Strukturelle Herausforderungen der deutschen Wirtschaft Rede beim 79. Monetären Workshop

Es gilt das gesprochene Wort.

1 Einleitung

Liebe Mitglieder des Monetären Workshops, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich freue mich sehr, heute bei Ihnen sein zu dürfen. Ein Blick auf das Programm zeigt: Sie haben heute bereits intensiv über die Neuausrichtung Deutschlands diskutiert – und das aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. 

Der Titel des Workshops fragt – vermutlich bewusst etwas zugespitzt –, ob das Wohlstandsmodell Deutschland auf der Kippe steht. So weit würde ich derzeit nicht gehen.

Klar ist aber: Die deutsche Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Über diese Herausforderungen und mögliche Antworten darauf möchte ich heute mit Ihnen sprechen.

2 Deutsches Wirtschaftswachstum unter Druck

Bevor wir über Lösungen diskutieren, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ausgangslage. In den vergangenen Jahren war das Wirtschaftswachstum in Deutschland schwach. Bereits gegen Ende der 2010er-Jahre begann der deutsche Wachstumsmotor zu stottern.

Ein wichtiger Grund hierfür war der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf den internationalen Märkten. Das zeigt sich im deutlichen Rückgang der Exportmarktanteile in den vergangenen Jahren.

Nach Schätzungen der Bundesbank ist für rund drei Viertel dieses Rückgangs die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit verantwortlich.[1] Dies gilt in zweierlei Dimensionen: manche Produkte werden relativ teurer, andere überzeugen weniger mit ihren Eigenschaften.

Hinzu kommt, dass viele deutsche Unternehmen auf Produkte spezialisiert sind, für die die weltweite Nachfrage zuletzt schwach war. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Automobilindustrie. Dementsprechend hat der deutsche Exportwarenmix, der jahrzehntelang ein Erfolgsrezept war, in jüngster Zeit ebenfalls zu den sinkenden Marktanteilen beigetragen.

Eine besondere Rolle bei all diesen Entwicklungen dürfte China gespielt haben.[2] So zeigt eine neuere Unternehmensbefragung der Bundesbank, dass insbesondere deutsche Exportunternehmen durch ihre chinesische Konkurrenz unter Wettbewerbsdruck geraten sind.[3]

Hierzu passt, dass Chinas Exportwirtschaft in den vergangenen Jahren weiter Marktanteile gewinnen konnte, getrieben durch eine gestiegene Wettbewerbsfähigkeit. Die deutlichsten Fortschritte bei der Wettbewerbsfähigkeit Chinas sind in der Elektroindustrie, im Automobilsektor und im Maschinenbau zu erkennen. Also Branchen, in denen Deutschland traditionell besonders stark ist. 

Die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen spielt zudem eine Rolle für den deutlichen Rückgang der Exporte nach China. Ebenso relevant dürfte allerdings auch das in den vergangenen Jahren schwache Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft gewesen sein.

Zwischen 2021 und 2025 sind die deutschen Exporte nach China um ein Fünftel gesunken. Besonders stark betroffen waren die deutschen Kraftfahrzeugexporte ins Reich der Mitte. Sie haben sich seit 2021 praktisch halbiert und waren damit allein für mehr als 60 % des Exportrückgangs nach China verantwortlich.

Die Exporte nach China entwickelten sich dabei deutlich anders als die Exporte in andere Absatzmärkte. So waren die Exporte in alle anderen Länder seit 2022 zumindest weitestgehend stabil. 

Die schwache Exportentwicklung ist aber letztlich nur ein Symptom grundlegenderer Probleme. Die deutsche Wirtschaft wächst allgemein nicht mehr so wie früher. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in einem seit Anfang der 2020er-Jahre stark rückläufigen Potenzialwachstum wider.

