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Die Zukunft des Zahlungsverkehrs zwischen bar und virtuell

Die Zukunft des Zahlungsverkehrs zwischen bar und virtuell Vortragsveranstaltung an der Hochschule der Deutschen Bundesbank

20.04.2016 | Hachenburg | Carl-Ludwig Thiele

1 Einleitung

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich ganz herzlich für die Einladung bedanken. Ich komme immer wieder gerne nach Hachenburg.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt wirbt auf ihrer Website mit extrem niedrigen Arbeitslosenzahlen, etlichen mittelständischen Weltmarktführern und einer Beinahe-Schuldenfreiheit der Kommune. Wenn die Wirtschaft floriert, ist das selbstverständlich auch gut für den Zahlungsverkehr.

Heute geht es mir weniger darum, wie häufig und in welcher Höhe gezahlt wird, sondern vielmehr um die Frage, "wie wird gezahlt"?

In dieser Hinsicht unterscheidet sich Hachenburg vermutlich von anderen Städten – nehmen wir etwa London. Ich weiß nicht, wer von Ihnen in Hachenburg schon kontaktlos mit seiner Kreditkarte an der Ladenkasse gezahlt hat? In London ist das "Tap and Go" fast die Regel, nicht nur in der U-Bahn und in den Bussen, sondern auch im Laden.

Solche und ähnliche Entwicklungen machen den Zahlungsverkehr inzwischen zu einem viel diskutierten Thema. Fast täglich finden Sie dazu in den Medien neue Meldungen. Da wird das "Ende des Bargelds" eingeläutet, "Bezahlen im Vorbeigehen" propagiert, "FinTechs" zum Bankenschreck hochgejubelt und die "Blockchain" als jene Technologie porträtiert, die Banken und zentrale Zahlungsverkehrsinfrastrukturen gleich ganz überflüssig macht.

Zu lesen und zu hören ist viel von neuen Anbietern für Bank- und Zahlungsdienste, von innovativen Bezahlmöglichkeiten abseits des Bargelds und abseits etablierter bargeldloser Zahlungsmittel wie den Karten in Ihren Portemonnaies. Der große Aufbruch ins Digitale scheint im Zahlungsverkehr tatsächlich stattzufinden. Allerdings bleibt abzuwarten, welche Technologien und Zahlungswege sich am Ende wirklich durchsetzen.

Gleichzeitig sorgt die Diskussion um die Abschaffung der 500-Euro-Banknote wie auch die mögliche Einführung einer Obergrenze für Barzahlungen von 5.000 Euro für viel Aufmerksamkeit. Sie bewegt und erhitzt die Gemüter sehr.

Bargeld hat eine lange Tradition und jeder ist damit vertraut. Deshalb möchte ich beim Bargeld beginnen. Danach komme ich auf die aktuellen Entwicklungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr zu sprechen. Enden werde ich mit virtuellem Geld und der dahinterliegenden neuen Technologie. 

2 Bargeld – ein klassisches Zahlungsmittel

Zunächst einmal sind Euro-Banknoten und Euro-Umlaufmünzen in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel.

Ohne anderweitige Regelung ist jedermann gehalten, Zahlungen mit Euro-Banknoten als ordnungsgemäße Erfüllung einer Verbindlichkeit zu akzeptieren.

Die Mehrheit der Bundesbürger hält Einschränkungen auch für keine gute Idee: Einem Marktforschungsinstitut zufolge wollen etwa drei von vier Bürgern nicht, dass der gesetzliche Annahmezwang für Bargeld in Deutschland abgeschafft wird.

Bargeld ist also mit breiter Unterstützung der Bevölkerung hierzulande gesetzliches Zahlungsmittel. Wenn man sich darüber hinaus auf eine inhaltliche Diskussion über die angeblichen Nachteile des Bargelds einlässt, findet sich wenig Stichhaltiges.

Das Argument, ohne Bargeld gäbe es keine Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung oder Geldwäsche mehr, greift nicht. Erstens könnten die handelnden Personen alternative Tauschmittel nutzen oder auf Fremdwährungen zurückgreifen – sofern das Bargeld nicht weltweit abgeschafft wird. Darüber hinaus muss es sich bei Schwarzgeld nicht zwangsläufig um Bargeld handeln. Der französische Ökonom Gabriel Zucman schätzt, dass sich weltweit 5,8 Billionen Euro an privatem Vermögen auf Konten in den verschiedensten Steuerparadiesen befinden. Ein erheblicher Teil davon sei nicht deklariert.

Auch das oft vorgetragene Argument, Bargeld erschwere den Zahlungsverkehr, weil an der Ladenkasse nach Kleingeld gekramt werde, kann entkräftet werden. Gemäß der ersten Zahlungsverhaltensstudie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2008 sehen fast 90 % der Bevölkerung Bargeld als schnelles und bequemes Zahlungsmittel an.

Sicherlich können Barzahlungen im Einzelfall länger dauern. Gleiches gilt aber auch für Kartenzahlungen, bei denen die PIN falsch eingegeben wird oder das Terminal die Karte nicht akzeptiert.

Und schließlich muss man auch nicht aus aktuellen geldpolitischen Erwägungen heraus auf Banknoten und Münzen verzichten. Es ist zwar unstrittig, dass es zu Ausweichreaktionen in die Bargeldhaltung kommen kann, wenn die Zinsen sehr weit unter null sinken. Würde man das Bargeld abschaffen, könnten die Notenbanken negative Zinsen also in der Breite durchsetzen. Dies wäre aber die falsche, völlig unverhältnismäßige Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen an der Nullzinsgrenze. Vielmehr sollten die Wachstumskräfte im Euro-Raum gestärkt werden, wodurch auch wieder höhere Nominalzinsen möglich werden.

Die Argumente, die gegen Bargeld und Barzahlungen vorgebracht werden, sind demnach kaum stichhaltig.

Doch was spricht ganz konkret dafür, weiterhin mit Banknoten und Münzen zu bezahlen? Eine ganze Menge – und diese Gründe werden oft nicht genannt.

