht.
In Deutschland belasten daneben auch strukturelle Herausforderungen die Wirtschaft. Dadurch könnte die Finanzstabilität beeinträchtigt werden. Die Risiken aus dem Kreditgeschäft deutscher Banken nehmen zu. Obwohl die Kapitalausstattung der Banken insgesamt solide ist, sollte ihre Widerstandsfähigkeit im aktuellen Umfeld nicht überschätzt werden.
Die Diskussionen um Grönland im Januar in Davos haben uns das Eskalationspotenzial vor Augen geführt. Hohe Bewertungen, niedrige Risikoprämien und mögliche Verstärkungseffekte machen die internationalen Finanzmärkte besonders anfällig für Rückschläge. Zunehmende geopolitische Spannungen und fiskalische Anfälligkeiten in einigen Ländern könnten das Vertrauen der Marktteilnehmer abrupt einbrechen lassen.
Im Hinblick auf die Wechselkursentwicklung sind Zweifel am Status des US-Dollar als „sicherer Hafen“ gewachsen. Vorerst dürfte die Schwäche des Dollar anhalten, da davon auszugehen ist, dass der Vertrauensverlust internationaler Investoren fortbesteht.
Die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar (und anderen Währungen) seit März vergangenen Jahres ist sowohl für die Wachstums- als auch für die Inflationsentwicklung im Euroraum von Bedeutung. Dies wiederum ist relevant für unsere Geldpolitik, um die es im nächsten Punkt meiner Rede gehen soll.
4 Auswirkungen auf die Geldpolitik
Die Inflation im Euroraum zeigt ein insgesamt günstiges Bild, wie ich bereits erwähnt habe.
In der Geldpolitik hat sich unser flexibler, datenbasierter Ansatz bewährt. Das heißt, wir entscheiden von Sitzung zu Sitzung auf Grundlage neuer Daten, ohne uns im Voraus auf einen bestimmten Kurs festzulegen.
Mit dem derzeitigen Leitzinsniveau sind wir gut aufgestellt. Gleichzeitig sind wir bereit, unseren geldpolitischen Kurs in jede Richtung anzupassen, falls dies erforderlich wird.
Es war richtig, uns diese Handlungsspielräume offenzuhalten. Das ist – und bleibt – der angemessene Kurs, gerade angesichts der weiterhin großen Unsicherheit. Vor allem das handelspolitische Umfeld ist seit dem Amtsantritt von Präsident Trump sehr volatil.
Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA länderspezifische Zölle für unzulässig erklärt hat, hat Präsident Trump die Zölle für alle Länder weltweit um 10 Prozentpunkte angehoben. Im Vergleich zur vorherigen Situation wird der effektive US-Zollsatz für Deutschland um etwa 4 Prozentpunkte sinken.
Die Auswirkungen dieses veränderten Zollregimes auf Wachstum und Inflation dürften begrenzt bleiben. Doch noch ist unklar, ob diese Zölle nach 150 Tagen weiter Bestand haben werden und wenn ja, wie hoch sie sein werden. Neben den Risiken im Zusammenhang mit Zöllen haben auch die geopolitischen Risiken zugenommen.
Unsere geldpolitische Strategie ermöglicht es uns, mit einem solchen unsicheren Umfeld umzugehen.
5 Wie soll Europa den aktuellen Herausforderungen begegnen?
Insgesamt stellt sich eine zentrale Frage: Wie kann Europa sich in dieser veränderten Welt behaupten?
Wir sollten unsere Werte verteidigen.
Zum Beispiel sollten wir an den Grundsätzen von Adam Smith und David Ricardo festhalten, indem wir so gut wie möglich einen regelbasierten internationalen Handel aufrechterhalten. Die jüngsten Abkommen zwischen der Europäischen Union und Mercosur sowie zwischen der Europäischen Union und Indien sind absolut begrüßenswert. Auch begrüße ich, dass das Mercosur-Abkommen bereits vorläufig angewendet werden soll.
Vor allem aber ist es an der Zeit, dass Europa insbesondere im Hinblick auf seine Verteidigungsfähigkeiten und kritischen Industrien unabhängiger wird.
Nehmen wir etwa die Satellitentechnologie: Derzeit gibt es keinen europäischen Satelliten-Internetdienst, der in Umfang und Leistungsfähigkeit mit Starlink vergleichbar wäre.
Das EU-Projekt IRIS2 (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) soll bis 2030 einsatzbereit sein.
Im Bereich der Navigation verfügt Europa mit Galileo über ein eigenes globales Satellitennavigationssystem. Es ist eine gleichwertige oder sogar bessere Alternative zu GPS (Global Positioning System), das sich im Eigentum der US-Regierung befindet. Dennoch spielt GPS in der NATO-Verteidigung weiterhin eine dominierende Rolle, auch wenn die EU Galileo zunehmend integriert.
