Liquiditätsregulierung

Das Ziel bank­auf­sicht­li­cher Li­qui­di­täts­vor­schrif­ten ist die Si­cher­stel­lung einer je­der­zei­ti­gen Zah­lungs­be­reit­schaft der In­sti­tu­te. Mit der Capital Requirements Regulation (CRR, Ver­ord­nung (EU) Nr. 575/2013) wurden in Anlehnung an das Bas­ler Liquiditäts­rahmenwerk erstmals quantitative Vorschriften in eu­ro­päi­sches Recht eingeführt. Die Umsetzung der beiden Basler Min­dest­stan­dards (LCR, NSFR) sowie der zu­sätz­li­chen Pa­ra­me­ter für die Li­qui­di­täts­über­wa­chung (AMM) erfolgen durch entsprechende Durchführungsstandards sowie im Rahmen der CRR II.

Kurzfristige Liquiditätsdeckungsanforderung
(Liquidity Coverage Requirement, LCR)

Die LCR de­fi­niert den Min­dest­be­stand an hoch­li­qui­den Ak­ti­va, den Kre­dit­in­sti­tu­te als Li­qui­di­täts­re­ser­ve vor­hal­ten müs­sen, um im Falle eines schweren Stressszenarios den über einen Zeit­raum von 30 Tagen auf­tre­ten­den Nettozahlungs­verpflichtungen nach­kom­men zu kön­nen. In der mit der Delegierten Verordnung (EU) 2018/1620 überarbeiteten De­le­gier­ten Ver­ord­nung (EU) 2015/61 zur LCR sind das zugrundeliegende Stress­sze­na­rio sowie die sich daraus ablei­tenden vor­zu­hal­ten­den Ak­ti­va und zu be­rück­sich­ti­gen­den Zah­lungs­strö­me dargelegt. 

Strukturelle Liquiditätsquote
(Net Stable Funding Ratio, NSFR)

Die NSFR ist ein Min­dest­stan­dard zur Ver­rin­ge­rung des Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­kos über einen län­ge­ren Zeit­ho­ri­zont. Die struk­tu­rel­le Li­qui­di­täts­quo­te soll eine nach­hal­ti­ge Refinanzierungs­struktur in den In­sti­tu­ten si­cher­stel­len, indem sie die Fris­ten­trans­for­ma­ti­on zwi­schen Ak­tiv­ge­schäft ei­ner­seits und Re­fi­nan­zie­rung an­de­rer­seits be­grenzt und somit das Ri­si­ko künf­ti­ger Re­fi­nan­zie­rungs­pro­ble­me ver­min­dert. Zu die­sem Zweck muss die Summe der gemäß ihrer dau­er­haf­ten Ver­füg­bar­keit ge­wich­te­ten Pas­si­va (ver­füg­ba­re sta­bi­le Re­fi­nan­zie­rung) min­des­tens der Summe der nach ihrer Li­qui­di­täts­bin­dung ge­wich­te­ten Ak­ti­va zu­züg­lich des mit­tel­fris­ti­gen Re­fi­nan­zie­rungs­be­darfs aus au­ßer­bi­lan­zi­el­len Po­si­tio­nen (er­for­der­li­che sta­bi­le Re­fi­nan­zie­rung) ent­spre­chen. Mit der CRR II wer­den die vom Ba­s­ler Aus­schuss im Ok­to­ber 2014 ver­öf­fent­lich­ten Re­ge­lun­gen zur NSFR in EU-Recht um­ge­setzt und die NSFR als Min­dest­an­for­de­rung eingeführt. Als EU-Be­son­der­heit be­steht im Sinne einer pro­por­tio­na­len Re­gu­lie­rung die Mög­lich­keit, klei­nen, nicht kom­ple­xen In­sti­tu­ten al­ter­na­tiv die An­wen­dung einer ver­ein­fach­ten NSFR zu er­lau­ben.

Zusätzliche Parameter für die Liquiditätsüberwachung
(Additional Monitoring Metrics, AMM)

Der Li­qui­di­täts­sta­tus von Instituten ist zu kom­plex, um mit Hilfe von nur zwei Kenn­zif­fern hin­rei­chend ab­ge­bil­det zu wer­den. Aus die­sem Grund wer­den die bei­den Min­dest­stan­dards um Be­ob­ach­tungs­in­stru­men­te er­gänzt, die den Auf­sichts­be­hör­den eine an­ge­mes­se­ne Ana­ly­se des Li­qui­di­täts- und Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­kos eines In­sti­tuts er­lauben.

Offenlegung

Die EBA-Leit­li­ni­en zur Of­fen­le­gung der LCR wur­den am 8. März 2017 ver­öf­fent­licht und sind ab dem 31. De­zem­ber 2017 an­zu­wen­den. Sie er­gän­zen die be­stehen­den eu­ro­päi­schen Of­fen­le­gungs­vor­schrif­ten und ver­voll­stän­di­gen ein eu­ro­pa­weit har­mo­ni­sier­tes Of­fen­le­gungs­for­mat. Die Of­fen­le­gung um­fasst qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve In­for­ma­tio­nen zum Liquiditäts­risikomanagement sowie über Kom­po­nen­ten und Er­fül­lungs­stand der LCR. Mit der CRR II wir­d die Of­fen­le­gung der Liquiditätskennziffern, einschließlich der Offenlegung der neu eingeführten NSFR, in Teil 8 der Verordnung verankert und im Rahmen einer Durchführungsverordnung konkretisiert.

Innertagesliquidität

Die je­der­zei­ti­ge, un­ter­tä­gi­ge Zah­lungs­fä­hig­keit von Kre­dit­in­sti­tu­ten ist die Vor­aus­set­zung für das rei­bungs­lo­se Funk­tio­nie­ren der Zah­lungs­ver­kehrs- und Ab­wick­lungs­sys­te­me. Daher ist das Ma­nage­ment der In­ner­ta­ges­li­qui­di­tät ein zen­tra­ler Be­stand­teil des Li­qui­di­täts­ri­si­ko­ma­nage­ments. Mit den „Monitoring tools for intraday liquidity management“ hat der Bas­ler Aus­schuss kon­kre­te Kenn­zif­fern für die Über­wa­chung der In­ner­ta­ges­li­qui­di­tät im Rah­men des bank­in­ter­nen Li­qui­di­täts­ma­nage­ments sowie der Ban­ken- und Zah­lungs­ver­kehrs­auf­sicht vor­ge­schla­gen. In der EU wird das Management der Innertagesliquiditätsrisiken im Rahmen des SREP bewertet.