Bargeld ist Notenbankgeld. Es unterliegt somit im Gegensatz zum Giralgeld keinem Ausfallrisiko. Mit Bargeld kann zweitens direkt Zug um Zug bezahlt werden, das heißt weder der Verkäufer, noch der Käufer einer Ware muss in Vorleistung treten. Beide sind so gegen eine Insolvenz der Gegenseite geschützt. Weiterhin ermöglichen Barzahlungen eine gute Kontrolle der Ausgaben – dies nutzen viele Haushalte, gerade die weniger wohlhabenden. Wird ein bestimmtes Budget – etwa für Haushaltsausgaben – in bar gehalten, dann signalisiert der Restbetrag den Verbrauchern, in welchem Umfang weitere Ausgaben vorgenommen werden können.

Bargeld benötigt außerdem keine technische Infrastruktur. Dadurch kann es in Kiosken, Bäckereien, auf Flohmärkten, bei Festivals und auch im Not- und Krisenfall als Zahlungsmittel verwendet werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass Bargeld ohne nennenswerte Zugangsbeschränkungen zum Bezahlen verwendet werden kann. Auch Bevölkerungskreise, die keinen vollen Zugang zu bargeldlosen Zahlungsmitteln haben, beispielsweise Kinder, können so am Wirtschaftsleben teilnehmen.

Darüber hinaus sind Transaktionen mit Bargeld anonym. Wenn Bargeld zum Bezahlen verwendet wird, dann sind Art und Umfang der zugrunde liegenden Transaktion für Dritte nicht nachvollziehbar. Dadurch können gläserne Bürgerinnen und Bürger vermieden werden, was unter Verbraucherschutzgesichtspunkten besonders zu begrüßen ist. Außerdem dienen Banknoten und Münzen nicht nur als Zahlungs-, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel. Dies ist vor allem in Zeiten erhöhter Unsicherheit von Bedeutung, in denen die Bevölkerung physisch greifbares Geld einer Notenbank halten möchte, statt Forderungen gegenüber einer Geschäftsbank zu haben. So war beispielsweise die Bargeldnachfrage während der Finanzkrise im Oktober 2008 stark gestiegen.

Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass Einschränkungen im Zahlungsverkehr nicht nur Gedankenspiele sind. Erinnern Sie sich an Ostern 2013 auf Zypern oder an die Situation in Griechenland im Sommer 2015. Zudem zeigen die vorliegenden Daten, dass neben der zunehmenden Nutzung des unbaren Zahlungsverkehrs auch der Bargeldumlauf kontinuierlich steigt. Ende Januar 2002 betrug der Euro-Banknotenumlauf circa 220 Mrd. Euro. Ende 2015 waren es fast 1.100 Mrd. Euro. Der Banknotenumlauf hat sich somit verfünffacht. 

3 Zahlungsverhalten in Deutschland

Es gibt also viele gute Gründe, weiterhin Bargeld zu verwenden. Doch wird Bargeld an der Ladenkasse überhaupt noch als Zahlungsmittel genutzt oder haben ihm die unbaren Bezahlmöglichkeiten schon den Rang abgelaufen? Um diese Entwicklungen im Zahlungsverkehr zu verfolgen, führt die Deutsche Bundesbank regelmäßig Studien zum Bezahlverhalten durch.

Gemäß unserer jüngsten Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland im Jahr 2014 werden mit 53 % über die Hälfte der Umsätze im Handel am so genannten Point-of-Sale bar beglichen. Mit Blick auf die Anzahl der Transaktionen fällt das Bild noch deutlicher aus. 79 % aller Transaktionen erfolgen bar, jedoch über die Jahre mit leicht sinkender Tendenz: Im Jahr 2008 waren es noch fast 83 %.

Bei den bargeldlosen Zahlungsinstrumenten greifen Verbraucherinnen und Verbraucher bevorzugt zur girocard – der früheren ec-Karte. Annähernd 30 % der erfassten Umsätze werden inzwischen damit bezahlt. Zum Vergleich: 2011 waren es noch rund 28 %. Der Anteil der girocard-Zahlungen an der Anzahl der getätigten Transaktionen steigt langsam, aber kontinuierlich.

Bei Zahlungen ab 50 Euro hat die girocard das Bargeld als beliebtestes Zahlungsmittel abgelöst.

Die regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen wie etwa für Miete, oder an die Stadtwerke oder Versicherungen werden in vielen Fällen per Lastschrift vom Konto abgebucht und wurden in der Studie Zahlungsverhalten nicht be­rücksichtigt.

Neuartige Bezahlverfahren, beispielsweise mit dem Smartphone, haben bisher zwar noch einen untergeordneten Stellenwert, könnten aber zukünftig eine breitere Verwendung finden. Insgesamt wächst das Angebot an bargeldlosen Zahlungsmitteln, die zudem an einer zunehmenden Anzahl an Verkaufsstellen akzeptiert und in einem langsam wachsenden Umfang von Verbrauchern verwendet werden.

Unsere Studie zeigt auch, dass für die Verbraucherinnen und Verbraucher die gleichen Motive für die Nutzung von Bargeld bzw. unbaren Zahlungsmitteln relevant sind. Die Zahlungen sollen einfach, sicher und schnell möglich sein.

Unsere drei bisher veröffentlichten Studien zeigen, dass im Umgang mit Zahlungsinstrumenten relativ stabile Präferenzen bestehen. Neben einem hohen Bargeldanteil ist es die girocard, die immer häufiger genutzt wird. Verhaltensänderungen im Zahlungsverhalten vollziehen sich – zumindest in Deutschland – eher evolutionär, weniger revolutionär.

4 Einschränkung des freien Bargeldverkehrs

Trotz dieser großen Bedeutung des Bargelds werden in Deutschland Ober­grenzen für Bargeldtransaktionen gefordert. In einigen Ländern des Euro-Raums gibt es bereits Höchstgrenzen für Barzahlungen und damit Einschränkungen zum Einsatz von Bargeld. Diese hat die Europäische Zentralbank regelmäßig für zulässig erachtet, sofern die Geldschulden mit anderen rechtlichen Mitteln beglichen werden können.

