Preismast an der Tankstelle

Monatsbericht: Wirtschaftsleistung könnte im ersten Quartal in etwa stagniert haben

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland könnte im ersten Quartal 2022 in etwa stagniert haben, schreiben die Fachleute der Bundesbank im aktuellen Monatsbericht. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe sich anfänglich nur begrenzt auf die deutsche Wirt­schaft ausgewirkt. Die Folgen des Krieges dürften die eigentlich angelegte kräftige Erholung gleichwohl erheblich schwächen: „Beein­trächtigungen im Außenhandel und in den Lie­ferketten, die drastisch gestiegenen Energie­preise und eine erhöhte Unsicherheit belasten Unternehmen und private Haushalte“, heißt es im Bericht.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Angriffskrieges anfänglich wohl begrenzt

Die Umfrageergebnisse des ifo Instituts zur Lageeinschätzung der deutschen Unternehmen haben im März nur wenig nachgegeben, schreiben die Bundesbank-Expertinnen und Experten. Die Lagebeurteilung sei insbesondere bei den Dienst­leistern stabil geblieben, wobei sie sich im Einzelhandel deutlich und im Gastgewerbe sogar kräftig auf­hellte. Dies dürfte mit den Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pan­demie zusammengehangen haben. Diese haben laut Bericht den Belastungen der Kauflaune der Verbraucher­innen und Verbraucher durch die hohe Teue­rung und die erhöhte Unsicherheit entgegengewirkt. Deutlich schlechter schätzten hingegen die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe ihre Geschäftslage ein. Hierzu dürfte nach Einschätzung der Fachleute vor allem beigetragen haben, dass sich die Lieferengpässe bei Vorprodukten wieder erheblich verschärften. Dies machte sich insbesondere in der Automobilindustrie be­merkbar, deren Produktion gemäß Angaben des Verbandes der deutschen Automobilindustrie im März kräftig zurückging.

Alles in allem könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland im ersten Quartal 2022 in etwa stagniert haben, schätzen die Volkswirte und Volkswirtinnen. Vor Beginn des Krieges gegen die Ukraine hätten die Lieferengpässe in der In­dustrie wohl etwas nachgelassen. Zudem habe der Bau von der milden Witterung profitiert. Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel seien im Februar wieder leicht gestiegen. Im Gastgewerbe hätten sie sich zu Jahresbeginn schon etwas von dem kräftigen Rückgang im Dezember erholt. Die wirtschaft­lichen Auswirkungen der Omikron-Welle durch überdurchschnittlich hohe Krankenstände blie­ben nach Einschätzung der Expertinnen und Experten geringer als befürchtet.

Eigentlich angelegte kräftige Erholung wird von Auswirkungen des Krieges erheblich geschwächt

Nach Einschätzung der Fachleute dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges gleichwohl die eigentlich angelegte kräftige Erholung erheblich schwächen: „Beein­trächtigungen im Außenhandel und in den Lie­ferketten, die drastisch gestiegenen Energie­preise und eine erhöhte Unsicherheit belasten Unternehmen und private Haushalte.“ Die Ge­schäftserwartungen der Unternehmen trübten sich im März laut Umfragen des ifo Instituts über alle Sektoren hinweg erheblich ein. Beson­ders ausgeprägt war der Rückgang in der Indus­trie, wo auch die Produktionspläne und Export­erwartungen stark zurückgingen. Das Ausmaß der makroökonomischen Folgen des Krieges gegen die Ukraine ist jedoch nach wie vor sehr unsicher und hängt von seinem weiteren Fort­gang ab, heißt es im Monatsbericht. Ein mögliches verschärftes Risiko-Szenario diskutieren die Bundesbank-Expertinnen und Experten in einem gesonderten Aufsatz im Monatsbericht (siehe Verlinkung).

Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich laut Bericht trotz der Be­lastungen durch die Omikron-Welle sowie den Kriegsausbruch in der Ukraine zunächst weiter positiv. Allerdings verlangsamte sich das zuvor hohe Tempo des Beschäftigungsanstiegs im Februar spürbar. Die Zahl der Erwerbstätigen er­höhte sich gegenüber dem Vormonat um 34.000 Personen in saisonbereinigter Rech­nung, knapp halb so viel wie im Januar. Damit war nach Angaben der Fachleute das Beschäftigungsniveau von Anfang 2020 nahezu wieder erreicht.

Preise für Rohöl und Erdgas etwas normalisiert

Nach dem sprunghaften Anstieg der Rohstoffpreise für Energie zu Kriegsbeginn gaben deren Notierungen in den vergangenen Wochen merklich nach, sind aber weiterhin hoch. Für den Rückgang waren laut den Expertinnen und Experten unter anderem bislang geringere als anfangs befürchtete Ausfälle russischer Energielieferungen maßgeblich. Ein Fass der Sorte Brent habe im April bisher durchschnittlich 106 US-Dollar gekostet und damit rund 8 Prozent weniger als im Vormonat, aber noch spürbar mehr als vor Kriegsbeginn. Ähn­liches gelte für europäisches Erdgas, dessen Preis sich im April bisher auf rund 106 Euro pro Megawattstunde belaufen habe. Die Preise für zukünftige Rohöllieferungen lassen ihrer Einschätzung nach eine weitere Sta­bilisierung der Preise vermuten.

Anstieg der Verbraucherpreise erreicht neuen Höchststand

Die Verbraucherpreise stiegen gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im März saisonbereinigt im Vergleich zum Vor­monat um 2,5 Prozent an. Dies war laut Bericht der stärkste An­stieg in Deutschland seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Auch im Vergleich zum Vor­jahr hat die Inflationsrate mit 7,6 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Diese Größenordnung war zuletzt während des Ersten Golfkrieges 1981 beobach­tet worden, schreiben die Fachleute.

Die sich im März nochmals verstär­kende Inflationsdynamik sei in erster Linie auf Energie zurückzuführen. „Die extrem hohe Preis­steigerung in diesem Bereich geht auf der Ver­braucherstufe sogar noch über das Maß hinaus, das sich durch die starken Preissprünge an den internationalen Rohstoffmärkten erklären lässt“, geben sie zu Bedenken. Außerdem habe sich der in der Grundten­denz ohnehin schon kräftige Preisanstieg bei Industriewaren verstärkt. Ähn­liches gelte für Nahrungsmittel, während sich die Dynamik bei Dienstleistungen auf hohem Niveau stabilisiert habe. Für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise geben sie noch keine Entwarnung: „In den nächsten Monaten könnte die Preisdynamik ähnlich hoch bleiben. Dies hängt aber vom weiteren Verlauf des Krie­ges in der Ukraine, den damit verbundenen Lie­ferengpässen sowie möglichen Ausweitungen der Sanktionen ab.