Standorte
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Acrylfarbe auf Holz, Gitarren- und Harfensaiten
Nevin Aladağ, international bekannt für ihre Grenzgänge zwischen den Künsten, präsentiert mit „Vibrating Images“ eine Werkreihe, in der Malerei, Skulptur und Musikinstrumente zu eigenwilligen Wandobjekten verschmelzen.
Zwei dieser farbstarken Arbeiten greifen die Formensprache der geometrischen Moderne auf und integrieren Elemente wie Gitarren-, Geigen- oder Harfensaiten und deren Mechanik. In Schattenfugenrahmen präsentiert, erwecken die rechteckigen Wandobjekte zunächst den Eindruck statischer Gemälde. Erst die integrierten Instrumententeile und Schalllöcher machen die „vibrierenden Bilder“ zu Resonanzkörpern, die das Visuelle um eine akustische Dimension erweitern. Beide Werke waren kürzlich in der Mathildenhöhe Darmstadt ausgestellt.
Als Installations- und Performancekünstlerin verschiebt Aladağ bewusst die Grenzen zwischen den Kunstgattungen. Ihre Werke sind eine Einladung, über das Zusammenspiel von Bild, Klang und Raum nachzudenken. Die „Vibrating Images“ sprechen nicht nur das Auge an, sondern auch das innere Hören: ein Konzert, das hier leider nur im Kopf stattfinden kann.
Biografie
Nevin Aladağ wurde 1972 im türkischen Van geboren und lebt in Berlin. Sie studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bekannt wurde Aladağ vor allem durch ihre Teilnahme an der documenta 14 in Athen und Kassel (2017) sowie an der 57. Biennale von Venedig (2017).
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Acrylfarbe auf Holz, Geigenmechanik, Saiten
Nevin Aladağ, international bekannt für ihre Grenzgänge zwischen den Künsten, präsentiert mit „Vibrating Images“ eine Werkreihe, in der Malerei, Skulptur und Musikinstrumente zu eigenwilligen Wandobjekten verschmelzen.
Zwei dieser farbstarken Arbeiten greifen die Formensprache der geometrischen Moderne auf und integrieren Elemente wie Gitarren-, Geigen- oder Harfensaiten und deren Mechanik. In Schattenfugenrahmen präsentiert, erwecken die rechteckigen Wandobjekte zunächst den Eindruck statischer Gemälde. Erst die integrierten Instrumententeile und Schalllöcher machen die „vibrierenden Bilder“ zu Resonanzkörpern, die das Visuelle um eine akustische Dimension erweitern. Beide Werke waren kürzlich in der Mathildenhöhe Darmstadt ausgestellt.
Als Installations- und Performancekünstlerin verschiebt Aladağ bewusst die Grenzen zwischen den Kunstgattungen. Ihre Werke sind eine Einladung, über das Zusammenspiel von Bild, Klang und Raum nachzudenken. Die „Vibrating Images“ sprechen nicht nur das Auge an, sondern auch das innere Hören: ein Konzert, das hier leider nur im Kopf stattfinden kann.
Biografie
Nevin Aladağ wurde 1972 im türkischen Van geboren und lebt in Berlin. Sie studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bekannt wurde Aladağ vor allem durch ihre Teilnahme an der documenta 14 in Athen und Kassel (2017) sowie an der 57. Biennale von Venedig (2017).
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Holzschnitt und Sprühfarbe auf Büttenpapier, Unikat
Die Werkserie „Plattenbau“ gehört zu den frühen Arbeiten von Benjamin Badock und entstand im Jahr seines Abschlusses an der Kunsthochschule. Inspiriert von den standardisierten Wohnkomplexen der Nachkriegszeit, die aus Betonfertigteilen errichtet wurden, widmet sich Badock in dieser Serie verschiedenen Gebäudetypen. Das Prinzip des Baukastensystems überträgt er auch auf seine künstlerische Arbeitsweise: Für jeden seiner großformatigen Holzschnitte verwendet er vier Platten, die er wie ein Architekt zu immer neuen Gebäuden zusammensetzt. Ein verbindendes Motiv ist dabei das Bauen auf Stelzen, vermutlich eine Anspielung auf Le Corbusiers „Pilotis“, jene Stützen, die Gebäude vom Boden abheben und ihnen etwas Schwebendes verleihen.
Das Blatt „Karstadt/Abriss“ greift die ikonische Sprache der Warenhaus-Architektur auf. Die charakteristische Vorhangfassade verweist auf ein Stück Innenstadtkulisse und auf die Ästhetik eines Konsumversprechens, das zugleich Glanz und Rückbau in sich trägt.
Badocks Blick auf die Plattenbau-Architektur ist von ironischer Distanz geprägt. In seinen Werken thematisiert er bewusst die Unvollkommenheit und lässt das mögliche Scheitern der einstigen Ideale einfließen. Die leuchtende Farbigkeit der Serie verstärkt diese kritische Perspektive und macht „Plattenbau“ zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Architektur und den Visionen der Moderne.
Biografie
Benjamin Badock, geboren 1974 in Chemnitz, hat von 2001 bis 2008 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert und war anschließend Meisterschüler bei Olav Christopher Jenssen. 2017 präsentierte die Deutsche Bundesbank Frankfurt seine Werke in einer Einzelausstellung. Der Künstler lebt und arbeitet in Leipzig.
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Holzschnitt auf Büttenpapier, UnikatDie Werkserie „Plattenbau“ gehört zu den frühen Arbeiten von Benjamin Badock und entstand im Jahr seines Abschlusses an der Kunsthochschule. Inspiriert von den standardisierten Wohnkomplexen der Nachkriegszeit, die aus Betonfertigteilen errichtet wurden, widmet sich Badock in dieser Serie verschiedenen Gebäudetypen. Das Prinzip des Baukastensystems überträgt er auch auf seine künstlerische Arbeitsweise: Für jeden seiner großformatigen Holzschnitte verwendet er vier Platten, die er wie ein Architekt zu immer neuen Gebäuden zusammensetzt. Ein verbindendes Motiv ist dabei das Bauen auf Stelzen, vermutlich eine Anspielung auf Le Corbusiers „Pilotis“, jene Stützen, die Gebäude vom Boden abheben und ihnen etwas Schwebendes verleihen.
Im Werk „My Heart is in the Mountain“ verknüpft Badock das Motiv des Plattenbaus mit persönlichen Gefühlen wie Zugehörigkeit und Sehnsucht. Ein Bautyp, der sonst für Austauschbarkeit steht, wird hier emotional aufgeladen.
Badocks Blick auf die Plattenbau-Architektur ist von ironischer Distanz geprägt. In seinen Werken thematisiert er bewusst die Unvollkommenheit und lässt das mögliche Scheitern der einstigen Ideale einfließen. Die leuchtende Farbigkeit der Serie verstärkt diese kritische Perspektive und macht „Plattenbau“ zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Architektur und den Visionen der Moderne.
Biografie
Benjamin Badock, geboren 1974 in Chemnitz, hat von 2001 bis 2008 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert und war anschließend Meisterschüler bei Olav Christopher Jenssen. 2017 präsentierte die Deutsche Bundesbank Frankfurt seine Werke in einer Einzelausstellung. Der Künstler lebt und arbeitet in Leipzig.
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Holzschnitt auf Büttenpapier, Unikat
Die Werkserie „Plattenbau“ gehört zu den frühen Arbeiten von Benjamin Badock und entstand im Jahr seines Abschlusses an der Kunsthochschule. Inspiriert von den standardisierten Wohnkomplexen der Nachkriegszeit, die aus Betonfertigteilen errichtet wurden, widmet sich Badock in dieser Serie verschiedenen Gebäudetypen. Das Prinzip des Baukastensystems überträgt er auch auf seine künstlerische Arbeitsweise: Für jeden seiner großformatigen Holzschnitte verwendet er vier Platten, die er wie ein Architekt zu immer neuen Gebäuden zusammensetzt. Ein verbindendes Motiv ist dabei das Bauen auf Stelzen, vermutlich eine Anspielung auf Le Corbusiers „Pilotis“, jene Stützen, die Gebäude vom Boden abheben und ihnen etwas Schwebendes verleihen.
Mit dem „Plattenbau Rundhaus“ greift Badock die Idee alternativer Wohnformen auf und entwirft ein Gebäude mit halbkreisförmigem Tonnengewölbe, eine Form, die charakteristisch für romanische Kirchen ist und zugleich an die Silhouette eines Planwagens erinnert. Trotz dieser ungewöhnlichen Dachform wird das sonst für den Plattenbau typische Raster nicht aufgegeben.
Badocks Blick auf die Plattenbau-Architektur ist von ironischer Distanz geprägt. In seinen Werken thematisiert er bewusst die Unvollkommenheit und lässt das mögliche Scheitern der einstigen Ideale einfließen. Die leuchtende Farbigkeit der Serie verstärkt diese kritische Perspektive und macht „Plattenbau“ zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Architektur und den Visionen der Moderne.
Biografie
Benjamin Badock, geboren 1974 in Chemnitz, hat von 2001 bis 2008 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert und war anschließend Meisterschüler bei Olav Christopher Jenssen. 2017 präsentierte die Deutsche Bundesbank Frankfurt seine Werke in einer Einzelausstellung. Der Künstler lebt und arbeitet in Leipzig.
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Mit Öl überarbeiteter Linolschnitt
Noch bevor man erkennt, was genau auf dem Bild zu sehen ist, hat einen die Wucht der Farbe bereits in ihren Bann geschlagen. Durch die stellenweise schwarze Übermalung des Linolschnitts mit kräftig gesetzten, gestisch anmutenden Pinselstrichen erhält das schrille Gelb eine besondere Intensität. Im ersten Moment hält man das große Rund im linken oberen Bildteil womöglich für eine Sonne. Typisch für das malerische und zeichnerische Œuvre des Künstlers ist die Umkehrung des Motivs, das „Auf-dem-Kopf-Stehen“, das Baselitz seit 1969 praktiziert. Es findet sich auch im druckgrafischen Werk. Damit schuf der Künstler nicht nur sein Markenzeichen, sondern widersetzte sich den Konventionen der klassischen Bildordnung und nimmt eine markante Interimsposition zwischen figurativer und abstrakter Malerei ein. Er bricht mit den Erwartungen an die Darstellung und fordert so eine neue, unverstellte Wahrnehmung der Kunst. Der Bildtitel weist den scheinbar am Boden liegenden Mann als „Fahrradfahrer“ aus. Doch selbst auf den Kopf gestellt wird daraus kein Mann, der auf einem Fahrrad sitzt. Für Baselitz, so lässt sich vermuten, geriet das Motiv zum bloßen Vorwand, ein sanfter Widerstand gegen die Vorherrschaft des Gegenständlichen. Was ihn weit mehr umtrieb, war die Wucht der Farben, das kalkulierte Spiel der Komposition und der ungezähmte Duktus des Pinsels. Und nicht zuletzt die subversive Lust, die vertraute Lesart des Bildes ins Wanken zu bringen.
Biografie
Georg Baselitz, geboren 1938 als Hans-Georg Kern in Kamenz-Deutschbaselitz, begann 1956 sein Studium der Malerei an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Von 1957 bis 1964 setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin fort. Von 1983 bis 2003 war er Professor an der Hochschule der Künste in Berlin. Bis 2026 lebte und arbeitete Georg Baselitz in Stegen am Ammersee.
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Holzschnitt auf Zerkall Papier
„Nachtfahrt“ ist eine neunteilige Serie, die von Mobilität handelt, ohne eine Geschichte oder Reise zu erzählen. Man sieht Fahrbahnen, Brücken, Laternen, jene beiläufigen, halb bewussten Eindrücke des Fahrens, die im nächsten Moment schon ersetzt sind. Man muss sich Christiane Baumgartners „Nachtfahrt“ zunächst wie ein Missverständnis vorstellen: Video, dieses ungeduldige Medium der Gegenwart, wird ausgerechnet zum Rohstoff für den Holzschnitt, jenes widerspenstig langsame Verfahren, das sich seit Dürer gegen das Verschwinden stemmt. Baumgartner nimmt dem bewegten Bild das, was es am wenigsten sein will: den Stillstand. Aus eigenen Videoaufnahmen isoliert sie einzelne Frames und überführt sie in ein streng horizontales Linienraster.
Dieses Raster entsteht zuerst am Computer: Die hochaufgelösten Bilddaten werden Schritt für Schritt reduziert, bis aus der Szene eine horizontale Linienstruktur wird, die wie eine Erinnerung an die Videoästhetik wirkt. Die Linien werden über Wochen in eine Holzplatte geschnitten und im klassischen Hochdruckverfahren auf Papier übertragen. Übrig bleibt ein Bild, das zwischen Gegenständlichkeit und abstrakter Struktur oszilliert: Aus der Nähe sind es vibrierende Linien, ein flimmerndes Gewebe, das wie ein Bildrauschen wirkt. Erst mit Abstand setzt sich eine Szenerie zusammen, als würde das Auge das Motiv regelrecht „berechnen“ müssen.
Baumgartner macht mit „Nachtfahrt“ sichtbar, dass jedes Bild, ob Video oder Druck, eine Übersetzung ist: aus Daten, aus Punkten, aus Linien. So entsteht aus neun Holzschnitten, die weder einen Startpunkt noch ein Ziel kennen, ein Kommentar zur Gegenwart, ganz ohne belehrenden Ton. Baumgartner moralisiert nicht über die Bilderflut. Sie zeigt vielmehr, was diese mit uns macht. Wer Nachtfahrt betrachtet, merkt, dass Wahrnehmung kein Automatismus ist, sondern eine Arbeit, die Zeit braucht. Und genau diese Zeit nimmt sie sich selbst mit ihren Werken.
Biografie
Christiane Baumgartner, geboren 1967 in Leipzig, studierte von 1988 bis 1994 an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst und am Royal College of Art in London. Sie erhielt bereits einige Förderpreise und Auszeichnungen. Ihre Werke waren in Ausstellungen im Städelmuseum in Frankfurt, im Kupferstichkabinett Berlin, im Museum of Modern Art in New York und der Albertina in Wien zu sehen. Baumgartner lebt und arbeitet in Leipzig und auf Hiddensee.