Mit der Copernicus-Komponente des Raumfahrtprogramms der Europäischen Union verfügt Europa bereits über ausgeprägte Erdbeobachtungskapazitäten. Es wurden also sichtbare Fortschritte erzielt, doch um europäische Abhängigkeiten in der Satellitentechnologie zu verringern, sind dringend weitere Schritte erforderlich.
Um wirtschaftliche Stärke und Souveränität zu erreichen, muss Europa enger zusammenrücken.
Mit Blick auf den Binnenmarkt bestehen weiterhin erhebliche Hindernisse. Einer EZB-Studie zufolge könnten die Hemmnisse im Handel innerhalb der EU einem Zolläquivalent von bis zu 67 Prozent bei Waren und 95 Prozent bei Dienstleistungen entsprechen.[4]
Mit Zolläquivalent sind die höheren Kosten gemeint, die beim Handel mit anderen EU-Ländern im Vergleich zum Handel im eigenen Land entstehen. Die Autorinnen und Autoren der Studie verstehen diese Prozentsätze als obere Grenze für Handelshemmnisse, die durch politische Maßnahmen verringert werden können.
Diese Studie ist eine von mehreren, die ganz deutlich zeigen, dass eine stärkere Integration des Binnenmarkts dringend notwendig ist, um sein Potenzial auszuschöpfen. Das gilt nicht nur für Waren und Dienstleistungen, sondern auch für den europäischen Finanzmarkt.
Positiv ist, dass nicht nur das Problem bekannt ist, sondern auch die Lösung. Die Spar- und Investitionsunion muss verwirklicht werden. Ihr Hauptziel besteht darin, europäische Ersparnisse besser mit Unternehmensinvestitionen in der EU zusammenzuführen.
Dies verspricht höhere Erträge für Haushalte sowie ein größeres und vielfältigeres Kapitalangebot für Unternehmen. Insbesondere junge, innovative, kleine und wachsende Unternehmen würden dadurch besseren Zugang zu Wagniskapital, Eigenkapital und marktbasierten Fremdfinanzierungen erhalten.
Die Spar- und Investitionsunion würde somit die Produktivität, das Wachstum und die Autonomie Europas im Hinblick auf Finanzierungsquellen stärken.
6 Die Notwendigkeit von europäischem digitalem Zentralbankgeld
Meine Damen und Herren,
mein letzter Punkt betrifft den Zahlungsverkehr.
Auch hier sollte Europa unabhängiger werden.
Die Einführung von digitalem Zentralbankgeld (CBDC) könnte die finanzielle Integration voranbringen. Derzeit ist Bargeld das einzige echte europäische Zahlungsmittel, das im gesamten Währungsraum zugänglich und akzeptiert ist.
Im Zentrum unserer digitalen Zahlungssysteme stehen nicht-europäische Anbieter. Große US-Unternehmen dominieren den Markt. Aktuell gibt es nur noch fünf nationale Kartensysteme. Überall sonst im Euroraum hängen die Zahlungssysteme von Visa oder Mastercard ab.
Diese Abhängigkeit ist mit nicht unerheblichen Kosten für uns verbunden – etwa durch hohe Händlergebühren und den Abfluss sensibler Zahlungsdaten. Zugleich kann sie als politisches Druckmittel eingesetzt werden und verringert den Handlungsspielraum Europas.
Digitale Zahlungsdienste sind nicht nur „nice to have“, sie sind keine bloße Zusatzoption, sondern grundlegende Infrastruktur, vergleichbar mit Gas und Trinkwasser. Eine digitale europäische Zahlungslösung ist daher dringend notwendig.
Als digitales Gegenstück zum Bargeld wäre der digitale Euro von allen Bürgerinnen und Bürgern für elektronische Zahlungen im Geschäft, online oder zwischen Privatpersonen kostenfrei nutzbar.
Ein Zwei-Säulen-Ansatz erscheint sinnvoll: der digitale Euro als grundlegendes öffentliches Angebot im europäischen Zahlungsverkehr sowie innovative private Lösungen, die seine Infrastruktur nutzen und gegen Entgelt angeboten werden können.
Die Einführung des digitalen Euro sollte Marktteilnehmer nicht übermäßig belasten oder private Lösungen verdrängen. Aus meiner Sicht ist die wechselseitige Ergänzung von öffentlichem und privatem Geld der geeignete Weg, um die Widerstandsfähigkeit Europas zu stärken.
