Bundesbank Spotlight ©Patrick Junker

Nagel bei Bundesbank Spotlight: „Der digitale Euro ist eine Chance für Europa“

Mit dem digitalen Euro wollen wir unsere gemeinsame Währung, den Euro, fit für die Zukunft machen, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel bei „Bundesbank Spotlight“ vor rund 200 Gästen in Berlin. Mit dem neuen Veranstaltungsformat will die Bundesbank mit Fachleuten und Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über aktuelle Themen aus der Geld- und Wirtschaftspolitik in den persönlichen Austausch kommen. Wir wollen den digitalen Euro gemeinsam mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern, mit den Banken, mit dem Handel und mit der Politik entwickeln, betonte er. Nagel diskutierte mit Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, und Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Präsident des Bankenverbands über den Nutzen des digitalen Euro. 

„Win-Win-Situation“ für den Zahlungsmarkt

Mit Sewing sprach Nagel unter anderem über das Zusammenspiel aus digitalem Euro und privatwirtschaftlichen Zahlungslösungen. Laut Bundesbankpräsident können beide voneinander profitieren: Der digitale Euro könne wie eine Autobahn funktionieren, auf der auch Anbieter privater Lösungen unterwegs sein können. 

Der digitale Euro werde Nagel zufolge zudem eine kostengünstige Alternative zu bestehenden digitalen Zahlungsmitteln darstellen und den Wettbewerb auf dem Zahlungsmarkt beleben: Auch deshalb ist der Handel dem digitalen Euro gegenüber sehr aufgeschlossen.

Damit sich der digitale Euro erfolgreich etablieren kann, müsse er Sewing zufolge gewissen Anforderungen genügen. Zum Beispiel brauche er Akzeptanz und müsse sich in die bestehende Zahlungsinfrastruktur integrieren lassen. Er betonte auch, dass er dem digitalen Euro heute viel positiver gegenüberstünde als noch vor 18 Monaten.

„Einfach, sicher und europäisch“

Als europäische Bezahllösung werde der digitale Euro die strategische Autonomie Europas stärken, indem er den Zahlungsverkehr von US-Konzernen unabhängiger macht. Beispielsweise werden fast zwei Drittel aller Kartenzahlungen im Euroraum derzeit von Visa und Mastercard abgewickelt. Der Zahlungsverkehr ist Teil der kritischen Infrastruktur. Und bei einer kritischen Infrastruktur sollten wir besser auf eigenen Beinen stehen, betonte Nagel. Dies sei angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen unbedingt notwendig. 

Privatsphäre ist Priorität

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich dem Bundesbankpräsident zufolge nicht um die Sicherheit ihrer Daten sorgen: Die Wahrung der Privatsphäre hat im Projekt digitaler Euro seit Beginn höchste Priorität.

Im Gespräch mit Pop diskutierte er den Datenschutz beim digitalen Euro auch im Vergleich zu existierenden außereuropäischen Zahlungsanbietern: Das Eurosystem werde nicht nachvollziehen können, wer hinter den einzelnen Zahlungen steckt, versicherte Nagel in seiner Rede. Außerdem könne und wolle es nicht steuern, wofür Nutzerinnen und Nutzer des digitalen Euro zahlen. 

Aus Verbrauchersicht müsse der digitale Euro Pop zufolge vor allem sicher und einfach zugänglich sein. Sie betonte, wie wichtig Datenschutz, Nutzerfreundlichkeit und Wahlfreiheit seien.

Projekt digitaler Euro: aktueller Stand 

Seine Weihnachtsgeschenke möchte der Bundesbankpräsident 2029 mit dem digitalen Euro bezahlen, sagte er. Das Eurosystem bereite sich in der aktuellen Projektphase darauf vor, das zusätzliche Zahlungsmittel im Laufe des Jahres 2029 ausgeben zu können. Dabei gehen wir davon aus, dass das Gesetz zum digitalen Euro bis Ende diesen Jahres steht. Die gesetzliche Grundlage sei Voraussetzung dafür, dass das Eurosystem die Ausgabe beginnen kann.