Bundesbank schickt Vasarely-Saal auf Reisen – erste Station Städel Museum, zweite Station Centre Pompidou

31.07.2018 | Deutsche Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank hat heute damit begonnen, den von Victor Vasarely und seinem Sohn Yvaral Anfang der 1970er Jahre gestalteten Speisesaal im 13. Obergeschoss der Bundesbank-Zentrale (Wilhelm-Epstein-Strasse 14, in Frankfurt am Main) abzubauen, um ihn als Leihgabe dem Städel Museum in Frankfurt zur Verfügung zu stellen. Dort wird das Kunstwerk vom 26. September 2018 bis 13. Januar 2019 in der Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ zu sehen sein.

Seit 1972 werden im Vasarely-Saal besondere Gäste der Bundesbank bewirtet, Vorstands-Interviews geführt und Pressetermine abgehalten. „Wir freuen uns sehr, dass wir diesen wunderschönen Raum durch die Leihgabe an das Städel nun auch der Öffentlichkeit zeigen können“, sagte Iris Cramer, Kuratorin der Bundesbank. „Jeder, der diesen Raum betritt, spürt das Besondere“, so Cramer. Das gelte auch für Besucher, die sich sonst wenig für Kunst interessierten. „Dieser farbige Raum hat eine ganz eigene Ausstrahlung. Wände, Möbel, Fußboden – alles spielt zusammen und der Mensch steht mittendrin“, sagte die Kuratorin, „Die Absicht des Künstlers, seine Werke in den Alltag zu integrieren und zu einem Bestandteil des Lebens zu machen, ist Vasarely selten eindrücklicher geglückt als in diesem Speisesaal“.

Der Abbau des Kunstwerks ist für drei Tage angesetzt, da nicht nur die von außen sichtbaren 582 Scheiben auf Reisen gehen, auch die Unterkonstruktion der Wände muss dokumentiert und abgebaut werden. Im Städel Museum wird der Saal ein zentrales Werk der geplanten Vasarely-Ausstellung sein.

„Der Speisesaal der Bundesbank ist die gelungenste architektonische Integration Victor Vasarelys. Sie markiert einen Höhepunkt im Werk des 1908 geborenen Op-Art-Künstlers“, sagte Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum und Kurator der Ausstellung. „Mit der Ausstellung ‚Victor Vasarely. Im Labyrinth der Modern‘ möchte das Städel Museum einen neuen Blick auf den ungarisch-französischen Jahrhundertkünstler eröffnen: Nur er verbindet die Kunst der frühen Moderne Ost- und Mitteleuropas mit den Avantgarden der 1960er in Europa und Amerika. Die Utopien des Bauhaus und der russischen Suprematisten sollte bei ihm in einen neuen – demokratischen – Kunstbegriff münden, der Malerei, Design und Architektur zusammenführt“, so Engler.

Im Anschluss an die Ausstellung im Städel wird der Vasarely-Saal an das Centre Pompidou in Paris ausgeliehen, wo er vom 6. Februar bis 6. Mai 2019 zu sehen sein wird.

Beschreibung des Raums

Die Rauminstallation in der Bundesbank integriert – abgesehen von der Fensterfront – alle drei Wände und bezieht darüber hinaus Fußboden und Decke ein. Auch die Möbel wurden zusammen mit Vasarely ausgewählt. Zu sehen sind auf den beiden gegenüberliegenden Wänden farbige Kunststoffscheiben, die auf glänzende Aluminiumpanelle montiert sind. Die Farbgebung bildet eine kontinuierliche Abstufung von hellen Grautönen zu Schwarz auf goldenem Grund bzw. von Gelb - und Ockertönen zu Schwarz auf silberfarbenem Grund. Innerhalb dieser Anordnung wird der Farbverlauf mehrmals gespiegelt und variiert. An der Längswand gegenüber der Fensterfront sind auf einer goldfarbenen Teppichbespannung gebürstete Aluminiumscheiben angebracht, die jeweils um 90 Grad gedreht sind und so abwechslungsreiche Lichteffekte hervorrufen. Der Boden nimmt Material und Farbe der Wand auf, die Decke korrespondiert mit dem Grau der Aluminiumscheiben.

Der Künstler

Victor Vasarely war um 1970 einer der bekanntesten Vertreter der Op-Art und suchte in seinen „architektonischen Integrationen“ seine Vorstellungen von der Demokratisierung der Kunst zu realisieren. Bereits 1953 hatte er in seinen Notes Brutes vermerkt: „Ich träume von einer sozialen Kunst, die Menge, die Massen, eine Vielfalt von Geschöpfen! Das ist die neue Dimension. […] Kunst ist der plastische Aspekt von Gemeinschaft.“ Für diese Expansion in den Raum sollte in seinem 1970 im französischen Gordes gegründeten „Didaktischen Museum“ die Voraussetzungen geschaffen werden. In einer interdisziplinären Zusammenarbeit ging der Künstler der Frage nach, wie Kunst in die Gesellschaft wirken kann und wie sich Kunst in den Alltag der Menschen integrieren lässt.