Schwerpunkte der Bankenaufsicht 2020

BaFin und Deutsche Bundesbank erarbeiten jährlich die Schwerpunkte für die Aufsicht über die weniger bedeutenden Institute (Less Significant InstitutionsLSIs) in Deutschland. Dabei werden zunächst die Hauptrisiken für die LSIs und, darauf aufbauend, im Sinne einer risikoorientierten Aufsicht die aufsichtlichen Maßnahmen zur Adressierung dieser Risiken festgelegt. Für die bedeutenden Institute (Significant Institutions, SIs), die unter direkter Aufsicht der EZB stehen, legt der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory MechanismSSM) die wesentlichen Schwerpunkte fest. Diese werden auch bei der Festlegung der LSI-Schwerpunkte berücksichtigt.

Für 2020 haben BaFin und Deutsche Bundesbank insgesamt sechs wesentliche Risiken für den deutschen LSI-Sektor identifiziert:

  • Zinsrisiken
  • Geschäftsmodellrisiken
  • IT-Risiken
  • Kreditrisiken (einschließlich Risiken aus Entwicklungen im Immobiliensektor)
  • Länderrisiken
  • Rechts-, Reputations- und Compliancerisiken

Vor diesem Hintergrund haben BaFin und Deutsche Bundesbank für die Aufsicht über die deutschen LSIs die folgenden beiden aufsichtlichen Schwerpunkte festgelegt:

  • Follow-up zu den Stresstests 2019 für LSIs und Bausparkassen und den Umfragen zu Immobilienfinanzierung und Kreditvergabestandards
  • Intensive Auseinandersetzung mit und Adressierung von IT-Risiken der Institute

Diese Schwerpunkte werden insbesondere in den nachstehend aufgeführten Handlungsfeldern berücksichtigt.

Die Bankenaufsicht wird die Profitabilität und Widerstandsfähigkeit der Institute überwachen und dafür die nachstehend genannten Aktivitäten durchführen:  

  • Die Bankenaufsicht wertet die Ergebnisse der Umfrage zur Lage der deutschen Kreditinstitute im Niedrigzinsumfeld (LSI-Stresstest 2019) aus, in die fast alle deutschen LSIs einbezogen wurden. Sie wird auf Grundlage von Einzelinstituts- wie auch Quervergleichsanalysen auffällige Institute identifizieren und, sofern erforderlich, aufsichtliche Maßnahmen einleiten.
  • Zugleich stehen die Entwicklungen bei der Immobilienfinanzierung und den Kreditvergabestandards im Fokus. Die Bankenaufsicht hat bereits erste Umfragen und Analysen durchgeführt, um mögliche Risiken in diesen Bereichen zu identifizieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf einer angemessenen Steuerung und Bewertung von Kreditrisiken. Im Rahmen von bankgeschäftlichen Prüfungen wird sich die Bankenaufsicht einen vertieften Einblick hierzu verschaffen.
  • Auch der Veränderungsdruck auf Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse wird thematisiert, der unter anderem durch die Digitalisierung und damit einhergehende neue Wettbewerber sowie den demographischen Wandel aufkommt.

Die Bankenaufsicht wird weiterhin die IT- und Cybersicherheit der Institute überwachen. Institute benötigen nicht nur eine angemessene technisch-organisatorische Ausstattung der IT-Systeme und ein adäquates Management von IT-Risiken; sie müssen auch eine angemessene Erkennung, Bearbeitung und Nachverfolgung von (potenziellen) IT-Sicherheitsvorfällen bei Dienstleistern sicherstellen. Die Bankenaufsicht wird 2020 entsprechende Schwerpunkte bei ihren Prüfungen setzen. Im Rahmen von Aufsichtsgesprächen wird erfasst, welche Anstrengungen die LSIs unternommen haben, um ihre Arbeitsprozesse und Geschäftsmodelle an die fortschreitende Digitalisierung anzupassen.

Darüber hinaus haben BaFin und Deutsche Bundesbank weitere Maßnahmen zur Adressierung der wesentlichen Risiken festgelegt. Unter anderem sollen Nachhaltigkeits- und Klimarisiken und der angemessene Umgang der Institute hiermit bankaufsichtlich stärker in den Blick genommen werden.