Weidmann: Konjunkturelle Erholung wird sich fort­setzen

IWF-Tagung in Lima

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält den gegenwärtig zunehmenden Konjunkturpessimismus für übertrieben. "Der Konjunkturhimmel ist nicht so wolkenverhangen, wie mancher Betrachter ihn derzeit schildert", sagte er am Ende der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Lima. Weidmann betonte vielmehr, dass sich zumindest in den meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften die konjunkturelle Erholung fortsetze. Dies gelte vor allem für die USA, aber auch für den Euro-Raum. 

Klar sei allerdings auch, so Weidmann vor Journalisten in der peruanischen Hauptstadt, dass die Abwärtsrisiken für die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt zugenommen hätten. 

Ende des Booms bei Rohstoffpreisen

Weidmann verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die Verlangsamung des Wachstums in den Schwellenländern und die damit verbundenen Folgen. ‎Die Wachstumsraten seien in diesen Ländern aber schon seit einiger Zeit rückläufig und das sei auch "Ausdruck eines Normalisierungsprozesses, mit dem die Schwellenländer auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad einschwenken", erklärte der Bundesbankpräsident gerade mit Blick auf China. 

Zu den Ursachen für die Verlangsamung des Wachstums insbesondere in den erdölexportierenden Ländern verwies Weidmann auf das Ende des Booms bei den Rohstoffpreisen. Und auf dieses Ende, so der Bundesbankpräsident, müssten sich diese Länder jetzt "in ihrer Finanz- und Wirtschaftspolitik einstellen".

Darüber hinaus deutete Weidmann aber auch mit Blick auf den Euro-Raum darauf hin, dass dort in den vergangenen Monaten die Produktionskapazitäten "wohl etwas zu optimistisch eingeschätzt wurden".

Vor dem Hintergrund seiner Ausführungen erklärte Weidmann, "dass wir es zurzeit nicht so sehr mit einer schwachen Nachfrage zu tun haben, sondern vielmehr mit Faktoren, die das Wachstumspotenzial dämpfen".‎ Daher habe der IWF auf der Jahrestagung allen Ländern zu Recht empfohlen, "intensiver an wachstumsfördernden Reformen zu arbeiten". 

Geldpolitik machtlos bei strukturellen Problemen

Weidmann unterstrich zugleich, dass die Geldpolitik ‎bei strukturellen Problemen machtlos sei. Auch wenn in vielen Ländern die gegenwärtig sehr lockere Geldpolitik nach der schweren Finanzkrise angemessen sei - so auch im Euro-Raum -, sei sie doch "kein Wundermittel", so der Bundesbankpräsident. Das könne man auch daran sehen, dass in vielen Ländern mit einer solch expansiven Geldpolitik das Wachstum dennoch nur verhalten sei. 

Weidmann warnte zudem davor, dass mit der ultralockeren Geldpolitik Risiken und Nebenwirkungen verbunden seien.‎ "Die lang anhaltenden Niedrigzinsen haben zwar die Nachfrage im Euro-Raum gestützt, sie haben aber auch einen Anstieg der Risikoneigung an den Finanzmärkten zur Folge gehabt", sagte er. So gebe es auch deutliche Anzeichen dafür, dass Unternehmen in den Schwellenländern in den vergangenen Jahren die weltweit günstigen Finanzierungsbedingungen dazu genutzt hätten, ihren Verschuldungsgrad erheblich auszuweiten. Damit seien die Schwellenländer auch anfällig für eine Umkehr der Kapitalströme, die zum Beispiel durch eine Normalisierung der Geldpolitik in den USA ausgelöst werden könne. 

Letztlich sei das "aber kein Grund, eine geldpolitische Normalisierung aufzuschieben, wenn sie durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist", sagte der Bundesbankpräsident. Zumal eine Zinswende, zum Beispiel in den USA, ja auch eine Reaktion auf eine bessere Konjunktur wäre. "Und das wäre schließlich eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft", erklärte Weidmann.