Begründet wird eine solche Deckelung für Barzahlungen mit der Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung und von Schwarzgeldgeschäften, Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Hohe Summen dürfen nur noch über nachvollziehbare Konto- und Bankverbindungen transferiert werden.

Diese Ziele sind prinzipiell zu unterstützen. Allerdings bezweifle ich, ob Terroristen oder Kriminelle wirklich an illegalen Handlungen gehindert werden, weil es eine Bargeldobergrenze gibt.

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Friedrich Schneider von der Universität Linz, der intensiv den Bereich der Schattenwirtschaft analysiert, ist gegenüber der Wirksamkeit von Barzahlungsobergrenzen skeptisch. Das Verbot großer Banknotenstückelungen oder hoher Bartransaktionen habe "allenfalls minimale Effekte auf Schwarzarbeit oder Kriminalität". Dies sei eine Scheinlösung erklärte er.

Aus Sicht der Deutschen Bundesbank sollten Barzahlungsbeschränkungen, die nicht zuletzt alle Bürgerinnen und Bürger betreffen, fundiert untersucht und begründet werden. Es lassen sich aber zurzeit keine überzeugenden Argumente für die Einführung einer Barzahlungsbeschränkung in Deutschland erkennen.

In Deutschland unterwirft bereits heute das Geldwäschegesetz Händler und andere Akteure bestimmten Sorgfaltspflichten, wenn hochpreisige Güter mit Bargeld erworben werden.

Viele Bürger haben auch beim Kauf von wertvollen Waren ein legitimes Interesse an informationeller Selbstbestimmung. Eine Obergrenze für Barzahlungen wäre ein Schritt hin zu einer umfassenden Kontrolle der Bevölkerung.

Zusammenfassend betrachtet bedeutet die Einführung einer Barzahlungs­obergrenze eine Einschränkung für die Bürgerinnen und Bürger beim Bezahlen ihrer legitimen Transaktionen. Ob die Ziele mit der Einführung der Obergrenze erreicht werden, ist dagegen völlig unklar. Hier fehlt es bislang an einer wissenschaftlichen, fundierten Evaluierung der Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden.

Neben der Barzahlungsobergrenze wird auch die mögliche Abschaffung der 500-Euro-Banknote damit begründet, Terrorismusfinanzierung oder Geld­wäsche eindämmen zu wollen. Auch hier ist anzuzweifeln, ob kriminelle Handlungen dadurch unterbleiben oder eingeschränkt werden.

Der EZB-Rat hat in dieser Angelegenheit bis jetzt noch keine Entscheidung getroffen. Die damit verbundenen Konsequenzen werden zurzeit fachlich untersucht. Bei einem Ausgabestopp der 500-Euro Banknote werden aber deutliche Kosten entstehen. Alternativen zu den Banknoten wären zum Beispiel künstlich geschaffene Kryptowährungen wie die digitale Währung Bitcoin. Dies eignet sich sowohl für illegale Transaktionen als auch für Geldwäsche.

Obwohl die Bedeutung des unbaren Zahlungsverkehrs zunimmt, gibt es eine ungebrochene Nachfrage nach Bargeld. Der Banknotenumlauf stieg in den vergangenen drei Jahren um 6 % pro Jahr.

Zudem kann die Bedeutung des freien Bargeldverkehrs gar nicht überschätzt werden: Bargeld schützt die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger. Es kommt ohne technische Hilfsmittel aus, ermöglicht eine gute Ausgaben­kontrolle und lässt sämtliche Bevölkerungs- und Personenkreise am Wirtschaftsleben teilnehmen. Weiterhin ermöglicht Bargeld eine Vertrags­erfüllung Zug-um-Zug und dient als beliebtes Wertaufbewahrungsmittel.

Aus diesen Gründen ist der Euro als Bargeld in der Bevölkerung fest etabliert und steht für das Vertrauen in die gemeinsame Währung.

5 Entwicklungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr

Das elektronische Pendant zum einheitlichen Bargeld in der Eurozone sollte mit der Verwirklichung des SEPA-Raumes im Jahr 2014 geschaffen werden. Dank SEPA können Privatpersonen und Unternehmen Überweisungen und Lastschriften in Euro über 34 Ländergrenzen hinweg bequem, schnell und preiswert vornehmen. Mit SEPA ist ein gemeinsamer europäischer Markt für unbare Zahlungsdienste mit mehr Wettbewerb und mehr Effizienz entstanden.

Die Überwindung der nationalen Grenzen bei bargeldlosen Zahlungen mit dem Euro im gemeinsamen Währungsgebiet war mehr als überfällig, insbesondere wenn man sich die zunehmende Bedeutung des grundsätzlich nicht standortgebundenen Onlinehandels vor Augen führt.

Für die meisten von uns macht sich die Einführung von SEPA vor allem am Übergang auf die IBAN fest. Wer weiß, vielleicht werden wir als Verbraucher in Zukunft die IBAN kaum noch benötigen, wenn wir Geld von A nach B senden wollen? Vielleicht nutzen wir einfach die Handynummer oder E-Mail-Adresse als Referenz?

Schon heute gibt es Lösungen, die einem das Abtippen der IBAN abnehmen. So gibt es Programme und Apps, mit denen Sie Rechnungen und Überweisungsträger einfach abfotografieren können, um diese Daten automatisch in Ihre Onlinebanking-Anwendung zu übertragen. Es gibt schon Rechnungen, auf denen ein sogenannter QR-Code aufgedruckt ist. Das ist eine zweidimensionale, quadratische Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten, eine Art Strichcode. In diesem sind alle Angaben gespeichert, die für die Überweisung erforderlich sind.

Sie sehen, langsam bewegen wir uns in innovativere Gefilde. Dazu gleich mehr. Gestatten Sie mir vorher noch eine kurze Bemerkung zum einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum SEPA: Wir haben zwar für Überweisungen und Lastschriften gemeinsame Instrumente für Euro-Zahlungen. Aber dies deckt nur einen Teil des bargeldlosen Zahlungs­verkehrs ab.

