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Direktinvestitionen erreichten 2017 neue Höchstwerte

Direktinvestitionen erreichten 2017 neue Höchstwerte

30.04.2019 | Deutsche Bundesbank EN

Die Direktinvestitionsbestände haben zum Jahresende 2017 neue Höchstwerte erreicht. Die unmittelbaren deutschen Direktinvestitionen im Ausland erhöhten sich im Jahr 2017 um 61 Mrd  deutlich und erreichten zum Jahresende den neuen Höchststand von 1 167 Mrd . In umgekehrter Richtung stiegen die Direktinvestitionen des Auslands in Deutschland um 32 Mrd  auf einen ebenfalls bisher noch nicht gemessenen Wert von 741 Mrd .

EU-Länder mit hohem Zuwachs – USA blieb wichtigstes Zielland

Von den unmittelbaren Direktinvestitionen Deutschlands im Ausland entfielen 85 % des Zuwachses auf EU-Länder, deren Anteil am Gesamtbestand damit auf mehr als 56 % beziehungsweise 659 Mrd  stieg. Wichtigstes Zielland deutscher Direktinvestitionen waren weiterhin die Vereinigten Staaten. Trotz erheblicher Bewertungsverluste durch den schwachen US-Dollar in Höhe von 25 Mrd  blieben die Bestände mit 225 Mrd  nahezu unverändert. Die Bedeutung von China als Investitionsstandort blieb auch im Jahr 2017 mit einem Anteil von knapp 7 % beziehungsweise 77 Mrd  vergleichsweise gering. Die deutschen Direktinvestitionen in China wiesen dabei die mit Abstand höchste Eigenkapitalrendite von 25 % auf.

Sondereffekte prägten die Direktinvestitionen in Deutschland

Die Erhöhung unmittelbarer ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland war im Berichtsjahr im Wesentlichen durch Entscheidungen US-amerikanischer Unternehmen bestimmt, die mit 17 Mrd  mehr als die Hälfte des Anstiegs ausmachten. Hintergrund dieser Entwicklung waren jedoch Sondereffekte, die mit Umstrukturierungsmaßnahmen international operierender Unternehmensgruppen zusammenhingen. Neben den USA schätzten auch Investoren aus der EU und Asien (+6 Mrd bzw. +2 Mrd ) Deutschland als Investitionsstandort und trugen zur insgesamt positiven Entwicklung bei.

Mit Blick auf die unmittelbare Herkunft der investierten Mittel spielten die EU-Länder mit einem Anteil von 71 % des Gesamtbestandes die wichtigste Rolle. Differenziert nach dem Sitzland der Konzernspitze erreichte der Anteil aller EU-Länder lediglich rund 50 %, während die Rolle der Vereinigten Staaten als führender Investor noch stärker hervortrat. In dieser Betrachtung erreichten Investitionen aus den USA 182 Mrd , was 25 % des Gesamtbestandes entsprach.

Mehr Umsatz und Beschäftige in Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung

Die Umsätze der Unternehmen im Ausland mit deutscher Kapitalbeteiligung erhöhten sich nach den Angaben der Direktinvestitionsstatistik im Jahr 2017 um knapp 160 Mrd auf mehr als 3 000 Mrd . Die Zahl der Beschäftigten in diesen Unternehmen stieg um weitere 300 000 auf 7,6 Mio, davon waren allein 900 000 Personen in den USA tätig. Im Gegensatz dazu gingen Umsätze und Beschäftigtenzahlen der deutschen Unternehmen mit Kapitalgebern aus den USA leicht zurück. Die Zahl der Beschäftigten sank von 244 000 auf 223 000, die Umsätze von 134 Mrd  auf 113 Mrd . Insgesamt zeigte sich bei den deutschen Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung eine relativ konstante Entwicklung: Die Umsätze stiegen um 64 Mrd auf knapp 1 600 Mrd , während die Anzahl der Beschäftigen mit 3,1 Mio nahezu unverändert blieb.

