Metallarbeiten in einer Werkstatt

Deutsche Wirtschaft übertrifft Erwartungen

„Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im Schlussquartal 2022 in etwa stagniert haben und übertraf damit frühere Erwartungen“, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Zwar lasteten die hohe Inflation und Unsicherheit mit Blick auf den Ukraine-Krieg auf der Wirtschaft, die Lage an den Energiemärkten konnte sich aber im Vergleich zum Sommer merklich entspannen. Zudem seien weitere fiskalische Maßnahmen ergriffen worden, welche die privaten Haushalte und Unternehmen teilweise von den hohen Energiekosten entlasten. Außerdem ließen die Lieferengpässe in Industrie und Bau nach. Jedoch dämpfte die hohe Inflation die Kauflaune der privaten Haushalte: „Im Mittel von Oktober und November sanken die Umsätze sowohl im Einzelhandel als auch im Gastgewerbe preisbereinigt deutlich gegenüber dem Sommerquartal“, schreiben die Fachleute.

Wirtschaftliche Erholung in 2022 durch Ukrainekrieg gedämpft

Im Gesamtjahr 2022 stieg das reale BIP nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent. „Damit übertraf es wieder leicht den Vorpandemie-Stand“, schreibt die Bundesbank. Die wirtschaftliche Erholung sei jedoch durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geschwächt worden. Dieser habe zu neuen Problemen in den Lieferketten geführt. Die durch den Krieg weiter verstärkte Inflation und die Verunsicherung über die Energieversorgung belastete Unternehmen und private Haushalte. Starke Aufholeffekte nach Aufhebung der meisten Corona-Schutzmaßnahmen hätten dafür gesorgt, dass der private Konsum dennoch kräftig zulegte. Auch die Exporte und Ausrüstungsinvestitionen, also Investitionen in technische Anlagen, Maschinen und Fahrzeuge, hätten das Wirtschaftswachstum gestützt.

Nachfrage nach Industrieerzeugnissen fällt kräftig

Die Industrieproduktion habe sich im Mittel von Oktober und November 2022 saisonbereinigt leicht gegenüber dem Sommerquartal erhöht, schreiben die Volkswirtinnen und Volkswirte. Hier habe es jedoch große Unterschiede bei den verschiedenen Industriezweigen gegeben: Während die Produktion in den energieintensiven Industriezweigen gegenüber dem dritten Quartal weiter deutlich zurückgegangen sei, habe sie bei der Gruppe der übrigen Industriezweige insgesamt merklich zulegen können.

Die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen ist laut Bundesbank jedoch kräftig gefallen: Der industrielle Auftragseingang sei im November 2022 saisonbereinigt kräftig zurückgegangen. „Damit unterschritt die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen zum ersten Mal seit August 2020 wieder ihr Niveau von vor Beginn der Corona-Pandemie“, so die Expertinnen und Experten. Auch im Mittel von Oktober und November verringerten sich die Bestellungen gegenüber dem Sommerquartal erheblich.

Inflationsrate im Dezember vorübergehend wieder einstellig

Im Dezember hat sich die Dynamik bei den Verbraucherpreisen weiter abgeschwächt, heißt es im Monatsbericht. Dies sei insbesondere auf die deutlich gesunkenen Energiepreise zurückzuführen. Hier habe die Übernahme der Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme durch den Staat, die sogenannte Soforthilfe Dezember, für einen deutlichen Rückgang gesorgt. „Im Ergebnis lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) saisonbereinigt um 1,5 Prozent niedriger als im Vormonat“, so die Fachleute. Allerdings hätten sich die Nicht-Energie-Komponenten wie Nahrungsmittel aber auch Industriegüter und Dienstleistungen weiterhin stark verteuert. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Inflationsrate in Deutschland im Dezember 9,6 Prozent betragen. Die Fachleute gehen jedoch von einem temporären Rückgang aus, da er im Wesentlichen auf die Soforthilfe Dezember zurückzuführen sei. Darüber hinaus heißt es im Bericht: „Die Kerninflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel zog dagegen leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent an und erreichte damit einen neuen historischen Höchststand.“

Historisch hohe Inflation im Jahr 2022

Auch im Gesamtjahr 2022 seien historisch hohe Inflationsraten verzeichnet worden, schreibt die Bundesbank. Gemessen am HVPI hätte die Veränderungsrate im Vergleich zum Vorjahr 8,7 Prozent betragen. Dies sei der mit Abstand höchste Wert seit der Einführung des Euro gewesen. Mehrere Faktoren wie die steigende gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Abflauen der Corona-Pandemie bei gleichzeitig noch eingeschränkten globalen Lieferketten und die preistreibenden Effekte der russischen Invasion in der Ukraine, seien die hauptsächlichen Ursachen.

Weiterhin leicht positive Aussichten für die Beschäftigung

Die Beschäftigung ist im November deutlich gestiegen. „Ein nennenswerter negativer Einfluss des seit dem 1. Oktober kräftig erhöhten Mindestlohns ist nicht erkennbar“, urteilen die Fachleute. Mit Blick auf die Frühindikatoren gehen sie von einer leicht positiven Beschäftigungsentwicklung in den kommenden Monaten aus. Die registrierte Arbeitslosigkeit habe im Dezember saisonbereinigt leicht um 13.000 Personen auf 2,52 Millionen Personen abgenommen. Die zugehörige Quote blieb rundungsbedingt bei 5,5 Prozent.