Weidmann bei seiner Rede an der Humboldt Universität Berlin

Weidmann: Klimabezogene Risiken transparenter machen

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich für eine verpflichtende Offenlegung von klimabezogenen Informationen ausgesprochen. Darüber hinaus sieht er die Notenbanken in der Pflicht, eine größere Markttransparenz zu unterstützen. „Das Eurosystem hat ein berechtigtes Interesse, klimabezogene Risiken transparenter zu machen“, sagte Weidmann bei einer Rede anlässlich der Green Swan 2021 Global Virtual Conference, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Banque de France, dem Internationalen Währungsfonds und dem Network for Greening the Financial System ausgerichtet wurde. Um die Notenbankbilanz vor klimabedingten finanziellen Risiken zu schützen, sollte das Eurosystem künftig Wertpapiere nur noch dann erwerben oder als Sicherheiten zulassen, wenn ihre Emittenten bestimmte klimabezogene Berichtspflichten erfüllten. Auch sollte das Eurosystem nur noch solche Bonitätsurteile von Ratingagenturen verwenden, in denen klimabedingte finanzielle Risiken angemessen berücksichtigt seien.

Klimabedingte finanzielle Risiken beim geldpolitischen Portfolio berücksichtigen

Sollte hier keine geeignete Lösung gefunden werden, müsste das Eurosystem andere Maßnahmen ergreifen, um klimabedingte finanzielle Risiken in sein Risikomanagement angemessen einzubeziehen. Zum Beispiel könnten die Laufzeiten und die Menge von Unternehmensanleihen aus bestimmten Sektoren oder von bestimmten Emittenten im geldpolitischen Portfolio begrenzt werden, schlug Weidmann vor. Solch ein risikoorientierter Ansatz (risikoorientiertes „Tilting“) dürfe aber nicht verwechselt werden mit Vorschlägen, das Verhalten von Firmen und Finanzinstituten aus politischen Erwägungen zu steuern. „Und selbst wenn wir entscheiden würden, die Laufzeiten oder die Menge von Unternehmensanleihen wie beschrieben zu begrenzen, bräuchten wir immer noch einen geeigneten und transparenten Maßstab für klimabedingte finanzielle Risiken“, sagte Weidmann. Deshalb sei es umso wichtiger, die Informationsbasis zu verbessern. „Damit würde das Eurosystem nicht nur die eigene Bilanz schützen, sondern auch zu mehr Markttransparenz über klimabezogene Risiken beitragen und so als Katalysator für ein grüneres Finanzsystem wirken.“ Ohne das Mandat des Eurosystems zu überdehnen, könne so ein Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel geleistet werden.

Plädoyer für verpflichtende Offenlegung von Emissionen

Weidmann wies darauf hin, dass weltweit offenbar immer noch viele Finanzunternehmen wenig über die von ihnen finanzierten Treibhausgasemissionen wüssten. Dies könnte darauf hindeuten, dass Klimarisiken unterschätzt würden. Investoren hätten immer noch ein unklares Bild davon, welchen Klimarisiken viele Unternehmen ausgesetzt seien und wie diese damit umgingen. Nötig sei eine umfassende Offenlegung konsistenter, vergleichbarer und verlässlicher klimabezogener Informationen. Weidmann begrüßte die derzeitigen Initiativen von Regierungen für eine verpflichtende Offenlegung als Schritt in die richtige Richtung. Aufgrund der Dringlichkeit des Themas könnten Informationslücken bei grundlegenden Metriken vorrangig geschlossen werden. „Ein Kernelement wäre die Etablierung einer verpflichtenden Offenlegung von Treibhausgasemissionen anhand eines gemeinsamen – idealerweise globalen – Standards“, sagte Weidmann. „Detailliertere und genauere Informationen werden Unternehmen und finanziellen Institutionen helfen, ihr Risikomanagement und ihre Entscheidungsfindung zu verbessern“, so Weidmann. Dies sei eine Voraussetzung für den Übergang zu einer „grüneren“ Wirtschaft, der die Kraft der Finanzmärkte als Hebel nutzt. 

Analytische Kompetenzen der Zentralbanken zur Politikberatung nutzen

Im Rahmen der Green Swan Virtual Conference betonte auch Bundesbankvorstandsmitglied Sabine Mauderer in einer Podiumsdiskussion die elementare Rolle der Zentralbanken in der Gestaltung der Transformation der Wirtschaft. Durch ihre herausragende analytische Expertise könnten Zentralbanken politische Entscheidungsträger bei der Festlegung der notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels unterstützen und begleiten. Dadurch ermöglichten Zentralbanken den politischen Entscheidungsträgern mit quantitativen Information die Auswirkungen ihres Handelns klar zu verstehen – ebenso wie die Auswirkungen, wenn sie nicht handelten. Mauderer hob hervor, dass die analytische Beratung durch die Zentralbanken dazu beitragen könne, das Bewusstsein für die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels zu schärfen: „Zentralbanken sollten ihre analytischen Fähigkeiten nutzen, um Entscheidungshilfen zu geben.“