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3 C-Prints
In Natalie Czechs Arbeiten geht es um die Beziehungen zwischen Bildern und Texten und um das Verhältnis zwischen bildender Kunst und Poesie.
Das Werk „A poem repetition by Bruce Andrews” (I–III) gehört zu einer größeren Serie. Als Ausgangspunkt wählte die Künstlerin bereits existierende Gedichte, die sich durch das Stilmittel der Wiederholung auszeichnen. Darauf spielt auch der Serientitel „Poems by Repetition“ (Gedichte durch Wiederholung) an. Diese kurzen Gedichte werden mit Fotografien von Gegenständen zusammengebracht. Das dreiteilige Werk „Ein Gedicht durch Wiederholung von Bruce Andrews“ thematisiert den Prozess des Suchens und Findens.
Das Motiv zeigt eine Uhr, die eigens für den Super Hero Supply Store in Brooklyn, New York, entworfen wurde. Dieser Laden verkauft ungewöhnliche Produkte, wie „Gravitation“ oder „Antimaterie“ in Dosen. Die Einnahmen des Geschäfts fließen in die Organisation „826NYC“, die 6- bis 18-jährige Schüler*innen dabei unterstützt, ihre Schreibfähigkeiten zu verbessern. Der Originaltext auf der Uhr ist eine Werbebotschaft für den Laden selbst. Natalie Czech färbt die meisten Buchstaben und Ziffern dieses Textes mit oranger Farbe. Die Buchstaben des Gedichts von Bruce Andrews bleiben hingegen weiß. Auf diese Weise wird das Gedicht „gefunden“ und sichtbar gemacht.
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2 Pigmentabzüge auf Archivpapier
In Natalie Czechs Arbeiten geht es um die Beziehungen zwischen Bildern und Texten und um das Verhältnis zwischen bildender Kunst und Poesie.
Das Werk „A poem repetition by Vsevolod Nekrasov“ (I–II) gehört zu einer größeren Serie. Als Ausgangspunkt wählte die Künstlerin bereits existierende Gedichte, die sich durch das Stilmittel der Wiederholung auszeichnen. Diese kurzen Gedichte werden mit Fotografien von Gegenständen zusammengebracht. Abgebildet sind verschiedene Medien wie Magazine, Plattencover oder Bücher. In den dort vorgefundenen Texten markiert Natalie Czech die ausgewählten Gedichte. Das ist nicht immer einfach. Erst durch die Anordnung mehrerer Fotografien zu einer Gruppe werden die verwendeten Gedichte vollständig sichtbar und lesbar.
Die beiden Fotografien zeigen die Kopfhörer ZINKEN der Firma Urbanears und deren Verpackungen. Die Bilder inszenieren die Objekte in einer Ästhetik, die an eine Werbekampagne erinnert. Gleichzeitig konstruiert Natalie Czech ein feinsinniges visuelles Spiel. Mit einem blauen Stift lässt sie gezielt Teile des Textes auf der Verpackung verschwinden. Übrig bleiben nur die weißen Buchstaben, welche die englische Version eines kurzen Gedichtes von Vsevolod Nekrasov sichtbar machen: „All of it after all but most of all – air“. "Ich möchte Texte, die vorhanden sind, anders lesen, damit das poetische Potenzial in alltäglichen Texten auftauchen kann" so Natalie Czech zu ihren Arbeiten. Der visuelle „Fluss“ des Gedichts wird zusätzlich durch die Kabel der Kopfhörer betont, die scheinbar von einem Teil des Diptychons zum anderen verlaufen und so die beiden Fotografien miteinander verbinden.
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Dispersionsfarbe auf Nessel
Das Gemälde von Walter Dahn wirkt roh, wild und voller Energie. Es entstand 1981 in seiner Zeit mit der Künstlergruppe „Mühlheimer Freiheit“, benannt nach dem gemeinsamen Atelier, das zum kreativen Zentrum der Gruppe wurde. Nach den nüchternen Jahren von Minimal Art und Konzeptkunst entfaltete sich hier eine neue, unmittelbare Bildsprache – spontan, emotional und von einem anarchischen Lebensgefühl getragen. Dahn zählte als Maler, Fotograf und Musiker zu den prägenden Figuren der „Jungen Wilden“ in Deutschland. Diese suchten den Befreiungsschlag gegen den angepassten Kunstbetrieb ihrer Vorgänger, gegen den Akademismus und die formale Strenge der etablierten Museen. Kunst sollte wieder laut sein, frech, direkt – mit Lust an Übertreibung und Witz.
In diesem Geist entsteht auch Dahns verbogene Menschenfigur: locker und comicartig gezeichnet, zwischen Tanz und Akrobatik, tritt sie als gelbe Silhouette auf dunklem Grund hervor, gestützt von einer weißen Sockelzone. Die dunkle Farbe scheint zu leben – dick aufgetragen, rinnt sie teils über die Fläche hinweg, zieht Spuren, verwischt Konturen. Hintergrund und Figur treten in einen Dialog, in dem keine klare Ordnung bleibt. Unangepasstheit ist hier nicht nur Thema, sondern künstlerische Methode.
Auch der Titel „Contort Yourself“ („Verdreh dich“) schärft diese Lesart. Für Dahn war Sprache immer auch Material – er nahm Redewendungen wörtlich, drehte sie um, spielte mit ihren Bedeutungen. So zeigt sich das Bild als Aufforderung zum Widerspruch, zur Bewegung, zum eigenwilligen Blick auf die Welt. Dahns Malweise befreit sich dabei sichtbar von Kontrolle – jedes Bild wird zum Akt der Rebellion.
Biografie
Walter Dahn wurde 1954 in St. Tönis bei Krefeld geboren. Von 1971 bis 1977 studierte er bei Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1995 lehrte er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Seine Werke wurden vielfach ausgestellt, unter anderem auf der documenta 7 im Jahr 1982. Walter Dahn lebte und arbeitete in Köln, wo er 2024 verstarb.
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Öl auf Leinwand
Ralf Dereich fällt durch eine feine und zugleich spontane Malerei auf. In hellen Farben werden zahlreiche Schichten rasch nass in nass übereinander aufgetragen, sodass sie sich vermischen, überlagern und eine schimmernde, lebendige Oberfläche bilden. Auf diesen farbig angelegten Hintergrund setzt er elegant geschwungene Linien, die bisweilen Assoziationen an organische Formen, Aktdarstellungen oder Landschaftsmotive wecken, sich jedoch nie konkret festlegen lassen. In Werken wie „NoT_019“ aus dem Jahr 2011 stellt Dereich seine subtilen Farbkompositionen einem rohen, kaum kontrollierbaren Element gegenüber. Er überträgt den rechteckigen Abdruck eines noch nassen Gemäldes wie einen Stempel direkt auf die Leinwand und nimmt die zufällig entstehenden Formen bewusst in Kauf. Die nasse Farbe haftet auf der hellen, glatten Bildfläche und fließt anschließend in eigenen Strukturen nach unten. Das „Bild im Bild“ erweitert den sorgfältig austarierten Bildraum um eine weitere Ebene. Später werden diese Stempel selbst zu eigenständigen Gemälden überarbeitet und erhalten wiederum neue Linien und Strukturen.
Solche kreativen Wechselprozesse zwischen den einzelnen Arbeiten sind typisch für Dereichs Vorgehen. Er arbeitet einerseits sehr klar und konzentriert in Serien, bezieht andererseits aber auch Zufälle ein, die sich während des Malens ereignen. Indem er seine Mittel lapidar und transparent einsetzt, lädt Dereich die Betrachtenden dazu ein, das Geschehen auf der Leinwand bewusst wahrzunehmen und nachzuvollziehen. Das Auge bleibt ständig in Bewegung, um die wechselnden Schwerpunkte und reizvollen Kontraste zu verfolgen.
Biografie
Ralf Dereich, geboren 1976, studierte von 2001 bis 2005 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz bei Friedemann Hahn sowie an der Akademie der Bildenden Künste München bei Markus Oehlen. Dereichs Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter 2011 in der Deutschen Bundesbank Frankfurt. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.
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Öl auf Spanplatte
Otto Dix porträtierte Heinrich Troeger, den Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank, 1963. Das Gemälde, das durch mehrere lebhafte Bleistiftskizzen vorbreitet wurde, befindet sich seit 1976 in der Sammlung der Bank.
Der Jurist Heinrich Troeger (geboren 1902) war nach verschiedenen beruflichen Stationen von 1956 bis 1957 Präsident der Landeszentralbank Hessen und von 1958 bis 1969 Vizepräsident der Deutschen Bundesbank. Als SPD-Mitglied wurde er 1933 vom Amt des Bürgermeisters in Neusalz an der Oder (heute Nowa Sól / Polen) suspendiert und war bis 1945 in Berlin als Verwaltungsrechtsrat tätig.
Heinrich Troeger besuchte den bedeutenden Künstler Otto Dix 1959 in seinem Atelier in Hemmenhofen am Bodensee. Dorthin war Otto Dix 1936 übergesiedelt, nachdem er bereits 1933 seine Professur an der Kunstakademie in Dresden verloren hatte und sein Werk als „entartet“ diffamiert wurde.
Bekannt geworden war Otto Dix als schonungsloser Chronist seiner Gegenwart. In seinen realistischen Gemälden und Zeichnungen zeigte er das pulsierende Großstadtleben in den 1920er Jahren, die oft prekären sozialen Verhältnisse und die gesellschaftlichen Erschütterungen, die aus dem Ersten Weltkrieg folgten. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“.
Nachdem Otto Dix sich nach Hemmenhofen zurückgezogen hatte, veränderte er seine Technik noch einmal radikal. Es entstanden expressive, gröber ausgeführte spontane Malereien in satter Farbigkeit und mit markanten Konturen. Zu diesem Spätwerk ist auch das Bildnis Heinrich Troegers zu zählen, das den Porträtierten in einer wachen, konzentrierten Haltung zeigt.
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Übermalte Fotografie, Diptychon
Bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen verbinden Menschen seit jeher das Nützliche mit dem Wunsch nach Schönem. Dies zeigen Töpferwaren und Geschirr aus verschiedenen Zeiten und Kulturen: Sie dienen nicht nur ihrem Zweck, sondern verweisen mit ihren geometrischen Mustern oder floralen Verzierungen auf die ästhetischen Vorstellungen der Herstellenden und auf das historische und geografische Umfeld.
In dieser traditionsreichen und vielfältigen Welt der Dinge gründet sich Helen Feifels künstlerische Arbeit. Ihre Plastiken entstehen aus „gefundenen“ Keramiken. Auch in ihren Fotoarbeiten spielen diese Objekte eine zentrale Rolle. Sie werden zerschlagen und von Helen Feifel neu komponiert und zusammengesetzt. Die Einzelteile bleiben dabei so erhalten, dass Spuren des Vergangenen deutlich sichtbar und ursprüngliche Formen noch erkennbar sind. Das Alte bleibt präsent und verbindet sich in den Kunstwerken mit neuen Assoziationen.
Arbeiten wie „Untitled 8“ verweisen auf die klassische holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Damals wurden einfache Haushaltsgegenstände, wertvolles Geschirr, Früchte, Blumen und Wildbret zu prächtigen Stillleben arrangiert. Helen Feifel greift diese Motive auf. In ihrer Fotoarbeit sind die Scherben zerbrochener Krüge mit ihren abgerundeten Bruchkanten so angeordnet, dass sie sowohl an dekorativ präsentierte Jagdbeute als auch an das prächtige Tafelgeschirr barocker Stillleben erinnern.
Mit diesen vielfältigen Verweisen erzeugt Helen Feifel ein dichtes Netz zwischen Gebrauchsdingen und Kunstobjekten, das sich über verschiedene Kulturen und Epochen erstreckt. Dabei verwandelt sie die Eigenschaften ihrer Fundstücke in neue Bilder und bewahrt deren sinnliche Qualitäten.
Biografie
Helen Feifel, geboren 1983 in Schwäbisch Gmünd, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Meuser und Daniel Roth. Ihre Arbeiten wurden in nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. 2015 waren sie in der Deutschen Bundesbank ausgestellt. Von 2022 bis 2023 lehrte die Künstlerin Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Acryl und Kasein auf Leinwand
Zwei Kreisformen bestimmen das Bild. Leicht aus der Mitte versetzt und ohne durch eine geschlossene Linie begrenzt zu sein, scheinen sie zu schweben. Eine unregelmäßige Abfolge von Streifen konterkariert diese Formen, durchkreuzt und unterwandert sie. Eine klare Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund ist nicht erkennbar. Interferenzen durchlaufen den Bildraum. Sie sind das bestimmende Strukturprinzip. Orientierungslos ist das Auge gezwungen, hin- und herzuspringen, ohne je zur Ruhe oder zu einem sicheren Ergebnis zu kommen. Der ständige vergebliche Versuch, Zustände festzuhalten und Unterscheidungen zwischen den einzelnen Partien oder Strukturen zu treffen, lässt die Bewegung selbst zu einem zentralen Motiv werden. Der Farbklang mutet sachlich, wenn nicht gar technisch an: Maximale Kontraste von Schwarz und Weiß werden nur sparsam durchbrochen von einem Grün, wie man es vielleicht aus der Industrie oder von Barcodes kennt. Fragile blaue Linien sind so schmal angefügt, dass man beinahe geneigt ist, sie einer optischen Täuschung zuzuschreiben.
Günter Fruhtrunk war ein wichtiger Wegbereiter der konstruktiven und konkreten Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem eigenständigen Stil, der sich klar von der informellen und gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus abgrenzte, prägte er die abstrakte Kunst maßgeblich. Fruhtrunk wandte sich bewusst gegen die subjektive, spontane Geste und bevorzugte stattdessen eine rationale, geometrische Bildsprache. Bemerkenswert ist, dass sein Einfluss weit über den Kunstbetrieb hinausreichte: Mit dem von ihm entworfenen Streifenmuster der berühmten Aldi Nord Tüte wurde seine konstruktive Ästhetik Teil des Alltags und ist bis heute ein ikonisches Beispiel für die Verbindung von Kunst und Design.
Biografie
Günter Fruhtrunk wurde 1923 in München geboren. Von 1940 bis 1941 studierte er Architektur an der Technischen Universität München. 1954 erhielt er ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg. Von 1967 bis zu seinem Tod im Jahr 1982 war Fruhtrunk Professor an der Akademie der Bildenden Künste München.