Bis heute gibt es keine europäische Lösung für Kartenzahlungen. Entweder wurde das nationale Kartensystem weitergeführt, oder gleich durch eines der großen internationalen Anbieter ersetzt. So lässt sich beispielsweise eine girocard nur dank des Co-Brandings mit einem internationalen Anbieter wie zum Beispiel MasterCard und Visa in Ungarn oder Portugal einsetzen.

Außerdem hat sich der Markt seit den ersten Überlegungen zu SEPA rasant weiter entwickelt. Zahlungen werden auch auf andere Art ausgelöst, nicht nur als Überweisung und Lastschrift oder als klassische Kartenzahlung. Wobei ich mit "klassisch" das Einstecken der Karte in das Terminal des Händlers meine – im Gegensatz zur kontaktlosen Zahlung, bei der die Karte – oder sogar nur das Smartphone – nah am Terminal vorbei geführt wird.

Wie oft haben Sie schon auf diese Weise bezahlt? Vermutlich nicht allzu häufig. Und damit sind Sie zurzeit kaum in der Minderheit – zumindest nicht in Hachenburg und dem restlichen Teil Deutschlands.

In unserer jüngsten Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland stellten wir fest, dass von den 19.247 erfassten Zahlungen lediglich 14 kontaktlos mit der Karte und nur fünf mit dem Mobiltelefon ausgeführt wurden. In den zwei zuvor durchgeführten Studien von 2011 und 2008 gab noch niemand an, eine dieser Zahlungsmethoden benutzt zu haben.

Selbst klassische Kartenzahlungen könnten hierzulande weiter verbreitet sein. Obwohl man in Deutschland mit der girocard seit dem Jahr 1990 direkt an der Kasse zahlen kann, wurde nur jede siebte Zahlung damit ausgeführt. Die girocard ist das mit Abstand beliebteste bargeldlose Zahlungsinstrument für die alltäglichen Ausgaben. Kreditkarten hingegen wurden nur für 1 % der Zahlungen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Einkäufe wird weiterhin mit Hilfe von Münzen oder Banknoten getätigt.

In anderen Ländern wird deutlich weniger Bargeld eingesetzt. In Schweden und Dänemark werden nur noch 26 % bzw. 35 % der Zahlungen in bar ausgeführt. Sogar die Stockholmer Obdachlosenzeitung, die Spende in der Kirche oder die Tasse Kaffee in Kopenhagen lassen sich mit der Karte oder sogar dem Smartphone bezahlen.

Man muss darauf hinweisen, dass es sich bei den bar gezahlten Beträgen in der Regel um niedrigere handelt als bei den unbar gezahlten. Da gerade kontaktlose Kartenzahlungen und Mobilfunkzahlungen für kleine Beträge recht komfortabel erscheinen, könnten Verbraucher in Zukunft vermehrt zum Handy greifen, statt zu Münzen und Papier.

Ich möchte kurz die physische Einkaufswelt verlassen und einen Blick auf den Onlinehandel werfen. Dieser gewinnt stetig an Bedeutung – laut einer Erhebung des HDE wuchs der Umsatz im E-Commerce in Deutschland seit dem Jahr 2005 jährlich um 12 % auf nunmehr fast 44 Mrd. Euro.

Hier müssen erfolgreiche Zahlungsmittel zum Teil ganz anderen Kriterien genügen als im klassischen Ladengeschäft. Denn der Warenaustausch und die Zahlung muss zwischen zwei sich gegenseitig nur virtuell Bekannten organisiert werden. Für diese neue Einkaufssituation im virtuellen Raum haben sich schon vor vielen Jahren spezialisierte Zahlungsdienste bzw. Internetbezahlverfahren etabliert. In der Regel setzen diese Dienste auf die "klassischen" Instrumente Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung auf. Sie sorgen für eine reibungslose Integration der Zahlung in den Kaufprozess und gewährleisten, dass der Zahlungsempfänger sich der Zahlung sicher sein kann, und die Ware umgehend versendet.

Was denken Sie, welche dieser Zahlungsmethoden werden im E-Commerce besonders gern genutzt?

Wie sie hier sehen können, werden die speziellen Internetbezahlverfahren immer beliebter. Gegenüber "klassischen" Zahlungsinstrumenten wie der Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung haben sie kräftig aufgeholt. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Anzahl derer, die diese Zahlungsmethoden nutzen, nahezu verdoppelt. Mehr als die Hälfte der von der Bundesbank Befragten gab im Jahr 2014 an, Internetbezahlverfahren zu nutzen. Die laut der Studie am häufigsten eingesetzten sind PayPal, SOFORT Überweisung und giropay.

PayPal wurde bereits im Jahr 1998 gegründet, SOFORT Überweisung und giropay können seit 2005 genutzt werden. Das ist so lange her, dass noch niemand an den Begriff FinTech dachte. Der Begriff setzt sich zusammen aus Finanzdienstleistungen und Technologie. Als FinTechs werden demnach Technologieunternehmen bezeichnet, häufig Start-ups, aber auch bekannte Technologiegiganten, die sich der neuen digitalen Möglichkeiten bedienen, um Finanzdienstleistungen anzubieten. Deren Angebote gehen häufig weit über die Ihnen sicherlich bekannten Banking-Apps hinaus, mit der Sie Ihren Kontostand abrufen und Überweisungen tätigen können. Dreh- und Angelpunkt ist oft das Smartphone.

Damit sind wir schon mittendrin in der Zukunft des bargeldlosen Bezahlens. Doch lassen Sie mich das Thema systematischer beleuchten. Welche Faktoren beeinflussen den Zahlungsverkehr der Zukunft und welche Trends zeichnen sich ab?

Entscheidende Voraussetzung für den Wandel im Zahlungsverkehr sind die neuen technischen Möglichkeiten, die Einflüsse auf die Bedürfnisse der Verbraucher und Händler haben. Vier wesentliche Trends lassen sich erkennen:

Erstens: Ein Smartphone ersetzt Fotoapparat, Videokamera, MP3-Player, Uhr, Notizbuch, Kalender, Stadtplan und noch vieles mehr.

