Januar-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland Kreditrichtlinien in allen Kreditsegmenten gestrafft
Die im Rahmen des Bank Lending Survey (BLS) befragten deutschen Banken haben im vierten Quartal 2025 ihre Vergaberichtlinien für Kredite an Unternehmen so stark gestrafft wie zuletzt 2023. Auch die Richtlinien für Kredite an private Haushalte wurden restriktiver. Die Straffungen übertrafen jeweils diejenigen aus dem Vorquartal. Die Banken begründeten die Anpassungen mit ihrer gesunkenen Risikotoleranz und einem weiteren Anstieg des Kreditrisikos.
Die Kreditbedingungen im Firmenkundengeschäft gestalteten die befragten Banken ebenfalls restriktiver. Bei Wohnungsbaukrediten an private Haushalte lockerten sie die Kreditbedingungen marginal. Bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte ließen die befragten Banken die Bedingungen unverändert.
Die Kreditnachfrage stieg im Firmenkundengeschäft und bei privaten Baufinanzierungen per saldo leicht an. Im Konsumenten- und sonstigen Geschäft mit privaten Haushalten blieb die Nachfrage unverändert.
Die im BLS befragten Banken gaben an, dass in den vergangenen zwölf Monaten regulatorische und aufsichtliche Anforderungen restriktiv auf die Richtlinien in allen Kreditsegmenten gewirkt haben. Auch für die kommenden zwölf Monate rechnen sie im gesamten Kreditgeschäft mit restriktiven Auswirkungen.
Die Quote notleidender Kredite und andere Indikatoren der Kreditqualität wirkten sich in allen Kreditsegmenten restriktiv auf die Kreditrichtlinien der Banken aus.
Die Straffungen der Kreditrichtlinien im Unternehmenskreditgeschäft fielen in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem Immobiliensektor, dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe/Bau (ohne Immobilien) am stärksten aus.
Die Mehrheit der befragten Banken sah sich in den vergangenen zwölf Monaten durch ihre Kreditvergabe an Unternehmen den Auswirkungen handelspolitischer Veränderungen und der damit zusammenhängenden Unsicherheit ausgesetzt, allerdings in nur geringem Ausmaß. Dies wirkte sich vor allem in einer Verschlechterung der NPL-Quoten und anderer Indikatoren der Kreditqualität sowie in einer niedrigeren Risikotoleranz aus.
Die Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) erfasst drei Kreditsegmente: Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumenten- und sonstige Kredite an private Haushalte. Die befragten Banken strafften per saldo die Richtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) für Kredite an Unternehmen und private Haushalte. Der Nettoanteil von Banken, die ihre Anforderungen restriktiver gestalteten, lag für Unternehmenskredite bei + 16 % (nach + 10 % im Vorquartal), bei privaten Wohnungsbaukrediten bei + 11 % (nach + 4 % im Vorquartal), und bei Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte + 11 % (nach + 7 % im Vorquartal). Die Straffung im Unternehmensgeschäft fiel so stark aus wie zuletzt 2023. Sie betraf große Unternehmen stärker als kleine und mittlere Unternehmen. Die strengeren Richtlinien im Unternehmensgeschäft entsprachen nicht den Planungen der Banken aus dem Vorquartal. Damals waren die Banken noch davon ausgegangen, keine Anpassungen vorzunehmen. Die Straffungen der Richtlinien im Geschäft mit den privaten Haushalten standen dagegen weitgehend im Einklang mit den Planungen der Banken.
Die Banken begründeten die Straffungen der Richtlinien für Unternehmenskredite und für Kredite an private Haushalte mit ihrer gesunkenen Risikotoleranz und einem gestiegenen Kreditrisiko. Wie in den Vorquartalen wurde diese Einschätzung mit der allgemeinen Wirtschaftslage und den Konjunkturaussichten begründet. Im Geschäft mit Unternehmen kamen branchen- und firmenspezifische Faktoren hinzu. Im Geschäft mit privaten Haushalten kam erneut eine gesunkene Kreditwürdigkeit zum Tragen. Für das erste Quartal 2026 planen die Banken weitere Straffungen der Richtlinien in allen Kreditsegmenten.