Zwischen 1999 und 2019 nahm das Potenzialwachstum noch deutlich über 1 % pro Jahr zu. Seit Beginn der Corona-Pandemie fiel es bereits spürbar unter 1 %. Und für die kommenden Jahre gehen unsere Fachleute nur noch von einer jährlichen Potenzialwachstumsrate von rund 0,4 % aus.[4]

Diese Zahl ist ein Warnsignal. Was genau steckt hinter diesem Rückgang, und welche Maßnahmen wären geeignet, das Potenzialwachstum wieder zu stärken? Diesen Fragen möchte ich mich nun ausführlich widmen.

3 Potenzialwachstum stärken

Das Potenzialwachstum lässt sich in drei Faktoren zerlegen: erstens das Wachstum des Arbeitseinsatzes, zweitens das Wachstum des Kapitaleinsatzes und drittens das Wachstum der Produktivität von Arbeits- und Kapitaleinsatz, der sogenannten totalen Faktorproduktivität. In allen drei Bereichen gibt es erhebliches Verbesserungspotenzial.

3.1 Faktor Arbeit

Lassen Sie mich mit dem Faktor Arbeit beginnen. Nach vielen Jahren des – teils kräftigen – Wachstums hat die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland 2025 voraussichtlich ihren Höhepunkt erreicht.[5]

Haupttreiber ist der demografische Wandel. Sie haben es die Tage vielleicht in den Nachrichten gehört: 2025 war das Jahr mit der niedrigsten Zahl an Geburten der Nachkriegszeit. 650.000 Geburten standen 1 Million Sterbefälle gegenüber.[6] Zugleich hat sich die Lebenserwartung deutlich erhöht. 

Infolgedessen steigt bereits seit knapp drei Jahrzehnten das Verhältnis der über 65Jährigen zu den Personen im erwerbsfähigen Alter stetig an. Das ist zwar ein globales Phänomen, in Deutschland ist es aber überdurchschnittlich stark ausgeprägt. 

Das Altern unserer Gesellschaft trägt somit bereits seit geraumer Zeit dazu bei, dass unser Erwerbspersonenpotenzial schrumpft. Zu Beginn der 2010er-Jahre verringerte dies die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter noch um gut 200.000 Personen jährlich. Dieser demografisch bedingte Rückgang ist bis Anfang der 2020er-Jahre auf gut eine halbe Million Personen pro Jahr gestiegen.

Auch für die kommenden Jahre gehen die Fachleute davon aus, dass sich dieser Rückgang so weiter fortsetzt. Und leider sind diese Prognosen recht verlässlich: Denn die hier gebürtigen Berufsanfänger der kommenden Jahre sind heute alle schon geboren – oder eben nicht.

Wie kann es angesichts dieser Entwicklung sein, dass die Zahl der Erwerbspersonen bis zum vergangenen Jahr trotzdem kräftig gewachsen ist? Zwei Faktoren konnten diesen Rückgang mehr als ausgleichen: die Zuwanderung und eine höhere Erwerbsbeteiligung.

Bis 2019 trugen sie beide in etwa gleichem Maße positiv zum Wachstum des Erwerbspersonenpotenzials bei – ab Mitte des vergangenen Jahrzehnts nochmals deutlich stärker als in den Vorjahren. Im Zuge der Corona-Pandemie kam es zu einer kleinen Delle, die ab 2022 insbesondere durch einen starken Zuzug aus der Ukraine wieder ausgeglichen wurde. 

Und auch in den kommenden Jahren sollten laut den Prognosen unserer Fachleute Zuwanderung und eine höhere Erwerbsbeteiligung die Zahl der Erwerbspersonen stützen. Allerdings dürften diese positiven Beiträge künftig nicht mehr ausreichen, um den demografisch bedingten Rückgang auszugleichen. 

Das Erwerbspersonenpotenzial wird künftig voraussichtlich schrumpfen. Das schwächt das Produktionspotenzial.

Dieser Prognose liegen die Politikmaßnahmen zugrunde, die aus heutiger Sicht erwartet werden können. Wenn die Politik an den richtigen Stellschrauben dreht, lässt sich daran aber natürlich etwas ändern. 

