Die deutsche Zahlungsbilanz im August 2020

13.10.2020 | Deutsche Bundesbank EN

Leistungsbilanzüberschuss deutlich zurückgegangen

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im August 2020 einen Überschuss von 16,5 Mrd €. Das Ergebnis lag damit um 4,6 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Ausschlaggebend dafür war ein verminderter Überschuss im Warenhandel. Hingegen stieg der Aktivsaldo im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, der neben Dienstleistungen auch Primär- und Sekundäreinkommen umfasst.

Im Warenhandel sank der positive Saldo im Berichtsmonat gegenüber Juli um 5,7 Mrd € auf 14,4 Mrd €. Dabei gaben die Warenausfuhren stärker nach als die Wareneinfuhren.

Der Aktivsaldo bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen stieg im August um 1,1 Mrd € auf 2,1 Mrd €. Wesentlich dafür war die Ausweitung der Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen um 1,1 Mrd € auf 8,2 Mrd €. Dahinter stand maßgeblich, dass sich die Dividendenzahlungen für Wertpapierengagements an Gebietsfremde verminderten. Zudem verkleinerte sich das Defizit bei den Sekundäreinkommen um 0,3 Mrd € auf 3,2 Mrd €. Die Einnahmen gaben zwar leicht nach, vor allem aufgrund gesunkener staatlicher Einkünfte aus laufenden Steuern auf Einkommen und Vermögen Gebietsfremder. Die Ausgaben gingen jedoch etwas stärker zurück, auch weil die staatlichen Zahlungen an den EU-Haushalt nachgaben, die in Verbindung mit auf das Bruttonationaleinkommen bezogenen Finanzierungsleistungen standen. Darüber hinaus weitete sich der Passivsaldo in der Dienstleistungsbilanz lediglich leicht um 0,3 Mrd € auf 2,9 Mrd € aus, da sich die Ausgaben etwas weniger verminderten als die Einnahmen. Dazu trug bei, dass die Reiseverkehrsaufwendungen, wie zu dieser Jahreszeit üblich, zunahmen, nachdem seit Juni in vielen Ländern die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung gelockert worden waren.

Mittelzuflüsse im Wertpapierverkehr

Im August 2020 prägten weiterhin die wechselnden Einschätzungen über die Dynamik der Covid-19-Pandemie das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten. Diese Unsicherheit schlug sich auch im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands nieder, der im August Netto-Kapitalzuflüsse von 46,3 Mrd € (nach 12,1 Mrd € im Juli) verzeichnete. Ausländische Investoren kauften per saldo deutsche Wertpapiere für 57,0 Mrd €. Ein Grund für die hohe Nachfrage war das hohe Emissionsvolumen von Bundesschuldtiteln, die als besonders sicher gelten. Ausländische Anleger fragten fast ausschließlich Anleihen (37,1 Mrd €) und Geldmarktpapiere (19,2 Mrd €) nach, in geringem Umfang auch Aktien (0,7 Mrd €). Die Käufe und Verkäufe von Investmentzertifikaten glichen sich im betrachteten Zeitraum aus. Inländische Anleger kauften im Ergebnis ausländische Wertpapiere für 10,6 Mrd €. Sie erwarben per saldo ausländische Investmentzertifikate (10,3 Mrd €) und Aktien (4,7 Mrd €). Dagegen trennten sie sich von Anleihen (2,4 Mrd €), die im Ausland emittiert worden waren. Per saldo gaben hiesige Anleger ausschließlich auf Euro lautende Anleihen ab, während sie Fremdwährungsanleihen im Ergebnis weiter nachfragten. Sie verkauften außerdem ausländische Geldmarktpapiere (2,0 Mrd €).

Im Bereich der Finanzderivate waren im August Netto-Kapitalexporte von 9,2 Mrd € (Juli: 11,6 Mrd €) zu verzeichnen.

Bei den Direktinvestitionen ergaben sich im August per saldo Netto-Kapitalexporte von 3,7 Mrd € (nach Mittelzuflüssen von 9,6 Mrd € im Juli). Inländische Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 13,6 Mrd €. Dabei führten sie ausländischen Niederlassungen Beteiligungskapital zu (9,9 Mrd €) und gewährten verbundenen Unternehmen zusätzliche Kredite (3,7 Mrd €). Ausländische Firmen erhöhten ihre Direktinvestitionsbestände in Deutschland um 9,9 Mrd €. Dies geschah im Ergebnis überwiegend durch zusätzliche konzerninterne Kreditvergabe (8,8 Mrd €), wobei Finanzkredite ausschlaggebend waren. Außerdem erhöhten ausländische Gesellschaften ihr Beteiligungskapital in Deutschland um 1,1 Mrd €.

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen), Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, flossen im August per saldo 69,7 Mrd € ab (nach 21,1 Mrd € im Juli). Netto-Kapitalexporte ergaben sich insbesondere aus den grenzüberschreitenden Transaktionen, die über die Konten der Bundesbank abgewickelt wurden (35,7 Mrd €); hierdurch stiegen die TARGET2-Forderungen um 37,0 Mrd €. Mittelabflüsse ergaben sich zudem bei den Unternehmen und Privatpersonen (23,0 Mrd €), den monetären Finanzinstituten ohne Bundesbank (6,5 Mrd €) sowie dem Staat (4,5 Mrd €).

Die Währungsreserven der Bundesbank sanken im August – zu Transaktionswerten gerechnet – leicht (0,6 Mrd €).