Die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) strafften die Banken im Unternehmensgeschäft per saldo. Die restriktiven Anpassungen waren laut Angaben der Banken das Ergebnis gestiegener Kreditzinssätze und bonitätsunabhängig ausgeweiteter Margen. Restriktiv wirkten sich vor allem die verschlechterte Wirtschaftslage sowie branchen- und firmenspezifische Faktoren aus. Die Bedingungen für Wohnungsbaukredite an private Haushalte gestalteten die Banken wettbewerbsbedingt etwas expansiver, während sie die Bedingungen für Konsumenten- und sonstige Kredite unverändert ließen.
Nach Einschätzung der befragten Banken stieg die Nachfrage nach Bankkrediten in Deutschland im vierten Quartal 2025 im Firmenkundengeschäft und für private Baufinanzierungen per saldo leicht an. Dabei blieben die Zuwächse hinter den Werten des Vorquartals sowie hinter den Erwartungen der Banken aus der vorangegangenen Umfragerunde zurück. Die gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten begründeten die Banken in erster Linie mit dem gestiegenen Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel. Der Mittelbedarf für die Finanzierung von Anlageinvestitionen nahm nur vonseiten großer Unternehmen zu. Den Nachfrageanstieg bei Wohnungsbaukrediten führten die Banken darauf zurück, dass sich nach Ansicht der privaten Haushalte die Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt verbessert hätten. Das allgemeine Zinsniveau hatte einen neutralen Einfluss auf die Nachfrageentwicklung, nachdem von ihm in den vergangenen Umfragerunden noch deutlich positive Impulse ausgegangen waren. Die Nachfrage nach Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte änderte sich nicht, nachdem sie in den sieben Quartalen zuvor gestiegen war. Die Kreditablehnungsquote stieg bei Unternehmenskrediten erneut an, die Zunahme war jedoch geringer als im vorangegangenen Quartal. Auch bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten an private Haushalte nahm die Ablehnungsquote zu, während sie bei Wohnungsbaukrediten unverändert blieb. Für das erste Quartal 2026 gehen die Banken im Firmenkundengeschäft und bei privaten Wohnungsbaukrediten von einer weiter zunehmenden Nachfrage aus. Bei den Konsumenten- und sonstigen Krediten rechnen sie dagegen mit einem Rückgang des Mittelbedarfs. Ausschlaggebend dafür dürfte die Eintrübung am Arbeitsmarkt sein.
Die Januar-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken, zu den Auswirkungen der neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten im Zusammenhang mit Eigenkapital, Verschuldungsobergrenzen, Liquidität oder Risikovorsorge sowie Fragen zu den Auswirkungen notleidender Kredite (Non-performing Loans, NPLs) und anderer Indikatoren der Kreditqualität auf die Kreditvergabepolitik der Institute. Zudem wurde eine Frage zur Kreditangebotspolitik und zur Kreditnachfrage nach Wirtschaftssektoren gestellt sowie eine Frage zu den Auswirkungen von Handelshemmnissen und der damit einhergehenden Unsicherheit.