Was genau wäre zu tun? Generell gilt: Deutschland sollte alles daransetzen, das Arbeitsangebot zu erhöhen.

Eine Möglichkeit besteht darin, Teilzeitbeschäftigte bei ihrem häufig bestehenden Wunsch zu unterstützen, die Arbeitszeit zu erhöhen. Dies gilt insbesondere für Frauen. Die Jahresarbeitsstunden je Erwerbstätigen sind in Deutschland verglichen mit anderen Industrieländern niedrig. Ein Grund hierfür sind finanzielle Fehlanreize bei Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Transferleistungen, die zusätzliche Arbeit oft weniger attraktiv machen. 

Ein weiteres großes Hindernis ist das unzureichende Betreuungsangebot für Kinder und pflegebedürftige ältere Menschen. Durch ein zuverlässigeres Betreuungsangebot, längere Öffnungszeiten und mehr Flexibilität ließe sich das Arbeitsangebot erhöhen.

Deutschland braucht zudem mehr arbeitsmarktorientierte Zuwanderung. Chancen ergeben sich hier durch das reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Aktuell sind die Verfahren aber immer noch zu langsam und zu komplex. Hier wäre ein „Work and Stay“-Ansatz hilfreich, der eine schnellere digitale Bearbeitung, eine einfachere Anerkennung von Qualifikationen und eine bessere Integration umfasst. 

Die Pläne der Bundesregierung in diese Richtung im Rahmen der Modernisierungsagenda sind daher ausdrücklich zu befürworten. Sprachkurse und ein Bleiberecht für Familienangehörige könnten zudem dafür sorgen, dass Fachkräfte auch dauerhaft bleiben. Denn im gegenwärtigen Umfeld verlassen viele Zugezogene aus anderen EU-Ländern Deutschland wieder innerhalb von zwei Jahren.[7]

Darüber hinaus sollte Deutschland das Potenzial ausschöpfen, das ältere Arbeitskräfte bieten. Es erscheint sinnvoll, den frühestmöglichen Renteneintritt – und anschließend nach 2031 das gesetzliche Rentenalter – an die Lebenserwartung zu koppeln. Wenn zudem die Möglichkeit des abschlagsfreien vorzeitigen Ruhestands nach 45 Beitragsjahren entfiele, hätten deutlich weniger Menschen einen Anreiz, verfrüht aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. 

Diese Schritte würden zusammengenommen den Arbeitskräftemangel verringern und das Potenzialwachstum stützen. Zudem würden sie die Finanzierung des Rentensystems stärken.

Doch ein höheres Arbeitsangebot reicht allein nicht aus.

3.2 Faktor Kapital

Der zweite Faktor für mehr Potenzialwachstum ist der Kapitaleinsatz, also wieviel investiert wird. Auch hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Denn seit 2019 sind die Bruttoanlageinvestitionen der Gesamtwirtschaft preisbereinigt erkennbar zurückgegangen. Vergleichsweise stark gefallen sind die Investitionen dabei im Unternehmenssektor, und hier wiederum besonders die Ausrüstungsinvestitionen. Zudem haben sich die Bauinvestitionen seit Ende des deutschen Immobilienpreisbooms deutlich verringert. Lediglich die staatlichen Investitionen konnten seit 2019 zulegen.

Nach Abzug der Abschreibungen lagen die Anlageinvestitionen 2024 und 2025 erstmals seit der Wiedervereinigung sogar im Minus. Deutschland zehrt also an seinem Kapitalstock. Was erklärt diese Entwicklung?

In Unternehmensumfragen wird Bürokratie am häufigsten als erhebliche Herausforderung und Investitionshindernis genannt.[8] Die Bürokratiekosten sind gestiegen. Das zeigen verschiedene Studien. 