In Kombination mit dem Internet wird es sogar zum mobilen Büro oder macht das Auto zur mobilen Kommunikationszone. Wieso sollte es nicht das Portemonnaie ersetzen und dabei helfen, unbare Zahlungen mit Karte, Überweisung oder Lastschrift nutzerfreundlicher zu machen?

Zweitens: Dienstleistungen im Zahlungsverkehr müssen nicht mehr zwingend von "klassischen" Banken angeboten werden. Mit den sogenannten FinTechs wird die Anbieterseite des Zahlungsmarktes vielseitiger und die Wettbewerbsintensität steigt.

Drittens: Alles wird schneller, auch der Zahlungsverkehr. Instant Payments lautet das neue Stichwort. Bislang vergeht zwischen der Kontobelastung beim Zahler und der Gutschrift beim Empfänger oft ein ganzer Tag. Das ist sicherlich sehr viel besser als noch vor einigen Jahren als dieses teilweise fünf Tage dauerte. Künftig soll der Empfänger am besten sofort über den Geldbetrag verfügen können, sobald die Zahlung initiiert wurde.

Viertens: Distributed-Ledger-Technologie, oftmals Blockchain genannt, wird derzeit als "the next big thing" in der Finanzwirtschaft gehandelt. Bisher spielte es vor allem eine Rolle als technische Grundlage für die virtuelle Währung Bitcoin. Doch nun findet man kaum noch Anbieter in der Finanz­branche, die sich nicht mit den Möglichkeiten dieser neuen Technologie auseinandersetzen. Die Technologie hat möglicherweise das Potenzial, die Grundlagen des Zahlungsverkehrs und anderer Geschäftsfelder komplett zu verändern. Auch die Bundesbank setzt sich damit auseinander.

6 Neue Zahlungsmethoden

Eigentlich möchte niemand gerne bezahlen. Einkaufen gerne; aber die Vorfreude auf das Bezahlen dürfte sich bei den meisten in Grenzen halten. Es bricht niemand in Jubelstürme aus, wenn das Bezahlen einfach, sicher, schnell und kostengünstig vonstatten gegangen ist. Dies ist vielmehr eine Grundanforderung an das Bezahlen. Genau diese Anforderungen stellen alle Teilnehmer unserer Studie an Bezahlmethoden, ganz gleich, ob passionierte Barzahler oder überzeugte Barzahlungsvermeider.

Der Anspruch an die vier genannten Eigen­schaften wächst mit der Zeit, gefördert durch Komfort und Geschwindigkeit, den Verbraucher aus anderen Lebensbereichen gewohnt sind.

Viele Geschäfte des Alltags lassen sich im Internet erledigen: Verträge abschließen, Reisen buchen, Bücher oder wissenschaftliche Artikel lesen, Seminararbeiten recherchieren, Musik hören, Bilder teilen und anderes mehr. Alle Angebote haben vor allem eines gemeinsam: Sie sind im Prinzip immer verfügbar: 24/7/365, also an 24 Stunden am Tag, an jedem Tag der Woche, das ganze Jahr hindurch.

Und sie sind dank Smartphones und Tablets überall verfügbar: Denken Sie einfach daran, wie leicht es ist, mit weit entfernt lebenden Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, wie schnell Sie über eine App oder im Internet eine Ware oder Dienstleistung bestellen können.

Durch diese Entwicklungen erwarten Verbraucher, dass das Bezahlen noch schneller und einfacher werden soll. Folgerichtig versuchen Anbieter von Zahlungslösungen, den Zahlvorgang enger mit dem Einkauf zu verknüpfen. Das Begleichen der Rechnung muss nicht mehr unbedingt ein eigenständiger Prozess bleiben. Ein weiterer Klick oder Fingerdruck kann ausreichen, um den Einkauf und damit einhergehend die Zahlung abzuschließen.

Für den Handel hat dies unter anderem den Vorteil, dass weniger Einkäufe im Internet oder per App abgebrochen werden. Für die Kunden scheint dieser Weg komfortabler und effizienter, was die steigende Beliebtheit neuer Zahlverfahren zeigt.

Trotz aller Leichtigkeit und Schnelligkeit wollen Verbraucher keine Abstriche bei der Sicherheit machen müssen. Beim Bezahlen setzen neue Technologien daher vor allem an der Schnittstelle zwischen Kunden und Händlern an.

Dabei besteht grundsätzlich ein Henne-Ei-Problem. Für die Konsumenten ist eine neue Zahlungsmethode erst interessant, wenn diese von den Zahlungsempfängern vor allem im Handel akzeptiert wird. Aus Sicht der Zahlungsempfänger ist es umgekehrt. An dieser Hürde sind schon viele Innovationen in der Vergangenheit gescheitert.

Welche neuen Zahlungsmethoden können aktuell für das Bezahlen on- und offline genutzt werden?

Es lassen sich drei Bereiche mit Innovationen erkennen: Onlinehandel, stationärer Handel und sogenannte P2P-Zahlungen, "P2P" steht dabei als Kürzel für "Person-to-Person". Über verschiedene Kanäle hinweg scheinen sich Smartphone-Apps zu etablieren, die in verschiedenen Einkaufs- bzw. Bezahlsituationen nutzbar sind.

Eine der jüngsten Entwicklungen für das Bezahlen im E-Commerce ist paydirekt. Mit paydirekt reagiert die Deutsche Kreditwirtschaft auf die hohe Nachfrage nach speziellen Bezahllösungen für den Onlinehandel und versucht zusätzlichen Wettbewerbern zu begegnen. Die Erfolgsvor­aussetzungen sind im Prinzip gut. Für die Kunden ist das Verfahren attraktiv, da es verspricht, sicherer als andere zu sein. Paydirekt ist ein kreditwirtschaftliches Verfahren. Banken und Sparkassen unterliegen der Bankenaufsicht.

