Das deutsche Auslandsvermögen Ende 2017

28.09.2018 | Deutsche Bundesbank EN

Erneut deutliche Zunahme der Netto-Auslandsposition

Die Netto-Auslandsposition Deutschlands belief sich Ende 2017 auf 1 771 Mrd . Sie betrug damit rund 54 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die deutsche Netto-Vermögensposition gegenüber dem Ausland um 169 Mrd . Der Anstieg wurde durch Netto-Kapitalexporte (280 Mrd ) gespeist und reflektiert in erster Linie den Leistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr. Durch die Aufwertung des Euro ergaben sich außergewöhnlich hohe Wechselkurseffekte, sodass die Bewertungsveränderungen und andere Anpassungen [1] insgesamt spürbar dämpfend wirkten (-111 Mrd ). Die Forderungen gegenüber dem Ausland legten im Vorjahresvergleich um 1,1 % auf 8 357 Mrd zu, während die Verbindlichkeiten um 1,1 % auf 6 585 Mrd  zurückgingen. Auf beiden Seiten der Bilanz stiegen dabei die Bestände durch grenzüberschreitende Transaktionen, während insbesondere die Stärke des Euro sie deutlich senkte.

Aktivsaldo bei den Wertpapieranlagen

Im Bereich der Wertpapieranlagen stieg der Aktivsaldo um 169 Mrd  auf nunmehr 382 Mrd  weiter an, nachdem es 2015 erstmals seit Mitte der 1980er Jahre bei diesen Anlagen zu einem positiven Saldo gegenüber dem Ausland gekommen war. Zu dem Anstieg der Netto-Forderungsposition trugen sowohl ein lebhafter Wertpapiererwerb von Inländern im Ausland als auch Verkäufe inländischer Wertpapiere durch Anleger aus dem Ausland bei.

Inländische Anleger hielten Ende 2017 mit 2 934 Mrd  einen um 110 Mrd  und damit um 3,9 % höheren Bestand an ausländischen Wertpapieren als ein Jahr zuvor. Das Gros des Zuwachses entfiel auf Zukäufe (105 Mrd ). Nicht transaktionsbedingte Veränderungen trugen nur in geringem Maße zu dem höheren Bestand bei (5 Mrd ). Dabei überwogen positive Bewertungsanpassungen durch Marktpreiseffekte die dämpfende Wirkung, die sich aus der Stärke des Euro für die Wertansätze ergab. Von den Käufen profitierten alle Anlageklassen außer den kurzfristigen Schuldverschreibungen. Hierin spiegelte sich vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfelds unter anderem auch das lebhafte Interesse deutscher Anleger an oftmals höher rentierenden ausländischen Titeln wider. Besonders ausgeprägt war die Nachfrage nach ausländischen Investmentfondsanteilen. Da bei diesen zudem positive Marktpreiseffekte und nur moderate negative Anpassungen durch den Wechselkurs zu verzeichnen waren, stieg der Bestand um 70 Mrd . Ausländische Aktien wurden Ende 2017 für 46 Mrd  mehr gehalten als Ende 2016; dabei wurde die Zunahme vor allem durch günstige Marktpreisbewertungen getrieben, während die transaktionsbedingten Veränderungen durch den Netto-Erwerb dieser Titel nur 14 Mrd  ausmachten. Inländer erwarben ferner in größerem Umfang langfristige ausländische Schuldverschreibungen (47 Mrd €). Allerdings ließen umfangreiche negative Bewertungseffekte, insbesondere durch die Stärke des Euro, den Bestand dieser Anlageklasse per saldo gegenüber dem Vorjahr abschmelzen (um 5 Mrd €).

Ausländische Anleger hielten Ende 2017 mit 2 552 Mrd  dem Betrag nach um rund 2,2 % weniger deutsche Wertpapiere in ihren Portfolios als Ende 2016. Den Verkäufen und Tilgungen in Höhe von 95 Mrd  standen unter anderem Bewertungsgewinne in Höhe von 32 Mrd  gegenüber. Dominiert wurde die Entwicklung von den langfristigen Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand, die erneut von ausländischen Anlegern im großen Umfang abgegeben wurden (65 Mrd ). Hierbei spielten das sehr niedrige und in vielen Laufzeitsegmenten sogar negative Zinsniveau, ein rückläufiger Umlauf öffentlicher Anleihen (die Tilgungen übertrafen den Brutto-Absatz) sowie vor allem Verkäufe an die Bundesbank eine Rolle, die im Rahmen des erweiterten Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (expanded Asset Purchase Programme: APP) in erheblichem Umfang inländische Wertpapiere erwarb. Verstärkt wurde das Abschmelzen des vom Ausland gehaltenen Bestandes deutscher lang laufender Staatsanleihen durch negative Bewertungseffekte und andere Anpassungen, sodass der Wert letztlich um 110 Mrd  unter dem des Vorjahres lag. Darüber hinaus trennten sich ausländische Anleger auch in größerem Umfang von kurzfristigen öffentlichen Schuldverschreibungen (21 Mrd ).[2] Wenig Interesse zeigten sie im Jahr 2017 per saldo an im Inland begebenen Aktien (-1 Mrd ); gleichwohl legte der Bestand dieser Titel vor allem dank günstiger Marktpreiseffekte kräftig zu und übertraf den Vorjahreswert um 58 Mrd .