Die Entwicklungen im Einzelnen

Unmittelbare deutsche Direktinvestitionen im Ausland

Der Bestand der unmittelbaren deutschen Direktinvestitionen im Ausland, die nur das jeweils erste ausländische Unternehmen im Falle einer Direktinvestitionskette erfassen, stieg im Jahr 2017 um 61 Mrd  auf 1 167 Mrd . Dabei erhöhten sich die Forderungen an die Investitionsobjekte, die abweichend von der Definition des Rechnungswesens auch das Eigenkapital umfassen, deutlich dynamischer (+66 Mrd ) als die in Abzug zu bringenden Verbindlichkeiten (+5 Mrd ). Diese Bestandserhöhung setzte sich aus Transaktionen und Bewertungseffekten zusammen, wobei im Jahr 2017 gegenläufige Bewegungen verzeichnet wurden. Während deutsche Investoren nach Angaben der Zahlungsbilanz 123 Mrd  in ausländische Unternehmensbeteiligungen investierten, traten gleichzeitig negative Bewertungseffekte, insbesondere Wechselkursverluste gegenüber dem Euro in Höhe von 48 Mrd , auf.

In regionaler Betrachtung zeigte das insgesamt dynamische Wachstum ein uneinheitliches Bild. So entfielen auf die EU-Länder 85 % des Zuwachses, die Bestände stiegen hier um 52 Mrd  auf 659 Mrd . Mit Blick auf die USA wirkte sich die Abwertung des US-Dollar jedoch spürbar aus. Für sich genommen verringerte der Wechselkurseffekt den Wert der dortigen Investitionsobjekte um 25 Mrd . Dass der Gesamtwert der Bestände mit 225 Mrd  dennoch unverändert blieb, lag an einer erhöhten Kreditvergabe durch die deutschen Investoren, während Eigenkapital sogar im geringen Umfang zurückgeführt wurde. Auch in China wurde mehr Eigenkapital liquidiert als neu angelegt (-2,5 Mrd ). Trotz eines zusätzlichen, wechselkursbedingten Rückgangs um weitere 4,4 Mrd  erhöhte sich der Bestand auf 77 Mrd . Das resultiert besonders aus den in China erzielten, jedoch noch nicht ausgeschütteten Unternehmensgewinnen. Diese wurden im Jahr ihrer Entstehung entsprechend dem Beteiligungsverhältnis den jeweiligen Direktinvestitionsbeständen zugerechnet. Mit mehr als 12 Mrd  anteiliger Gewinne wurde in China eine Eigenkapitalrendite von 25 % erzielt. Im Vergleich zu anderen bedeutenden Direktinvestitionsländern nahm diese Rendite für das Berichtsjahr 2017 den Spitzenplatz ein.

Unmittelbare ausländische Direktinvestitionen in Deutschland

Der Zuwachs der unmittelbaren ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland um 32 Mrd  auf 741  Mrd  lag insbesondere an der Entwicklung des Beteiligungskapitals. Die übrigen Forderungen und Verbindlichkeiten durch Kreditgewährungen und -aufnahmen im Direktinvestitionsverbund blieben hingegen weitgehend unverändert.

Hinsichtlich der regionalen Herkunft der Direktinvestitionen im Inland ist eine Zuordnung nach dem Sitzland des unmittelbaren ausländischen Investors oder dem Sitzland der Konzernspitze möglich. Die Investitionen mit direkter Herkunft aus EU-Ländern stiegen vergleichsweise moderat um 6 Mrd  auf 525 Mrd , Investitionen aus anderen europäischen Ländern um 7 Mrd  auf insgesamt 87 Mrd . Der größte Teil des Zuwachses entfiel mit 17 Mrd  auf Investoren aus den USA, wodurch sich der Bestand auf 79 Mrd  erhöhte. Diese Erhöhung war im Wesentlichen durch die Neuaufstellung des weltweiten Geschäfts multinationaler Konzerne bedingt. Auch wenn Deutschland bei diesen Transaktionen lediglich als Transitland auftritt, schlagen sich solche „Investitionen“ auf beiden Seiten der deutschen Direktinvestitionsbestandsstatistik nieder.

