Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im vierten Quartal 2019 Sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

17.04.2020 | Deutsche Bundesbank EN

Zum Ende des vierten Quartals 2019 betrug das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland 6 458 Mrd . Im Vergleich zum Vorquartal lag es damit unter Berücksichtigung von Transaktionen und Bewertungseffekten 126 Mrd oder 2,0 % höher. Der Anstieg ging zum einen auf Bewertungsgewinne im Umfang von 67 Mrd € zurück. Zum anderen bauten die privaten Haushalte Forderungen im Wert von 59 Mrd € auf. Dies geschah vor allem in Form von Bargeld und Einlagen, aber die privaten Haushalte erhöhten auch ihre Bestände an Investmentfondsanteilen und Ansprüchen gegenüber Versicherungen in nennenswertem Umfang. Die Verbindlichkeiten legten im vierten Quartal 2019 um 15 Mrd € zu und damit nicht so stark wie im Vorquartal. Insgesamt stieg damit das Nettogeldvermögen deutlich um 111 Mrd € auf 4 583 Mrd €. 

Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften in Deutschland reduzierten ihre Außenfinanzierung im vierten Quartal 2019 deutlich um 12 Mrd . Die Bankkredite wurden um 8 Mrd aufgebaut, die Kreditverbindlichkeiten gegenüber dem Ausland dafür um 9 Mrd € kräftig reduziert. Weiterhin wurden die sonstigen Verbindlichkeiten, die unter anderem Anzahlungen und Handelskredite umfassen, um 3 Mrd € reduziert. Per saldo emittierten nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften im Berichtsquartal Schuldverschreibungen in Höhe von 3 Mrd €.

Geringere Neuverschuldung bei den privaten Haushalten

Im vierten Quartal 2019 betrug die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der privaten Haushalte per saldo rund 59 Mrd und war damit gegenüber dem Vorquartal fast unverändert. Zu dieser Zahl trugen insbesondere höhere Zuflüsse in Bargeld und Sichteinlagen bei. Diese lagen mit 52 Mrd deutlich über dem Wert aus dem Vorquartal. Ihre Anlagen in Sparbriefen und Spareinlagen reduzierten die Haushalte erneut kräftig um 4 Mrd €. Auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen trugen mit 18 Mrd € zum Anstieg der Geldvermögensbildung bei.

Blickt man auf das Kapitalmarktengagement der privaten Haushalte, so fällt zunächst ein Zuwachs der Nettoinvestitionen in Investmentfonds von 13 Mrd €ins Auge. Während der Nettozufluss bei den inländischen Aktien in etwa konstant blieb, war bei den ausländischen Aktien netto ein Zufluss um 3 Mrd zu beobachten. Ihre Bestände an Schuldverschreibungen reduzierten die privaten Haushalte im vierten Quartal 2019 hingegen geringfügig um circa 2 Mrd

Ähnlich wie der Anstieg der Verbindlichkeiten war auch der rein transaktionsbedingte Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte mit 16 Mrd niedriger als im dritten Quartal 2019, wobei solche Rückgänge in den Schlussquartalen auch in früheren Jahren beobachtet werden konnten. Zur positiven Nettokreditaufnahme trugen die Bankkredite mit 19 Mrd bei, während die privaten Haushalte ihre Kredite gegenüber den sonstigen Finanzinstituten um 2 Mrd € abbauten. 

Bis zum Ende des Berichtsquartals stiegen die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte um 1% auf 1 876 Mrd . Die Verschuldungsquote der privaten Haushalte, definiert als Summe der Verbindlichkeiten in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (gleitende Vierquartalssumme), legte damit im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozentpunkte auf 54,6 % zu. Insgesamt betrachtet führte die Entwicklung von Geldvermögen und Verbindlichkeiten zu einem Anstieg des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte um 111 Mrd auf 4 583 Mrd €. 

Anhaltend schwächere Kreditfinanzierung bei den nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften 

Die Geldvermögensbildung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften war im vierten Quartal 2019 mit insgesamt -39 Mrd rückläufig. Zu diesem Einbruch trugen transaktionsbedingt der Abbau der Finanzderivate und Mitarbeiteraktienoptionen in Höhe von 18 Mrd sowie der Rückgang des Engagements in Aktien und sonstigen Anteilsrechten um 3 Mrd € bei. Hingegen bauten die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften Bargeld und Einlagen um 16 Mrd € weiter auf.

Das Geldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften war im von starken Bewertungseffekten geprägten Umfeld allerdings mit 4 865 Mrd erheblich höher als im Vorquartal. Der Bestand an Aktien und sonstigen Anteilsrechten legte deutlich um 82 Mrd zu und lag damit bei 2 128 Mrd. Auch die Forderungen in Form von Investmentfondsanteilen stiegen in einem günstigen Kapitalmarktumfeld um 1 Mrd €.

Die gesamte Außenfinanzierung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften lag im Berichtszeitraum mit -12 Mrd deutlich unter dem Vorquartal. Die Kreditfinanzierung war im Vergleich zu den vergangenen vier Quartalen schwach und trug per saldo mit nur 3 Mrd zur Außenfinanzierung bei. Während die Nettokreditaufnahme über die inländischen Banken 8 Mrd € betrug, wurden die Kreditverbindlichkeiten gegenüber dem Staat und dem Ausland um 9 Mrd € kräftig abgebaut. Hinter der Entwicklung der Außenfinanzierung standen weiterhin ein Rückgang der sonstigen Verbindlichkeiten um 3 Mrd €, die unter anderem Anzahlungen und Handelskredite umfassen, sowie negative Nettozuflüsse bei den Finanzderivaten. Auf dem Kapitalmarkt sammelten die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften rund 8 Mrd € ein. Emissionen von Schuldverschreibungen trugen dazu rund 3 Mrd € bei, während Anteilsrechte und Aktien im Umfang von knapp 5 Mrd € ausgegeben wurden. 

Unter Berücksichtigung von Transaktionen und Bewertungseffekten schrumpfte das Nettogeldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften deutlich um 135 Mrd und betrug zum Ende des vierten Quartals 2019 -1 886 Mrd . Allerdings fiel auch die Verschuldungsquote, definiert als Summe von Schuldverschreibungen, Krediten und Pensionsrückstellungen in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (gleitende Vierquartalssumme), um 0,5 Prozentpunkte auf 67,8 %, denn während die Außenfinanzierung sank, stieg das Bruttoinlandsprodukt.