Digitaler Euro – eine Chance für Europa! Eröffnungsstatement bei „Bundesbank Spotlight“
Es gilt das gesprochene Wort.
1 Begrüßung
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen beim ersten Bundesbank Spotlight in Berlin!
Was ist die Idee hinter dem neuen Veranstaltungsformat? Wir wollen in den persönlichen Austausch kommen – mit Fachleuten auf ihren Gebieten und mit unseren Gästen.
Bei unserem ersten Spotlight richten wir den Scheinwerfer auf den digitalen Euro. Dazu haben wir zwei Gäste aufs Podium eingeladen, und ich freue mich sehr, dass sie heute bei uns sind: Ramona Pop vom Verbraucherzentrale-Bundesverband und Christian Sewing, der heute nicht nur als Deutsche-Bank-Chef, sondern auch als Präsident des Bankenverbands mit uns diskutiert.
Mit dem digitalen Euro wollen wir unsere gemeinsame Währung, den Euro, fit für die Zukunft machen. Unsere Vision ist, eine einheitliche europäische Bezahllösung zu schaffen, die technisch auf der Höhe der Zeit ist, die Innovationen ermöglicht, die Europa unabhängiger und resilienter macht, und die vertrauenswürdig ist.
In der aktuellen Projektphase bereiten wir uns darauf vor, den digitalen Euro im Laufe des Jahres 2029 ausgeben zu können. Dabei gehen wir davon aus, dass das Gesetz zum digitalen Euro bis Ende dieses Jahres steht. Diese gesetzliche Grundlage ist Voraussetzung dafür, dass das Eurosystem die Ausgabe beginnen kann.
Wir stehen im engen Austausch mit den politischen Entscheidungsträgern und mit den Banken. Diese werden eine entscheidende Schnittstelle zwischen den Nutzern des digitalen Euro und dem Eurosystem als seinem Emittenten sein. Und schon jetzt sind wir im engen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und klären mit vielen Veranstaltungen im ganzen Land auf, was der digitale Euro ist – und was er nicht ist. Welche Vorteile er bietet und wie Datenschutz und Sicherheit gewährleistet werden.
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesbank hatten im Oktober 2025 erst 42 Prozent der Deutschen vom digitalen Euro gehört oder gelesen. Und von denen wusste nur gut ein Viertel, um was es sich dabei handelt: ein zusätzliches vom Eurosystem herausgegebenes digitales Zahlungsmittel. Dies zeigt, dass wir noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten haben.
2 Was der digitale Euro bringt
Der digitale Euro wird bargeldlose Zahlungen einfach, sicher und grenzüberschreitend im gesamten Euroraum ermöglichen.
Der digitale Euro wird dabei genauso vertrauenswürdig wie unsere Scheine und Münzen sein. Er ist als digitale Ergänzung, als digitaler Zwilling zum Euro-Bargeld gedacht und nicht als Ersatz!
Sie können ihn genauso einfach nutzen wie Ihre Girocard und bestehende Bezahlapps auf Ihrem Smartphone – sei es an der Ladenkasse, im Restaurant, beim Online-Shopping oder für Überweisungen an Freunde. Und auch eine Offline-Nutzung wird möglich sein. Neben dem digitalen Euro bietet kein anderes Zahlungsmittel all diese Möglichkeiten im Euroraum gleichzeitig.
Der digitale Euro bietet zudem die Chance, die starke Fragmentierung des europäischen Zahlungsmarktes zu überwinden. Derzeit gibt es keine europäische Bezahllösung, die in allen Ländern des Euroraums akzeptiert wird. Außer Bargeld.
Stattdessen dominieren nicht-europäische Anbieter den Markt, insbesondere aus den USA. Diese erheben häufig hohe Gebühren von den Händlern, die wir als Konsumenten letztlich mitbezahlen.
Sie kennen bestimmt den Film „Pretty Woman“. Dann erinnern Sie sich vielleicht an das Zitat: Läden sind nicht nett zu Menschen, Läden sind nur nett zu Kreditkarten.
Die Wahrheit ist jedoch, dass Einzelhändler Kreditkarten und Online-Zahlungsdienste zwar akzeptieren, wegen der hohen Gebühren aber oft nur zähneknirschend.