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2-teilig, Klebeband, Duct-Tape, Aufkleber, Spiegelfolie, bedrucktes Papier, Lack auf Aluminiumplatten
Isa Genzken zählt zu den wichtigsten Künstlerinnen der deutschen Gegenwartskunst. Ihr vielseitiges Werk umfasst Skulpturen, Filme und Fotografien. Dabei bezieht sie sich auf unterschiedliche Quellen zwischen klassischer Kunstgeschichte, Poesie und Popkultur.
Seit den frühen 2000er Jahren setzt Genzken häufig verschiedenes Klebeband ein, etwa Paketband, Duct-Tape oder buntes Neonband. In ihren Collagen dient es zunächst dazu, Ge-genstände oder Bauteile zu fixieren und zu verbinden. Später steht das farbige Material für sich, wie hier in der Collage „Ohne Titel“. Inspiriert von den spiegelnden Fassaden moderner Hochhäuser wählt Genzken Aluminiumplatten als Bildträger. Darauf klebt sie, Pinselstrichen vergleichbar, grelle, einfarbige oder gemusterte Streifen, die quer oder schräg verlaufen, sich überlagern oder gegeneinanderstehen. Das vibrierende Geflecht der Tapes verwandelt die zuvor glänzende Fläche, und mit ihr die Strenge der Hochhausarchitektur in ein lebendiges Spiel der Formen. So wird der kühle Glanz der Fassaden durchbrochen und zugleich neu rhythmisiert.
Eingefügt in diese Struktur ist eine Auswahl alltäglicher Papierschnipsel wie Tickets, Fotos oder Quittungen. Gemeinsam mit den Klebestreifen entsteht ein Bild, das auf den ersten Blick einfach und dekorativ erscheint. Doch gerade diese Kombination aus Alltagsmaterialien und graphischer Strenge erzeugt bei näherem Hinsehen Spannungen und Brüche. Diese unerwartete Gegenüberstellung ist beispielhaft für Genzken: Sie unterläuft die Eindeutigkeit der Zeichen.
Biografie
Isa Genzken wurde 1948 in Bad Oldesloe geboren und studierte Kunst in Hamburg, Berlin und Düsseldorf bei Gerhard Richter. Sie wurde 1980 mit dem Kunstpreis Berlin ausgezeichnet und nahm mehrfach an der documenta teil. 2007 gestaltete sie den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Bedeutende Einzelausstellungen folgten unter anderem im MoMA New York, Stedelijk Museum Amsterdam, Kunstmuseum Basel und der Neuen Nationalgalerie Berlin. Genzken lebt und arbeitet in Berlin.
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Öl auf Zellstoff
Farben können Stimmung erzeugen und einen Raum spürbar verändern. Genau diese Wirkung hat Gotthard Graubner über Jahrzehnte untersucht. Seit den 1970er Jahren entwickelte er die sogenannten „Farbraumkörper“, mit denen er auch international bekannt wurde. Den Begriff wählte er bewusst. Farbe sollte nicht an der zweidimensionalen Fläche enden, sondern als räumliche Erscheinung erfahrbar werden. Dafür spannte er Leinwand oder Perlon über Schaumstoff oder Synthetikwatte. Die Oberfläche wölbt sich dabei leicht nach vorn, das Bild tritt als Objekt in den Raum. Monochrom sind diese Arbeiten nur dem ersten Eindruck nach. Graubner arbeitet mit feinen Abstufungen innerhalb des Farbtons und legt sie in vielen Schichten an, teils übereinander, teils nebeneinander. So nimmt der Bildträger die Farbe auf, verdichtet sich und gewinnt eine besondere Tiefe.
Parallel zu den Farbraumkörpern entstanden auch Arbeiten mit Ölfarbe auf Zellstoff wie das großformatige Blatt „Venedig“. Der Titel scheint als Anspielung auf die Lagunenstadt gesetzt, Spuren von bräunlichem venezianischem Rot lassen sich erkennen. Auch das Format ist außergewöhnlich groß und zeigt, dass Graubner es als freie, parallele und ebenbürtige Erkundung zu seinen Farbraumkörpern verstand. Zellstoff ist sehr saugfähig. Die Farbe dringt nicht nur ein, sie verbindet sich mit dem Grund. Sie versickert, sammelt sich in den Falten und lagert Pigmente ab. Der Zellstoff lenkt die Bewegung der Farbe, zugleich verändert die Farbe den Zellstoff. So verwandelt sich das zunächst flache Blatt in ein farbdurchtränktes, narbig zerfurchtes Relief.
Biografie
Gotthard Graubner wurde 1930 in Erlbach geboren und studierte Kunst in Berlin und Dresden. Ab 1969 war er Professor in Hamburg, ab 1976 an der Kunstakademie Düsseldorf. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter 1987 mit dem August-Macke-Preis und 1988 mit dem Norddeutschen Kunstpreis. Graubner lebte und arbeitete in Düsseldorf, wo er 2013 starb.
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Farbholzschnitt
Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber prägte mit seinen Holzschnitten das ästhetische Empfinden im Nachkriegsdeutschland. Ausgehend vom Expressionismus, stets an der Grenze zur Abstraktion, war es ihm ein Anliegen, die zentralen Themen seiner Zeit wie Verletzung, Gewalt, Schuld und Aussöhnung sichtbar zu machen. Grieshaber stand zu jener Zeit selbst an einem Wendepunkt, nahm eine Stelle als Dozent an der Bernsteinschule bei Sulz am Neckar an und traf dort auf viele junge, durch Krieg und Vertreibung schwer traumatisierte Menschen, darunter auch seine zukünftige Frau. Grieshaber glaubte an die befreiende, erlösende Kraft der Kunst, die jeden wieder ins Leben zurückholen kann, und eine Vielzahl seiner Holzschnitte, denen er die Wertigkeit eines Tafelbildes zuschrieb, erzählen davon.
Die Darstellung in Grieshabers druckgraphischem Blatt „Abend“ ist geprägt von einer radikalen Reduktion der Formen. Die Figuren sind auf klare Konturen und kontrastreiche Farbflächen zurückgeführt. Auf individuelle Züge wird verzichtet, Mann und Frau erscheinen als archetypische Gestalten, deren Beziehung zueinander durch Körperhaltung und Farbwahl angedeutet, aber nicht eindeutig festgelegt wird. Die kontrastreichen Farben Rot und Schwarz könnten die unterschiedlichen, den Geschlechtern zugeordneten Prinzipien von Aktivität und Passivität betonen. Was ist wohl das Thema zwischen den beiden? Wie entwickelt sich ihre Begegnung?
Biografie
HAP Grieshaber wurde 1909 geboren und absolvierte zunächst eine Schriftsetzerlehre. Ab 1930 studierte er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart. Von 1955 bis 1960 war er Professor an der Kunstakademie Karlsruhe und wurde 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Für sein Œuvre erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Er nahm an der Biennale in Venedig und mehrfach an der documenta teil. 1981 starb er in Eningen unter Achalm.
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Öl auf Leinwand
Welch ein Naturschauspiel! Aus großer Höhe blickt man vom Aussichtspunkt Cloef in Orscholz auf die sich tief im Tal in Form einer Schleife windende Saar. Umschlossen vom Flusslauf liegt eine bewaldete und begrünte Hügelkette. Dahinter erstreckt sich kilometerweit eine hügelige Landschaft mit Feldern und Wäldern, durch die sich die Saar mäandernd hindurchschlängelt. Dieser einmalige Fernblick im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich zog bereits im 19. Jahrhundert viele Reisende an und wurde als romantisches Flussmotiv in zahlreichen Ölgemälden und Grafiken festgehalten. Erich Heckel, Mitbegründer der Dresdener Künstlergruppe „Brücke“ und einer der bekanntesten deutschen Expressionisten, malte die Landschaft aus der Vogelperspektive erstmals 1933. Dieses Gemälde wurde jedoch 1945 durch einen Atelierbrand zerstört. Die strenge, blockartige Komposition war ihm aber anscheinend so wichtig, dass er das Bild nach Kriegsende, vermutlich auf der Grundlage einer Fotografie, noch einmal malte.
Die Natur diente dem Künstler oft als Seismograf seiner persönlichen und der allgemeinen Befindlichkeiten. Menschenleer und unerreichbar breitet sich der Talgrund vor dem Betrachter aus. Die warmen und kalten Grüntöne der Vegetation kontrastieren mit den Rottönen der Erde und dem Orange des ersten verfärbten Herbstlaubs. Die dramatischen grauen Wolken, deren Grau im Wasserlauf aufgenommen wird, lassen einen plötzlichen Wetterwechsel erwarten. Sie bringen Spannung in die stille, friedliche Landschaft.
Biografie
Erich Heckel wurde 1883 in Döbeln, Sachsen, geboren. Von 1904 bis 1905 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Dresden. Bereits 1905 war er Mitbegründer und Mitglied der Künstlergemeinschaft „Brücke“, der er bis 1913 angehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heckel von 1949 bis 1955 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig. Für sein künstlerisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und 1965 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität in Kiel verliehen. Er starb 1970 in Radolfzell am Bodensee.
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Acryl auf Leinwand
Form und Farbe bezeichnen nichts anderes als das, was sie selbst sind. Diese grundlegende Erkenntnis des frühen 20. Jahrhunderts eröffnete Künstlerinnen und Künstlern ein ganz neues Feld der freien Gestaltung und des visuellen Experimentierens. In dieser Tradition steht auch die Malerei von Franziska Holstein. Sie arbeitet mit einem sehr konzentrierten bildnerischen Vokabular, das auf klaren geometrischen Grundformen sowie einer begrenzten, je Bildserie festgelegten Farbskala basiert.
Die Komposition des Gemäldes „M1“ geht von einem rautenförmigen Raster aus, das immer wieder neu unterteilt und variiert wird, sodass sich schwarze und farbige Flächen in unterschiedlichen Konstellationen begegnen.
Franziska Holsteins Werk unterscheidet sich jedoch von den strengen Kompositionen der Konstruktiven Kunst, bei denen die Formen klar begrenzt und keinerlei Pinselspuren zu sehen sind. Für Holstein hingegen ist das Sichtbarmachen des Arbeitsprozesses zentral. Farbschicht auf Farbschicht trägt sie auf, klebt immer wieder Flächen ab und erzeugt dadurch eine plastische Oberfläche. Falten, Klebspuren und Farbspritzer werden dabei nicht als Störung empfunden. So zeigt sich: Aus strenger Geometrie wird ein lebendiges Mosaik, das mit jedem Blick neue Facetten offenbart.Biografie
Franziska Holstein, geboren 1978 in Leipzig, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Sie studierte von 2000 bis 2008 an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink und Neo Rauch. 2011 erhielt sie das Else-Heiliger-Fonds Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin und 2012 den Kunstpreis der Sachsen Bank. 2014 widmete die Deutsche Bundesbank Frankfurt ihr eine Einzelausstellung.
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Pigmentdruck auf Archivpapier
Annette Kelm beschäftigt sich in ihren fotografischen Arbeiten wiederholt mit Themen wie Geld, Konsum und Ökonomie.
Kelms Stillleben zeichnen sich durch eine präzise Komposition, brillante Farben und hohe Detailgenauigkeit aus, die sie mit Mittel- oder Großformatkameras erzielt. Die Motive – etwa geschredderte Geldscheine, industrielle Konsumgüter oder Alltagsgegenstände – werden in ungewöhnlichen Arrangements präsentiert. Daraus entsteht eine Spannung zwischen ästhetischer Inszenierung und dem gewöhnlichen Status der Dinge. Die Objekte erscheinen zugleich als autonome Gebilde und als Träger vielfältiger Assoziationen.
In einigen Werken verwendet Kelm gefälschte Banknoten als Bildmotiv, die sie nach Recherchen im Nationalen Analysezentrum für Falschgeld der Deutschen Bundesbank auswählte. Die Inszenierung dieser Scheine verweist auf Fragen der Authentizität und Wertzuschreibung, während die Kompositionen an kunsthistorische Traditionen wie Stillleben oder Effekte des Trompe-l’Œil erinnern. 2019 waren die Werke in der Ausstellung „Annette Kelm – Geld“ im Geldmuseum zu sehen.
Kelms konzeptuelle Fotografie bezieht sich auf verschiedene Referenzsysteme – von der Geschichte der Fotografie über ökonomische Zusammenhänge bis hin zu Sprache und Zeichen. Ihre Arbeiten thematisieren Konsum und ökonomische Strukturen, bleiben jedoch in ihrer ästhetischen Gestaltung und Materialität eigenständig und offen für unterschiedliche Interpretationen.
Biografie
Annette Kelm wurde 1975 in Stuttgart geboren. Von 1998 bis 2003 studierte sie Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Bereits während ihres Studiums wurde sie 1999 mit dem Kodak Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Es folgten weitere Stipendien und Auszeichnungen, darunter ein Arbeitsstipendium der Stadt Hamburg im Jahr 2004 sowie der „Art Cologne-Award for young art“ und ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Hamburg im Jahr 2005. 2009 erhielt sie den renommierten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen. Annette Kelm lebt und arbeitet heute in Berlin.
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Pigmentdruck auf Archivpapier
Annette Kelm beschäftigt sich in ihren fotografischen Arbeiten wiederholt mit Themen wie Geld, Konsum und Ökonomie.
Kelms Stillleben zeichnen sich durch eine präzise Komposition, brillante Farben und hohe Detailgenauigkeit aus, die sie mit Mittel- oder Großformatkameras erzielt. Die Motive – etwa geschredderte Geldscheine, industrielle Konsumgüter oder Alltagsgegenstände – werden in ungewöhnlichen Arrangements präsentiert. Daraus entsteht eine Spannung zwischen ästhetischer Inszenierung und dem gewöhnlichen Status der Dinge. Die Objekte erscheinen zugleich als autonome Gebilde und als Träger vielfältiger Assoziationen.
