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Deutsches Netto-Auslandsvermögen bis 2017 auf 1,8 Billionen Euro gestiegen

Ein Mitarbeiter vor Monitoren im Handelsraum

Deutsches Netto-Auslandsvermögen bis 2017 auf 1,8 Billionen Euro gestiegen

17.12.2018

Das deutsche Nettovermögen im Ausland ist in den vergangenen Jahren nahezu kontinuierlich gestiegen und belief sich Ende 2017 auf 1,8 Billionen Euro. Dies entsprach 54 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Das wachsende Netto-Auslandsvermögen reflektiert die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren“, heißt es im Monatsbericht Dezember. Lediglich während der globalen Finanzkrise hätten Bewertungseffekte den Anstieg gebremst.

Steigendes Gewicht von Fonds und Versicherungen

Deutsche Netto-Auslandsposition nach Sektoren
Deutsche Netto-Auslandsposition nach Sektoren

Ende 2017 hatten Unternehmen und Privatpersonen – und hier vor allem finanzielle Kapitalgesellschaften, zu denen beispielsweise Investmentfonds und Versicherungen zählen – mit 1.939 Milliarden Euro die höchsten Nettoforderungen gegenüber dem Ausland. Hiervon hielten sie zuletzt mehr als zwei Drittel in Wertpapieren und ein Viertel in Direktinvestitionen. „Die relative Bedeutung der Portfolioinvestitionen im Netto-Auslandsvermögen der Unternehmen hat damit in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen“, schreiben die Expertinnen und Experten. Dies sei vor allem auf das steigende Gewicht von Finanzintermediären wie Fonds und Versicherungen in der Vermögensverwaltung zurückzuführen.

Rentabilität ist abhängig von Anlageklasse

Die durchschnittliche jährliche Gesamtrendite aller Auslandsinvestitionen (ohne Finanzderivate) belief sich zwischen 2008 und 2017 auf 3,7 Prozent. Zwischen den einzelnen Anlageklassen gebe es jedoch deutliche Unterschiede, wie die Bundesbank-Fachleute betonen. Direktinvestitionen erzielten mit durchschnittlich 5,2 Prozent die höchste Rendite, darauf folgten Schuldverschreibungen (4,7 Prozent), Aktien (4,5 Prozent) sowie übrige Kapitalanlagen und Währungsreserven (2,2 Prozent). Die Rendite habe zwar unter dem Einfluss des globalen Niedrigzinsumfelds gestanden, die Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Anlagekategorien seien aber „nicht außerordentlich und die deutschen Auslandsinvestitionen schneiden keineswegs schlechter ab als vergleichbare Anlagen im Inland“, heißt es im Monatsbericht.

Die Risiken, die sich aus den Wertanlagen im Ausland ergeben, schätzen die Expertinnen und Experten insgesamt als überschaubar ein. Vermögensverluste aufgrund von Bewertungsänderungen durch Marktpreis- oder Wechselkurseffekte seien jedoch nicht auszuschließen; zudem seien einzelwirtschaftliche Risiken in den aggregierten Zahlen nicht erkennbar.

Demografische Situation wichtiger Faktor für Netto-Auslandsvermögen

Als entscheidenden Grund für die hohen deutschen Ersparnisse im Ausland machen die Bundesbank-Expertinnen und -Experten die demografische Situation in Deutschland aus. Ältere, nicht mehr erwerbstätige Personen haben typischerweise in früheren Jahren Kapital für ihre Altersvorsorge angespart und verfügen im Durchschnitt daher über ein höheres Vermögen als jüngere Menschen, die noch am Beginn ihres Erwerbslebens stehen. „Die heute schon vergleichsweise alte Bevölkerung in Deutschland würde für sich genommen sogar ein Netto-Auslandsvermögen von über 100 Prozent des BIP erklären“, schreiben die Fachleute. Vor dem Hintergrund der Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen erwartet die Bundesbank, dass das deutsche Netto-Auslandsvermögen in den kommenden 20 Jahren noch weiter steigen wird.

Deutsches Eigenkapital stabilisiert Partnerländer

Das hohe deutsche Auslandsvermögen wird bisweilen kritisiert, da es grundsätzlich den Gegenpart zu Auslandsverbindlichkeiten in anderen Teilen der Welt darstellt. Allerdings sei nur etwa die Hälfe der deutschen Forderungen gegenüber dem Ausland Ende 2017 mit unbedingten Zahlungsverpflichtungen der Gegenseite verbunden gewesen, heißt es im Bericht. Indem Deutschland seinen Partnerländern Eigenkapital bereitstelle, trage das Land eher zu einer Stärkung der internationalen Risikoteilung und zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung in den Partnerländern bei, so die Fachleute.

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