Paneldiskussion: Mehr Drive für Deutschland ©Sophie Glombik

Köhler-Geib: Wachstum durch Digitalisierung vorantreiben

Gerade die Digitalisierung kann das Produktivitätswachstum erhöhen und da geht in Deutschland noch mehr, sagte Bundesbankvorständin Fritzi Köhler-Geib bei einer Podiumsdiskussion in der Hauptverwaltung Hessen. Dort sprach sie mit Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation, und Claudia Nemat, unter anderem Tech-Unternehmerin, darüber, wie sich das Wirtschaftswachstum hierzulande steigern ließe. Karen Funk, IT-Fachjournalistin, moderierte die Veranstaltung.

Ausgeprägte Wachstumsschwäche

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich Köhler-Geib zufolge in den vergangenen Jahren erheblich verlangsamt. Die Ursache dafür sieht sie zum Beispiel im zunehmenden Arbeitskräftemangel, in der langsam voranschreitenden Digitalisierung und in ungünstigen Rahmenbedingungen für Unternehmen. Das sind strukturelle Hemmnisse, die einem steileren Wachstumspfad im Wege stehen, betonte Köhler-Geib. 

Gründungsgeist mobilisieren

Start-ups können im Technologiebereich Märkte eröffnen und damit Wachstumsmotor von morgen sein, erklärte Köhler-Geib. Zuletzt sei die Gründungsaktivität in Deutschland gestiegen. Darauf gelte es ihr zufolge aufzubauen und die Bedingungen für Start-Ups zu verbessern. Derzeit stellten etwa bürokratische Hürden und ein geringes Volumen von Venture Capital Investitionen in Europa Gründungshemmnisse dar. 

Sinemus betonte in der Diskussion, dass es neben dem Abbau von Bürokratie zeitgleich eine Digitalisierung von Prozessen brauche, um Unternehmen nicht auszubremsen. Ein tiefer, europäischer Kapitalmarkt sei Nemat zufolge auch entscheidend für Wachstum.

Digitalisierung als Schlüssel für Wachstum

Potenzial für Wirtschaftswachstum sieht die Bundesbankvorständin vor allem in Digitalsektoren. Einer Studie der Bundesbank zufolge hätten diese im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen in der Vergangenheit stark an Effizienz gewonnen. Zudem zeigt ein Panel der Bundesbank, dass immer mehr Firmen KI nutzen und die durchschnittliche Arbeitszeit, in der KI genutzt wird, zunimmt. 

Auch die Bundesbank setzt Köhler-Geib zufolge auf KI und Innovationsmanagement, um zukunftsfähig zu bleiben: Bei diesen Zukunftstechnologien ist es zentral, dass wir sie in Europa in die Anwendung bringen und gleichzeitig sicherstellen, dass wir in das Ökosystem hier in Deutschland und Europa investieren. Bei der Bundesbank tun wir das. Die Bundesbank betreibt zum Beispiel ein eigenes Rechenzentrum und setzt KI in vielen Bereichen produktiv ein, etwa im Meldewesen oder Risikocontrolling. Außerdem arbeitet ein Team der Zentralbank an quantensicherer Verschlüsselung, auch zusammen mit Start-ups. Zentralbanking ist Technologie, so die Vorständin. 

Digitale Abhängigkeiten strategisch handhaben

Europa sei laut Köhler-Geib in vielen Bereichen stark von nicht-europäischen Anbietern abhängig: Über 80 Prozent der digitalen Infrastruktur und Technologien werden importiert. Ihr zufolge müsse man sich hierzulande überlegen, welche Abhängigkeiten Europa bewusst eingehen und welche es reduzieren oder auflösen wolle. In der Bundesbank verfolgen wir dabei eine Doppelstrategie: Einerseits stärken wir unsere Innovationskraft, andererseits handhaben wir Abhängigkeiten strategisch und setzen gezielt auf souveräne, europäische Angebote und Open-Source-Lösungen, um unabhängiger zu werden.

Technologische Unabhängigkeit und Innovationskraft müssen Köhler-Geib zufolge Hand in Hand gehen, um die Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu sichern. Diese Transformation ist kein Selbstläufer. Doch die Chancen, die sich hieraus ergeben, seien enorm.