Ich hoffe, dass das Gesetzgebungsverfahren auf europäischer Ebene im Jahr 2026 abgeschlossen wird, sodass der digitale Euro bis 2029 eingeführt werden kann.
Neben der Retail-Variante – dem digitalen Euro – arbeitet das Eurosystem auch an einer Wholesale-Variante von digitalem Zentralbankgeld. Damit sollen auf der Grundlage neuer Technologien Großbetragszahlungen von kritischer Relevanz zwischen Finanzinstituten in Zentralbankgeld abgewickelt werden können.
Das Interesse der Finanzmarktteilnehmer daran ist sehr groß. Das Eurosystem hat daher angekündigt, bis Ende 2026 eine Pilotlösung bereitzustellen.[5] Dadurch sollen DLT-Plattformen an unsere TARGET-Services angebunden werden können.
Der digitale Euro und die Wholesale-Variante von digitalem Zentralbankgeld sind wichtige Elemente für eine widerstandsfähige und souveräne europäische Zahlungsverkehrslandschaft.
In diesem Zusammenhang sind aktuell auch Stablecoins im Gespräch.[6]
Dabei handelt es sich um Kryptowerte, die einen stabilen Wert gegenüber Währungen wie dem US-Dollar oder dem Euro halten sollen und zu diesem Zweck durch Vermögenswerte wie Staatsanleihen gedeckt sind. Derzeit sind 99 Prozent des Stablecoin-Marktes an den US-Dollar gekoppelt.
Stablecoins spielten bislang eine überschaubare Rolle, ihr Volumen wächst jedoch – auch weil die Regulierung in den USA darauf abzielt, die Dominanz des US-Dollar und die Nachfrage nach US-Staatsanleihen über Stablecoins zu stärken. Eine weite Verbreitung von auf US-Dollar lautenden Stablecoins in Europa könnte unsere Souveränität im Zahlungsverkehr und unsere Finanzstabilität gefährden.
7 Schluss
Meine Damen und Herren,
1776 ist nicht nur das Veröffentlichungsjahr von „Der Wohlstand der Nationen“. In diesem Jahr wurde auch die Watt’sche Dampfmaschine kommerziell eingeführt, die als erste wirklich effiziente Dampfmaschine gilt.[7]
250 Jahre später erleben wir nicht nur eine Gegenbewegung zur internationalen Arbeitsteilung und zu den Vorteilen des internationalen Handels.
Wir erleben auch die KI-Revolution, die ebenso prägend werden könnte wie seinerzeit die Dampfmaschine.
Lassen Sie uns die Erkenntnisse der Vergangenheit und die technologischen Möglichkeiten der Gegenwart nutzen, um im Rahmen unserer Möglichkeiten zu einer prosperierenden Gesellschaft in einem starken Europa beizutragen – ein Europa, das weiterhin die internationale Zusammenarbeit pflegt, zugleich aber in der Lage ist, auf eigenen Füßen zu stehen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Fußnoten:
- Aiyar, S. et al. (2003), Geoeconomic Fragmentation and the Future of Multilateralism, IMF Staff Discussion Notes 2003/001.
- Deutsche Bundesbank, Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern: alte Probleme und neue Herausforderungen, Monatsbericht, Juli 2023, S. 61
- EZB und ESRB, Financial stability risks from geoeconomic fragmentation, gemeinsamer Bericht, Januar 2026, S. 25: „Die Indikatoren der globalen Unsicherheit, insbesondere solche, die handelsbezogene Unsicherheit erfassen, sind stark angestiegen. Ausschlaggebend dafür sind die erheblichen Veränderungen in der US-amerikanischen Außen- und Innenpolitik sowie deren mögliche Auswirkungen auf das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem. […] Die meisten dieser Indikatoren lagen auf oder in der Nähe von Höchstständen, wie sie seit Jahrzehnten nicht verzeichnet wurden.“
- Bernasconi, R. et al., Das noch ungenutzte Potenzial des EU-Binnenmarkts, EZB, Wirtschaftsbericht 8/2025.
- EZB (2025), Die EZB legt sich auf Pläne für zweigleisige Strategie zur Abwicklung von DLT-Transaktionen fest; Deutsche Bundesbank, Digitales Geld: Optionen für Großbetragszahlungen in Zentralbankgeld | Publikationen der Bundesbank, Monatsbericht, September 2025.
- Deutsche Bundesbank (2025), Exkurs im Finanzstabilitätsbericht: Wie sich Stablecoins auf die Finanzstabilität auswirken, Stabilitätslage im deutschen Finanzsystem | Publikationen der Bundesbank.
- Bollmann, R., Wie Adam Smith die Welt verändert hat | FAZ, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4.1.2026; Wikipedia, Watt steam engine.