Einblicke in die deutsche Direktinvestitionsstatistik

Ausländische Direktinvestitionen nach Bundesländern zum Jahresende 2024

Ausländische Direktinvestitionen nach Bundesländer, Stand Ende 2024

Vergleicht man die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland in das direkte inländische Investitionsobjekt (IRSA) und in die erste operative Einheit (URSA) so ergibt sich ein Volumen von insgesamt 1 034 Mrd € gegenüber 739 Mrd €. Der Unterschied zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen ergibt sich unter anderem aus der Tatsache, dass unterschiedliche Bilanzen in die Berechnung des FDI‑Volumens einbezogen werden. Konkret werden entweder die Bilanzen des direkten Investitionsobjekts oder die Bilanzen der ersten operativen Unternehmen nach „Durchschau“ durch Holdinggesellschaften berücksichtigt. Erfasst werden nur erste operative Einheiten, an denen über abhängige Holdinggesellschaften eine Mehrheitsbeteiligung besteht. Somit gehen Unternehmen, in die indirekt mit weniger als 50 % in Summe investiert wird, nicht in die Berechnung mit ein. 

Wenn man nun die Volumina dieser beiden Ansätze im Bundesländervergleich betrachtet, so wird deutlich, dass ein Gros auf die westlichen Bundesländer entfällt. Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg bilden die Top 5 und machen damit bereits 85 % (IRSA) bzw. 81 % (URSA) des Gesamt-Aggregats aus. 

Sofern der Fokus auf der ersten operativen Einheit liegt, zeigt sich ein Rückgang von durchschnittlich 23 % der ausländischen Direktinvestitionen über die meisten Bundesländer. Nur für Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen sind Anstiege in einer Spanne von 1 % bis 37 % zu verzeichnen. Somit erfolgen in den westlichen Bundesländern ausländische Direktinvestitionen tendenziell stärker über inländische Holdinggesellschaften, während in den östlichen Bundesländern ein höheres Anlagevolumen auf die ersten operativen Einheiten entfällt. Aufgrund der geringen absoluten Direktinvestitionsbeträge letzterer wirkt sich dieser Unterschied allerdings nur marginal auf den gesamtdeutschen Differenzbetrag beider Betrachtungsweisen aus.

Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland nach Sitzland der Konzernspitze (Ultimate Investing Economy, UIE) von 2011 bis 2023

Betrachtet man die ausländischen Investitionen in Deutschland nach dem Sitzland des direkten Beteiligungsgebers, stammen diese meist aus den Niederlanden und Luxemburg. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Holdingstandorte, über die Kapital durchgeleitet wird. Die Analyse der Bestände nach Ultimate Investing Economy (UIE) ermöglicht die Zuordnung der Investitionen zum Sitzland der Konzernspitze und damit zu dem Land, in dem die Investitionsentscheidungen letztendlich getroffen werden. Dadurch verschiebt sich die regionale Verteilung der Kapitalgeber teils deutlich und auch Deutschland taucht selbst als Ursprungsland von Investitionen auf. 

Die nachfolgende Darstellung zeigt die Entwicklung der Bestände der jeweils ersten operativen Unternehmen im Inland nach UIE sowie korrespondierende Wachstumsraten. Für beides zusammen liegen seit 2011 entsprechende Daten vor. In diesem Zeitraum stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland gemäß UIE um 80 % von ca. 400 Mrd € auf über 700 Mrd €. Ursächlich hierfür waren Neuinvestitionen, reinvestierte Gewinne, Marktpreiseffekte und Kredite. 

Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland nach Sitzland der Konzernspitze (UIE)

Die einzelnen Länder und Regionen trugen unterschiedlich stark zum Wachstum bei. Besonders dynamisch entwickelten sich die Direktinvestitionen von Unternehmen mit chinesischer Konzernspitze: In den ersten sieben Jahren des Betrachtungszeitraums lag das jährliche Wachstum bei etwa 25–55 %, bevor es sich ab 2018 deutlich verlangsamte. 

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen war das Ausgangsniveau im Jahr 2011 mit rund 1 Mrd € vergleichsweise niedrig, sodass zusätzliche Investitionsbeträge hohe Wachstumsraten erzeugten. Bis Ende 2017 hatten die chinesischen Investitionsbestände in Deutschland bereits knapp 7 Mrd € erreicht. Zum anderen investiert China seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts verstärkt in ausländische Schlüsseltechnologien und versucht, sich auf diese Weise den Zugriff auf Zukunftsmärkte zu sichern.

Bis Ende des Beobachtungszeitraums stiegen die Bestände von Unternehmen mit chinesischer Konzernspitze auf rund 9 Mrd €. Betrachtet man den Anteil der chinesischen Investitionen am Gesamtbestand, summierten sich die Bestände chinesischer Konzernspitzen Ende 2023 trotz einer nahezu Verzehnfachung seit 2011 auf gerade 1 % der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland.

Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland nach Sitzland der Konzernspitze (UIE)

Anders verhielt es sich mit Investitionen von Unternehmen mit Konzernspitze in der EU und anderen europäischen Ländern. Diese hielten 2011 mit etwa 270 Mrd € über zwei Drittel aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Bis 2023 stiegen die Investitionsbestände aus diesen Ländern um über 80 % für die EU und um über 50 % für andere europäische Länder. Damit fiel das Wachstum deutlich niedriger aus als für Unternehmen mit Konzernspitzen außerhalb Europas (+⁠ 90 %). Entsprechend ging der Anteil Europas an den ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland leicht zurück, blieb mit knapp 65 % und rund 470 Mrd € jedoch weiterhin dominant.

Für den starken Anstieg außereuropäischer Investitionen zeichneten sich vor allem Unternehmen mit Konzernspitze in den USA verantwortlich. Seit 2011 haben diese ihre Investitionen in Deutschland mehr als verdoppelt. 2023 entfielen auf sie rund 160 Mrd €, was knapp einem Viertel aller Direktinvestitionen entspricht und einen leicht höheren Anteil als 2011 (20 %) darstellt. Hingegen ging der Anteil der übrigen Welt von 13 % auf 12 % etwas zurück, was einem Bestand von etwa 90 Mrd € im Jahr 2023 gegenüber den rund 50 Mrd € im Jahr 2011 entspricht.

Deutschlands Direktinvestitionsbestände zum Jahresende 2023

Bestandsangaben über Direktinvestitionen im Jahr 2023
Bestandsangaben über Direktinvestitionen im Jahr 2023
Zum Jahresende 2023 erhöhten sich die unmittelbaren deutschen Direktinvestitionsbestände im Ausland gegenüber Ende 2022 im Saldo nur geringfügig von 1.694 Mrd € auf 1.701 Mrd €. Dabei trug insbesondere die Aufwertung des Euro – verbunden mit entsprechenden negativen Wechselkurseffekten – dämpfend zum geringen Anstieg der Bestände bei. Der größte Anteil der unmittelbaren deutschen Direktinvestitionen im Ausland entfiel wie auch in den Vorjahren auf das Beteiligungskapital mit 1.851 Mrd €. Die Kreditpositionen deutscher Investoren im Ausland reduzierten die Direktinvestitionsbestände im Saldo um 150 Mrd €, da Forderungen in Höhe von 433 Mrd € durch Verbindlichkeiten in Höhe von 583 Mrd € überkompensiert wurden.