Schwerpunkte der Bankenaufsicht 2022

Der Krieg in der Ukraine bringt neue geopolitische Risiken mit sich und birgt große Unsicherheiten bezüglich der weiteren wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Hieraus resultieren Auswirkungen auf die Risikolage der Institute; zudem nehmen Banken  eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Sanktionen wahr. BaFin und Deutsche Bundesbank stehen daher in engem Austausch mit den betroffenen Instituten, beobachten die Entwicklungen sehr genau und ergreifen bei Bedarf notwendige Maßnahmen. Die Auswirkungen und der Umgang mit diesen spezifischen Risiken werden in diesem Jahr in den aufsichtlichen Gesprächen eine große Rolle spielen.

Neben diesen aktuellen Entwicklungen haben BaFin und Bundesbank weitere aufsichtliche Schwerpunkte für 2022 für die Aufsicht über alle national beaufsichtigten Institute (im Wesentlichen: Less Significant Institutions, LSIs) in Deutschland festgelegt, die nachfolgend beschrieben werden. Ausgangspunkt sind die identifizierten wesentlichen Risiken und die aufsichtlichen Maßnahmen zur Adressierung dieser Risiken. Für die bedeutenden Institute (Significant Institutions, SIs), die unter direkter Aufsicht der EZB stehen, legt der Einheitliche Europäische Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory MechanismSSM) die Schwerpunkte fest. Diese werden bei der Bestimmung der nationalen Schwerpunkte berücksichtigt.

Im Jahr 2022 werden weiterhin die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie ein Schwerpunkt der Aufsichtsarbeit sein. Der Fokus liegt hierbei besonders auf den Kreditrisiken, da Ausfälle von Krediten aufgrund von Unternehmensinsolvenzen in Branchen, die stark von der COVID-19-Pandemie betroffen sind, weiterhin vorstellbar sind.

Die COVID-19-Pandemie war aber auch ein wesentlicher Treiber der digitalen Transformation im Bankensektor. Eine moderne, leistungsfähige IT und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Cyber-Angriffe sind unverzichtbar für eine reibungslose Geschäftstätigkeit der Institute. Der damit einhergehende Kosten- und Wettbewerbsdruck, gerade in Verbindung mit dem bestehenden Niedrigzinsumfeld, setzt zudem die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle von Banken und Sparkassen unter Druck.

Die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten (Environmental, Social, GovernanceESG), lässt mittel- bis langfristig eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft mit weitreichenden Auswirkungen auf den Finanzsektor erwarten. Auch die Institute müssen sich deshalb verstärkt mit Nachhaltigkeitsrisiken auseinandersetzen.

Auf diesen Überlegungen aufbauend hat die Bankenaufsicht für das Jahr 2022 drei Schwerpunkte festgelegt:

  • Enge aufsichtliche Überwachung der Institute mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie.
  • Intensive Auseinandersetzung mit und Adressierung von Cyber-/IT-Risiken.
  • Detaillierte Analyse der Geschäftsmodelle der Institute.

Aus diesen Schwerpunkten leiten sich im Wesentlichen die nachstehenden aufsichtlichen Maßnahmen ab.

Zur Überwachung der Widerstandsfähigkeit der Institute gegen die Folgen der COVID-19-Pandemie wird die Bankenaufsicht u. a.:

  • interne Risikoberichte von Einzelinstituten bedarfsorientiert anfordern und analysieren,
  • einen Stresstest mit verschiedenen Zinsszenarien bei den Instituten unter direkter Aufsicht durchführen und prüfen, ob aufsichtlicher Handlungsbedarf besteht und
  • Werthaltigkeitsprüfungen bei ausgewählten Banken vornehmen.

Zur Überprüfung der IT- und Cybersicherheit der Institute wird die Bankenaufsicht u. a.:

  • Cyber- und IT-Risiken verstärkt überwachen; sowohl bei der laufenden Beaufsichtigung der Institute als auch in bankgeschäftlichen Prüfungen,
  • Zahlungs- und E-Geldinstitute sowie Betreiber des Kryptoverwahrgeschäfts verstärkt überwachen und
  • Beziehungen zwischen Instituten und Auslagerungs- und Mehrmandantendienstleistern analysieren.

Zur Überwachung von Geschäftsmodellrisiken sowie zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken wird die Bankenaufsicht u. a.:

  • Geschäftsmodelle von beaufsichtigten Instituten (mit Fokus auf Angemessenheit der Leitungs-, Steuerungs- und Kontrollprozesse) vertieft analysieren und
  • mit Instituten und Verbänden verstärkt Aufsichtsgespräche zum Thema Nachhaltigkeitsrisiken führen.

Abhängig von den Entwicklungen passen BaFin und Bundesbank die aufsichtlichen Schwerpunkte bei Bedarf unterjährig an.