In einigen Werken verwendet Kelm gefälschte Banknoten als Bildmotiv, die sie nach Recherchen im Nationalen Analysezentrum für Falschgeld der Deutschen Bundesbank auswählte. Die Inszenierung dieser Scheine verweist auf Fragen der Authentizität und Wertzuschreibung, während die Kompositionen an kunsthistorische Traditionen wie Stillleben oder Effekte des Trompe-l’Œil erinnern. 2019 waren die Werke in der Ausstellung „Annette Kelm – Geld“ im Geldmuseum zu sehen.
Kelms konzeptuelle Fotografie bezieht sich auf verschiedene Referenzsysteme – von der Geschichte der Fotografie über ökonomische Zusammenhänge bis hin zu Sprache und Zeichen. Ihre Arbeiten thematisieren Konsum und ökonomische Strukturen, bleiben jedoch in ihrer ästhetischen Gestaltung und Materialität eigenständig und offen für unterschiedliche Interpretationen.
Biografie
Annette Kelm wurde 1975 in Stuttgart geboren. Von 1998 bis 2003 studierte sie Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Bereits während ihres Studiums wurde sie 1999 mit dem Kodak Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Es folgten weitere Stipendien und Auszeichnungen, darunter ein Arbeitsstipendium der Stadt Hamburg im Jahr 2004 sowie der „Art Cologne-Award for young art“ und ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Hamburg im Jahr 2005. 2009 erhielt sie den renommierten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen. Annette Kelm lebt und arbeitet heute in Berlin.
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Pigmentdruck auf Archivpapier
Annette Kelm beschäftigt sich in ihren fotografischen Arbeiten wiederholt mit Themen wie Geld, Konsum und Ökonomie.
Kelms Stillleben zeichnen sich durch eine präzise Komposition, brillante Farben und hohe Detailgenauigkeit aus, die sie mit Mittel- oder Großformatkameras erzielt. Die Motive – etwa geschredderte Geldscheine, industrielle Konsumgüter oder Alltagsgegenstände – werden in ungewöhnlichen Arrangements präsentiert. Daraus entsteht eine Spannung zwischen ästhetischer Inszenierung und dem gewöhnlichen Status der Dinge. Die Objekte erscheinen zugleich als autonome Gebilde und als Träger vielfältiger Assoziationen.
In einigen Werken verwendet Kelm gefälschte Banknoten als Bildmotiv, die sie nach Recherchen im Nationalen Analysezentrum für Falschgeld der Deutschen Bundesbank auswählte. Die Inszenierung dieser Scheine verweist auf Fragen der Authentizität und Wertzuschreibung, während die Kompositionen an kunsthistorische Traditionen wie Stillleben oder Effekte des Trompe-l’Œil erinnern. 2019 waren die Werke in der Ausstellung „Annette Kelm – Geld“ im Geldmuseum zu sehen.
Kelms konzeptuelle Fotografie bezieht sich auf verschiedene Referenzsysteme – von der Geschichte der Fotografie über ökonomische Zusammenhänge bis hin zu Sprache und Zeichen. Ihre Arbeiten thematisieren Konsum und ökonomische Strukturen, bleiben jedoch in ihrer ästhetischen Gestaltung und Materialität eigenständig und offen für unterschiedliche Interpretationen.
Biografie
Annette Kelm wurde 1975 in Stuttgart geboren. Von 1998 bis 2003 studierte sie Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Bereits während ihres Studiums wurde sie 1999 mit dem Kodak Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Es folgten weitere Stipendien und Auszeichnungen, darunter ein Arbeitsstipendium der Stadt Hamburg im Jahr 2004 sowie der „Art Cologne-Award for young art“ und ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Hamburg im Jahr 2005. 2009 erhielt sie den renommierten Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen. Annette Kelm lebt und arbeitet heute in Berlin.
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Mischtechnik auf Papier
Ida Kerkovius, geboren 1879, gehörte zur ersten Generation von Künstlerinnen, die unter schwierigen Bedingungen und gegen viele Widerstände eine professionelle Ausbildung erhielten und kontinuierlich künstlerisch arbeiten konnten. Als Meisterschülerin von Adolf Hölzel in Dachau und Stuttgart lernte sie bei einer der interessantesten Lehrerpersönlichkeiten ihrer Zeit. Zwischen 1920 und 1923 setzte Ida Kerkovius ihre Studien am neu gegründeten Bauhaus in Weimar fort.
Hölzels Unterricht basierte auf der Vermittlung kompositorischer Grundlagen sowie auf der detaillierten Untersuchung der elementaren gestalterischen Mittel: Linie, Form und Farbe. Hölzel gehörte zu den Pionieren der Abstrakten Kunst und ermutigte seine Studierenden, sich vom Gegenstand zu lösen, um neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten zu erproben.
Davon ausgehend entwickelte Ida Kerkovius eine eigene Bildsprache, deren leuchtende und kontrastreiche Farbigkeit auffällt. Oft sind die Kompositionen gegenstandslos; oft spielt sie mit figurativen oder gegenständlichen Andeutungen. So auch in der „Komposition“ von 1955: Bei näherer Betrachtung sind sitzende Figuren in einer zweigeteilten Raumsituation zu erkennen. Die Komposition, die durch einen starken Hell-Dunkel-Kontrast unterteilt ist, lässt an die freie Interpretation einer Bühnenaufführung denken, etwa eines Konzerts.
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Öl auf Leinwand
Per Kirkeby ist weit gereist. Als diplomierter Feldgeologe zog es ihn schon früh nach Grönland. Später folgten Reisen nach Mittelamerika und Südeuropa, nach Australien, Bali, Polynesien, Neuseeland und Marokko. Die Begegnung mit fremden Landschaften und die Nähe zur Natur wurden zu wichtigen Inspirationen für seine künstlerische Arbeit, die er im Anschluss an sein naturwissenschaftliches Studium begann. Auch wenn alles Gegenständliche im Diffusen bleibt, legt Kirkeby dennoch Wert darauf, dass seine Bilder Bezugspunkte in der Wirklichkeit, in der Welt, in der Natur haben. Atmosphärisch erinnert „Walden V.“ vielleicht an die erdige Feuchte eines Waldes, an Licht, das über Wasser flimmert. Doch Kirkeby legt sich nicht fest. Solche Anklänge bleiben in seinen Bildern immer vage, offen für eigene Deutungen.
Seine Gemälde entstehen in vielen Überarbeitungsphasen. Immer wieder trägt er Farbschichten auf, wischt sie stellenweise ab und setzt Linien, die er anschließend verreibt. Ein solcher Prozess des Wachsens, Revidierens und Überlagerns weist selbst eine Nähe zur Natur auf. Die Farbe setzt dabei den Impuls, auf den der Künstler mit Spontaneität und Dynamik reagiert.
Biografie
Per Kirkeby wurde 1938 in Kopenhagen geboren. Er lehrte an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und der Städelschule Frankfurt am Main. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und lebte und arbeitete in Kopenhagen, Læsø, Frankfurt und Arnasco. Er starb 2018 in seiner Geburtsstadt.
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Kohle auf Pergamentpapier
Die Bildwelt von Konrad Klapheck besteht aus Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Bügeleisen und Telefonen, aus Fahrradklingeln, Schrauben und Wasserhähnen. Seit 1955 hat sich der Künstler konsequent dieser Dinge des alltäglichen Lebens angenommen und ist ihnen als Objekte seiner Malerei, allen wechselnden Vorlieben des Kunstmarktes zum Trotz, treu geblieben. So galt Klapheck in den Zeiten von Informel und Tachismus als Außenseiter, im Kontext der Pop-Art hingegen plötzlich als Trendsetter. Beides war ihm gleichgültig: Seine Form der gegenständlichen Malerei ist weder Konsumkritik noch Warenästhetik, er versteht sie als Erzählmodus für die eigene Biografie.
Denn die auf den ersten Blick funktional wirkenden Gegenstände fungieren als Stellvertreter des Menschen. Eine Duscharmatur mit verschlungenem Brauseschlauch wird hier zur „schwierigen Gattin“. Solche verspielten und doppeldeutigen Titel sprechen den Dingen menschliche Eigenschaften zu und machen banale Alltagsobjekte zu Protagonisten surrealer Szenen, die mit feinem Spott und humorvoller Distanz gesellschaftliche Rollenbilder und die Beziehung des Menschen zur Technik hinterfragen.Biografie
Konrad Klapheck wurde 1935 in Düsseldorf geboren. Von 1954 bis 1958 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bruno Goller. Zwischen 1976 und 2002 hatte er dort eine Professur inne. Klapheck lebte und arbeitete in Düsseldorf und starb dort im Jahr 2023.
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Öl auf Leinwand
Der österreichische Maler Kurt „Kappa“ Kocherscheidt war ein Suchender. Nach einer mehrmonatigen Reise durch Südamerika fand er zu einer Malerei, die sich nicht mehr an Gegenständen festhielt, sondern in erdigen, gebrochenen Farben und kraftvollen Pinselspuren eine eigene Welt entwarf. Als Einzelgänger innerhalb der österreichischen Kunstszene entwickelte Kocherscheidt eine unverwechselbare Bildsprache, die sich bewusst von zeitgenössischen Strömungen absetzte. Seine Werke kreisen um existenzielle Fragen nach dem Sein, der Vergänglichkeit und der Beziehung des Menschen zur Natur.
Das große Ölbild, entstanden kurz vor seinem Tod, zeigt auf dunklem Grund eine gelb-braune Fläche, daneben ein angeschnittenes braunes Oval. Es ist kein Stillleben, keine Landschaft, und doch wird die Natur darin spürbar. Die Farben wirken wie aus der Erde gehoben, die Formen scheinen einander Halt zu geben und treten in einen stillen Dialog.
Man sieht, wie die Farbschichten aufgetragen wurden, wie der Pinsel geführt wurde und meint fast, die Geräusche des Malprozesses zu hören. In den archaisch anmutenden Formen und der betonten Materialität der Malerei spiegelt sich Kocherscheidts tiefe Auseinandersetzung mit den Grundbedingungen menschlicher Existenz wider.
Biografie
Kurt Kocherscheidt wurde 1943 in Klagenfurt geboren. Von 1961 bis 1965 studierte er an den Akademien der bildenden Künste in Wien und Zagreb. 1968 gründete er die Künstlergruppe „Wirklichkeiten“, die mit einer Ausstellung in der Wiener Secession an die Öffentlichkeit trat. Seine Werke wurden in renommierten Museen und Ausstellungen präsentiert, darunter im Essl Museum in Klosterneuburg, im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien sowie auf der documenta IX in Kassel. Kocherscheidt starb 1992 in Wels, Oberösterreich.
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Acryl auf Leinwand
Die international hoch angesehene Künstlerin Jutta Koether macht Rot zum Leitmotiv ihres Werks. Immer wieder taucht es auf, mal als leuchtender Akzent, mal als vibrierende Fläche und gibt so den Takt für Koethers vielschichtige Kompositionen vor. Malerisch knüpft sie an große Namen der Moderne wie Renoir, Monet, van Gogh oder O’Keeffe an, entwickelt jedoch eine ganz eigene Bildsprache, die von einer feministischen Perspektive geprägt ist.
Biografie
Jutta Koether wurde 1958 in Köln geboren. Nach einem Kunstpädagogik-Studium in Köln arbeitete sie als Autorin und Redakteurin, unter anderem für „Spex“. 1990 zog sie nach New York und entwickelte dort ihre künstlerische Praxis weiter. Von 2010 bis 2024 war sie Professorin für Malerei und Zeichnen an der Hochschule für bildende Künste in Berlin.
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Acryl und Öl auf Leinwand
Die international hoch angesehene Künstlerin Jutta Koether macht Rot zum Leitmotiv ihres Werks. Immer wieder taucht es auf, mal als leuchtender Akzent, mal als vibrierende Fläche und gibt so den Takt für Koethers vielschichtige Kompositionen vor. Malerisch knüpft sie an große Namen der Moderne wie Renoir, Monet, van Gogh oder O’Keeffe an, entwickelt jedoch eine ganz eigene Bildsprache, die von einer feministischen Perspektive geprägt ist.
Ein signifikantes Beispiel ist das Gemälde „Grenade (Mädchen auf Beute-KSTA“. Die Szene erinnert zunächst an impressionistische Parkbilder, doch die Farben sind intensiver, die Wirkung unmittelbarer. Inmitten leuchtender Rottöne sitzt eine junge Frau auf einer Bank, während sich oben rechts eine große, runde Form entfaltet. Ihre rosettenartige Struktur im Zentrum und die dunkel konturierten Einschlüsse erinnern an einen aufgeschnittenen Granatapfel. Von dieser Form geht eine Explosion aus, die sich über das gesamte Bild ausbreitet.
Der Titel „Grenade“ spielt raffiniert mit Bedeutungen: Im Französischen steht das Wort für Granatapfel, im Englischen für Granate. Koether nutzt diese Doppeldeutigkeit, um Spannung zu erzeugen: Das uralte Symbol für Fruchtbarkeit und Leben mit seiner rosettenartigen Mitte als Anspielung auf Blüte und Weiblichkeit, wird durch die dynamische, fast explosive Verteilung der Kerne mit der Sprengkraft einer Granate aufgeladen. Der weitere Titel „Mädchen auf Beute“ gibt dem Bild eine klare Richtung: Die Frau ist nicht Objekt der Verführung, sondern selbst aktiv und auf Fang aus.
Das Kürzel „KSTA“ verweist auf den Kölner Stadt-Anzeiger, aus dem Koether das Motiv entnommen hat. Sie verwendet häufig Zeitungsbilder als Ausgangspunkt, die sie malerisch verfremdet und in einen neuen, oft gesellschaftskritischen Zusammenhang stellt. So verbindet Koether mediale Bildvorlagen mit ihrer eigenen künstlerischen Handschrift und eröffnet damit neue Perspektiven auf gesellschaftliche Rollenbilder.
Biografie
Jutta Koether wurde 1958 in Köln geboren. Nach einem Kunstpädagogik-Studium in Köln arbeitete sie als Autorin und Redakteurin, unter anderem für „Spex“. 1990 zog sie nach New York und entwickelte dort ihre künstlerische Praxis weiter. Von 2010 bis 2024 war sie Professorin für Malerei und Zeichnen an der Hochschule für bildende Künste in Berlin.
