Eröffnung des Sino-German Center of Finance and Economics Begrüßungsansprache

Sehr geehrter Herr Vize-Gouverneur Pan,
sehr geehrter Herr Botschafter Clauss,
sehr geehrter Geschäftsführender Direktor des International Monetary Institute der Renmin Universität Ben
sehr geehrte Frau Richter,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. König,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. von Rosen,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude und Ehre, an der Eröffnung des Sino-German Center of Finance and Economics teilzunehmen.

Ich freue mich, dass diese Eröffnung noch vor den Feiertagen möglich war. Am Sonntag findet das Mondfest statt, ein Fest für die Familie. Und anschließend der Nationalfeiertag und die Goldene Woche.

Als Bundesbanker bin ich sehr stolz, dass wir zusammen mit der People's Bank of China heute das Sino-German Center of Finance and Economics eröffnen können und zudem im Kuratorium vertreten sein werden. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Frau Richter von der GIZ für ihre Unterstützung danken.

Chinesisch-deutsche Beziehungen

Deutschland und die Volksrepublik China pflegen seit mehr als 40 Jahren exzellente politische und wirtschaftliche Beziehungen. Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1972 zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. China ist nach Frankreich und den Niederlanden drittwichtigster Handelspartner Deutschlands und wichtigster Handelspartner außerhalb der EU. 2014 stieg das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China von 141 auf 154 Mrd. EUR. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China entspricht knapp einem Drittel des gesamten Handelsvolumens der EU-Mitgliedstaaten mit China.

In China werden, nach den USA und Großbritannien, die meisten deutschen Kraftfahrzeuge verkauft (21 Mrd. EUR). Jedes dritte Auto von VW, Audi, BMW, und Mercedes haben chinesische Kunden gekauft. Im ersten Halbjahr 2015 stellten deutsche Konzerne gut zwei Millionen Autos in China her.

Nicht zuletzt haben sich der deutsche Maschinenbau und die chemische Industrie zu wichtigen Lieferanten für die aufstrebende chinesische Industrie entwickelt.

Neben den dynamischen Handelsbeziehungen prägen regelmäßige hochrangige politische Kontakte sowie die kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit die Beziehungen.

Seit 2011 finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Oktober 2014. Insgesamt gibt es mittlerweile über 60 Dialogforen.

Ein wichtiges neues Abstimmungsformat ist der hochrangige finanzpolitische Dialog der Finanzminister und Notenbankchefs. 1995 habe ich selbst als Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages und Mitglied der Delegation des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl Peking besucht.

Damals galt es noch Grundlagen zu legen für gemeinsames Verständnis. Heute können wir auf einem gewachsenen Verständnis füreinander aufbauen, und gehen mit der Eröffnung des Sino-German Center of Finance and Economics hier in Peking einen bedeutenden Schritt weiter. Mich persönlich, der ich vor 20 Jahren in anderer Funktion mitwirkte, erfüllt das auch mit Freude.

Bedeutung Chinas für Deutschland und Frankfurt

Das Sino-German Center of Finance and Economics ist Teil der Goethe-Universität in Frankfurt. Das kommt nicht von ungefähr, denn Frankfurt spielt auch in den deutsch-chinesischen Beziehungen eine zentrale Rolle.

Bereits vor mehr als 100 Jahren hat die Deutsche Bank ihr erstes Büro in Shanghai eröffnet und kann auf ähnlich lange China-Erfahrung zurückblicken wie etwa Siemens.

Seit April 1988 ist Guangzhou, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Guandong, Partnerstadt von Frankfurt. Annähernd 5 000 chinesische Staatsbürger leben in Frankfurt. 54 Passagierflugzeuge verbinden jede Woche Frankfurt/Rhein-Main mit chinesischen Städten; rund 100 000 chinesische Touristen besuchten die Stadt Frankfurt im vergangenen Jahr.

Hilfreich für die Bekanntheit Deutschlands in China ist die Fußballleidenschaft der Chinesen. Ich habe gehört, China hat mehr Fußballfans als Deutschland Einwohner. Jedes Bundesligaspiel wird in China übertragen.

Im Januar 2014 wurde in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa eröffnet, die den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen weiter fördern soll. Zudem war China 2015 Partnerland der Messe "CEBIT" und dort mit zahlreichen Unternehmen vertreten.

RMB Clearing Hub in Frankfurt

Die wachsenden Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen Deutschland und China werden auch das Zahlungsvolumen in Renminbi weiter steigen lassen. Deshalb unterstützt die Bundesbank die Etablierung Frankfurts als Renminbi-Hub in vielfältiger Weise.

Der Standort Frankfurt ist dafür besonders geeignet. Die Stadt ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Europa und Sitz zweier Notenbanken. Der Frankfurter Finanzplatz hat stets seine enge Bindung zur Realwirtschaft beibehalten. Er ist seiner wichtigsten Aufgabe, der Zusammenführung von Kapital- und Investitionsbedarf zur Unterstützung von Wachstum, immer nachgekommen.

Deshalb wird das Clearing in Frankfurt vom realwirtschaftlich geprägten Handel gespeist. Das Renminbi-Clearing stärkt die engen wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China.

