Johannes Beermann (Bundesbank-Vorstand) zeigt von der Flut beschädigte Münzen in der Bundesbank in Mainz, am 09.02.2022

Bundesbank bearbeitet über 1,5 Millionen Banknoten nach Flutkatastrophe

Die verheerende Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im vergangenen Juli hat die Menschen schwer getroffen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank haben seitdem zahlreiche beschädigte Scheine und Münzen bearbeitet, die die Menschen aus den Flutgebieten bis heute einsenden. Bislang seien es mehr als 1,5 Millionen Banknoten und 1,2 Millionen Münzen gewesen, sagte Bundesbankvorstand Johannes Beermann bei einem Pressegespräch in Mainz. „Insgesamt hat die Bundesbank bereits Bargeld im Wert von mehr als 100 Millionen Euro erstattet.“ Das Geld stamme aus Banken, die samt Tresoren und Schließfächern überflutet wurden, aber auch von Privatpersonen. Von den insgesamt 1.573.032 Banknoten kamen 1.050.165 Stück von Banken und 522.867 Stück aus privatem Besitz. Im Vergleich beispielsweise zum Hochwasser im Jahr 2013 sind das Rekordwerte. Damals wurden etwa 150.000 Banknoten eingereicht. Die Flut 2021 habe „alles in den Schatten gestellt, was wir bislang erlebt haben“, so Beermann.

Reine Handarbeit

Um den Geschädigten der Flutkatastrophe umgehend zu helfen, war schnelles Handeln und Improvisation gefragt. So schaffte die Bundesbank Wäschetrockner an, um die Noten zu trocknen und stellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen für die Bearbeitung der Noten ab. Die Banknoten aus den Flutgebieten mussten per Hand bearbeitet werden, da die stark durchnässten Noten den Maschinen geschadet hätten. Und bei der Bearbeitung drängte die Zeit: Werden gebündelte Banknoten im feuchten Zustand zum Beispiel durch Schlamm stark verschmutzt und trocknen aus, ist ein Zählen kaum noch möglich. „Aber Zählen müssen wir ja, um zu wissen, wie viel wir erstatten“, so Beermann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesbank trockneten die Scheine deshalb so schnell wie möglich, strichen sie glatt, prüften sie auf Echtheit und zählten sie. Dabei erleichterten sie sich die Arbeit mit ein paar (Haushalts-)Tricks: Um den starken Geruch des Flutgelds zu mildern, nutzten sie Duftzusätze für die Wäschetrockner. Zudem kamen Tennisbälle zum Einsatz, die die Verkantungen der Banknoten im Trockner verringerten. Die geglätteten Banknoten beschwerten sie mit Pflastersteinen. „Darauf muss man auch erstmal kommen“, so Beermann. Es sei der Innovationskraft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, dass ein solches Vorhaben überhaupt umgesetzt werden konnte. „Somit konnten wir unserem gesetzlichen Auftrag auch in einer solchen Situation nachkommen.“  

Flut-Münzen werden noch immer bearbeitet

Nachdem die Bearbeitung der Banknoten Ende 2021 abgeschlossen wurde, sind nun die Münzen aus den Flutgebieten an der Reihe. Anders als bei den Banknoten bestehe bei den Münzen nicht die Gefahr, dass sie verklumpten, erklärte Beermann bei dem Gespräch. Da die Münzen zudem oft noch in Rollen eingepackt sind, sei es oftmals leichter, ihren Gegenwert festzustellen. Auch die verschmutzten und angerosteten Münzen würden zunächst mit Wasser gereinigt. „Danach müssen die Münzen auf einem Tuch ausgerollt werden“, erklärte Beermann, der den Prozess bei dem Pressegespräch demonstrierte. Anschließend würden sie an der Luft beziehungsweise mit Küchentüchern getrocknet. Sind sie zu stark verdreckt oder verrostet, müssten auch sie per Hand gezählt werden. Die Bundesbank plane, die Bearbeitung der Münzen aus den Flutgebieten bis Mitte März 2022 abzuschließen.

Die Einsendung von beschädigtem Bargeld bei der Bundesbank sei nach wie vor möglich, betonte Beermann. „Für die Betroffenen ist das kostenlos.“