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Öl auf Leinwand
Heinz Kreutz, gelernter Fotograf und als Maler Autodidakt, faszinierten vor allem Farben. Er beschäftigte sich praktisch und theoretisch mit ihren Funktionen im Bild. Im Entstehungsjahr des Gemäldes „Gelb irdisch eruptiv“ entwarf Kreutz eine elfteilige Farbenlehre, aus der er grundsätzliche Bedingungen der Malerei ableitete. Darin formulierte er Gedanken über „Farbgemeinschaften“ und die gegenseitige Abhängigkeit von Formen und Farben.
Kreutz war bewusst, dass sich das Medium Farbe den Versuchen der Fixierung entzieht. Dies spiegelt sich malerisch in seinem kleinteiligen Bildaufbau und dem impulsiven, bewegten Duktus. Dabei unterläuft er die gewohnten Kompositionsweisen, die es den Betrachtenden erlauben, sich im Bild durch erste Raster – wie etwa Vorder- und Hintergrund – schnell zu orientieren. Die Beziehungen der Farben untereinander bleiben dynamisch: „Da das Wesen der Farbe Bewegung ist, kann sie sinnvoll nur in einer beweglichen Ordnung faktisch erfasst werden,“ sagt der Künstler.
Heinz Kreutz gehört zusammen mit K.O. Götz, Otto Greis und Bernard Schultze zu den Begründern der informellen Malerei in Deutschland. Unter dem Titel „Neuexpressionisten“ stellten die vier Künstler 1952 in der Zimmergalerie Franck in Frankfurt aus.
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Öl auf Leinwand
Rudolf Levy, geboren 1875 in Stettin, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Danach zog er nach Paris, wo er sich in die Avantgarde-Szene integrierte und Schüler im Atelier des international renommierten Malers Henri Matisse wurde. Die 1920er Jahre verbrachte er als erfolgreicher Künstler in Berlin; seine Werke waren in zahlreichen Museen vertreten. Von den Nazis wurde er als Jude verfolgt und lebte nach zahlreichen Wohnungswechseln in Florenz. Dort wurde er 1943 von der Gestapo verhaftet. Er starb 1944 vermutlich auf dem Transport nach Auschwitz.
Rudolf Levys Gemälde zeichnen sich durch lebendige Farben und einen kraftvollen Pinselstrich aus. Ihre Expressivität und Farbigkeit ist von der französischen Moderne geprägt, wie sie im Pariser Atelier von Henri Matisse vermittelt wurde. Levys Werk umfasst vor allem Porträts und Stillleben sowie Landschaften.
Das Blumenstillleben „Gloxinien“ basiert auf einer klaren Komposition: eine blühende Topfpflanze, ein einfacher Tisch und ein neutraler Hintergrund. Diese Reduktion lenkt die Aufmerksamkeit auf die Malerei selbst. Sie ist von intensiver Farbigkeit bestimmt, in der sich Blau und Orange, Rot und Grün in starken Kontrasten gegenüberstehen.
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Öl auf Leinwand
Mitte der 1980er Jahre wuchs in der DDR der gesellschaftliche Unmut. Im Zuge einer vorsichtigen Liberalisierung der Kulturpolitik wurden vermehrt Ausreiseanträge bewilligt und internationale Ausstellungen ermöglicht; zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verließen das Land. Walter Libuda hingegen blieb. Die Themen Aufbruch, Grenze und existenzielle Entscheidung verarbeitete er bildlich, ohne sich explizit als politischen Maler zu positionieren. Seine Werke eröffnen jedoch Deutungsspielräume, die sich vor dem historischen Hintergrund durchaus politisch lesen lassen.
Charakteristisch für Libudas Malerei ist ein unruhiger, spannungsvoller Duktus. Seine Bilder entstehen häufig parallel und stehen motivisch wie formal in engem Bezug zueinander. Wiederholtes Übermalen und prozesshafte Veränderungen prägen seine Arbeitsweise. Auch die beengten gesellschaftlichen und räumlichen Verhältnisse der DDR prägten seine künstlerische Praxis nachhaltig. Bis etwa 1991 entstanden Gemälde, in denen farbige Konturen einen Ausgleich zu intensiven Farbflächen bilden. Farbe erscheint nicht als bloßes Gestaltungsmittel, sondern als Material von besonderer Gewichtung und Präsenz. Der Gestus wird zunehmend expressiver; die Malerei wirkt kraftvoll, die Figuren kompakt und verdichtet.
Besonders deutlich wird dies in den Gemälden „Bergsteiger I“ und „Mann im Berg“
Das Bergsteigen ist ein zentrales Motiv, das in der DDR als beliebtes Freizeitangebot galt und für Naturerfahrung sowie Selbstprüfung stand. Seit dem 19. Jahrhundert wird es zudem romantisch als Symbol für Aufstieg und Weltabkehr betrachtet. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Bergsteigen als Metapher für Grenzerfahrungen und die Möglichkeit der Überwindung persönlicher, gesellschaftlicher oder politischer Grenzen verstehen.
Biografie
Walter Libuda wurde 1950 in Zechau-Leesen geboren. Von 1973 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig und hatte dort bis 1985 einen Lehrauftrag. Seine Werke wurden unter anderem 1982 auf der XII. Biennale in Venedig, im Musée d’Art Moderne, Paris sowie in Oxford, London und Oslo gezeigt. Er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund sowie in der Sächsischen Akademie der Künste. Libuda lebte und arbeitete in Schildow bei Berlin und starb dort 2021.
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Öl auf Leinwand
Mitte der 1980er Jahre wuchs in der DDR der gesellschaftliche Unmut. Im Zuge einer vorsichtigen Liberalisierung der Kulturpolitik wurden vermehrt Ausreiseanträge bewilligt und internationale Ausstellungen ermöglicht; zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verließen das Land. Walter Libuda hingegen blieb. Die Themen Aufbruch, Grenze und existenzielle Entscheidung verarbeitete er bildlich, ohne sich explizit als politischen Maler zu positionieren. Seine Werke eröffnen jedoch Deutungsspielräume, die sich vor dem historischen Hintergrund durchaus politisch lesen lassen.
Charakteristisch für Libudas Malerei ist ein unruhiger, spannungsvoller Duktus. Seine Bilder entstehen häufig parallel und stehen motivisch wie formal in engem Bezug zueinander. Wiederholtes Übermalen und prozesshafte Veränderungen prägen seine Arbeitsweise. Auch die beengten gesellschaftlichen und räumlichen Verhältnisse der DDR prägten seine künstlerische Praxis nachhaltig. Bis etwa 1991 entstanden Gemälde, in denen farbige Konturen einen Ausgleich zu intensiven Farbflächen bilden. Farbe erscheint nicht als bloßes Gestaltungsmittel, sondern als Material von besonderer Gewichtung und Präsenz. Der Gestus wird zunehmend expressiver; die Malerei wirkt kraftvoll, die Figuren kompakt und verdichtet.
Besonders deutlich wird dies in den Gemälden „Bergsteiger I“ und „Mann im Berg“.
Das Bergsteigen ist ein zentrales Motiv, das in der DDR als beliebtes Freizeitangebot galt und für Naturerfahrung sowie Selbstprüfung stand. Seit dem 19. Jahrhundert wird es zudem romantisch als Symbol für Aufstieg und Weltabkehr betrachtet. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Bergsteigen als Metapher für Grenzerfahrungen und die Möglichkeit der Überwindung persönlicher, gesellschaftlicher oder politischer Grenzen verstehen.„Mann im Berg“ zeigt eine sitzende Figur im Inneren eines Gebirgsmassivs. Das Motiv kann als Bild des Rückzugs verstanden werden. In der DDR bedeutete „Bleiben“ für viele eine Form innerer Emigration – ein Leben im System bei gleichzeitiger Distanz. Der Berg erscheint so ambivalent als Schutzraum und Gefängnis zugleich. Auch real war er präsent: Der Braunkohlebergbau bildete eine zentrale wirtschaftliche Grundlage, der Bergmann galt als sozialistischer „Held der Arbeit“. Libudas Figur entzieht sich jedoch dieser heroischen Zuschreibung und verharrt in stiller, existenzieller Verdichtung.
Biografie
Walter Libuda wurde 1950 in Zechau-Leesen geboren. Von 1973 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig und hatte dort bis 1985 einen Lehrauftrag. Seine Werke wurden unter anderem 1982 auf der XII. Biennale in Venedig, im Musée d’Art Moderne, Paris sowie in Oxford, London und Oslo gezeigt. Er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund sowie in der Sächsischen Akademie der Künste. Libuda lebte und arbeitete in Schildow bei Berlin und starb dort 2021.
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Acryl, Sprayfarbe und Schellack auf Leinen
Das Gemälde von Sebastian Ludwig zeigt ein fragiles Bauwerk. Aus ineinander verschachtelten Konstruktionselementen zusammengesetzt, wächst es, umringt von einer spiralförmigen Rampe, in die Höhe. Der Turmbau zu Babel scheint gegenwärtig, nicht zuletzt durch die Anklänge an das gleichnamige bekannte Gemälde von Pieter Brueghel. Der Titel „Slumdog“ weist dagegen in eine andere Richtung: auf prekäre Stadtrandviertel der Metropolen, auf Behausungen, die aus Resten und Fundstücken zusammengebaut sind. Die spielenden Hunde auf der Rampe greifen den Titel wörtlich auf und eröffnen eine erzählerische Ebene.
Doch Ludwigs Werk erschöpft sich nicht in Anspielungen. Es fasziniert vor allem durch seine Darstellungsweise: Das Motiv bleibt in der Schwebe und changiert zwischen Unbestimmtheit und fast greifbarer Plastizität. Dies ist kein Zufall, denn die abgebildeten Elemente haben reale Vorbilder. Ludwig baut Modelle, arrangiert und beleuchtet sie immer wieder neu. Die Leinwand wird so zur Bühne eines fortlaufenden Experiments, in dem dreidimensionale Formen mit den Mitteln der Malerei in Szene gesetzt werden. Dabei entsteht ein Bildraum, der erzählerische Vielschichtigkeit mit formaler Strenge verbindet und dazu einlädt, sich immer wieder neu darin zu orientieren.
Biografie
Sebastian Ludwig wurde 1977 in Groß-Strehlitz geboren. Von 1998 bis 2002 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in Lückenburg.
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Öl auf Leinwand
Als zentrale Figur der deutschen Nachkriegsabstraktion gewann Ernst Wilhelm Nay mit den ab 1955 in Köln entstandenen „Scheibenbildern“ internationale Anerkennung. Unterschiedlich große, verschiedenartige Kreise werden über die Bildfläche verteilt und in ein spannungsreiches Gleichgewicht gebracht. Die Scheibe ist dabei kein aufgesetztes Zeichen, sondern ergibt sich aus der Malerei selbst, aus der Weise, wie Farbe sich nach dem ersten Pinselstrich ausbreitet und rundet. Der Kreis steht für die vollkommene und nicht begrenzbare Urform schlechthin.
Das Gemälde „Firmament“ entstand 1963, in jenem Übergangsjahr zwischen den „Scheibenbildern“ und den sogenannten „Augenbildern“, in denen Nay begann, die Scheiben durchzustreichen. „Firmament“ ist dabei kaum als Illustration des Himmelsgewölbes zu lesen. Im Vordergrund stehen vielmehr Fragen der Bildgestaltung. Geformt wird der Flächenraum durch Rhythmus, Dynamik und Chromatik. Warme Gelbtöne werden gegen kalte sowie helle gegen dunkle Farben gesetzt, alles in ein sorgfältig austariertes Verhältnis gesetzt. Konkret erscheinen jeweils zwei rote, zwei blaue und zwei gelbe Kreise. Die übrigen Farben stehen in unmittelbarer Beziehung zu diesen Primärfarben, so das Grün, als Mischton aus Gelb und Blau. Weiß und Schwarz setzen starke Hell-Dunkel-Kontraste und stiften jene eigentümliche Spannung, die das Bild zusammenhält.
1964 erregten die „Augenbilder“ auf der documenta III durch ihre spektakuläre Hängung an der Decke großes Aufsehen und lösten eine heftige Debatte über die abstrakte Malerei aus. Nay stand damals auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.
Biografie
Ernst Wilhelm Nay wurde im Jahr 1902 in Berlin geboren und studierte von 1925 bis 1928 bei Karl Hofer an der Kunstakademie Berlin. Im Jahr 1931 erhielt er den Kunstpreis der Preußischen Akademie der Künste und verbrachte einen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Kunstpreis der Stadt Köln im Jahr 1952. Ab 1953 hatte Nay einen Lehrauftrag an der Landeskunstschule Hamburg und wurde 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er starb 1968 in Köln.
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10-teilige Serie
Pigmentdruck auf Barytpapier (Fotopapier)
Carsten Nicolai bewegt sich als Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft. Als bildender Künstler möchte Nicolai die Trennung der Wahrnehmung durch die menschlichen Sinne überwinden, indem er wissenschaftliche Phänomene wie Klang- und Lichtfrequenzen sowohl für die Augen als auch für die Ohren wahrnehmbar macht. Seine Installationen haben eine minimalistische Ästhetik und beziehen die Arbeit mit Zufalls- und selbstorganisierenden Prozessen mit ein. Gezeigt werden drei Werke der insgesamt zehnteiligen Serie „Milch“.
Carsten Nicolai fotografierte die Oberfläche von Milch, die einem akustischen Signal im Frequenzbereich zwischen 10 und 110 Hertz ausgesetzt war. Der akustische Einfluss versetzte die Oberfläche der Flüssigkeit in eine permanente Vibration. Je nach Stärke der Klangfrequenz änderte sich die Bewegungsstruktur und führte zu immer neuen dreidimensionalen Mustern, in denen regelmäßige und unregelmäßige Strukturen, Schärfen und Unschärfen interagierten.
Biografie
Carsten Nicolai wurde 1965 geboren. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem 1997 auf der documenta X und der Biennale in Venedig (2001/2003). Seit 2015 ist er Professor für Kunst mit dem Schwerpunkt auf digitalen und zeitbasierten Medien an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
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Gouache auf Papier
Licht, Luft, Feuer – das sind die drei Elemente, die in Otto Pienes Werk vorrangig den Ton angeben. Als Mitbegründer der Gruppe ZERO (1958), die symbolisch für einen Nullpunkt der Kunst steht, strebten die Künstler danach, die expressive Malerei der Nachkriegszeit von ihrem emotionalen Ballast zu befreien und einen radikalen Neuanfang zu wagen.