Direktinvestitionsengagement weiter gestiegen

Die grenzüberschreitende Unternehmensverflechtung nahm im vergangenen Jahr weiter zu. Die deutschen Direktinvestitionen im Ausland stiegen gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 58 Mrd  (bzw. 3,1 %) auf 1 926 Mrd . Dabei wurde das transaktionsbedingte deutsche Direktinvestitionsengagement im Ausland (112 Mrd ), das über die Kapitalbilanz erfasst wird, durch nicht transaktionsbedingte Veränderungen deutlich gedämpft (um 54 Mrd ); vor allem negative Bewertungseffekte aufgrund der Wechselkursentwicklung schlugen hier zu Buche. Deutsche Investoren erhöhten insbesondere ihr Beteiligungskapital an verbundenen Unternehmen im Ausland. Auch der Bestand an Direktinvestitionskrediten übertraf den Vorjahreswert. Gebietsfremde Unternehmen stockten ihrerseits im Jahr 2017 ihr Beteiligungskapital an hiesigen verbundenen Unternehmen auf. Noch stärker weiteten sie aber die konzerninterne Kreditgewährung aus. Allerdings reduzierten negative Bewertungseffekte und andere Anpassungen die tatsächlich ausgewiesene Zunahme. Insgesamt erreichten die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland Ende 2017 einen Wert von 1 380 Mrd ; sie übertrafen den Vorjahreswert um 52 Mrd  (3,9 %). Das deutsche Netto-Auslandsvermögen aus Direktinvestitionen lag Ende 2017 im Ergebnis bei 546 Mrd  und damit nur leicht (6 Mrd €) höher als zum Jahresende 2016.

Übrige Kapitalanlagen: Aktivsaldo weiter gesunken

In den übrigen Kapitalanlagen, die unter anderem Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) sowie Bargeld und Einlagen umfassen, sank die positive Netto-Vermögensposition Deutschlands um 12 Mrd  auf 691 Mrd . Die Forderungen gegenüber dem Ausland stiegen um 2,6 % auf 2 854 Mrd . Dabei erhöhte sich die Forderungsposition der Bundesbank insbesondere durch die Zunahme der TARGET2-Salden im vergangenen Jahr um 157 Mrd . Hierin spiegelten sich auch die Wirkungen des APP wider.[3] Die Forderungen in Deutschland ansässiger Monetärer Finanzinstitute lagen hingegen um rund 82 Mrd  unter dem Vorjahreswert. Auch die sonstigen finanziellen Kapitalgesellschaften und der Staat hatten gegenüber dem Ausland geringere Forderungen als Ende 2016. Demgegenüber stiegen die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland um 4,0 % auf 2 163 Mrd . Geprägt wurde der Anstieg vor allem durch höhere Verbindlichkeiten der Bundesbank gegenüber dem Ausland (80 Mrd ), da ausländische Zentralbanken und internationale Finanzinstitutionen ihre Einlagen bei der Bundesbank erhöhten.

Währungsreserven leicht rückläufig

Die Währungsreserven der Bundesbank beliefen sich Ende 2017 auf rund 167 Mrd ; sie lagen damit um rund 9 Mrd  unter dem Vorjahreswert. Die Abnahme spiegelte vor allem negative Bewertungseffekte, insbesondere durch den gestiegenen Kurs des Euro, wider.
 

Fußnoten:

  1. Andere Anpassungen umfassen beispielsweise Abschreibungen auf nicht einholbare Kreditforderungen, Änderungen in der Sektorenzuordnung, Änderungen der Funktionalkategorie eines Finanzierungsinstruments und statistisch bedingte Unterschiede zwischen Auslandsvermögensstatus und Zahlungsbilanz, die sich z.B. durch verschiedene Datenquellen ergeben. Für die Veränderung der Netto-Auslandsposition sind nur die zuerst und zuletzt genannten Gründe relevant.
  2. Mit Veröffentlichung der Daten des Auslandsvermögensstatus für das Jahr 2017 wird bei den Schuldverschreibungen auf der Passivseite eine methodische Änderung rückwirkend bis zum 4. Quartal 2015 vorgenommen. Während bislang die im Ausland gehaltenen Bestände an deutschen Schuldverschreibungen aus den Transaktionsdaten der Zahlungsbilanz kumuliert wurden, werden nun Bestandsdaten aus den Wertpapierstatistiken der Bundesbank verwendet, um den von Gebietsfremden gehaltenen Bestand zu ermitteln. Dies führt beginnend mit dem 4. Quartal 2015 zu höheren Passiva-Beständen bei dieser Wertpapierklasse. Das neue Berechnungsverfahren steht im Einklang mit den Leitlinien der EZB. Es bietet darüber hinaus den Vorteil, die Ergebnisse des Auslandsvermögensstatus und der Finanzierungsrechnung weiter anzunähern.
  3. Vgl.: Deutsche Bundesbank, Zu den Auswirkungen der Wertpapierkäufe des Eurosystems auf die TARGET2-Salden, Monatsbericht, März 2016, S. 56 – 58 und Deutsche Bundesbank, Zum Anstieg der deutschen TARGET2-Forderungen, Monatsbericht, März 2017, S. 33 – 34.