Der digitale Euro dagegen wird für Händler eine kostengünstige Alternative zu bestehenden digitalen Zahlungsmitteln sein. Auch deshalb ist der Handel dem digitalen Euro gegenüber sehr aufgeschlossen. Denn er wird den Wettbewerb auf dem Zahlungsmarkt beleben.
Kritiker monieren indes, wir würden damit privaten Initiativen für eine europäische Zahlungslösung das Wasser abgraben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Privatwirtschaftliche Lösungen wie Wero könnten von der paneuropäischen Reichweite des digitalen Euro profitieren, indem zum Beispiel der digitale Euro in die Wero-Wallet integriert wird; umgekehrt könnte Wero seinerseits ein wichtiges Mittel sein, mit dem die Menschen den digitalen Euro nutzen – eine Win-Win-Situation!
Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der Markt ausreichend Raum für private und öffentliche Anbieter bietet. Denn auch Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Angeboten wählen zu können.
Der digitale Euro wird auch so konzipiert sein, dass er künftige Innovationen und Funktionen ermöglicht; ich denke dabei etwa an bedingte Zahlungen: Ein Paket wird erst bezahlt, wenn es beim Kunden eintrifft. Oder eine Fahrtkostenerstattung erfolgt automatisch, wenn ein Zug verspätet ist.
Mit dem digitalen Euro steigern wir auch unsere strategische Autonomie. Was angesichts der geopolitischen Entwicklungen leider bitter notwendig ist.
Derzeit werden fast zwei Drittel aller Kartenzahlungen im Euroraum von Visa und Mastercard abgewickelt. Dreizehn von 21 Staaten des Euroraums haben kein eigenes, nationales Kartensystem, so wie wir in Deutschland die Girocard haben.
Diese Länder sind daher vollkommen auf nicht-europäische Kartensysteme angewiesen, auch im Inland. Um es deutlich zu sagen: Wir sind im Zahlungsverkehr heute sehr abhängig von US-Konzernen – zu abhängig.
Der Zahlungsverkehr ist Teil der kritischen Infrastruktur. Und bei einer kritischen Infrastruktur sollten wir besser auf eigenen Füßen stehen. Der digitale Euro wäre das erste und einzige digitale Zahlungsmittel, das auf einer europäischen Infrastruktur aufbaut und reibungslos im gesamten Euroraum genutzt werden könnte.
Und wie steht es um den Datenschutz?
Zum Schutz Ihrer Daten entwickeln wir den digitalen Euro mit einem Höchstmaß an Privatsphäre für elektronische Zahlungsmittel. Die Wahrung der Privatsphäre hat im Projekt digitaler Euro seit Beginn höchste Priorität. Die Notenbanken des Eurosystems werden nicht nachvollziehen können, wer hinter den einzelnen Zahlungen steckt.
Erst recht können und wollen wir nicht steuern, wofür Bürgerinnen und Bürger mit dem digitalen Euro zahlen. Und wer den digitalen Euro offline benutzt, wird fast so anonym bezahlen wie mit Bargeld.
Vielen ist gar nicht bewusst, wie viele Daten sie beim Bezahlen mit anderen digitalen Zahlungsmitteln teilen. Manchen ist dies auch egal. Wie wir aus Umfragen wissen, ist der Schutz ihrer Privatsphäre aber für viele Konsumenten ein entscheidender Faktor. Laut der bereits erwähnten Forsa-Umfrage wäre es für 74 Prozent der Befragten die wichtigste Eigenschaft.
3 Schluss
Meine Damen und Herren,
ich bin davon überzeugt, dass der digitale Euro ein Erfolg wird.
Wir haben es in der Hand, den Euro auch dorthin zu bringen, wo eine große Zukunft liegt: ins Digitale.
Der digitale Euro steht für ein Bezahlen, das einfach, sicher und europäisch ist – offen für Innovation, unabhängig von außen, und vertrauenswürdig für alle.
Wir wollen den digitalen Euro gemeinsam mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern, mit den Banken, mit dem Handel und mit der Politik entwickeln.
Er ist kein Projekt gegen das Bargeld, kein Projekt gegen private Anbieter.
Er ist ein Fortschritts-Projekt für Bürgerinnen und Bürger auf unserem Kontinent!
Der digitale Euro ist eine Chance für Europa.
Vielen Dank fürs Zuhören!