So entgehen Deutschland laut ifo Institut durch überbordende Bürokratie fast 150 Milliarden Euro pro Jahr an Wirtschaftsleistung, also mehr als 3 % des BIP.[9] Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mussten die Unternehmen in den vergangene drei Jahren rund 325.000 zusätzliche Beschäftigte einstellen, nur um neue Regeln zu erfüllen.[10] In Zeiten knapper Fachkräfte bindet das Personal, das an anderer Stelle produktiv eingesetzt werden könnte.

Zahlen der Europäischen Investitionsbank deuten darauf hin, dass im europäischen Vergleich vor allem Unternehmen in Deutschland unter zu vielen und zu komplexen Regeln leiden.[11] Die Studie erfasst den Anteil der Firmen, die die Regulierung des Unternehmenssektors und Steuern als Hürden für Investitionen einschätzen. In Deutschland hat sich dieser Anteil zwischen 2022 und 2025 von deutlich unter 30 % auf knapp 50 % erhöht. Zum Vergleich: In der EU insgesamt stieg der Anteil weniger stark, von 25 % auf 34 %.

Damit die Investitionen in Deutschland wieder in Schwung kommen, muss dringend unnötige Bürokratie abgebaut werden. Die Reforminitiativen der Bundesregierung für weniger Bürokratie und schnellere staatliche Prozesse gehen in die richtige Richtung. Entscheidend ist nun, diese Initiativen auch entschlossen umzusetzen.

Doch selbst hohe Investitionen entfalten ihre Wirkung nur, wenn Arbeit und Kapital produktiv eingesetzt werden

3.3 Totale Faktorproduktivität

Damit komme ich zum dritten Faktor: der totalen Faktorproduktivität. Die totale Faktorproduktivität misst, wie effizient Produktionsfaktoren eingesetzt werden. Ihre Entwicklung wird insbesondere vom technologischen Fortschritt beeinflusst. 

In Deutschland war das Wachstum der trendmäßigen totalen Faktorproduktivität zuletzt außergewöhnlich schwach und lag im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bei gerade einmal 0,2 %. In den 2010er-Jahren wuchs sie im Durchschnitt noch um 0,5 % pro Jahr. 

Was steckt hinter diesem Rückgang des deutschen Produktivitätswachstums? Ein Grund für das schwache Produktivitätswachstum sind die bereits angesprochenen hohen regulatorischen Bürden. Ein weiterer Grund könnte sein, dass ein Großteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung im deutschen Mid‑Tech‑Sektor getätigt wird.[12]

Der Mid-Tech-Sektor umfasst Branchen mit mittlerer Forschungsintensität, die in Deutschland eine starke industrielle Basis bilden. Hierzu zählt zum Beispiel die Automobilindustrie. Bei Investitionen im High-Tech-Sektor hinkt Deutschland hingegen spürbar hinterher.

Das Problem: Der High-Tech-Sektor ist zumeist deutlich innovativer und erhöht damit die Produktivität stärker. Neben dem bereits erwähnten Bürokratieabbau sollte die Politik prüfen, wie sie bessere Bedingungen für Innovationen im High-Tech-Sektor schaffen kann. 

Aktuelle Vorhaben der Bundesregierung für mehr Forschung und Entwicklung sowie bessere Bedingungen für Start-ups sind grundsätzlich positiv zu beurteilen und sollten zügig umgesetzt werden. Hierzu zählt zum Beispiel der One-Stop-Shop für schnelle Unternehmensgründungen.

Gleichzeitig sind weitere Maßnahmen notwendig. Hierzu zählen zum einen bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups durch eine Vertiefung der europäischen Kapitalmarktunion. 

Zum anderen können Steuervorteile für Kapitalbeteiligungen an Start-ups und Risikokapitalfonds unter Umständen sinnvoll sein. Wichtig wäre hierbei, die Effektivität zu sichern. Das ließe sich zum Beispiel erreichen, indem die Steuervorteile gedeckelt und nur bei einer Mindesthaltedauer gewährt werden.

