Perspektiven für den Bankensektor Eingangsstatement zum Panel "Finanzmärkte und Bankensektor in Europa" der 11. Jahreskonferenz NPL-Forum

Europas Banken und Sparkassen befinden sich derzeit in einer keineswegs entspannten Situation. Der Puls der Bankenbranche, nämlich die Profitabilität der Institute, zeugt von gesundheitlichen Schwächen. In der Tendenz sehe ich die Institute derzeit zwar gestärkt. Allerdings ist nicht zu erkennen, dass sich dies aus nachhaltigen Geschäftsmodellen sowie besserer Kosteneffizienz speist.

Es besteht weitgehend Einigkeit darin, dass niedrige Zinsen und die Digitalisierung wesentliche Herausforderungen darstellen. Ungeachtet des strukturellen Charakters vieler Probleme möchte ich allerdings betonen, dass es Handlungsspielräume gibt, die die Institute nutzen müssen. US-amerikanische Häuser zeigen, dass durch konsequentere Reformbereitschaft die Ertragskraft auch unter vergleichbaren Bedingungen höher sein kann.

Auch die Anpassung an regulatorische Anforderungen stellt für einzelne eine Herausforderung dar. Allerdings möchte ich dem abgeleiteten Trugschluss entschieden entgegentreten, dass Kreditinstitute durch aufsichtliche Anforderungen in ihrer Existenz bedroht seien und damit die Regulierung eine Mitschuld an der schwierigen Situation trage. Eine gute und strenge Aufsicht ist vielmehr eine Bedingung für nachhaltig leistungsfähiges Bankgeschäft. Die Behauptung, dass regulatorische Anforderungen den Erfolg von Banken und Sparkassen gefährdeten, basiert bekanntermaßen auf einfachen und situativen Erfolgskennzahlen wie der Eigenkapitalrendite. Darin können aber gesellschaftliche Risiken schlichtweg nicht abgebildet werden.

Daher ist nachhaltig solides Bankgeschäft in meinen Augen nur möglich, wenn sichergestellt ist, dass sämtliche Kosten dort aufgefangen werden können, wo sie entstehen. Voraussetzung ist, dass Qualitätsanforderungen ausreichend hoch und ebenso glaubwürdig sind. Daher greift die Kritik an komplexer Regulierung meist zu kurz. Selbstverständlich muss Regulierung stets angemessen sein. Gleichzeitig sollte sie aber auch verhindern, dass Institute erfolgreich nach Schlupflöchern suchen. Das hat zur Folge, dass Regulierung eben aufwendiger ist - und dies schlägt sich dann selbst bei scheinbar einfachen Anforderungen wie der Leverage Ratio nieder.

Der Grundsatz der Regulierung, dass Kosten und Risiken von ihren Verursachern zu tragen sind, setzt sich auch bei derzeit noch ausstehenden Regulierungsfeldern fort. Dazu zählen beispielsweise die fehlende Risikogewichtung von Staatsanleihen und deren absolute Deckelung in den Bankbilanzen. Auch im Status Quo existieren in den Büchern der Kreditinstitute beunruhigende Risiken, welche sich noch nicht in den üblichen Kennzahlen niederschlagen. Ein solider regulatorischer Rahmen ist daher vielmehr die Voraussetzung, um von gesunden Instituten sprechen zu können. Es finden sich übrigens auch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass höhere Kapitalanforderungen die Kreditvergabe der Institute sogar positiv beeinflussen können.

Den Instituten muss klar sein: Die Banklizenz ist nicht mit einer Existenzberechtigung gleichzusetzen. Erfolg setzt unternehmerisches Handeln voraus. Bekannte Handlungsfelder wie die Digitalisierung, Kosteneffizienz und Filialnetze sowie angemessene Risikokultur geben aber genügend klare Anhaltspunkte. Bei allem Handlungsbedarf für einzelne Institute soll allerdings auch nicht unerwähnt bleiben, dass der Sektor insgesamt stabiler und widerstandsfähiger geworden ist. Der europäische Bankensektor profitiert von der verbesserten Kapitalsituation und nicht zuletzt in Deutschland auch von einer großen Institutsvielfalt in puncto Größe und Geschäftsmodellen. Zudem kennen die deutschen Institute ihre Kunden gut - das kann ein wichtiger Vorteil sein gegenüber Instituten aus dem Ausland und gegenüber anderen Wettbewerbern.

Doch zurücklehnen können sich die Institute deswegen natürlich nicht. Denn wenn sich - wie derzeit der Fall - die Bedingungen des Bankgeschäfts ändern, müssen sich eben auch die Kreditinstitute ändern.