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Von Erfahrung und Veränderungsbereitschaft lernen

Von Erfahrung und Veränderungsbereitschaft lernen Gastbeitrag in der Börsen-Zeitung

01.02.2018 | Andreas Dombret

"Was alt ist, hat bewiesen, dass es lebensfähig ist", stellte einst der amerikanische Kampfpilot und Autorennfahrer Edward Rickenbacker fest. Das gilt für Menschen genauso wie für Unternehmen – und damit auch für die DekaBank, die in diesem Jahr auf einhundert Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken kann. In diesen hundert Jahren ist viel passiert: Ein von Kriegen zerrüttetes Europa ist in Frieden und Freiheit zusammengewachsen, es wurde zum größten gemeinsamen Wirtschaftsraum der Welt, 19 europäische Staaten haben sogar eine gemeinsame Währung geschaffen. In Deutschland gibt es seit sechzig Jahren die Soziale Marktwirtschaft. Von Ludwig Erhards Versprechen "Wohlstand für alle" sind wir zwar noch entfernt, aber im Durchschnitt hat der Wohlstand der Deutschen ein Niveau erreicht, worum andere Nationen Deutschland beneiden. 

Die DekaBank hat die großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit nicht nur als Zaungast beobachtet. Sie musste sich als großes Kreditinstitut den Umwälzungen anpassen, um den Ansprüchen ihrer Kunden jederzeit gerecht zu werden und im Wettbewerb bestehen zu können. Die Feiern zum 100. Geburtstag sind daher auch eine Anerkennung für eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte. 

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der DekaBank war ohne Zweifel die Bereitschaft, sich an zum Teil grundlegend gewandelte Rahmenbedingungen anzupassen. Im deutschen Kreditwesen ist diese Veränderungsbereitschaft derzeit besonders gefragt. Denn die hiesigen Institute befinden sich mitten in einer Phase des Wandels, und das gleich in mehreren Hinsichten. 

Nicht einfach abwarten 

Niedrige Zinsen bestimmen das Marktumfeld und senken die Zinsmargen. Die Digitalisierung des Finanzsektors wirft grundsätzliche Zukunftsfragen im Bankgeschäft auf. Und nebenher müssen sich Banken, Sparkassen und andere Finanzakteure auf die deutlich überarbeitete Regulierung einstellen, die eine Reaktion auf die Finanzkrise ist. Ein einfaches Rezept zum Umgang mit diesen Umbrüchen und Trends gibt es nicht. Klar ist aber, dass die Branche die weiteren Entwicklungen nicht einfach abwarten kann, wenn sie nachhaltig erfolgreich sein möchte. 

Zudem können sich die Institute nicht allein auf altbewährte Rezepte verlassen. Das zeigt sich beispielsweise beim Brot-und-Butter-Geschäft der Sparkassen, dem Kreditgeschäft. Im Jahr 2016 verzeichneten die Sparkassen insgesamt zwar steigende Kredite und Einlagen sowie ein stabiles Ergebnis, doch trugen zu Letzterem Sondereffekte bei, darunter historisch niedrige Wertberichtigungen. Die operativen Erträge waren hingegen rückläufig. Grund dafür waren im aktuellen Niedrigzinsumfeld vor allem gesunkene Erträge aus dem Zinsgeschäft. Dieser Rückgang lässt aufhorchen, da traditionell ein Großteil der Sparkassenerträge aus diesem Segment stammt. 

Diese Herausforderung ist allen Instituten bewusst – sie gehen bei ihren Planungen für die kommenden fünf Jahre weiterhin von einem deutlich zurückgehenden Zinsergebnis aus. Dies hat die dritte Umfrage zum Niedrigzinsumfeld gezeigt, die die Bundesbank vergangenes Jahr unter den etwa 1.500 kleinen und mittelgroßen Kreditinstituten in Deutschland durchgeführt hat. 

Auf dem Prüfstand 

Institute planen demzufolge, Rückgänge im Kreditgeschäft durch Steigerungen im Provisionsergebnis aufzufangen. Das wird aber alles andere als ein Selbstläufer, denn auch dieses Geschäftsfeld ist stark umkämpft. Daher werden viele Institute sämtliche Aktivitäten auf den Prüfstand stellen müssen. 

Vermögensverwaltung 

Bestenfalls werden dabei ungenutzte Potenziale für neue Erträge und Möglichkeiten zur Kosteneinsparung erkannt. Dies betrifft nicht zuletzt das Geschäftsfeld der Vermögensverwaltung, das die Sparkassen in Zusammenarbeit mit der DekaBank bedienen. Aus Anlegersicht steht die Vermögensverwaltung derzeit hoch im Kurs. In nicht einmal fünf Jahren ist der Marktwert der von privaten Haushalten in Deutschland gehaltenen Investmentfondsanteile im In- und Ausland um über 50% gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist das in Deutschland verwaltete Vermögen in Publikums- und Spezialfonds sogar um 57% angewachsen. Nicht nur das verwaltete Vermögen, auch die Zahl der Anbieter von Vermögensverwaltung steigt seit Jahren. Und das ist keineswegs überraschend – schließlich ist das nominale Geldvermögen der privaten Haushalte hierzulande auf einem historischen Höchststand und hat sich in den letzten 20 Jahren in etwa verdoppelt. 

