Einheitliche Regeln für Banken schaffen Gastbeitrag in "Les Echos"

28.11.2016 | Andreas Dombret EN FR

Wieviel liegt uns an einer international abgestimmten Finanzordnung? Sollen Banken im internationalen Wettbewerb einheitliche Regeln einhalten? Und wie akkurat sollten solche Regeln die tatsächlichen Risiken des Bankgeschäfts abbilden? Die Antwort der französischen und deutschen Aufsichtsbehörden auf diese Fragen lautet knapp: Eine internationale Regelordnung ist uns wichtig, sie sollte hohe Risiken mit hohen Kapitalanforderungen und geringere Risiken mit weniger strengen Anforderungen versehen.

Die Reform der internationalen Bankenregulierung ist in einer entscheidenden Phase: Anfang dieser Woche wird in einer Sitzung des Baseler Ausschusses über die Regeln, auch bekannt als Basel III, entschieden. Dabei sind allerdings wichtige Ziele noch nicht erreicht. Die Kapitalanforderungen für Banken sollten den tatsächlich eingegangenen Risiken möglichst entsprechen. Eine solche Risiko-Sensitivität ist nicht nur zur Bestimmung der Eigenkapitalanforderungen wichtig, sondern bietet auch Anreize für risikobewusstere Bankgeschäfte.

Eine zu deutliche Entwertung und Einschränkung der Risikoberechnungen vonseiten der Banken hat zu großer Verunsicherung bei Aufsehern geführt. Sofern eine hinreichende Risiko-Sensitivität außer Reichweite bleibt, sollte es nach deutscher Auffassung keine Einigung um jeden Preis geben. Frankreich sehen wir hier an unserer Seite.

Nach den bisherigen Vorstellungen des Baseler Ausschusses werden vor allem interne Modelle, mit denen Banken ihre Kapitalanforderungen mithilfe eigener Statistiken berechnen, übermäßig in ihrer Anwendung und Ausgestaltung geschwächt. Doch beschränkt man die internen Modelle über Gebühr, dann beschränkt man auch die Risiko-Sensitivität.

Einschränkungen für die Berechnungen der Banken haben durchaus ihren Sinn - das Risiko, dass Modelle die Wirklichkeit nicht abbilden, muss so gering wie irgend möglich sein. Diese Ziele sind wichtig, doch werden sie aktuell in Basel bereits durch andere Instrumente wie die Leverage Ratio berücksichtigt. Weitere Einschränkungen können, so meine ich, eine unverhältnismäßige Risikoneigung in Banken provozieren.

Die enge Abstimmung von französischen und deutschen Finanzaufsichtsbehörden erweist sich bei den Verhandlungen des Baseler Ausschusses als wertvolle Stütze. Denn ein koordiniertes, gemeinsames Vorgehen ist für den Verhandlungserfolg hilfreich. Die Banque de France und die Deutsche Bundesbank sind eng miteinander abgestimmt.

Während in Basel noch viel Arbeit ansteht, machen die Fortschritte der jüngsten Verhandlungen dennoch Mut. Das eindeutige Ziel des Baseler Ausschusses, die Kapitalanforderungen für die Banken durch die Reformen insgesamt nicht signifikant zu erhöhen, ist aber noch nicht erfüllt. Auf den letzten Metern muss allerdings auch die Ausgewogenheit der Reform in Bezug auf regionale Unterschiede beachtet werden.

Bei allen Bedenken sollten wir uns aber auch vor Augen halten, welchen Stellenwert ein internationales Abkommen wie Basel III hat. Es setzt damit ein Zeichen für erfolgreiche internationale Kooperation, die allen dient. Das ist wichtiger denn je. Stattdessen sehen wir, dass viele Bürger unsere globalisierte Welt in Frage stellen und zunehmend Antworten in einer Abschottung oder Regionalisierung suchen. Ich hoffe sehr, dass auch die neue Administration in den USA die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Baseler Ausschuss fortsetzen wird. Frankreich und Deutschland gehen jedenfalls bei Basel III Hand in Hand vor.