Entwicklung der Goldbestände

Deutschland verfügt über den weltweit zweitgrößten Goldbestand nach den Vereinigten Staaten. Der Goldbestand deckt zwei Drittel der deutschen Währungsreserven ab. Gemäß § 3 des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank hält und verwaltet die Deutsche Bundesbank die Währungsreserven und mithin den Goldbestand, der weltweit auf vier verschiedene Lagerstellen verteilt ist. Fast die Hälfte des Goldbestands lagert bei der US-amerikanischen Zentralbank, der FED, in New York. Die Lagerung der deutschen Goldreserven im In- und Ausland hat sich historisch und marktbedingt so ergeben, weil das Gold teilweise an diesen Handelsplätzen an die Bundesbank übertragen wurde.

Goldbestände der Deutschen Bundesbank
Verteilung auf die verschiedenen Lagerorte

Lagerstelle31.12.201231.12.201331.12.2014
in tin Mio €in tin Mio €in tin Mio €
Bundesbank, Frankfurt am Main1.03642.0131.07330.0481.19237.869
Federal Reserve Bank, New York1.53662.2981.53142.8961.44745.950
Bank of England, London44518.04744112.34943813.908
Banque de France, Paris37415.1543429.5833079.747
Insgesamt3.391137.5133.38794.8763.384107.475

Die Entwicklung der deutschen Goldreserven lässt sich zeitlich in fünf Phasen einteilen.

1945 bis 1950: Die Nachkriegsjahre

In den Nachkriegsjahren von 1945 bis 1950 waren keine deutschen Goldreserven vorhanden. Gold stand zu dieser Zeit neben dem Dollar jedoch bereits als internationales Reservemedium im Fokus.

Im Sommer 1944 wurde das Bretton-Woods-Abkommen von 44 Staaten unterzeichnet, welches einen Golddevisenstandard mit festen Wechselkursen festlegte. Deutschland trat dem Bretton-Woods-System allerdings erst im Jahre 1952 bei. Kern des Systems war der US-Dollar, zu dem alle anderen Währungen ein festes Tauschverhältnis hatten. Zudem wurde ein fester Umrechnungsrechnungskurs zwischen dem Dollar und der Feinunze Gold (35 USD je Feinunze) vereinbart. Die FED war verpflichtet, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum festgelegten Kurs in Gold umzutauschen.

1951 bis 1968: Wirtschaftswunderjahre, Europäische Zahlungsunion und Goldpool

Der deutsche Goldbestand wurde im Wesentlichen während der Zeit des Golddevisenstandards aufgebaut, die mit den 1952 beginnenden Wirtschaftswunderjahren zusammenfiel, in denen Deutschland im Rahmen der deutschen Exporterfolge zunehmende Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaftete (Ende 1951: 0,79 Mio. Unzen, Ende 1968: 129,69 Mio. Unzen). In den Jahren 1953 bis 1957 führten thesaurierte Haushaltsüberschüsse zu vollen Staatkassen (sog. Juliusturm), die seither nie wieder erreicht wurden.

In den fünfziger Jahren spielten beim Aufbau der Goldbestände die Abrechnungsmodalitäten innerhalb der Europäischen Zahlungsunion (EZU) eine besondere Rolle. Die bilateralen Überschüsse und Defizite jedes Mitgliedslandes gegenüber jedem anderen Mitgliedsland wurden verrechnet. Die entstehenden Abrechnungsspitzen mussten zu einem bestimmten sich laufend erhöhenden Teil in Gold oder Dollar ausgeglichen werden. Da sich Deutschland ab 1951 in einer Überschussposition in der EZU befand, erhielt die Bundesbank auf diesem Wege bis zur Auflösung der EZU im Jahr 1958 insgesamt 48,7 Mio. Unzen Feingold.

Neben den Goldzugängen aus der EZU bezog die Bank bis Ende der 50er Jahre größere Goldmengen von der FED in New York, der Bank of England und der BIZ, die innerhalb der EZU als Abrechnungsstelle diente.

Goldabgänge erfolgten, um ihren Einzahlungsverpflichtungen (25% in Gold) nachzukommen, 1952 an den Internationalen Währungsfond (IWF) (0,94 Mio. Unzen) und an die 1958 gegründete Europäische Investitionsbank (0,234 Mio. Unzen).

Die danach erfolgten Bewegungen des deutschen Goldbestandes sind auf die Gründung des sogenannten „Goldpools“, einer im Herbst 1961 geschlossenen Vereinbarung acht westlicher Zentralbanken zurückzuführen, die das Ziel hatte, die 1944 im System von Bretton Woods festgelegte Goldparität von 35 USD je Feinunze durch Verkäufe und vorübergehend auch Käufe zu halten. Der Vertrauensschwund in das Pfund Sterling und in den US-Dollar führte 1968 zur Beendigung des Goldpools und zur Spaltung des Goldmarktes. Die bedeutendsten Zentralbanken des Goldpools beschlossen auch künftig zum offiziellen Goldpreis untereinander Geschäfte zu tätigen. Auf dem freien Markt tätigten private Nachfrager und Anbieter von Gold ihre Goldgeschäfte zu Preisen, die sich unabhängig von staatlichen Goldmarktinterventionen bildeten.

Ende 1968 erreichten die deutschen Goldbestände ihren bisherigen Höchststand von 129,69 Mio. Unzen.

1969 bis 1978

Im Jahr 1969 reduzierte sich der Goldbestand durch den Verkauf von 14 Mio. Unzen an die FED. Nach leichten Zugängen in den Jahren 1970 bis 1973 pendelte sich der Goldbestand bei 117,6 Mio. Unzen ein. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Wood-Systems 1973 bis in das Jahr 1977 fanden keine nennenswerten Veränderungen des Goldbestands statt. 1977 ließ die Bundesbank größere Goldbestände von ihrem Depot bei der Bank of England auf das BIZ-Depot bei der Bank of England übertragen und erhielt im Gegenzug auf dem bei der  der BIZ in Basel geführten Goldsichtkonto eine Gutschrift. Hieraus ergaben sich jedoch keine Veränderungen im Gesamtgoldbestand.

1979 bis 1998: Europäisches Währungssystem

Im März 1979 ergab sich mit der Gründung des Europäischen Wechselkurssystems (EWS) eine Reduzierung des Goldbestands um 23,8 Mio. Unzen, die in den Europäischen Fonds für währungspolitische Zusammenarbeit (EFWZ) eingebracht wurden. Im Gegenzug erhielt die Bundesbank ECU-Forderungen, die bis Ende 1998 in der Bundesbank-Bilanz separat ausgewiesen wurden. Von da an blieb der Goldbestand mit 95,18 Mio. Unzen konstant bis Ende 1998. Mit dem Übergang in die WWU (Wirtschafts- und Währungsunion) und der damit verbundenen Auflösung des EWS ging dieser in den EFWZ eingebrachte Bestand wieder kurzzeitig auf die Bundesbank über.

1999 bis heute: Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

Ende 1998 belief sich der Goldbestand auf 118,98 Mio. Unzen. Im Januar 1999 wurde dann der deutsche Anteil an den Währungsreserven der EZB in Höhe von 12,2 Mrd. €, der zu 15 % aus physischem Gold bestand (7,46 Mio. Unzen), an die EZB übertragen. Seitdem nimmt der Goldbestand regelmäßig nur noch in geringen Mengen zur Prägung von Goldmünzen ab und beläuft sich per Ende 2012 auf 109 Mio. Unzen.