Zusammenfassend lässt sich eines zweifelsfrei festhalten: Deutschland steht vor großen Herausforderungen, die alle drei Wachstumsfaktoren betreffen. Oder anders gesagt: Ohne mehr Arbeit, mehr Investitionen und mehr Produktivität gibt es auch keinen nachhaltigen Wohlstand.

Zugleich gibt es auch positive Entwicklungen, die wir nicht aus dem Blick verlieren sollten und die zuversichtlich stimmen. Auf zwei dieser Hoffnungsschimmer möchte ich zum Abschluss meiner Rede noch kurz eingehen. 

Ein erster Hoffnungsschimmer ist, dass sich die Betriebsgründungen seit 2019 trendmäßig spürbar erhöht haben – wenn auch von geringem Niveau aus. Sie lagen 2025 in etwa auf dem Niveau der frühen bis mittleren 2010er-Jahre.

Wichtig hierbei: Im vergangenen Jahr gab es dabei viele Gründungen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie unternehmensnahe Dienstleistungen. Betriebe in diesen Branchen haben oftmals ein hohes Innovationspotenzial.

Analysen der Bundesbank zeigen, dass Effizienzfortschritte in den Digitalsektoren in erheblichem Maße die gesamtwirtschaftliche Produktivitätsentwicklung in Deutschland getrieben haben.[13] Sollten sich die jüngsten Entwicklungen verstetigen, könnte dies mittelfristig das Produktivitätswachstum stützen. 

Ein zweiter Hoffnungsschimmer ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Grundvoraussetzung dafür, dass sich das Potenzial von KI realisiert, ist ein breiter und intensiver Einsatz dieser Technologie in den Unternehmen. Wie steht es hiermit in Deutschland?

Eine aktuelle Studie auf Basis der Unternehmensumfrage der Deutschen Bundesbank (BOP-F) geht genau dieser Frage nach.[14] Die Befragung zeigt, dass die Nutzung von generativer KI in deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Gestiegen sind dabei sowohl die Zahl der Nutzenden als auch die Intensität der Nutzung.

Lassen Sie mich das mit ein paar Zahlen untermauern: Der Anteil der Unternehmen, die generative KI nutzen oder eine Nutzung planen, stieg von 26 % im Jahr 2024 auf erwartet 56 % im Jahr 2026. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen, dass sich der Anteil der Arbeitszeit, in der generative KI genutzt wird, von 7,5 % im Jahr 2024 auf rund 8,9 % im Jahr 2026 erhöht.

Besonders stark verbreitet ist die Nutzung in den Dienstleistungssektoren. Das unterstreicht das Potenzial einer breiten Anwendung der Technologie.

Das Hoffnungsvolle: Die überwiegende Zahl der Unternehmen, die generative KI einsetzen, erwarten durch die Nutzung spürbare Produktivitätsgewinne. Konkret: Für 2025 und 2026 erwarten über 50 % der generative KI nutzenden Unternehmen einen damit verbundenen Anstieg der Arbeitsproduktivität in ihrem Unternehmen von mindestens 2 %. Rund ein Viertel erwartet sogar Zuwächse von 5 % oder mehr.

Diese Einschätzungen stellen zwar keine gesamtwirtschaftliche Prognose dar. Sie spiegeln jedoch die in der makroökonomischen Literatur vorherrschende optimistische Einschätzung des Wachstumspotenzials generativer KI wider.

4 Abschlussbotschaften

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich komme damit zum Ende meiner Ausführungen. Wir können es nicht schönreden: Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. 

Um unser Wohlstandsmodell nachhaltig zu sichern, bedarf es Reformen an vielen Stellen: eine Stärkung des Arbeitskräftepotenzials, bessere Bedingungen für Investitionen und eine stärkere Förderung von Innovationen.

