Oktober-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland

22.10.2019 | Deutsche Bundesbank EN

  • Die deutschen Banken verschärften ihre Kreditvergaberichtlinien im Firmenkundengeschäft zum dritten Mal in Folge. Die Richtlinien für private Wohnungsbaukredite blieben unverändert.
  • Die Banken änderten die Kreditbedingungen in der Gesamtbetrachtung im Firmenkundengeschäft unter dem Strich nicht, während sie diese im Bereich der privaten Baufinanzierung strenger anpassten.
  • Die privaten Haushalte fragten deutlich mehr Wohnungsbaukredite nach als von den Banken erwartet. Auch die Nachfrage nach Unternehmenskrediten mit längeren Zinsbindungsfristen nahm erneut zu.
  • Das erweiterte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) des Eurosystems belastete die Ertragslage der Banken weiterhin. Für die kommenden sechs Monate befürchten die Kreditinstitute, dass infolge der Wiederaufnahme der Nettokäufe das Programm ihre Ertragslage stärker belasten wird.
  • Der negative Zinssatz der Einlagefazilität wirkte sich laut Angaben der Kreditinstitute negativ auf ihre Nett-Zinserträge aus. Gleichzeitig erhöhte der negative Einlagesatz für sich genommen das Kreditvolumen. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken, dass sich diese Auswirkungen abschwächen werden.

Die Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland erfasst die drei Kreditsegmente Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Die befragten Banken verschärften die Kreditrichtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) im Unternehmensgeschäft im dritten Quartal zum dritten Mal in Folge (Nettoanteil +3 %, wie in den beiden vorangegangenen Umfragerunden). Die Anpassung war ihren Angaben zufolge im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sich nach ihrer Einschätzung die branchen- oder firmenspezifische Lage und die Kreditwürdigkeit der Darlehensnehmer verschlechterten. Dies zeigte sich auch in einem gestiegenen Anteil an abgelehnten Kreditanträgen. Die Richtlinien für die Vergabe von privaten Wohnungsbaukrediten wie auch für Konsumentenkredite und sonstige Kredite blieben unverändert.

Die befragten Banken änderten die Kreditbedingungen insgesamt (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten) im Firmenkundengeschäft unter dem Strich nicht. Die Margen im Firmenkundengeschäft erhöhten sich, während die Banken die weiteren erfragten Bedingungen insgesamt lockerten. Im privaten Wohnungsbaukreditgeschäft verschärften die Banken die Kreditbedingungen in der Gesamtbetrachtung für die Darlehensnehmer, vor allem aufgrund einer Ausweitung der Margen. Für Konsumentenkredite und sonstige Kredite blieben die Bedingungen mit Ausnahme von verengten Margen unverändert.

Die Kreditnachfrage legte laut Angaben der Banken in allen erfragten Geschäftsfeldern erneut zu. Die Erwartungen der Banken aus dem Vorquartal wurden dabei im Bereich der Immobilienfinanzierung erneut weit übertroffen. Haupttreiber für diese Entwicklung war laut Angaben der befragten Banken abermals das niedrige allgemeine Zinsniveau.

Die Oktoberumfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken und zu den Auswirkungen auf das Kreditgeschäft, die das erweiterte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten des Eurosystems sowie der negative Zinssatz der Einlagefazilität des Eurosystems haben.

Die deutschen Banken berichteten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten von einer im Vergleich zum Vorquartal kaum veränderten Refinanzierungssituation.

Das erweiterte Ankaufprogramm des Eurosystems verbesserte laut Angaben der Banken in der isolierten Betrachtung ihre Liquiditätsposition in den vergangenen sechs Monaten leicht. Ihre Finanzierungsbedingungen am Markt verbesserte das Programm in diesem Zeitraum aber nicht. Zudem belastete es die Ertragslage der Banken stärker als in der vorherigen Befragung, obwohl die Nettokäufe zu Jahresbeginn eingestellt worden waren. Nennenswerte Einflüsse des Programms auf die Kreditangebotspolitik und das Kreditvolumen in den vorangegangenen beiden Quartalen gab es wie schon bei der letzten Befragung nicht. Vor dem Hintergrund der im September vom EZB-Rat beschlossenen Wiederaufnahme der Nettokäufe ab November 2019 befürchten die Kreditinstitute für die kommenden sechs Monate eine stärkere Belastung ihrer Ertragslage. Gleichzeitig dürfte das Programm laut ihren Angaben zu einem Anstieg des Kreditvolumens im Geschäft mit den privaten Haushalten beitragen. Nennenswerte Effekte auf ihre Kreditangebotspolitik erwarten sie dagegen nicht.

Der negative Zinssatz der Einlagefazilität trug in den vergangenen sechs Monaten wieder erkennbar zu einem Rückgang der Netto-Zinserträge der Banken bei, auch durch seinen dämpfenden Einfluss auf die Kreditzinsen. Gleichzeitig erhöhte der negative Einlagesatz nach Einschätzung der Banken für sich genommen in diesem Zeitraum das Volumen der Unternehmenskredite wie auch der an private Haushalte vergebenen Kredite. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken insgesamt, dass sich der negative Effekt des Einlagesatzes auf die Netto-Zinserträge verringert. Als Grund hierfür nennen einige Banken erwartete Entlastungen durch das gestaffelte Verzinsungssystem der Überschussliquidität („Tiering“). Nennenswerte positive Auswirkungen auf das Kreditvolumen erwarten die Banken nur noch im Unternehmensgeschäft.

Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 13. bis zum 30. September 2019 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 34 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 %.