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Niedrigzinsumfeld belastet weiterhin die Ertragslage deutscher Banken

Skyline Frankfurt am Main

Niedrigzinsumfeld belastet weiterhin die Ertragslage deutscher Banken

17.09.2018

Die Ertragslage deutscher Banken hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die als Summe aus Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss, Handelsergebnis und sonstigem betrieblichen Ergebnis berechneten operativen Erträge um 3,8 Prozent auf 123,1 Milliarden Euro. Grund dafür sei vor allem der um 6,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro rückläufige Zinsüberschuss, die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle deutscher Banken, heißt es im jüngsten Monatsbericht.

Um ihre Ertragslage zu stabilisieren, versuchen Institute ihre Überschüsse aus alternativen Ertragsquellen zu steigern. Dazu zählt der Provisionsüberschuss, der 2017 um 2,7 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro wuchs. Dieser Anstieg habe dennoch nicht ausgereicht, um den Rückgang des Zinsüberschusses auszugleichen, schreiben die Bundesbank-Fachleute. Zum Provisionsüberschuss gehören Entgelte aus dem Giro- und Zahlungsverkehr, dem Wertpapier- und Depotgeschäft sowie die Vergütung der Vermittlertätigkeit bei Kredit-, Spar-, Bauspar- und Versicherungsverträgen.

Bankengruppen entwickeln sich unterschiedlich

Dem Bericht zufolge zeigt ein Vergleich der einzelnen Bankengruppen untereinander, dass sich deren Ergebnisse aus dem operativen Geschäft unterschiedlich entwickelt haben. Bei den Groß- und Landesbanken sowie bei den Realkreditinstituten sind die operativen Erträge im vergangenen Jahr spürbar zurückgegangen. Diese Institute konnten ihre gesunkenen Zinsüberschüsse nicht durch andere Ergebnisbeiträge aus dem operativen Geschäft ausgleichen. Bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften war der Zinsüberschuss dagegen nur leicht rückläufig, während der Provisionsüberschuss deutlich stieg. Folglich haben sich die operativen Erträge in diesen Bankengruppen sogar leicht erhöht.

Banken erheben zunehmend negative Zinsen

Zur Stabilisierung ihrer Zinsmargen senkten die Kreditinstitute ihre Einlagenzinsen zunehmend auch in den negativen Bereich. Gemäß den Aussagen der Kreditinstitute sind bisher aber vor allem großvolumige Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft betroffen. Im Privatkundengeschäft seien die Banken hingegen weiterhin zurückhaltend bei der Weitergabe negativer Zinsen gewesen, so die Bundesbank-Fachleute.

Kostensenkungen bisher nicht erfolgreich

Die Personal- und anderen Verwaltungskosten der Institute haben sich 2017 mit 88,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr praktisch nicht verändert. Somit konnten die bereits erfolgten Maßnahmen zur Kostensenkung die kostentreibenden Faktoren lediglich ausgleichen, schreiben die Expertinnen und Experten. Gleichzeitig sei die Kosteneffizienz des Bankensektors im vergangenen Jahr weiter gesunken. Um operative Erträge in Höhe von 100 Euro zu erwirtschaften, mussten die Institute 2,60 Euro mehr aufwenden als im Vorjahr. Insgesamt ging der Jahresüberschuss vor Steuern leicht um 0,3 Milliarden Euro auf 27,4 Milliarden Euro zurück, lag damit aber immer noch über dem langfristigen Durchschnitt.

Mit Blick auf das laufende Jahr geht die Bundesbank davon aus, dass die derzeit gute Konjunktur die Ertragslage der deutschen Banken begünstigen wird, schreiben die Fachleute der Bundesbank im Monatsbericht.

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