Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im dritten Quartal 2019 Sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

17.01.2020 | Deutsche Bundesbank EN

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland lag zum Ende des dritten Quartals 2019 bei 6 302 Mrd . Damit übertraf es den Vorquartalswert um 67 Mrd oder 1,1 %. Der transaktionsbedingte Aufbau von Forderungen (Geldvermögensbildung) betrug 58 Mrd €. Wie in den vergangenen Quartalen erhöhten die privaten Haushalte insbesondere ihre Bestände an Bargeld und Einlagen sowie ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen. Die Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlageformen hielt damit weiter an. Auch Bewertungsgewinne trugen wieder zum Anstieg des Geldvermögens bei. Die Verbindlichkeiten privater Haushalte legten im dritten Quartal 2019 um 25 Mrd € und damit erneut relativ deutlich zu. Zusammen betrachtet stieg das Nettogeldvermögen um 41 Mrd € auf 4 441 Mrd €.

Die Aufnahme von Finanzierungsmitteln (Außenfinanzierung) durch nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften betrug im Berichtsquartal 47 Mrd . Per saldo emittierten nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Schuldverschreibungen in Höhe von 5 Mrd . Der Aufbau sonstiger Verbindlichkeiten, die unter anderem Handelskredite und Anzahlungen umfassen, trug 22 Mrd € zur Außenfinanzierung bei. Der Finanzierungsbeitrag inländischer Bankkredite war demgegenüber mit ‑2 Mrd € geringfügig negativ.

Private Haushalte: Anhaltend hohe Neuverschuldung

Im dritten Quartal 2019 betrug die Geldvermögens­bildung der privaten Haushalte per saldo rund 58 Mrd  und lag damit ungefähr im Mittel der letzten drei Jahre. Getragen wurde der Anstieg insbesondere von einem Aufbau von Bargeld und Sichteinlagen in Höhe von 26 Mrd  sowie einem Zuwachs der Ansprüche gegenüber Versicherungen. Letzterer fiel mit 13 Mrd € etwas geringer aus als in den Vorquartalen. Der seit 2017 anhaltende Trend sinkender Zuwächse in diesem Instrument setzt sich somit fort. Ihre Anlagen in Sparbriefen und Spareinlagen reduzierten die Haushalte relativ kräftig um 4 Mrd €. Mit Blick auf die vergangenen Jahre ist ein derartiges Anlageverhalten jedoch nicht ungewöhnlich. Auf ein Nachlassen der bislang stark ausgeprägten Präferenz privater Haushalte für liquide und/oder risikoarme Anlageformen lässt sich daher nicht schließen.

Das Kapitalmarktengagement der privaten Haushalte entwickelte sich weiterhin stabil: Wie schon in den beiden Vorquartalen betrugen die Nettoinvestitionen privater Haushalte in börsennotierte Aktien und Investmentfondsanteile im Berichtsquartal rund 10 Mrd . Bei 60 % der Nettozuflüsse in börsennotierte Aktien handelte es sich um ausländische Papiere. Die erworbenen Investmentfondsanteile beinhalten unter anderem Anteile an gemischten Wertpapier- und Immobilienfonds. Ihre Bestände an Schuldverschreibungen reduzierten die privaten Haushalte im dritten Quartal 2019 geringfügig um 1 Mrd .

Bewertungseffekte trugen zum Anstieg des Geldvermögens der privaten Haushalte bei. So konnten bei Aktien und Investmentfondsanteilen Zugewinne von 15 Mrd verzeichnet werden. Zusammengenommen stieg das Geldvermögen um 67 Mrd  auf 6 302 Mrd €.

Der transaktionsbedingte Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte übertraf im dritten Quartal 2019 mit rund 25 Mrd  sogar noch den sehr kräftigen Zuwachs im zweiten Quartal. Der seit Mitte 2013 anhaltende Aufwärtstrend setzte sich damit weiter fort. Wichtigster Faktor für diese Zunahme war erneut, dass die Wohnungsbaukredite dynamisch ausgeweitet wurden. Bis zum Ende des Berichtsquartals stiegen die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte in Deutschland auf 1 861 Mrd . Die Verschuldungsquote der privaten Haushalte, definiert als Summe der Verbindlichkeiten in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (gleitende Vierquartalssumme), legte damit zwar erneut relativ kräftig um 0,4 Prozentpunkte zu. Mit einem Niveau von nunmehr 54,6 % ist sie aber immer noch niedrig im Vergleich zum Zeitraum um die Jahrtausendwende, als die Verschuldung privater Haushalte bei über 70 % lag. Zusammengenommen führte die Entwicklung von Geldvermögen und Verbindlichkeiten zu einem Anstieg des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte um 41 Mrd € auf 4 441 Mrd €.

Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften: Kreditfinanzierung schwächelt

Zum Ende des dritten Quartals 2019 stieg das Geldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in Deutschland transaktionsbedingt um 45 Mrd oder 1,0 %. Zu diesem Anstieg trugen vor allem ein um 29 Mrd höheres Engagement in Aktien und sonstigen Anteilsrechten sowie ein Zuwachs bei Bargeld und Sichteinlagen um 23 Mrd € bei. Der Bestand an Investmentfondsanteilen stieg moderat um 3 Mrd €. Hingegen bauten die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften Kreditforderungen in Höhe von 5 Mrd € ab. Zudem reduzierten sie ihre sonstigen Forderungen in nennenswertem Umfang; diese umfassen unter anderem Handelskredite und Anzahlungen.

Die Außenfinanzierung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften entsprach mit knapp 47 Mrd  etwa dem Mittelwert seit 2017. Die Kreditfinanzierung trug im dritten Quartal 2019 nur gut 10 Mrd  bei, nachdem die Zuflüsse in der Vergangenheit meist deutlich höher gewesen waren. Nach zwei Quartalen mit hohen Zuwächsen war die Nettokreditaufnahme bei inländischen Banken im Berichtsquartal sogar negativ, wurde aber durch eine sehr kräftige Zunahme der Auslandskredite kompensiert. Auf dem Kapitalmarkt sammelten die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften rund 9 Mrd € ein. Emissionen von Schuldverschreibungen trugen dazu rund 5 Mrd € bei, während Anteilsrechte und Aktien im Umfang von knapp 4 Mrd € ausgegeben wurden. Die sonstigen Verbindlichkeiten, darunter Handelskredite und Anzahlungen, nahmen um 22 Mrd € zu.

Unter Berücksichtigung von Transaktionen und Bewertungseffekten wuchs das Nettogeldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften im Berichtszeitraum um 19 Mrd . Zum Ende des dritten Quartals lag es bei minus 1 677 Mrd. Die Verschuldungsquote, definiert als Summe von Schuldverschreibungen, Krediten und Pensionsrückstellungen in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (gleitende Vierquartalssumme), stieg im Verlauf des Berichtsquartals um 0,2 Prozentpunkte auf nunmehr 67,5 %, da sich die Unternehmensverschuldung im Berichtszeitraum etwas dynamischer entwickelte als das nominale Bruttoinlandsprodukt.