Trotzdem sollten wir weiter optimistisch in die Zukunft schauen. Denn neben all den Herausforderungen gibt es auch Grund zur Hoffnung: zum Beispiel mehr Gründungen von Unternehmen, mehr Unternehmen, die KI nutzen, und mehr Unternehmen, die KI intensiver einsetzen. 

Abschließend möchte ich noch kurz auf die Frage eingehen, was wir als Zentralbanken tun können. Klar ist: Die Geldpolitik des Eurosystems kann die strukturellen Herausforderungen Deutschlands nicht lösen. Aber sie kann durch ein stabiles makroökonomisches Umfeld die Reformanstrengungen erleichtern.

Der EZB-Rat hat die Leitzinsen in seiner jüngsten Sitzung Ende April 2026 unverändert gelassen. Die mittelfristigen Folgen des Iran-Kriegs auf die Inflationsrate lassen sich weiterhin schwer einschätzen. 

Das abwartende Vorgehen des EZB-Rats dient dazu, mehr Klarheit zu bekommen. Der EZB-Rat ist sich aber der zunehmenden Risiken für die Preisstabilität bewusst und sehr wachsam. Wir werden das Nötige tun, damit sich der energiegetriebene Preisanstieg nicht ausbreitet und verfestigt.

Nun freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Fußnoten:

  1. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2025a), Was steckt hinter dem mehrjährigen Rückgang der deutschen Exportmarktanteile?, Monatsbericht, Juli 2025.
  2. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2026a), Die deutsche Zahlungsbilanz für das Jahr 2025, Exkurs: Jüngste Entwicklung der deutschen Exportmarktanteile und ihrer Triebkräfte, Monatsbericht, März.
  3. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2026b), Die deutsche Zahlungsbilanz für das Jahr 2025, Exkurs: Auswirkung der US-Zölle auf Unternehmen in Deutschland, Monatsbericht, März.
  4. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2025a), Deutschland-Prognose: Wirtschaft geht allmählich wieder auf Erholungskurs, Monatsbericht, Dezember.
  5. Vgl.: Gartner, H. et al. (2025), IAB-Prognose 2025/2026 – Fiskalpolitik stützt Konjunktur und Arbeitsmarkt, IAB-Kurzbericht 19.
  6. Destatis (2026), Zahl der Geburten sinkt im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit, Pressemitteilung Nr. 146.
  7. Vgl.: Hammer, L. und M. Hertweck (2022), EU Enlargement and (Temporary) Migration: Effects on Labour Market Outcomes in Germany, Deutsche Bundesbank Discussion Paper No. 02/2022.
  8. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2025b), Herausforderungen für Unternehmen, Unternehmensbefragung der Deutschen Bundesbank (BOP-F), 30. Oktober 2025 sowie von Maltzan, A. und L. Zarges (2024), Der Investitionsstandort Deutschland aus Unternehmenssicht, ifo Schnelldienst 3/2024, 77. Jahrgang.
  9. Vgl.: ifo Institut (2024), Bürokratie in Deutschland kostet jährlich 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung, Pressemitteilung, 14. November 2024.
  10. Vgl.: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025), 325.000 Arbeitskräfte waren laut Betrieben in den letzten drei Jahren zusätzlich nötig, um die gewachsene Bürokratie zu bewältigen, Presseinformation, 20. Oktober 2025.
  11. Vgl.: EIB Investment Survey 2025
  12. Vgl.: Dietrich, A. et al. (2024), Europe’s Middle-Technology Trap, CESifo EconPol Forum 4, Vol. 25.
  13. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2023), Zur Bedeutung der Digitalisierung für die Entwicklung der Arbeitsproduktivität, Monatsbericht, März.
  14. Vgl.: Deutsche Bundesbank (2026c), Der sektorale Strukturwandel und seine Bedeutung für das Produktivitätswachstum im Euroraum, Exkurs: Generative KI in deutschen Unternehmen: Verbreitung, Kosten und erwartete wirtschaftliche Auswirkungen Monatsbericht, März.