In seinen Lichtballetten experimentierte Piene mit bewegtem Licht und Schatten. Mithilfe von rotierenden Lochscheiben, Projektoren und farbigen Filtern ließ er Lichtpunkte und Muster über Wände und Decken tanzen. Damit wurde das Kunstwerk immateriell und interaktiv und hob die Grenzen zwischen Kunst, Raum und Publikum auf.
Später verlagerte Piene diese Idee nach draußen. Seine Sky-Ballette, die wesentlich zu seiner internationalen Bekanntheit beigetragen haben, arbeiten mit Luft: Polyethylenschläuche wer-den damit befüllt. Formen entstehen, lösen sich, verändern sich im Wind und im Wechsel der Kräfte.
Seit 1959 experimentierte er zudem mit Ruß von Kerzen und Petroleumlampen. Es ist naheliegend, dass aus dieser Nähe zum Rauch der Schritt zum Feuer folgte. Mit der Feuergouache „Orange Pilz“ setzte Piene diese Experimente fort. Das Blatt lebt von unterschiedlich dickem Farbauftrag, und das Feuer wird zum Mitspieler im Entstehungsprozess. Hitze bildet Brandblasen, Verkrustungen und Rauchspuren aus, Strukturen, die nicht vorauszusehen sind. Gerade dieses Moment des Ungeplanten schätzte Piene besonders. Und doch ist es kein bloßes Ausgeliefertsein: Indem er das Papier bewegte und das Feuer im richtigen Moment löschte, lenkte er den Prozess, ohne ihn ganz beherrschen zu wollen. Wie so oft bei Piene verweist auch der Titel auf die Natur. Viele seiner Arbeiten tragen Namen, die an Pflanzen, Himmelskörper oder Naturphänomene erinnern. So gibt es tatsächlich den Gemeinen Orangebecherling, einen leuchtend orangefarbenen Pilz aus der Familie der Feuerkissenverwandten. Bei Piene wird daraus kein botanisches Abbild, sondern ein Hinweis auf jene Schnittstelle, an der Naturerscheinung, künstlerische Technik und Experiment ineinandergreifen.Biografie
Otto Piene, geboren 1928 in Bad Laasphe, hat an der Düsseldorfer Akademie Kunst und in Köln Philosophie studiert und 1957 mit Heinz Mack die Gruppe ZERO gegründet, der sich 1961 auch Günther Uecker anschloss. Auf der documenta III in Kassel war 1964 ein ZERO-Lichtraum zu sehen. Ebenfalls 1964 übernahm Piene in den USA eine Gastprofessur an der University of Pennsylvania. Später wechselt er an das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, wo er von 1974 bis 1994 als Direktor des Center for Advanced Studies amtierte und neue Bereiche wie Telekommunikation, Holografie, Laser, Video und Environmental Art etablierte. Arbeiten von Piene befinden sich in zahlreichen Museen weltweit. Er starb 2014 in Berlin.
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Aquarell und Kreide auf Leinwand
Ein leichter Schleier scheint über dem großformatigen Aquarell von Norbert Prangenberg zu liegen. Im Zentrum eine rechteckige, dunkle Fläche, eingefasst von einem doppelten Rahmen aus helleren Tönen. Die Umrahmung entsteht durch lebendige, gestische Pinselspuren, die in wechselnden Intensitäten und Transparenzen aufgetragen sind. Zahlreiche kreisförmige, helle Punkte, von Lasuren in wechselnder Farbe und Dichte durchzogen, setzen Akzente. Prangenbergs fein austarierter Farbauftrag verleiht dem Aquarell, zusammen mit den bewusst gesetzten weißen Kreidelinien und Punkten, eine beinahe körperhafte Präsenz.
Die Komposition erzeugt einen Tiefensog: Der dunkle Kern zieht den Blick nach innen, der hellere Umraum setzt ihn wieder frei. Die vielen Kreise wirken dabei wie optische Markierungen, die Bewegung in den Bildraum bringen und ihn rhythmisch gliedern. So entsteht der Eindruck einer Zirkulation, als liefen Licht, Farbe und Energie in einem stillen Kreislauf, der dem Blatt einen Anklang ans Kosmische verleiht.
Bei Prangenberg ist die Verbindung von Geometrie und organischer Bewegung kein bloßes Formspiel, sondern eine künstlerische Haltung, die sich in seinem umfangreichen bildhauerischen Werk ebenso wiederfindet. Gerade daraus erklärt sich die Wirkung der Bilder. Die scheinbar klaren Farbfelder entziehen sich der bloßen Flächigkeit und gewinnen durch Nuancen, Lasuren und Transparenzen eine spürbare Plastizität und fast skulpturale Präsenz.
Biografie
Norbert Prangenberg wurde 1949 in Nettesheim bei Köln geboren. Von 1963 bis 1967 absolvierte er eine Goldschmiedelehre. 1981 erhielt er den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 1993 hatte er eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München inne. Er lebte und arbeitete in München und Köln.
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Siebdruck auf Büttenpapier, Unikat
In den lichtdurchfluteten Werken von Peyman Rahimi entstehen Parallelwelten, in denen Erinnerung und Vergänglichkeit miteinander verflochten sind. Aufgewachsen im Iran, den er mit 22 Jahren verließ, verarbeitet Rahimi in seiner Kunst persönliche Erlebnisse und kulturelle Erfahrungen. Der großformatige Siebdruck von 2008 zeigt, wie zentral das Licht in seinem Werk ist: Aus schwarzen, grauen und weißen Flächen formt sich ein geheimnisvoller Raum, in dem Licht zugleich enthüllt und verbirgt. Reisen nach Rom und die Auseinandersetzung mit der barocken Kunst führten Rahimi zum Thema der Vergänglichkeit, das er in symbolischen Bildern verdichtet – etwa in der Darstellung eines Pferdes, das im Lauf abrupt die Richtung wechselt. Seine Arbeiten wirken wie Erinnerungen, die sich einer klaren zeitlichen oder räumlichen Einordnung entziehen. „Ich möchte das Flüchtige zeigen – Eindrücke, Gefühle, Momente, die verschwinden und wiederkehren“, sagt der Künstler.
Biografie
Peyman Rahimi, geboren 1977 in Teheran, studierte von 1999 bis 2005 an der Städelschule bei Christa Näher. Seine Werke wurden unter anderem 2008 in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, 2020 in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck und 2023 im Oldenburger Kunstverein in Einzelausstellungen gezeigt. Er lebt und arbeitet in Frankfurt.
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Öl auf Leinwand, Diptychon
Die Arbeit „NO“ ist Teil einer Gemäldeserie, die auf einer von Tobias Rehberger entwickelten, typographischen Umsetzung des lateinischen Alphabets basiert. Die aus Einzeltafeln zusammengesetzten Werke bilden kurze, prägnante Wörter, wie beispielsweise „YES“ und „NO“. Indem Rehberger diese zeichenhaften Buchstaben zu Worten und Akronymen zusammenfügt, regt er nicht nur dazu an, diese „Buchstaben“ zu entziffern, sondern thematisiert auch auf spielerische Weise die Lesbarkeit von abstrakter Kunst. Die Gemälde changieren so zwischen ungegenständlicher Malerei und Typographie. Darüber wirken die Tafeln durch ihre Gestaltung extrem räumlich, obwohl sie tatsächlich zweidimensional sind. Mit ihrer geometrischen Formgebung und leuchtenden Farbigkeit erinnern sie an die Op-Art der 1970er Jahre.
Das Gemälde „NO“ ist repräsentativ für Rehbergers künstlerisches Schaffen. Der Künstler verbindet in seinen Arbeiten immer wieder auf innovative Weise die Felder Kunst, Design und Architektur. Er hat Skulpturen, Gemälde, Rauminstallationen und großflächige Kunst-am-Bau-Projekte geschaffen. 2009 wurde er auf der Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Dort gestaltete er ein Café, dessen schwarz-weiße Ornamentik Boden, Wände und Möbel umfasste und die Grenzen des Raums optisch auflöste. Auch das Gemälde „NO“ greift diese Formensprache auf.
Biografie
Tobias Rehberger wurde 1966 in Esslingen geboren. Seit 2001 ist er Professor für Bildhauerei an der Städelschule in Frankfurt. Er zählt zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation. Seine Werke werden regelmäßig in großen Einzelausstellungen in internationalen Institutionen gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. Rehberger hat zahlreiche Preise erhalten und realisierte mehrere große Projekte im öffentlichen Raum, darunter 2016 den Skulpturenpfad „24 Stops“ zwischen der Fondation Beyeler in Riehen und dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Der Künstler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Papier- und Farbcollagen
Anys Reimann beschäftigt sich mit Fragen der Identität. Als Künstlerin afro-europäischer Herkunft richtet sie ihren Blick besonders auf aktuelle Diskussionen über Herkunft, Geschlecht und die Definition von Körpern. Für ihre figurativen Collagen nutzt sie als Ausgangsmaterial Abbildungen von Gesichtern und Körpern, die sie in Modezeitschriften, kunsthistorischen Büchern oder Zeitungen findet. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. In der Montage verbinden sie sich zu einem persönlichen Archiv der Künstlerin, das Erinnerung, Projektion und gesellschaftliche Bildwelten ineinander verschränkt.
So zeigen beispielsweise die drei Collagen aus der Serie LE NOIRE aus dem Jahr 2023 zusammengesetzte Porträts schwarzer Frauen, in denen verschiedene Fotoausschnitte mit gemalten Partien kombiniert sind. Anys Reimann spielt mit weiblich gelesenen Attributen wie geschminkten Augen und kunstvollen Frisuren und rückt zugleich Brüche und Unstimmigkeiten in den Vordergrund. Indem sie diese Verschiebungen sichtbar macht, legt sie offen, wie sehr unsere Vorstellungen von Weiblichkeit und Identität von überlieferten Bildern und Erwartungen bestimmt sind und lädt damit zu einem differenzierten Blick auf tradierte Zuschreibungen und Klischees ein.
Biografie
Anys Reimann wurde 1965 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium zur Diplom-Ingenieurin arbeitete sie zunächst als Produktdesignerin und studierte von 2012 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Kunstsammlung NRW, im Kunstmuseum Bonn und im Düsseldorfer Kunstpalast. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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Graphit auf Papier
Emy Roeder war eine bedeutende Bildhauerin und Zeichnerin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt wurde. Geboren in Würzburg, studierte sie u.a. bei dem renommierten Bildhauer Bernhard Hoetger in Darmstadt. In den 1920er Jahren wurde sie Mitglied der Berliner Secession, einer Gruppe progressiver Künstler, und ihre Arbeiten wurden zunehmend von der Avantgarde beeinflusst. In der NS-Zeit wurde ihre Kunst als „entartet“ diffamiert. 1955 nahm sie an der ersten Documenta in Kassel teil.
Emy Roeder ist bekannt für ihre profilierten Figuren, seien es Akte, Bildnisse oder Tierdarstellungen. Ausgehend vom Naturvorbild entwickelte sie ein unverkennbares künstlerisches Vokabular, das sich durch eine konsequente Stilisierung ihrer Motive auszeichnet.
In den vielfältigen Tierdarstellungen zeigt sich Roeders Fähigkeit, die Charakteristik eines Tieres mit wenigen, aber präzisen Linien und Formen einzufangen. Die Werke zeichnen sich durch eine stilisierte, manchmal fast abstrakte Formgebung aus, die dennoch die wesentlichen Merkmale und die Lebendigkeit der dargestellten Tiere einfängt. In der Zeichnung „Zwei Pferde“ sind die Momente des Vorwärtsdrängens und des Zurückweichens in eine spannungsvolle Dynamik gebracht. Insgesamt spiegeln ihre Arbeiten eine tiefe Achtung vor der Natur und dem Lebendigen wieder.
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Graphit, Rötelstift auf Papier
Emy Roeder war eine bedeutende Bildhauerin und Zeichnerin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt wurde. Geboren in Würzburg, studierte sie u.a. bei dem renommierten Bildhauer Bernhard Hoetger in Darmstadt. In den 1920er Jahren wurde sie Mitglied der Berliner Secession, einer Gruppe progressiver Künstler, und ihre Arbeiten wurden zunehmend von der Avantgarde beeinflusst. In der NS-Zeit wurde ihre Kunst als „entartet“ diffamiert. 1955 nahm sie an der ersten Documenta in Kassel teil.
Emy Roeder ist bekannt für ihre profilierten Figuren, seien es Akte, Bildnisse oder Tierdarstellungen. Ausgehend vom Naturvorbild entwickelte sie ein unverkennbares künstlerisches Vokabular, das sich durch eine konsequente Stilisierung ihrer Motive auszeichnet.
In den vielfältigen Tierdarstellungen zeigt sich Roeders Fähigkeit, die Charakteristik eines Tieres mit wenigen, aber präzisen Linien und Formen einzufangen. Die Werke zeichnen sich durch eine stilisierte, manchmal fast abstrakte Formgebung aus, die dennoch die wesentlichen Merkmale und die Lebendigkeit der dargestellten Tiere einfängt. In der Zeichnung „Zwei Pferde“ sind die Momente des Vorwärtsdrängens und des Zurückweichens in eine spannungsvolle Dynamik gebracht. Insgesamt spiegeln ihre Arbeiten eine tiefe Achtung vor der Natur und dem Lebendigen wieder.
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Aquarell und Kreide auf Papier
Als Christian Rohlfs die Lotusblüte und die Schilfgräser malte, war er bereits 84 Jahre alt. Im Unterschied zu seiner expressionistischen Werkphase, die etwa um 1919 ihren Höhepunkt erreicht hatte, erscheinen seine künstlerischen Ausdrucksmittel nun stark vereinfacht und von großer Klarheit: eine sparsame, fast asketische Malerei, die den Gegenstand aus einer zarten und dennoch entschiedenen Kontur entwickelt. Ein subtiles Spiel mit den Mitteln der Stilisierung und die weitgehende Auflösung des Dinglichen in einem ätherischen Weiß kennzeichnen das wohl in Ascona am Lago Maggiore entstandene Blatt. Seit 1929 hatte sich der Künstler dorthin mit seiner Frau Helene Vogt zurückgezogen. Der enge Kontakt mit der Natur, die er von seiner Terrasse am See überblicken konnte, und vor allem die Erfahrung aus nahezu sieben Jahrzehnten künstlerischer Arbeit führten Rohlfs zu einer lichten, fast transparenten Malerei. Er verstand das Bild seitdem vor allem als offenen, lebendigen Raum und leisen Klang.