Die Zahlung wird direkt vom eigenen Konto aus beglichen – ohne externe Zwischendienstleister, die Daten über das Kundenverhalten sammeln. Für den Handel könnte paydirekt dann attraktiv sein, wenn die Konditionen günstiger sind als die der Konkurrenz. Bei ihrem Bemühen um die Einführung von paydirekt erfreut sich die Deutsche Kreditwirtschaft zurzeit einer großen Aufmerksamkeit in den Medien. Jeder ihrer Schritte wird skeptisch beäugt, denn sie kommt spät mit ihren Aktivitäten, und immer wieder kommen Unstimmigkeiten zwischen den Beteiligten zum Vorschein. Mir ist es wichtig zu betonen, dass die deutschen Banken und Sparkassen in diesem Geschäftsfeld ihre Kräfte bündeln und sich konsequent für ein Projekt entscheiden sollten. Sicherlich ist am Markt genug Platz für mehrere Verfahren. Aber eine breite Akzeptanz vor allem im Handel ist eine wichtige Erfolgsvoraussetzung im Zahlungsverkehr. Der weitere Ausbau nicht gemeinsamer Verfahren [z.B. giropay] könnte daher vom Handel missverstanden werden. Der Handel wäre sicher dankbar für ein starkes Signal, auf welche Zahlungsmethoden er setzen kann, ohne alle paar Monate umschwenken zu müssen.

Im stationären Handel zeichnet sich in Deutschland ein Trend zu Kontaktloszahlungen ab, die auf Near Field Communication-Technologie aufsetzen. Der NFC-Chip in Ihrer Karte oder Ihrem Mobiltelefon ist in der Lage, über eine Entfernung von wenigen Zentimetern ein Funksignal beispielsweise an ein Händlerterminal zu senden und die für die Zahlung notwendigen Informationen zu übertragen.

Dabei können kleinere Beträge bis zu 25 Euro ohne PIN-Eingabe bezahlt werden. Erst darüber hinaus wird eine PIN-Eingabe erforderlich. Kunden und Händler profitieren von dem erheblichen Zeitgewinn an der Kasse. Ein Bezahlvorgang dauert nur noch wenige Sekunden und verläuft völlig reibungslos für beide Seiten.

Bisher bieten vor allem die großen internationalen Kartensystemen MasterCard und Visa Kontaktloskarten an. Aber auch die girocard wird seit Kurzem von einigen Banken und Sparkassen mit NFC-Technologie ausgegeben. Dies könnte ein wichtiger Schritt sein, um das kontaktlose Bezahlen in Deutschland beliebter zu machen. Denn fast jeder besitzt eine girocard. Darüber hinaus haben seit einiger Zeit auch viele Handyhersteller ihre Telefone mit einem NFC-Chip ausgestattet, der die Kartenfunktion übernehmen kann.

Auch die Händlerseite hat nachgerüstet. Immer mehr Ladengeschäfte akzeptieren kontaktlose Zahlungen. Auch im öffentlichen Nahverkehr, in Drogerien, an Tankstellen, in Supermärkten oder in Taxis sind zunehmend NFC-fähige Terminals zu finden. Für die Bezahlterminals macht es keinen Unterschied, ob Sie die Plastikarte in der Hand halten, oder ob Ihre Zahlungskarte nur virtuell in einer sogenannten Wallet im NFC-fähigen Smartphone liegt.

Könnte somit das Henne-Ei-Problem des Zahlungsverkehrs bei kontaktlosen Zahlungen bald der Vergangenheit angehören? Zumindest hinsichtlich der Ausstattung mit der notwendigen Technik sind wir auf einem guten Weg. Wenn die Deutsche Kreditwirtschaft in diesem Fall an einem Strang zieht, würden die Voraussetzungen noch besser.

Dass Verbraucher in größerem Umfang verstärkt kontaktlos bezahlen werden, ist noch nicht sicher. Kreditwirtschaft und Einzelhandel sollten ihr Personal und ihre Kunden entsprechend schulen bzw. informieren. Dabei gilt es, den Verbrauchern die Angst vor dem kontaktlosen Bezahlen zu nehmen. Und da ist oftmals nicht die objektive Sicherheit eines Produkts oder eines Bezahlverfahrens entscheidend – die beim kontaktlosen Bezahlen sehr hoch ist –, sondern die subjektiv gefühlte Sicherheit.

Einen Punkt halte ich für besonders wichtig: Es muss sichergestellt sein, dass Nutzern von der kontaktlosen Karte nicht unbemerkt das Geld aus der Tasche gezogen werden kann. Dazu muss einem der "virtuelle Langfinger" zwar schon reichlich nahe kommen, aber völlig ausschließen kann man dieses Risiko nicht. Doch dieses Risiko lässt sich minimieren: Am elegantesten sicherlich mit Hilfe der Risikosicherungssysteme der Banken. Für besonders Vorsichtige könnte der Markt Hüllen für Kontaktloskarten aus Aluminium oder anderen abschirmenden Materialien anbieten.

Der dritte Entwicklungsbereich des Bezahlens spielt sich im persönlichen Umfeld ab, bei sogenannten P2P-Zahlungen, also "Person-to-Person". So könnte das Taschengeld in Sekundenschnelle von Smartphone zu Smartphone übertragen, Spenden mittels QR-Code angewiesen oder Rechnungen im Restaurant per App geteilt und beglichen werden. Auch der Gebrauchtwagenhandel zwischen Privatpersonen bietet einen Rahmen, in dem sich beide Seiten solche Zahlungsmethoden wünschen.

Die Abgrenzung zwischen den drei genannten Anwendungsgebieten stationärer Handel, Onlinehandel und P2P-Zahlungen ist jedoch bei den wenigsten Angeboten trennscharf. Sie wissen sicher, dass verschiedene Dienste in unterschiedlichen Zahlungssituationen eingesetzt werden können – ob Person-to-Person, im Onlineshop oder per App an der Ladenkasse. Händler setzen zunehmend auf eine Omnikanal-Strategie. Sie möchten das "Einkaufserlebnis" für den Kunden über alle Vertriebswege hinweg harmonisieren und integrieren.

Dazu gehören eben auch die angebotenen Zahlungsmethoden. Zunehmend lässt sich beobachten, wie Internet- oder App-Bezahlverfahren im stationären Handel genutzt werden können.

Diese Entwicklung ist wichtig und folgerichtig. Denn der Kunde möchte so einfach, sicher und schnell wie möglich überall zahlen können.

