Bundesbank erwartet kräftiges Lohnwachstum

Die Bundesbank rechnet dem jüngsten Monatsbericht zufolge künftig mit kräftigen Lohnsteigerungen. In ihrem jüngsten Monatsbericht stellen die Expertinnen und Experten fest, dass die Lohnentwicklung in Deutschland nicht mit der raschen wirtschaftlichen Erholung seit der Finanzkrise 2008/2009 Schritt gehalten hat. Mit dem starken Beschäftigungswachstum, einhergehend mit niedriger Arbeitslosigkeit und hoher Nachfrage nach Arbeitskräften wäre ein stärkeres Lohnwachstum zu erwarten gewesen.

Spannungsverhältnis mit Arbeitskräftenachfrage

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Grafische Darstellung: Tarif- und Effektivverdienste in Deutschland

Im historischen Vergleich stiegen die Löhne im Mittel der Jahre 2014 bis 2017 mit 2,7 Prozent zwar stärker als in Phasen des Aufschwungs vor der Großen Rezession - 1997 bis 2000 im Schnitt um 2 Prozent, 2004 bis 2007 sogar nur um 0,6 Prozent. Die Stundenentgelte in Deutschland erhöhten sich auch kräftiger als in anderen Euro-Ländern, wo sie seit dem Jahr 2014 im Schnitt nur um 1 Prozent pro Jahr zunahmen. Diese Vergleiche deuten also nicht auf ein ungewöhnlich schwaches Lohnwachstum in Deutschland hin.

Die moderate nominale Lohndynamik in Deutschland steht aber für sich genommen in einem Spannungsverhältnis mit der überaus hohen Arbeitskräftenachfrage. Mit Hilfe ökonomischer Modelle stellen die Fachleute der Bundesbank den Befund einer lediglich moderaten Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren klarer heraus. "Analysen im Rahmen des Konzeptes der Beveridge-Kurve und der Lohn-Phillips-Kurve liefern das Bild einer spürbar gedämpften Lohndynamik", heißt es im entsprechenden Aufsatz des Monatsberichts.

Mehrere Faktoren dämpften demnach das Lohnwachstum, darunter die niedrige Inflation der Jahre 2015 und 2016 und der relativ verhaltene Produktivitätsanstieg. Außerdem hätten vermutlich Tarifabschlüsse, die beispielsweise die Wahl zwischen einem Lohnplus und mehr Freizeit anbieten, eine – allerdings schwer zu beziffernde – Auswirkung auf die Lohndynamik. Den größten Einfluss hatte nach Einschätzung der Bundesbank die Zuwanderung von Arbeitskräften aus anderen EU-Ländern nach Deutschland.

Starke Zuwanderung aus anderen EU-Ländern

Mit der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union seit dem Jahr 2011 wanderten bis Mitte des Jahres 2017 rund 1,8 Millionen potenzielle Arbeitskräfte vor allem aus mittel- , süd- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland ein. Die Zuwanderer nahmen in den vergangenen Jahren vorwiegend eine Beschäftigung in Branchen und Tätigkeitsbereichen mit einem eher unterdurchschnittlichen Lohnniveau auf.

2017 beispielsweise waren sie zum Großteil als Helfer oder Fachkräfte in der Landwirtschaft, der Arbeitnehmerüberlassung, im Gast- und Baugewerbe sowie im Verkehr und der Lagerei beschäftigt. Den dämpfenden Effekt auf das Lohnwachstum führen die Fachleute der Bundesbank zu einem Gutteil auf die relativ niedrige Entlohnung unter den Zuwanderern selbst zurück – weniger auf einen von den Zuwanderern ausgehenden dämpfenden Effekt auf die Löhne der Einheimischen.

Höhere Lohnzuwächse erwartet

Im Zuge der fortschreitenden Integration der zugewanderten Erwerbspersonen in den deutschen Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der Bundesbank-Expertinnen und -Experten davon auszugehen, dass sich das Lohnniveau der Zuwanderer, aber auch allgemein, deutlich erhöhen wird. "Mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind zukünftig höhere nominale Tarifverdienststeigerungen als in den vergangenen Jahren aus heutiger Sicht als wahrscheinlich einzuschätzen", heißt es im Monatsbericht. Das allmähliche Anziehen der Inflationsrate dürfte das Lohnwachstum unterstützen. Außerdem seien die Konjunkturperspektiven weiterhin günstig, so "dass sich in den kommenden Jahren die zunehmenden Knappheiten am Arbeitsmarkt stärker in der tatsächlichen Lohnentwicklung niederschlagen werden".