Biografie
Christian Rohlfs, geboren 1849, studierte ab 1870 an der Kunstakademie Weimar und prägte das deutsche Kunstleben maßgeblich. Von 1924 bis 1937 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. 1929 wurde in Hagen das Christian-Rohlfs-Museum gegründet, das seinem Werk gewidmet ist. Er starb im Jahr 1939 in Hagen.
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Linolschnitt auf Papier
Der großformatige Linolschnitt von Christoph Ruckhäberle fällt mit seinen kräftigen Farben und kontrastreichen Mustern sofort ins Auge. Das Werk ist typisch für Ruckhäberles intensive Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Druckgrafik. Der Künstler entwirft seine Arbeiten nicht nur, sondern druckt sie auch selbst. 2007 gründete er zudem den Lubok-Verlag. Seither kooperiert er mit namhaften Zeitgenossen und publiziert aufwendig gestaltete Künstlerbücher mit Originalgrafiken.
Sein Linolschnitt aus dem Jahr 2011 zeigt eine wundersam überlängte Figur. Im extremen Hochformat verschiebt Christoph Ruckhäberle spielerisch die menschlichen Proportionen. Die Formen erinnern an Holzpuppen und Marionetten. In Kombination mit dem teilweise bunt-karierten Hintergrund gewinnen die scharf aneinander gesetzten Farbfelder und die schnittmusterartigen Formen eigentümliche Spannung. Ruckhäberle nutzt die Besonderheiten des Linolschnitts so, dass die Komposition an eine Momentaufnahme aus einem Puppentheater oder Zeichentrickfilm erinnert. Das Motiv der stilisierten und verfremdeten Frau erhält durch die Gitternetzoptik des Hintergrunds eine flirrende Dynamik.
Biografie
Christoph Ruckhäberle wurde 1972 in Pfaffenhofen geboren. 1991/92 studierte er Zeichentrickfilm am California Institute of the Arts in Valencia und erhielt 1993 ein Stipendium des Walt Disney Character Animation Funds. Von 1997 bis 1999 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und wurde dort im Jahr 2000 Meisterschüler bei Arno Rink. 2001 erhielt er ein Stipendium des Freistaats Sachsen. Seine Werke werden regelmäßig in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Ruckhäberle lebt und arbeitet in Leipzig.
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Offsetdruck Duplex und Siebdruck
Der Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz gehört zu den bedeutenden Kunstschaffenden seiner Generation. Seine Werke zeichnen sich durch eine charakteristische Bildsprache aus, die sich zwischen den beiden großen Polen der jüngeren Kunstgeschichte, Abstraktion und Figuration, bewegt. Dabei verschränkt er Architekturzitate, Landschaftsdetails, Werbemotive und Comics mit Dingen aus der Alltagskultur.
In der Serie „Set 1 bis 5“ lassen sich viele dieser Elemente wiederfinden. Zu erkennen ist etwa ein schlichtes Wohngebäude, dessen geometrische Grundformen in Schwarz auf weißem Grund durch Farbflächen und Linien in Grün und Rot akzentuiert werden. Ein anderes Blatt zeigt einen Gartenzaun, bei dem Thomas Scheibitz mit den formalen Kontrasten zwischen hell und dunkel spielt. Auf einem weiteren Druck erscheint eine vereinfacht dargestellte Blume, deren runde Form im nächsten Blatt aufgegriffen wird und sich dort in den comicartigen Kopf einer Maus verwandelt.
Thomas Scheibitz verbindet abstrakte Formen mit Versatzstücken vertrauter Motive wie Häusern oder Gesichtern. In diesen Verschiebungen verlieren die Bilder ihre Eindeutigkeit und laden dazu ein, Bezüge zwischen Form, Erinnerung und Lebenswelt neu zu sehen.
Biografie
Thomas Scheibitz wurde 1968 in Radeberg geboren. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher studierte er von 1991 bis 1996 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 2001 zeigte das Stedelijk Museum in Amsterdam seine Werke und 2005 repräsentierte er Deutschland im Pavillon der Biennale in Venedig. 2013 folgte eine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Seit 2018 ist Thomas Scheibitz Professor für Malerei und Skulptur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in Berlin.
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Tuschpinsel und Aquarell
Karl Schmidt-Rottluff, deutscher Expressionist und Mitbegründer der Künstlervereinigung „Brücke“, gehört zu jenen Künstlern, die sich bewusst von den akademischen Traditionen ihrer Zeit absetzten. Während die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert bereits vielfältige Wege zwischen naturgetreuer Darstellung, atmosphärischer Stimmung und subjektiver Empfindung beschritt, suchten Schmidt-Rottluff und seine Künstlerkollegen nach einer noch radikaleren, unmittelbaren und expressiven Bildsprache. Ab 1909 wurde die Kurische Nehrung an der Ostseeküste mit ihrer Weite und Kargheit zu einer wichtigen Inspirationsquelle für sein Schaffen, so auch in diesem Aquarell. Lockere schwarze Pinselstriche umreißen die einzelnen Motive und fassen sie in klare Silhouetten. Die bewusst vereinfachte Formensprache öffnet den Blick für das Wesentliche und lässt Raum für Empfindung. Der lichte Farbauftrag erzeugt eine Atmosphäre von Stille und Leuchtkraft. Zartes Gelb verweist auf das warme Sonnenlicht und den Sand der Dünen, während am Horizont ein schwebendes Blau zwischen Meer und Himmel liegt. Schmidt-Rottluff hält das Blatt durch gezielte Linienführung und nuancierten Farbauftrag in einer poetischen Schwebe und macht so sein inneres Erleben und die Beziehung zur Landschaft erfahrbar.
Biografie
Karl Schmidt-Rottluff wurde 1884 in Chemnitz-Rottluff geboren. Nach einem begonnenen Architekturstudium in Dresden widmete er sich der Malerei. Er erhielt 1930 ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom und war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er im Jahr 1976 starb.
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Tuschpinsel und Aquarell
Karl Schmidt-Rottluff, deutscher Expressionist und Mitbegründer der Künstlervereinigung „Brücke“, gehört zu jenen Künstlern, die sich bewusst von den akademischen Traditionen ihrer Zeit absetzten. Während die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert bereits vielfältige Wege zwischen naturgetreuer Darstellung, atmosphärischer Stimmung und subjektiver Empfindung beschritt, suchten Schmidt-Rottluff und seine Künstlerkollegen nach einer noch radikaleren, unmittelbaren und expressiven Bildsprache. Ab 1909 wurde die Kurische Nehrung an der Ostseeküste mit ihrer Weite und Kargheit zu einer wichtigen Inspirationsquelle für sein Schaffen, so auch in diesem Aquarell. Lockere schwarze Pinselstriche umreißen die einzelnen Motive und fassen sie in klare Silhouetten. Die bewusst vereinfachte Formensprache öffnet den Blick für das Wesentliche und lässt Raum für Empfindung. Der lichte Farbauftrag erzeugt eine Atmosphäre von Stille und Leuchtkraft. Zartes Gelb verweist auf das warme Sonnenlicht und den Sand der Dünen, während am Horizont ein schwebendes Blau zwischen Meer und Himmel liegt. Schmidt-Rottluff hält das Blatt durch gezielte Linienführung und nuancierten Farbauftrag in einer poetischen Schwebe und macht so sein inneres Erleben und die Beziehung zur Landschaft erfahrbar.
Biografie
Karl Schmidt-Rottluff wurde 1884 in Chemnitz-Rottluff geboren. Nach einem begonnenen Architekturstudium in Dresden widmete er sich der Malerei. Er erhielt 1930 ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom und war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er im Jahr 1976 starb.
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Tuschpinsel und Aquarell auf Papier
Karl Schmidt-Rottluff, deutscher Expressionist und Mitbegründer der Künstlervereinigung „Brücke“, gehört zu jenen Künstlern, die sich bewusst von den akademischen Traditionen ihrer Zeit absetzten. Während die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert bereits vielfältige Wege zwischen naturgetreuer Darstellung, atmosphärischer Stimmung und subjektiver Empfindung beschritt, suchten Schmidt-Rottluff und seine Künstlerkollegen nach einer noch radikaleren, unmittelbaren und expressiven Bildsprache. Ab 1909 wurde die Kurische Nehrung an der Ostseeküste mit ihrer Weite und Kargheit zu einer wichtigen Inspirationsquelle für sein Schaffen, so auch in diesem Aquarell. Lockere schwarze Pinselstriche umreißen die einzelnen Motive und fassen sie in klare Silhouetten. Die bewusst vereinfachte Formensprache öffnet den Blick für das Wesentliche und lässt Raum für Empfindung. Der lichte Farbauftrag erzeugt eine Atmosphäre von Stille und Leuchtkraft. Zartes Gelb verweist auf das warme Sonnenlicht und den Sand der Dünen, während am Horizont ein schwebendes Blau zwischen Meer und Himmel liegt. Schmidt-Rottluff hält das Blatt durch gezielte Linienführung und nuancierten Farbauftrag in einer poetischen Schwebe und macht so sein inneres Erleben und die Beziehung zur Landschaft erfahrbar.
Biografie
Karl Schmidt-Rottluff wurde 1884 in Chemnitz-Rottluff geboren. Nach einem begonnenen Architekturstudium in Dresden widmete er sich der Malerei. Er erhielt 1930 ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom und war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er im Jahr 1976 starb.
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Linolschnitt auf Papier
Kreise, die an Planeten erinnern, sind nur ein Element aus dem schier überbordenden Kosmos von Jens Schubert. In Werken wie „Himmelsmaschine“ nutzt er ein opulent farbiges Vokabular an Symbolen, Motiven und Ornamenten, die in den Linolschnitten immer neue Verbindungen eingehen. Die Architektur des Art déco findet hier ebenso ihren Platz wie Motive aus Fantasy- und Comic-Zeichnungen. Alles wird in starken Farben und Kontrasten miteinander verwoben.
Für seine Werke nutzt Jens Schubert die Technik des Linolschnitts. Anders als üblich geht es ihm dabei jedoch nicht darum, mehrere identische Drucke von einer Platte herzustellen. Vielmehr fasziniert ihn das experimentelle Potenzial dieser Technik, deren Grenzen er in seinen Arbeiten immer wieder auslotet: Verschiedene Formen, wie etwa Kreise, werden ausgeschnitten und wie Stempel einzeln gedruckt: übereinander, nebeneinander, mehrfach an unterschiedlichen Stellen, erneut übereinander – so lange, bis die Komposition vollendet ist. So entstehen in aufwendigen Druckprozessen ausschließlich Unikate, in denen Arbeitsspuren, Kanten, Unregelmäßigkeiten, Fingerabdrücke und Korrekturen deutlich sichtbar bleiben.
Mit der eindringlichen, pastosen Vielfarbigkeit seiner Bilder erinnert Schuberts Formensprache mitunter an Volkskunst. Nicht das realitätsnahe Abbilden oder Erzählen von Geschichten steht für Jens Schubert im Vordergrund, vielmehr konzentriert er sich auf die emotionale Kraft seiner Werke. Sie laden den Betrachter ein, eigene Assoziationen zu entwickeln.
Biografie
Jens Schubert wurde 1983 in Schwarzenberg im Erzgebirge geboren. Er studierte Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er 2011 sein Studium in der Meisterklasse bei Annette Schröter beendete. 2015 wurden seine Arbeiten in einer Einzelausstellung in der Deutschen Bundesbank Frankfurt präsentiert. Der Künstler lebt und arbeitet in Leipzig.
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Öl auf Leinwand
Mit vielen Künstlern im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts teilte Bernard Schultze das Interesse am Unbewussten als Weg der Erkenntnis und schuf Werke, die am Surrealismus orientiert waren. Die meisten Bilder und Zeichnungen aus den Jahren vor 1945 verbrannten jedoch im Bombenhagel. In einem künstlerischen Neuanfang begann Bernard Schultze mit einfachsten Mitteln in jenen „grausig-prächtigen Märchen zu schwärmen“, die seinen weiteren künstlerischen Weg bestimmen sollten. 1951, beeindruckt von Wols und den französischen Tachisten, entwickelte er seine spezifische Formensprache und wurde zum Initiator der informellen Kunst in Deutschland.
Für sein intuitives Malen ließ sich Bernard Schultze viel Zeit. Er improvisierte mit plastischer Farbmaterie und Hölzern und ließ dabei filigrane Dickichte und Labyrinthe entstehen. Im Gemälde „Auf Gelb“ zeigt sich Schultzes Fähigkeit, sich im Malprozess inneren Impulsen anzuvertrauen. Doch trotz der Vielfalt an Formen und Farben entsteht kein willkürliches Chaos, sondern ein lebendiges Bildgefüge. Diese Ordnung findet Bernard Schultze in einem sicheren Gefühl für Farben und Strukturen, das an barocken Deckenbildern geschult ist.
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Öl auf Holz
Für Emil Schumacher war Malen weit mehr als das bloße Auftragen von Farbe auf eine Fläche. Der handwerkliche Prozess war eine überaus sinnliche Angelegenheit, bei der nichts bedeutungslos oder unwichtig war. Weder die Zusammensetzung der Farbe, die Auswahl zusätzlicher Materialien wie Sand oder Papier, noch der Akt des Auftragens auf den Bildträger waren für ihn nebensächlich. Industriell hergestellte Farben kamen für ihn nicht in Frage. Statt Leinwand bevorzugte er häufig das in vielerlei Hinsicht schwierig zu bearbeitende Holz.