7 Echtzeitzahlungen als Grundlage neuer Zahlungsdienste

Die wachsende Bedeutung der Geschwindigkeit beim Bezahlen habe ich bereits erwähnt. In Europa wird jetzt der nächste Schritt gemacht: Es soll pan-europäische Massenzahlungen in Echtzeit geben.

"Warum ist das nötig?" werden einige von Ihnen fragen. Denn gerade wir Älteren sind damit aufgewachsen, dass die Übertragung von Geld etwas länger dauern kann. Durch eine gesetzliche Regelung, die mit SEPA umgesetzt wurde, besteht inzwischen eine Frist von maximal einem Geschäftstag, die eine bargeldlose Zahlung in Euro zur Übertragung dauern darf. Doch wir erleben in unserem Alltag laufend Kommunikation in annähernder Echtzeit, sei es per E-Mail oder per WhatsApp. Bei unseren Kindern – und vielleicht auch bei Ihnen, liebe Studierende – nimmt das Verständnis immer weiter ab, warum eine Geldübertragung nicht in Echtzeit möglich ist.

Vor diesem Hintergrund verändert sich die Nachfrage nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. In einigen europäischen Ländern hat die Kreditwirtschaft schon reagiert. Sogenannte Instant-Payment-Systeme sind in einigen europäischen Nicht-Euro-Ländern schon im Einsatz: Schweden, Dänemark, Polen und Großbritannien sind zu nennen.

Mit solchen Instant Payment Systemen steht innerhalb weniger Sekunden die gesendete Summe dem Empfänger zur Verfügung: 24/7/365. Das ist das ganze Jahr über möglich, jeden Tag rund um die Uhr.

Echtzeitabwicklung, die angesichts von E-Mail und WhatsApp aus Konsumentensicht so einfach und selbstverständlich erscheint, verursacht für die Kreditwirtschaft im Massenzahlungsverkehr einen großen Abstimmungs- und Investitionsaufwand, der die Einführung vor mehrere Herausforderungen stellt.

Die erste Herausforderung besteht in der Massentauglichkeit der Nutzung. Technisch sind Echtzeitzahlungen heute schon möglich, aber sie laufen dann über andere Systeme. Dazu gibt es das von den Zentralbanken in Europa angebotene System Target2. Es basiert auf der Abwicklung von Einzeltransaktionen und ist für geringere Stückzahlen ausgelegt – zumindest im Vergleich zum Massenzahlungsverkehr.

Sie sehen hier die unterschiedlichen Volumina im Jahr 2015 in Deutschland: Im Massenzahlungsverkehr sind es über knapp 15 Millionen Zahlungen pro Arbeitstag, die wir allein über die Systeme der Bundesbank abwickeln, im Individualzahlungsverkehr dagegen sind es mit etwa 172.000 Transaktionen pro Tag nur ein gutes Hundertstel. Allerdings sind es deutlich höhere Werte, die pro Tag abgewickelt werden.

Denn Target2 wird nur für die Abwicklung von geldpolitischen Geschäften, Großbetragszahlungen zwischen Banken und nur im Ausnahmefall für Zahlungen von Verbrauchern genutzt. Wenn Sie als Kunde einer Bank ausdrücklich eine Eilzahlung möchten, wird Ihnen die Bank dies als Target2-Zahlung anbieten können und entsprechend in Rechnung stellen.

Wenn wir von Instant Payments sprechen, soll es um Echtzeitzahlungen für alltägliche Transaktionen gehen, die letztlich dazu führen, dass vielfach dort bargeldlos gezahlt wird, wo heute Münzen und Banknoten genutzt werden. Das wäre der Zahlungsverkehr zwischen Privatpersonen, also P2P. Es könnte sich auch auf die Bereiche P2B (z.B. Verbraucherkunde zahlt an der Ladenkasse), auf B2B (z.B. Autohändler zahlt an Autohersteller) oder P2G – Person to Government (z.B. Steuerpflichtiger zahlt Steuern ans Finanzamt) ausdehnen.

Eine zweite Herausforderung ist ein bequemer Zugangskanal zu Instant Payments. Es ist offensichtlich, dass Instant Payments nur dann ihren Charme voll entfalten können, wenn sich eine solche Zahlung jederzeit mit dem Smartphone erledigen lässt. Am heimischen PC im Online-Banking, mit IBAN-Nummer und mit Flickr-Code etc., ist das Anwendungsfeld durchaus eingeschränkt. Würde aber die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ausreichen, um den Empfänger zu adressieren, stiege die Nutzung deutlich.

Dazu müssten in einer Datenbank die Konto- oder Kartennummer mit der Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse verknüpft werden. Aufbauend auf dem neuen Standard für Echtzeitzahlungen könnten weitere Dienste entwickelt werden, die sich beispielsweise auf die Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen oder zwischen Unternehmen spezialisieren.

Eine dritte Herausforderung kommt hinzu: Der Zahlungsverkehr in Euro spielt sich im Euro-Raum ab. Als Deutsche Bundesbank – als die Zentralbank der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum – schlagen wir vor, von Anfang an einen europäischen Ansatz zu verfolgen. Die Einführung von Instant Payments sollte gar nicht erst mit nationalen Lösungen anfangen.

In Fortsetzung der SEPA-Harmonisierung soll ein pan-europäischer Markt für Echtzeitzahlungen entstehen. Die Kreditwirtschaft erarbeitet zurzeit ein Regelwerk für Instant Payments auf Basis der SEPA-Überweisung. Der Entwurf hierzu steht seit dem 12. April 2016 zur Konsultation zur Verfügung. Banken haben im November dieses Jahres die Möglichkeit sich dem Regelwerk anzuschließen, das den einheitlichen europäischen Standard für Echtzeitzahlungen abdeckt. Ab November des Jahres 2017 können Echtzeitzahlungen von Banken angeboten werden.

Ob Kreditinstitute mit ihrer Unterschrift erklären werden, dass sie das Regelwerk anerkennen und auf dieser Basis aktive Angebote machen werden, ist noch offen. Von der deutschen Kreditwirtschaft habe ich bisher eher verhaltene Äußerungen gehört.