Einen ersten großen Meilenstein auf dem Weg zu einem Renminbi-Clearing Hub haben wir Ende März 2014 erreicht. Mein Vorstandskollege, Joachim Nagel, und ich sowie die damalige Vizepräsidentin der chinesischen Zentralbank Hu haben in Anwesenheit des chinesischen Staatspräsidenten Xi und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin eine Absichtserklärung zum Clearing in der chinesischen Währung am Finanzplatz Frankfurt unterzeichnet.

Im Juli 2014 hat die chinesische Zentralbank die Bank of China, Niederlassung Frankfurt, als RMB Clearing-Bank be­nannt. Seit November 2014 können deutsche Firmen die Frankfurter Clearing-Bank für den Renminbi-Zahlungsverkehr nutzen. Sprich: deutsche Zeitzone, deutsche Sprache, deutsches Recht und einen direkten Anschluss an den chinesischen Zahlungsverkehr.

Auf Infrastrukturebene haben die Gruppe Deutsche Börse und die chinesischen Börsenbetreiber, Shanghai Stock Exchange und China Financial Futures Exchange, im Mai ein Joint-Venture verkündet. Die China Europe International Exchange soll bereits im November dieses Jahres starten.

Ziel ist die Entwicklung chinesischer Finanzinstrumente, die an internationale Anleger außerhalb Chinas vertrieben werden sollen. Die neue deutsch-chinesische Börse soll in Frankfurt auf der technischen Infrastruktur der Deutschen Börse betrieben werden.

Ausblick

Die heutige Eröffnung eines deutsch-chinesischen wissenschaftlichen Forschungszentrums ist ein sichtbarer Beweis unserer überaus guten und stetig wachsenden Zusammenarbeit. Diese Beziehungen wollen wir weiter ausbauen.

Das Ziel ist hierbei auf besseres Verständnis ausgerichtet. Es geht um unabhängige Forschung, Aus- und Weiterbildung zum besseren Verständnis des jeweils anderen. Ich glaube, dass dies in der gegenwärtigen Phase der Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft von besonderem Wert sein kann.

Überdies ist Verständnis füreinander die Grundlage für Vertrautheit. Und Vertrautheit wiederum schafft Vertrauen.

Angesichts der zunehmenden Unsicherheitsfaktoren in der Welt und den noch nicht bewältigten Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der Zusammenarbeit und dem Verständnis sowie dem Vertrauen zwischen den beiden strategischen Partnern Deutschland und China eine immer größere Bedeutung zu. Deutschland sieht China nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als Schlüsselpartner in Asien.

Der von der chinesischen Regierung betriebene Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen.

China befindet sich in einer neuen Phase: Das BIP ist fast so hoch wie das der USA. Chinas Wirtschaft wächst nicht mehr zweistellig, aber auf einem viel höheren Niveau. Die Binnenwirtschaft spielt eine immer stärkere Rolle, die Märkte werden weiter geöffnet. China wird womöglich stärker ausländisches Kapital benötigen und anziehen. Die Rolle Chinas in der Weltwirtschaft verändert sich.

Bis Ende des Jahres will der IWF die Entscheidung fällen, ob der Renminbi ab Oktober 2016 in den Währungskorb aufgenommen wird, auf dessen Basis die Sonderziehungsrechte berechnet werden. Dieser Zeitplan ermöglicht der chinesischen Währung im Falle eines "Ja" eine sanfte Landung im Kreis der globalen Leitwährungen. China wird zudem nächstes Jahr die Präsidentschaft der G20 übernehmen. Auch dabei wird es wieder die Möglichkeit für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern geben.

Bis dahin können noch umfassende Öffnungs- und Vertiefungsschritte auf Chinas Bondmärkten vollzogen werden. Diese Schritte sind nötig, um Zentralbanken, Staatsfonds und globalen Investoren gute Anlagemöglichkeiten in RMB-Titeln zu bieten. Ich bin davon überzeugt, dass die chinesische Regierung diese Schritte überlegt, strukturiert und zielführend durchführt.

Die Deutsche Bundesbank wird China unterstützen, den Renminbi in die Position einer Leitwährung zu bringen. Wir fordern von der deutschen Kreditwirtschaft Taten und nicht nur Ankündigungen. Die Gruppe Deutsche Börse begleiten wir bei ihren Vorhaben, die finanzwirtschaftliche Zusammenarbeit mit China auszubauen.

Aufgrund der großen Wirtschafts-, Waren- und Geldflüsse erwarten unsere chinesischen Partner zur recht ein hohes Engagement von der deutschen Wirtschaft. Wir werden zusammen mit der Bundesregierung dieses Engagement einfordern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass spätestens in zehn Jahren der Renminbi als Leitwährung etabliert sein wird. Ich bin überzeugt, dass sich die real- und finanzwirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in den nächsten Jahren vertiefen und ausweiten wird. 

Meine Damen und Herren,

Ich wünsche dem Sino-German Center of Finance and Economics einen großen Erfolg. Ich möchte daher alle Anwesenden auffordern, das Center bei seiner Arbeit zu unterstützen. Möge es nachhaltig zum besseren Verständnis füreinander und zu mehr Austausch miteinander beitragen.