Die deutsche Zahlungsbilanz im Juni 2016

11.08.2016 | Deutsche Bundesbank

Leistungsbilanzüberschuss kräftig gestiegen

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Juni 2016 einen Überschuss von 26,3 Mrd €. Das Ergebnis lag um 7,9 Mrd € über dem Niveau des Vormonats. Dahinter standen deutliche Verbesserungen sowohl beim Überschuss im Warenhandel als auch beim Passivsaldo im Bereich der "unsichtbaren" Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen.

Der Überschuss im Warenhandel erhöhte sich im Vormonatsvergleich um 3,0 Mrd € auf 26,8 Mrd € im Juni, da die Warenexporte stärker zunahmen als die Warenimporte.

Bei den "unsichtbaren" Leistungstransaktionen verminderte sich das Defizit um 4,9 Mrd € auf 0,5 Mrd € im Juni. Ursächlich dafür war der Umschwung in der Bilanz der Primäreinkommen von Nettoausgaben (in Höhe von 3,2 Mrd €) zurück zu Nettoeinnahmen (in Höhe von 4,4 Mrd €), was insbesondere mit einer Gegenbewegung bei den Dividendenzahlungen an Gebietsfremde nach dem erheblichen Anstieg im Vormonat zusammenhing. Dies überwog auch die Ausweitung der Passivsalden in den beiden anderen Teilbilanzen: Der Minussaldo in der Dienstleistungsbilanz stieg um 1,1 Mrd € auf 2,7 Mrd €. Das Defizit bei den Sekundäreinkommen vergrößerte sich um 1,6 Mrd € auf 2,1 Mrd €, wozu vor allem geringere Einnahmen des Staates aus laufenden Steuern Gebietsfremder auf Einkommen und Vermögen beitrugen.

Mittelabfluss im Wertpapierverkehr

Die Unsicherheiten angesichts des Referendums im Vereinigten Königreich zum Verbleib in oder dem Austritt aus der Europäischen Union sowie die Erwartungen der Marktteilnehmer über die künftige Ausrichtung der Geldpolitik in den großen Währungsräumen beeinflussten im Juni die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten. Vor diesem Hintergrund ergaben sich im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands Netto-Kapitalexporte in Höhe von 27,0 Mrd €. Diese Entwicklung war überwiegend auf den Verkauf von Wertpapieren durch gebietsfremde Anleger zurückzuführen (22,5 Mrd €). Dabei spielten grenzüberschreitende Verkäufe an die Bundesbank im Rahmen des erweiterten Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) eine besondere Rolle. Insgesamt gesehen wurden vorwiegend öffentliche Anleihen an Inländer abgegeben (14,4 Mrd €). Ausländische Investoren trennten sich zudem von Aktien (2,4 Mrd €) und Investmentzertifikaten (0,4 Mrd €). Dagegen kauften sie Geldmarktpapiere in Höhe von 0,6 Mrd €. Gebietsansässige Anleger erwarben im Juni per saldo ausländische Wertpapiere (4,5 Mrd €). Dem Kauf von Anleihen (4,8 Mrd €), Aktien (1,5 Mrd €) und Investmentzertifikaten (0,4 Mrd €) standen Verkäufe von Geldmarktpapieren (2,2 Mrd €) gegenüber.

Im Bereich der Direktinvestitionen kam es im Juni zu Netto-Kapitalimporten, und zwar in Höhe von 8,7 Mrd €. Für diese Entwicklung war vor allem die Bereitstellung finanzieller Mittel von gebietsfremden Investoren an Unternehmen in Deutschland verantwortlich (16,1 Mrd €). Diese erfolgte ausschließlich über die zusätzliche Gewährung von konzerninternen Krediten (16,7 Mrd €). Eine wichtige Rolle spielten hierbei die Finanzkredite (13,9 Mrd €). Aber auch die Handelskredite wurden ausgeweitet (2,9 Mrd €). Dagegen nahm das Beteiligungskapital im gleichen Zeitraum um 0,6 Mrd € ab. Gebietsansässige Anleger erhöhten ebenfalls im Juni per saldo ihre Direktinvestitionen im Ausland, und zwar in Höhe von 7,5 Mrd €. Diese wurden hauptsächlich in Form von konzerninternen Krediten getätigt (5,4 Mrd €). Sowohl die Forderungen bei den Handelskrediten (4,3 Mrd €) als auch bei den Finanzkrediten (1,1 Mrd €) nahmen per saldo zu. Außerdem stieg das Beteiligungskapital um 2,0 Mrd €.

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) als auch Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, glichen sich im Juni die Veränderungen von Forderungen und Verbindlichkeiten nahezu aus (Netto-Kapitalexporte in Höhe von 0,1 Mrd €). Bei den monetären Finanzinstituten ohne Bundesbank ergaben sich Mittelabflüsse (12,3 Mrd €). Demgegenüber kam es bei den Unternehmen und Privatpersonen (13,5 Mrd €) sowie den staatlichen Stellen (6,1 Mrd €) zu Netto-Kapitalimporten. Die Netto-Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Ausland erhöhten sich um 7,4 Mrd €. Die kurzfristigen Einlagen bei der Bundesbank - vorwiegend durch Notenbanken außerhalb des Eurosystems - für sich genommen ließen dabei zwar die Verbindlichkeiten der Bundesbank deutlich ansteigen (18,2 Mrd €). Da aber in noch größerem Umfang der TARGET2-Saldo stieg (25,5 Mrd €), vergrößerte sich insgesamt die Forderungsposition der Bundesbank.

Die Währungsreserven der Bundesbank nahmen im Juni - zu Transaktionswerten gerechnet - um 0,7 Mrd € ab.