Eine Betrachtung der ausländischen Direktinvestitionen nach dem Land des Konzernsitzes, also dem eigentlichen Geldgeber, zeigte eine deutliche Verschiebung der regionalen Verteilung der ausländischen Investoren in Deutschland. Die EU-Länder zusammen erreichten so lediglich einen Bestand von 389 Mrd , was einem Zuwachs von 8 Mrd  gegenüber dem Stand am Jahresende 2016 entsprach. Davon stammten wiederum 59 Mrd  letztlich aus Deutschland, da die Konzernspitze der ausländischen Direktinvestoren im Inland angesiedelt war. Konzerne aus den USA führten die Liste der unmittelbaren Investitionen in Deutschland mit 182 Mrd  weiterhin mit großem Abstand an. Auch hier war der Zuwachs von 18 Mrd  gegenüber dem Jahr 2016 im Wesentlichen den Konzernumstrukturierungen zuzurechnen. Der verbleibende Zuwachs verteilte sich auf Investoren aus anderen europäischen Ländern (+3 Mrd ) und Asien (+3 Mrd ).

Unmittelbare und mittelbare Direktinvestitionen

Durch eine konsolidierte Darstellung der unmittelbaren und mittelbaren Direktinvestitionen wird ein erweiterter Blick auf die Zielobjekte der Investoren möglich. Kurz gesagt werden die unmittelbaren Investitionen in Holdinggesellschaften ausgeblendet, weil diese das eigentliche Anlageinteresse des Investors, das heißt den tatsächlichen Investitionsstandort und Wirtschaftszweig, verdecken. Hingegen werden die mittelbaren Unternehmensbeteiligungen, die hierüber Auskunft geben, einbezogen.

Die unmittelbaren und mittelbaren deutschen Direktinvestitionen im Jahr 2017 betrugen 1 196 Mrd . Die Veränderung zum Vorjahr fiel mit 43 Mrd  somit geringer aus als bei der Betrachtung der unmittelbaren Direktinvestitionen. Die Investitionen in den USA stiegen dabei um 9 Mrd , wodurch sich der Gesamtwert auf 335 Mrd  erhöhte. Bei der Analyse der unmittelbaren und mittelbaren Direktinvestitionen nach Wirtschaftszweigen der ausländischen Investitionsobjekte entfiel das Gros der Anlagen mit 404 Mrd  auf Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Innerhalb dieses Wirtschaftszweiges war die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit einem Bestand von 99 Mrd  (+5 Mrd ) Hauptziel deutscher Investitionen, danach folgten Hersteller chemischer Erzeugnisse (84 Mrd  bzw. +1 Mrd ). Wichtigste Einzelbranche, in die investiert wurde, blieb jedoch der Handel (185 Mrd  bzw. +10 Mrd  gegenüber 2016).

Das Ausblenden der Holdinggesellschaften wirkt sich besonders auf die Bestände der Länder aus, die als klassische Standorte für diese Gesellschaften fungieren. Dazu zählen in Europa unter anderem Luxemburg und die Niederlande. Hier wurden die Direktinvestitionsbestände nach unten korrigiert: für Luxemburg von unmittelbar 142 Mrd  auf unmittelbar und mittelbar 73 Mrd , für die Niederlande von 122 Mrd  auf -66 Mrd . Die Veränderung in den Niederlanden war besonders markant, da in der konsolidierten Betrachtung nun die Forderungen der deutschen Direktinvestoren von den Verbindlichkeiten überkompensiert werden. Diese Darstellung verdeutlicht die Rolle der Niederlande als Standort von Finanzierungsgesellschaften, die Kredite an deutsche verbundene Unternehmen vergeben.

Demgegenüber wurden in konsolidierter Darstellung die Bestände unter anderem gegenüber dem Vereinigten Königreich oder Belgien nach oben korrigiert; von unmittelbar 105 Mrd  beziehungsweise 13 Mrd  auf unmittelbar und mittelbar 145 Mrd  beziehungsweise 34 Mrd .

Auch auf der Seite der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland fiel der Anstieg der unmittelbaren und mittelbaren Direktinvestitionen mit 27 Mrd  geringer aus als bei den unmittelbaren Direktinvestitionen und erreichte 534 Mrd . Hier entfiel der größte Zuwachs auf Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und dort besonders auf die Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse, wodurch die Bestände auf 136 Mrd  (+14 Mrd ) beziehungsweise auf 18 Mrd  (+6 Mrd ) stiegen.

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