Bankstellenentwicklung im Jahr 2019

31.03.2020 | Deutsche Bundesbank EN

Anzahl der Kreditinstitute und Zweigstellen sinkt abermals – Operativer Bankbetrieb und insbesondere Kreditvergabe im Rahmen der Corona-Hilfen trotz aktueller Pandemie gewährleistet – Selbstbedienungsterminals und Geldausgabeautomaten federn temporäre Filialschließungen ab

Die Konsolidierung im deutschen Bankensektor hat sich 2019 weiter fortgesetzt. Im Jahresverlauf sank die Gesamtzahl der Kreditinstitute um 66 auf 1.717 Institute. Dies entspricht einem Rückgang von 3,7 % gegenüber minus 2,2 % im Jahr 2018.

Während der Rückgang der Institutszahlen 2018 noch etwas abgebremst wurde, da sich international agierende Banken mit Blick auf den Brexit neu ansiedelten, führten 2019 zahlreiche Schließungen bzw. Umwandlungen von Zweigstellen britischer Wertpapierhandelsbanken zu einer Verstärkung der rückläufigen Entwicklung.

„Der Konsolidierungsprozess im deutschen Bankensektor und die Reduzierung des Filialnetzes haben sich 2019 fortgesetzt. Dies zeigt, dass die Banken aktiv auf den harten Wettbewerb und das geänderte Kundenverhalten reagieren“, sagt Bundesbankvorstand Prof. Dr. Joachim Wuermeling zu der Entwicklung. „Dieser Prozess ist aus wirtschaftlichen Gründen notwendig.“

Gleichzeitig zeigt sich Wuermeling zufrieden damit, dass trotz der aktuellen Pandemie der operative Bankbetrieb gewährleistet ist. „Die Notfallplanungen haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Auch wenn Banken einzelne Filialen temporär schließen, stehen den Kunden in Form von Selbstbedienungsterminals und Geldausgabeautomaten die Bankdienstleistungen weiter zur Verfügung. Besonders wichtig ist, dass die Banken auch operativ in der Lage sind, ihre Funktion bei der Kreditversorgung der Wirtschaft im Rahmen der Corona-Hilfen zu erfüllen. Dazu sind seitens der Bankenaufsicht eine Reihe von administrativen Entlastungen für den Krisenzeitraum gewährt worden“, so Wuermeling.

Im Jahr 2019 gab es insgesamt 24 Zugänge sowie 90 Abgänge von Kreditinstituten. Von den Abgängen waren allein 34 (2018: 40) auf Fusionen im genossenschaftlichen Sektor zurückzuführen. Die Zahl der genossenschaftlichen Institute sank damit auf 845, was einem Rückgang von 3,9 % entspricht. Im Sparkassensektor verringerte sich die Anzahl der Institute durch Zusammenschlüsse um sechs (2018: fünf), somit verbleiben neben den unverändert bestehenden sechs Landesbanken noch 380 Sparkassen. Die Zahl der Kreditbanken verringerte sich 2019 um netto 24 auf 374 Institute: Hierzu trugen wesentlich die „Zweigstellen ausländischer Banken und Wertpapierhandelsbanken“ bei, deren Zahl um 26 auf 185 sank; hier standen 13 Zugängen 40 Abgänge gegenüber, davon entfielen allein 37 auf Filialen britischer Institute (vgl. Tabelle 1). Bei den „Regional- und Wertpapierhandelsbanken und sonstigen Kreditbanken“ gab es hingegen einen leichten Netto-Zuwachs von drei Instituten auf ebenfalls 185 zum Ende 2019.

Anzahl inländischer Zweigstellen weiter stark gesunken

Die Zahl der inländischen Zweigstellen[1] verringerte sich 2019 wieder deutlich um 1.220 bzw. 4,4 % auf 26.667 nach einem noch stärkeren Abbau von 2.239 Zweigstellen im Jahr zuvor. Hierzu zählen klassische Filialen sowie Stellen mit Selbstbedienungsterminals und zusätzlicher persönlicher Beratungsmöglichkeit. Reine Selbstbedienungsterminals sind in diesen Zahlen nicht enthalten. In dieser Entwicklung spiegeln sich der Einfluss der Digitalisierung auf die Vertriebswege aufgrund einer verstärkten Nutzung von Online-Zugängen wider sowie Maßnahmen zur Kostenreduzierung, die das Wettbewerbsumfeld notwendig machte.

Die Zahl der Filialen sank per Saldo in allen Sektoren des Kreditgewerbes. Besonders deutlich war der Rückgang abermals im Sparkassenbereich (einschließlich Landesbanken) mit minus 525 auf 9.207 Filialen. Mit einem Anteil von 34,5 % wird hier jedoch weiterhin die größte Anzahl inländischer Zweigstellen unterhalten.

Im genossenschaftlichen Sektor sank die Zahl der Zweigstellen um 471 auf 8.484 (Anteil an inländischen Zweigstellen: 31,8 %).

Die Kreditbanken verringerten die Zahl ihrer Zweigstellen um 137 (minus 1,8 %) auf 7.633 gegenüber einem Rückgang von 1.272 (minus 14,1 %) 2018. Dies entspricht einem Gesamtanteil von 28,6 %. Mit 6.219 Zweigstellen (minus 79, 2018: minus 522) weisen die Großbanken nach wie vor den größten Anteil an Zweigstellen unter den Kreditbanken auf. Das Zweigstellennetz der Regionalbanken verringerte sich um 63 (minus 4,8 %) auf 1.240 Zweigstellen.

Im Bausparkassensektor sind ebenfalls Rückgänge zu verzeichnen: Im Bereich der privaten Bausparkassen um minus 69 auf 803 Filialen und im Bereich der öffentlichen Bausparkassen um minus 10 auf 475 Filialen. Die Zahl der Zweigstellen der „Sonstigen Institute (außer Bausparkassen)“ beläuft sich auf 65 (vgl. Tabelle 2).

Deutlich mehr Auslandsfilialen im Zuge der Brexit-Vorbereitung

Die Zahl der im Ausland ansässigen Tochterunternehmen[2] deutscher Banken verringerte sich Ende 2019 von 97 auf 92. Die Zahl der Töchter deutscher Großbanken blieb mit 67 (minus eins) relativ konstant, während die Regionalbanken die Auslandspräsenz um vier auf elf Tochterinstitute abbauten.

Hingegen stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Filialen deutscher Kreditinstitute im Ausland deutlich um 25 auf 251 (plus 11,1 %). Die Erhöhung steht im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Brexit: Einige international tätige Banken verlegten ihren europäischen Hauptsitz nach Deutschland und eröffneten Filialen – vornehmlich im europäischen Ausland. Fast drei Viertel aller Auslandsfilialen sowie etwas weniger als die Hälfte der Auslandstöchter befinden sich in Europa, hauptsächlich in Ländern der Europäischen Union (vgl. Tabelle 3). Davon sind zum Jahresende 2019 29 Auslandsfilialen (2018: 27) und fünf Auslandstöchter (2018: sechs) in Großbritannien angesiedelt.

Fußnoten:

  1. Zweigstellen gemäß § 24 Abs. 1a Nr. 4 KWG, hier sind Zweigstellen, die nur automatisierte Bank- oder Finanzdienstleistungen erbringen, nicht einbezogen
  2. Beteiligung an einem ausländischen Kreditinstitut mit mehr als 50 %