Die deutschen Banken berichteten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten von einer im Vergleich zum Vorquartal kaum veränderten Refinanzierungssituation. Im Zuge neuer regulatorischer und aufsichtlicher Aktivitäten stärkten die Banken 2025 ihre Eigenkapitalposition weiter. Dies erfolgte vor allem über einbehaltene Gewinne. Zudem gaben die Banken an, dass die regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten restriktiv auf die Richtlinien in allen Kreditsegmenten gewirkt hätten. Für die kommenden zwölf Monate planen die Banken ihre Eigenkapitalposition weiter zu stärken. Zudem rechnen sie vor dem Hintergrund der regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten mit einer Zunahme ihrer risikogewichteten Aktiva. Hier dürften sich insbesondere die neuen Vorschriften zur Ermittlung der risikogewichteten Aktiva (RWA) des Basel III-Reformpakts niederschlagen[1]. Mit Blick auf die Kreditrichtlinien erwarten die Banken auch in den kommenden zwölf Monaten restriktive Auswirkungen regulatorischer und aufsichtlicher Aktivitäten, unter anderem aufgrund der ab dem 20. November 2026 anzuwendenden Vorschriften der Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge.[2]
Die NPL-Quote (prozentualer Anteil des Brutto-NPL-Bestands am Bruttobuchwert der Kredite) und andere Indikatoren der Kreditqualität wirkten sich im vierten Quartal 2025 aufgrund ihrer Höhe restriktiv auf die Kreditangebotspolitik insbesondere gegenüber Unternehmen und bei privaten Wohnungsbaukrediten aus. Für das erste Quartal 2026 rechnen die Banken damit, dass sich die Kreditqualität vor allem im Unternehmensgeschäft restriktiv in ihrer Kreditangebotspolitik niederschlagen wird.
In allen wichtigen Wirtschaftssektoren kam es in den vergangenen sechs Monaten zu restriktiven Anpassungen bei den Kreditrichtlinien. Gegenüber dem Immobiliensektor (Gewerbeimmobilien), dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe (ohne Immobilien) wurden die Kreditrichtlinien am stärksten gestrafft. Für die kommenden sechs Monate planen die Banken nur gegenüber dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel, die Richtlinien zu straffen. Die Kreditnachfrage der Unternehmen entwickelte sich nach Einschätzung der Banken in den wichtigsten Wirtschaftssektoren in den vergangenen sechs Monaten heterogen: Zuwächse verzeichneten die Banken insbesondere im Wohnimmobiliensektor, während im Baugewerbe (ohne Immobilien) die Nachfrage rückläufig war. Im Gewerbeimmobiliensektor stieg die Nachfrage zum ersten Mal seit Mitte 2022 wieder an. Eine weitgehend unveränderte Nachfrage verzeichneten die Banken im Handel, im Dienstleistungssektor und im Verarbeitenden Gewerbe. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken einen Anstieg der Kreditnachfrage in den meisten wichtigen Wirtschaftssektoren. Lediglich im Dienstleistungssektor rechnen sie mit einem weiterhin unveränderten Mittelbedarf und beim Handel gehen sie von einer rückläufigen Kreditnachfrage aus.
Die Mehrheit der im BLS befragten Banken in Deutschland sah sich in den vergangenen zwölf Monaten durch ihre Kreditvergabe an Unternehmen den Auswirkungen handelspolitischer Veränderungen und der damit zusammenhängenden Unsicherheit ausgesetzt, allerdings in nur geringem Ausmaß. Dies wirkte sich laut Angaben der Banken vor allem in einer Verschlechterung der NPL-Quote und anderer Indikatoren der Kreditqualität sowie in einer niedrigeren Risikotoleranz aus. Auf die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite hatten Handelshemmnisse und die damit einhergehende Unsicherheit insgesamt einen restriktiven Effekt. Den Einfluss auf die Kreditnachfrage beurteilten die Banken als geringfügig senkend. Für das Jahr 2026 rechnen die Banken unterm Strich damit, dass sie von den Auswirkungen der Handelshemmnisse und der damit einhergehenden Unsicherheit noch etwas geringer betroffen sein werden als in den vergangenen zwölf Monaten.
Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 15. Dezember 2025 bis zum 13. Januar 2026 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 33 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 Prozent.
Fußnoten:
Deutsche Bundesbank (2024), EU-Bankenpaket.
Die Richtlinie (EU) 2023/2225 umfasst eine Vielzahl von Änderungen, die den Verbraucherschutz stärken und auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren. Dazu gehören etwa Änderungen bei den Informationspflichten des Kreditgebers oder bei den Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung des Kreditnehmers.