Bankensymposium im Kap Europa in Frankfurt am Main ©Frank Rumpenhorst

Bundesbank-Symposium 2026: Wettbewerbsfähigkeit, Regulierungsvereinfachung und Zukunftstrends im Fokus

Die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bankensektors, die Zukunft der Bankenregulierung und die Auswirkungen technologischer und geopolitischer Trends standen in diesem Jahr beim Bundesbank-Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“ im Fokus. Corinna Egerer und Philipp Otto moderierten das Branchentreffen in Frankfurt am Main, an der rund 800 Vertreterinnen und Vertreter aus der Aufsicht und der Kreditwirtschaft teilnahmen.

Theurer für Vereinfachung, ohne die Stabilität zu gefährden

Bundesbank-Vorstandsmitglied Michael Theurer sprach sich in seiner Rede für eine Vereinfachung der Bankenregulierung aus, ohne dabei die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden. Simplicität ist das Resultat der Reife, zitierte Theurer den Dichter Friedrich Schiller und betonte, dass die Weiterentwicklung der Regulierung in Richtung Vereinfachung, zu mehr Proportionalität und Bürokratieabbau ein Zeichen von Fortschritt sei. 

Theurer ging insbesondere auf die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen und europäischen Bankensektors im Vergleich zu den USA ein. Er stellte klar, dass der Wettbewerb im Retail- und KMU-Geschäft (Kleine- und mittlere Unternehmen) zwischen deutschen und US-amerikanischen Banken in den meisten Marktsegmenten begrenzt sei. Lediglich im Investmentbanking und an den Kapitalmärkten sei der Wettbewerb international ausgeprägt. 

Die geplante Umsetzung der Basel-III-Finalisierung in den USA sei aktuell kein Grund zur Sorge, so Theurer: Die Vorschläge der Federal Reserve zur Umsetzung des überarbeiteten Baseler Regelwerks führen nach unseren derzeitigen Analysen zwar insgesamt zu einer Reduzierung der Kapitalanforderungen für US‑Institute im Vergleich zum Status quo, sagte Theurer. Da aber die direkten Verflechtungen zwischen deutschen und US‑amerikanischen Banken begrenzt sind, ist nicht zu erwarten, dass die niedrigeren Kapitalanforderungen in den USA die Wettbewerbssituation für deutsche Banken spürbar verändern. Zudem spreche zum aktuellen Zeitpunkt auch nichts dafür, dass die Kapitalanforderungen für global systemrelevante Institute in den USA insgesamt unter das Niveau der Baseler Standards sinken würden.

Teile von Überschusskapital könnten für Investitionen genutzt werden 

Wichtig für die internationale Wettbewerbsfähigkeit sei weniger die exakte Höhe einzelner Kennziffern, sondern die Konsistenz und Glaubwürdigkeit des regulatorischen Rahmens. Es besteht kein Anlass, die regulatorischen Kapitalanforderungen in der EU – weder implizit noch explizit – abzusenken, sagte Theurer. Stattdessen sei es an der Zeit, die zunehmend komplexe Regulierung zu überprüfen und sinnvolle Erleichterungen zu schaffen.

Abschließend hob Theurer hervor, dass deutsche Banken über ein Überschusskapital von mehr als 180 Milliarden Euro verfügen. Zumindest ein Teil dieses Kapitals könnte gezielt eingesetzt werden, um die eigene Wettbewerbsposition zu stärken – etwa durch Investitionen in zukunftsweisende Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI).

Banken sollen Widerstandsfähigkeit stärken 

Karlheinz Walch, Leiter des Generaldirektorats Finanzaufsicht der Bundesbank, hob in seinem Vortrag die zentralen Herausforderungen und Prioritäten der Aufsicht hervor. Er betonte, dass die Bundesbank ihre Strukturen und Prozesse modernisiert habe, um schneller und effizienter auf neue Risiken reagieren zu können. In einer Zeit geopolitischer Spannungen und technologischer Umbrüche sei es entscheidend, dass Banken ihre Widerstandsfähigkeit stärken und gezielt in Risikovorsorge investieren. Themen wie IT-Sicherheit, Klimawandel und Governance bleiben dabei im Fokus. Walch hob hervor, dass insbesondere die zunehmenden Cyberrisiken und die Anforderungen des Digital Operational Resilience Act (DORA) ein aktives Handeln der Institute erfordern.

Von Kapitalanforderungen bis zu Stablecoins

Die Veranstaltungspanels am Vormittag widmeten sich der Vereinfachung der Regulierung. Im Minipanel „Capital Stack“ diskutierten Nina Babic (Aareal Bank), Cornelia Holthausen (EZB) und Alexander Schulz (Bundesbank) über die Optimierung von Kapitalanforderungen und die Einführung eines Kleinbankenregimes.

Nikolas Speer (BaFin) hielt einen Vortrag zum Thema „Kleinbankenregime“. Er betonte, dass kleinere Institute gezielt durch regulatorische Erleichterungen gestärkt werden könnten. Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion statt, an der Speer gemeinsam mit Professor Lars Klöhn (Humboldt-Universität zu Berlin), Annemarie Nussbaumer (FINMA) und Karolin Schriever (DSGV) teilnahmen. Die Diskussion beleuchtete die Herausforderungen und Chancen eines vereinfachten Regulierungsrahmens für kleinere Banken. 

Podiumsdiskussionen zu Demografie, Fachkräftemangel und KI

Am Nachmittag standen die Themen „Demografie und Fachkräftemangel – Schließt KI die Lücke“ und „Stablecoins – Neue Assets, alte Risiken“ im Fokus. Fabian Braesemann (Oxford Internet Institute) hielt einen Impulsvortrag, bei dem er aufzeigte, wie KI-Technologien dazu beitragen könnten, den Fachkräftemangel in der Bankenbranche zu kompensieren. In der anschließenden Podiumsdiskussion mit ihm, Sebastian Ahlfeld (Bundesbank) und Hilmar Zettler (BdB) wurde deutlich, dass KI Effizienzsteigerungen ermöglichen und auch Fachkräfte entlasten könnte. Es sei aber noch zu früh abzuschätzen, wie diese Produktionssteigerungen sich in Arbeitsmarkteffekte umwandeln würden. 

Im Panel „Stablecoins – Neue Assets, alte Risiken“ diskutierten Thorsten Beck (Florence School of Banking & Finance), Doris Dietze (BMF), Alexandra Hachmeister (Bundesbank), Simon Seiter (Allunity) und Anja von Rosenstiel (FINLAW) über die Herausforderungen und Chancen, die durch die zunehmende Verbreitung von Stablecoins entstehen. 

Das Bundesbank-Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“ ist eine der zentralen Veranstaltungen zu Bank- und Finanzaufsichtsthemen in Deutschland. Es wird jährlich von der Bundesbank organisiert und fand in diesem Jahr zum 27. Mal statt.