Der demografische Wandel unterstützt die Nachfrage nach Vermögensanlagen. Angesichts der Alterung der deutschen Gesellschaft erhöht sich der Bedarf nach einer privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge. Die Deutschen werden ihre private Alterssicherung mehrheitlich noch längere Zeit lang aufstocken. 

Noch Potenzial vorhanden 

Das Potenzial in der Vermögensverwaltung ist also keineswegs ausgereizt. Hinzu kommt das bislang recht konservative Anlageverhalten der Deutschen. Trotz der deutlichen Zuwächse an privatem Geldvermögen in Deutschland hat sich dessen Zusammensetzung über die vergangenen Jahre hinweg nicht wesentlich verändert. Sichere Bankeinlagen und Versicherungsansprüche dominieren, während Aktien, Investmentfondsanteile und Schuldverschreibungen eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. Im Umfeld niedriger Zinsen nimmt die Bedeutung von Wertpapieren aber tendenziell zu, denn sie erwirtschaften weiterhin positive reale Renditen. Mittlerweile lässt sich ein zunehmendes Interesse an renditeträchtigeren Anlageformen erkennen – dies hat eine Haushaltsbefragung der Bundesbank aus dem Jahr 2016 ergeben. 

Um zukunftsfähig zu sein, muss der Sparkassensektor – wie alle anderen Bankensektoren – also auch im Bereich der Vermögensverwaltung gut aufgestellt sein. Trends und Umbrüche eröffnen hier neue Chancen. So können etwa Kosten reduziert und sich wandelnde Kundenbedürfnisse gezielter bedient werden. Das stellt zugleich hohe Anforderungen an die Qualität der Vermögensberatung. Auch beim Bedarf an Anlageprodukten herrscht alles andere als Stillstand. Es ist ein anhaltender Trend zu passiven Anlagestrategien zu beobachten. Diese punkten nicht nur durch ihre Kosteneffizienz, sondern auch durch ihre einfache und transparente Konstruktion. 

"Grüne" Vermögensanlage 

Ebenso dürfte die "grüne" Vermögensanlage an Bedeutung gewinnen. Mit dem gestiegenen ökologischen Verantwortungsgefühl der Anleger hat die Nachfrage nach dieser Anlageklasse in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In der Vermögensverwaltung wird die Anlageklasse der Aktien auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Aktienrenditen sind zwar volatil, im langfristigen Durchschnitt bleiben Aktien jedoch die renditestärkste Anlageform: Seit 1991 liegt ihre jährliche reale Rendite bei etwa 8%. 

Für die Vermögensverwaltung sind natürlich nicht nur die Privatanleger bedeutsam. Auch institutionelle Anleger wie beispielsweise Pensionsfonds müssen im Blick bleiben. Investmentfondsanteile spielen bei deren Anlageverhalten eine große Rolle: In den vergangenen Jahren konnte man bei ihnen deutliche Portfolioverschiebungen – weg von Einlagen hin zu renditestärkeren Anlageformen – feststellen. 

Das bedeutet aber nicht, dass im Bereich der Vermögensverwaltung die zukunftssichere Strategie schon geschrieben wäre. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich viele Entwicklungen noch gar nicht vorhersehen. So verspricht die digitale Anlageberatung – auch bekannt unter der Bezeichnung "Robo Advice" – den digital affinen Kunden, ihre Vermögensanlage in Zukunft von zu Hause mit ein paar Klicks erledigen zu können. Andere Kunden legen weiterhin Wert auf den persönlichen Austausch mit ihrem Berater. Es zeigt sich daran, dass selbst das Zauberwort Digitalisierung nicht auf alle Fragen eine eindeutige Antwort ist. So gut ein Kreditinstitut strategisch aufgestellt ist – manche Entwicklungen wird es abwarten und gegebenenfalls umsteuern müssen. 

Auch ein höherer Anlagebedarf führt den Finanzsektor nicht automatisch in eine bessere Zukunft, in der ihm die Erträge wie reife Früchte in den Schoß fallen. Nur wer rechtzeitig Veränderungen erkennt und innovativ darauf reagiert, wird langfristig im Wettbewerb bestehen können. Die deutschen Sparkassen können jedenfalls auch über das Thema der Vermögensverwaltung hinaus von der hundertjährigen Erfahrung und der Veränderungsbereitschaft der DekaBank lernen. Der Erfolg der DekaBank zeigt, dass auch in Zeiten größerer Umbrüche und Umwälzungen am Ende vor allem eines zählt: nämlich die konsequente Ausrichtung am langfristigen Mehrwert der Kunden.

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