Die Entstehung seiner Bilder, wie des großformatigen Werks „Arpha“, erforderte Zeit und großen Körpereinsatz. In dicken Schichten trug Schumacher die Farben auf, riss sie in Überarbeitungsphasen wieder auf, entfernte sie stellenweise und spachtelte neue Substanz hinzu. So entstand ein spröder, aber bewegter Untergrund in Erdfarben, vor dem sich ein schwarzes Liniengeflecht kontrastreich abhebt. Der assoziative Blick der Betrachtenden erkennt darin vielleicht die zeichnerische Kurzform eines Hauses. Solche inhaltlichen Zuweisungen standen jedoch weniger in Schumachers Interesse. Seine Bilder wollen nichts erzählen, sie entstehen vielmehr in einem natürlichen Wachstumsprozess aus der Materialität der Farbe und der Motorik des Künstlers. Mit dieser Herangehensweise wurde Schumacher zu einem wichtigen Vertreter der sogenannten informellen Malerei in Deutschland, die sich seit den 1950er Jahren in Europa durchgesetzt hat.
Biografie
Emil Schumacher wurde 1912 in Hagen geboren und studierte von 1932 bis 1935 an der Kunstgewerbeschule in Dortmund. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Guggenheim Award in New York City im Jahr 1958. Er war Professor an den Kunsthochschulen in Hamburg und Karlsruhe und hatte internationale Gastprofessuren inne. Als Mitglied bedeutender Akademien, darunter die Akademie der Künste in Berlin und die Sächsische Akademie der Künste in Dresden, prägte er das kulturelle Leben maßgeblich. Schumacher starb im Jahr 1999 auf Ibiza.
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Acryl auf gebleichtem Nessel
Steht man vor Anja Schwörers großformatigem Werk „Ohne Titel (AP_0709)“, hat man das Gefühl, in einen unendlichen Raum zu blicken. Im Vordergrund ziehen sich weiße Linien sternförmig über die Leinwand. Sie scheinen vor einem Hintergrund zu schweben, der durch ein Muster aus ineinander liegenden Rauten gegliedert ist. Während die weißen Linien hell aufleuchten, formen unregelmäßig verlaufende Streifen die Rautenstruktur. So entsteht eine faszinierende Tiefenwirkung, die an Science-Fiction-Szenen im Weltraum erinnert.
Die unterschiedlichen Qualitäten der Bildelemente sind das Ergebnis eines besonderen Herstellungsprozesses. Obwohl diese Arbeit wie ein Gemälde auf Keilrahmen präsentiert wird, entsteht sie nicht allein durch das Auftragen von Farbe, sondern ebenso durch den gezielten Entzug. Statt einer klassischen Leinwand dient ihr Stoff als Bildträger, den sie mithilfe traditioneller Textiltechniken bearbeitet. Schwörer greift auf asiatische Faltmethoden zurück, um schwarze Stoffe gezielt zu bleichen und zu entfärben. Die so entstehenden Strukturen sind das Ergebnis eines präzisen Umgangs mit dem Material.
Anja Schwörer verbindet in ihrer Arbeit verschiedene Bildsprachen. Einerseits steht sie in der Tradition der konkreten Kunst, die sich durch rationale Prinzipien und klare geometrische Formen auszeichnet. Andererseits bringt sie mit den kunsthandwerklichen Techniken eine spielerische Komponente ins Werk. Zufall und Materialeigenschaften werden Teil des künstlerischen Prozesses. Beim Entfärben schwarzer Stoffe entstehen keine gleichmäßigen weißen Flächen oder geraden Linien, sondern lebendige Muster in überraschenden Farbnuancen. Damit vereint Schwörers Kunst scheinbare Gegensätze: Strenge Geometrie trifft auf materielle Unvorhersehbarkeit und klassische Kunstgeschichte auf traditionelles Kunsthandwerk.
Biografie
Anja Schwörer wurde 1971 in Kandel geboren. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Eine wichtige Station war 2005 die Einzelausstellung in der Galerie Jacky Strenz in Frankfurt. International wurde sie spätestens bei Nicelle Beauchenne in New York wahrnehmbar. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Mischtechnik auf Leinwand
Henning Strassburgers Ölbild „Randy“, entstanden im Jahr nach seinem Abschluss an der Düsseldorfer Akademie, setzt am Anfang klar an: Links eine schmale, vertikal angelegte blaue Bahn, dann ein weißer Streifen, daneben die große rosa Partie, als könnte die Malerei, mit einem Anflug von Selbstironie, an geläufige Zuschreibungen von Blau und Rosa an Männliches und Weibliches erinnern, ohne sie zu bestätigen.
Doch Strassburger belässt es nicht bei dieser möglichen Andeutung. Über den farbigen Grund legt er breite Pinselschwünge in Grüngelb und Grau, gelegentlich von Weiß akzentuiert, die sich wie tastende Bewegungen über die Fläche ziehen, ohne sie je festzuschreiben. Darüber winden sich schwarze und graue Schlingen, die das Bild durchziehen.
Inmitten dieser malerischen Unruhe klebt oben links ein Zeitungsausschnitt: der Hinterkopf eines Mannes, dazu die Anleitung für die Frisur eines modernen Dandys. Ein Fragment der Medienwelt, das sich wie ein Störsignal in das malerische Gefüge schiebt. Orangefarbene Spritzer treffen den Ausschnitt, als wolle die Malerei das Vorgefundene zurückholen, es in den eigenen Kosmos integrieren und zugleich ironisch brechen.
Der Titel „Randy“, ein umgangssprachlicher Ausdruck für „lüstern“, verschiebt die Lesart des Bildes. Im Zusammenspiel von Farben, Männerkopf und Styling-Anleitung könnte aus gepflegtem Stil und kontrollierter Pose ein Hinweis auf Begehren werden und auf die Rolle, die solche Codes dabei spielen. So entsteht eine ironische Spannung zwischen „Dandy“, Inbegriff von Eleganz und Habitus, und „Randy“, Synonym für Trieb und Begierde. Strassburger spielt mit diesen Zeichen, zeigt ihre Künstlichkeit und lässt sie doch in der Schwebe.
Biografie
Henning Strassburger wurde 1983 in Meißen geboren. Er studierte bei Daniel Richter und Albert Oehlen an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Arbeiten umfassen Malerei, Video und Installation und werden in zahlreichen Gruppen- wie auch Einzelausstellungen präsentiert. Er lebt und arbeitet in Berlin.
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Mischtechnik und Collage auf Leinwand
Wie ein glühender, zäh dahinfließender Lavastrom scheinen sich die Farben auf dem Gemälde „Rot 65“ von Fred Thieler ihren Weg gebahnt zu haben. Einmal erstarrt, haben sie die Gestalt rot-schwarzer Inseln und sich grau-weiß kräuselnder Pfützen angenommen. Schlieren und Schrunden strukturieren die Oberfläche und formen ein reliefartiges Gefüge von beinahe geologischer Anmutung.
Die Formen spiegeln den Entstehungsprozess unmittelbar wider. Thieler legte die Leinwand flach auf den Atelierboden und ließ die Farben aus Kanistern und Dosen auf den Malgrund laufen. Den Farbfluss lenkte er dabei intuitiv durch Anheben, Falten und Kippen der Leinwand oder durch schnelle Eingriffe mit dem Pinsel. So gab er dem Zufall, im unmittelbaren Prozess des Malens, Form und Richtung. Thieler selbst verstand dieses Malen als ein „forschendes Tun“, das ihn seit 1964, neben der Beschränkung auf wenige Grundfarben, auch mit Collage-Elementen experimentieren ließ.
Diese offene, dynamische Art des „Bildermachens“ rückt den Berliner Künstler aus heutiger Sicht in die Nähe des amerikanischen Action-Painting und der Drip Paintings von Jackson Pollock. In Deutschland zählte Fred Thieler zu den prägenden Malern des Informel. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben sie der abstrakten Kunst entscheidende Impulse, indem sie die Malerei aus den herkömmlichen Gestaltungsprinzipien lösten. Maßgeblich war dabei jene produktive Spannung zwischen Zufall und Lenkung, in der sich das Bild nicht als Entwurf, sondern als Ergebnis eines offenen, prozesshaften Geschehens formt.
Biografie
Fred Thieler wurde 1916 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München war er 1949 Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49. Von 1959 bis 1981 lehrte er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Thieler erhielt zahlreiche internationale Anerkennungen, darunter den Lovis-Corinth-Preis im Jahr 1985. Er starb 1999 in Berlin.
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Farbserigrafien auf Papier
Victor Vasarely ist einer der prominentesten Vertreter der Op-Art, jener Kunst, in der geometrische Formen durch Variationen von Größe sowie Helligkeits- und Farbwerten so wiederholt und angelegt werden, dass das Bild vor dem Auge des Betrachters zu flirren beginnt. Mit über 80 Jahren nimmt er in „Les années cinquante“ von 1989, einem Portfolio aus zehn Siebdrucken, noch einmal seine Werkphase der 1950er Jahre in den Blick. Damals war seine Kunst der optischen Täuschung noch nicht so ausformuliert, doch er begann bereits, Eindrücke aus der Realität in Farbe und Fläche zu übersetzen.
In den Siebdrucken scheinen Formen im Raum zu schweben: Mal wirken sie streng zweidimensional, mal kippen sie ins Dreidimensionale. Sie treten neben- und übereinander, staffeln sich scheinbar in die Tiefe, als gäbe es Vorder- und Hintergrund. Was nahe beieinanderliegt, erscheint als zusammengehörig; was sich ähnelt, wird als Einheit gelesen. Erkennt das Auge eine Form vor einer Fläche, rückt sie scheinbar nach vorn. Zugleich wirken Bewusstsein, Erfahrung und Erwartung mit und stellen Bedeutungen her. Vasarely nutzte diese Mechanismen des Sehens, wie sie auch die Gestalttheorie beschreibt. Diese psychologische Theorie erklärt, wie das Gehirn Muster, Gruppen und Zusammenhänge erkennt. Genau das machte sich Vasarely zunutze, um Wahrnehmung zu schärfen und Sehgewohnheiten zu irritieren. Von hier aus ist konsequent, dass Vasarely Kunst als visuelles System verstand, das sich auf Architektur, Städtebau, Grafik und Alltagsgestaltung übertragen lässt.
Biografie
Victor Vasarely wurde 1906 in Pécs, Ungarn, geboren. Er studierte an der Podolini-Volkmann Akademie und am Mühely in Budapest. 1970 eröffnete er sein Musée didactique im französischen Gordes, 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. Seine Werke sind regelmäßig in Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Victor Vasarely starb 1997 in Paris.
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Ohne Titel, 2010
Buntstift auf TonpapierMit filigranen geometrischen Zeichen bearbeitet und verändert Claudia Wieser alte Buchseiten mit Landschaftsmotiven, Interieur- oder Architekturansichten. Die historischen Schwarz-Weiß-Abbildungen sind für die Künstlerin nicht nur Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern dienen auch als Projektionsfläche und Bezugsfeld für vielschichtige Bildinszenierungen. Auch die Fotografie der finnischen Seenlandschaft bei Sotkamo überspannt Wieser mit einer feinen, goldenen Lineatur zweier übereinanderliegender Rauten, die gleich einem kunstvollen Koordinatensystem den Blick auf sich ziehen. Die Linien korrespondieren mit dem rechteckigen Bildformat, indem sie dessen Ränder jeweils mittig berühren, und nehmen gleichzeitig die Schrägen der abgebildeten Kanus auf.
In immer wieder neuen Kombinationen und Serien bezieht sich Claudia Wieser auf unterschiedliche Zeiträume und stellt mit den Perspektivwechseln vielfältige Bezüge und Interpretationsmöglichkeiten her. Dabei arbeitet die Künstlerin nicht nur mit kleinen Formaten, sondern entwickelt auch Keramiken, Spiegelobjekte und wandfüllende Installationen.
Mit ihrer geometrisierenden Bildsprache greift Wieser insbesondere auf ein konstruktivistisches Formenrepertoire zurück und somit auch auf ein utopisches Moment, das jene Künstler zu Anfang des 20. Jahrhunderts geistig umtrieb: die Kluft zwischen Kunst und Alltag zu überwinden und im Sinne einer umfassenden Lebensgestaltung zu revolutionieren.
Biografie
Claudia Wieser wurde 1973 in Freilassing geboren. Von 1993 bis 1997 absolvierte sie eine Lehre als Kunstschmiedin. Anschließend studierte sie von 1997 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Markus Oehlen. Wiesers Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem 2010 im The Drawing Center in New York und 2023 im Yves Saint-Laurent-Museum in Paris. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
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Ohne Titel, 2010
Buntstift und Blattgold auf TonpapierMit filigranen geometrischen Zeichen bearbeitet und verändert Claudia Wieser alte Buchseiten mit Landschaftsmotiven, Interieur- oder Architekturansichten. Die historischen Schwarz-Weiß-Abbildungen sind für die Künstlerin nicht nur Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern dienen auch als Projektionsfläche und Bezugsfeld für vielschichtige Bildinszenierungen. Auch die Fotografie der finnischen Seenlandschaft bei Sotkamo überspannt Wieser mit einer feinen, goldenen Lineatur zweier übereinanderliegender Rauten, die gleich einem kunstvollen Koordinatensystem den Blick auf sich ziehen. Die Linien korrespondieren mit dem rechteckigen Bildformat, indem sie dessen Ränder jeweils mittig berühren, und nehmen gleichzeitig die Schrägen der abgebildeten Kanus auf.
In immer wieder neuen Kombinationen und Serien bezieht sich Claudia Wieser auf unterschiedliche Zeiträume und stellt mit den Perspektivwechseln vielfältige Bezüge und Interpretationsmöglichkeiten her. Dabei arbeitet die Künstlerin nicht nur mit kleinen Formaten, sondern entwickelt auch Keramiken, Spiegelobjekte und wandfüllende Installationen.
Mit ihrer geometrisierenden Bildsprache greift Wieser insbesondere auf ein konstruktivistisches Formenrepertoire zurück und somit auch auf ein utopisches Moment, das jene Künstler zu Anfang des 20. Jahrhunderts geistig umtrieb: die Kluft zwischen Kunst und Alltag zu überwinden und im Sinne einer umfassenden Lebensgestaltung zu revolutionieren.
Biografie
Claudia Wieser wurde 1973 in Freilassing geboren. Von 1993 bis 1997 absolvierte sie eine Lehre als Kunstschmiedin. Anschließend studierte sie von 1997 bis 2003 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Markus Oehlen. Wiesers Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem 2010 im The Drawing Center in New York und 2023 im Yves Saint-Laurent-Museum in Paris. Sie lebt und arbeitet in Berlin.