Die deutschen Kreditinstitute haben inzwischen verstanden, dass der Druck hoch ist, vor allem den "Digital Natives" neue, echtzeitbasierte Lösungen anbieten zu können. Offen ist, mit welcher Lösung undin welcher Konstellation ihnen dies gelingen wird.

8 Neue Anbieter im Zahlungsverkehrsmarkt

Meine Damen und Herren, die vielen Beispiele für neue Zahlungsdienste zeigen noch etwas: Um Zahlungen zu initiieren, müssen Kunden nicht mehr zwingend direkt Kontakt zu einer Bank oder Sparkasse aufnehmen.

FinTechs haben in den vergangenen zwei Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dies hat mehrere Gründe. Die Erfahrungen mit dem Smartphone als dem wichtigsten Informations- und Kommunikationsmedium werden als positiv empfunden. Dass mit einem Smartphone auch telefoniert oder ins Internet gegangen werden kann, wird fast zur Nebensache. Auch Bankgeschäfte möchten Verbraucher schnell und sicher mit dem Smartphone erledigen können. Die Angebote von FinTechs bedienen die sich ändernden Kundenbedürfnisse, auch wenn sich die Unternehmen bei der Bevölkerung noch eine breite Vertrauensbasis erarbeiten müssen.

Sie sehen hier, wie eine Zahlung mit den bekannten Zahlungsinstrumenten abläuft und wer daran beteiligt ist. Die Anbieter der zuvor beschriebenen neuen Zahlungsmöglichkeiten stellen sich zwischen Zahler, Zahlungs­empfänger und deren Finanzdienstleister bzw. Kreditinstitute. Die eigentliche Zahlung wird über das Konto oder eine Kreditkarte abgewickelt, aber dieser Vorgang rückt für die Kunden zunehmend in den Hintergrund.

Insgesamt ergeben sich aus den hier aufgezeigten Entwicklungen zwei wesentliche Herausforderungen. Zum einen die Gefahr einer weitgehenden Disintermediation: Die wichtige markenbildende Schnittstelle zum Kunden verändert sich. Gerade junge Leute suchen für Bankdienste nicht zwingend eine Filiale auf. Digitale Auftritte und nutzerfreundliche Angebote für die technikaffine, jüngere Generation werden daher immer wichtiger.

Zum anderen steigt mit der höheren Anzahl an Beteiligten die Komplexität der Zahlungsprozesse. Damit können größere Risiken für den Schutz der persönlichen Daten und der Sicherheit der Zahlungsinstrumente und ‑systeme verbunden sein – zumal wenn kein konsistenter regulatorischer Rahmen existiert.

Geht es um Disintermediation, so befinden wir uns zurzeit noch in der Anfangsphase. Die Marktanteile von FinTechs sind noch sehr gering. Sie sind fast alle noch weit entfernt von der kritischen Masse.

Auf der anderen Seite hat sie die Kreditwirtschaft, die sich einem schwierigen Umfeld gegenüber sieht – nicht nur wegen der niedrigen Zinsen, sondern auch aufgrund verschiedener regulatorischer Eingriffe. Im Kartengeschäft etwa hat die Deckelung der Interbankenentgelte für Ertragseinbußen gesorgt. Vor diesem Hintergrund sind zunehmende Kooperationen zwischen Fintechs und Banken wahrscheinlich.

Zusammenarbeit in unterschiedlichster Form dürfte ein möglicher Weg sein, um diesen beiden Heraus­forderungen zu begegnen und die Vorteile beider Welten und Kulturen zu kombinieren. FinTechs bringen agile Innovationsprozesse, Gespür für Kundenbedürfnisse und Flexibilität mit ein. Kreditinstitute haben eine breite Kundenbasis, weiterhin einen Vertrauensvorsprung gegenüber Technologieunternehmen, langjährige Erfahrung mit dem Betrieb und Schutz von Zahlungsverkehrsinfrastruktur sowie die nötige regulatorische Expertise. Sofern Kooperationen sich für alle Beteiligten lohnen, werden sie das sicherlich zukunftsträchtigste Modell sein.

Zu den FinTechs gehören auch die Internetgiganten wie Apple, Google und Facebook. Bisher ist aus deren Sicht der Zahlungsverkehr eher ein Nebenkriegsschauplatz, aber dies kann sich ändern. Dann muss sich die Branche auf starke Wettbewerber einstellen. So ist es Apple mit ApplePay schon gelungen, die Kontaktlos­zahlung mit dem Smartphone auf breiter Basis in den USA einzuführen.

Diese Lösung von Apple basiert letztlich auf der Nutzung von Kreditkarten, die von Banken herausgeben werden. Für die Banken heißt das, dass sie ihre Gewinnmargen mit einem weiteren Akteur teilen müssen.

Nicht zuletzt hat der europäische Gesetzgeber die Weichen für mehr Wettbewerb bereits gestellt. Die neue Zahlungsdiensterichtlinie, die bis Januar 2018 in nationales Recht umgesetzt sein muss, öffnet den Markt für FinTechs auf geordnete Art und Weise und reguliert auch bislang unregulierte Anbieter und Dienstleistungen. Hier geht es vor allem um die Neuregelung des Zugriffs auf Girokonten. Unter bestimmten Voraussetzungen und bei Zustimmung des Kunden muss das Kreditinstitut, bei dem das Konto geführt wird, einem dritten Zahlungsdienstleister die Information über eine ausreichende Kontodeckung liefern. Auf dieser Basis sollen bereits aktive und neue Anbieter in die Lage versetzt werden, innovative Zahlungsdienste anzubieten, aber auch die gleichen Regeln einzuhalten, wie die etablierten Akteure im Zahlungsverkehr.

9 Distributed Ledger: Kurzer Hype oder ein neues Zeitalter?

Am Ende meines Vortrags komme ich zu den technisch am weitesten fortgeschrittenen Angeboten im Zahlungsverkehr. Ich spreche von virtuellen Währungen, wovon die bekannteste sicherlich Bitcoin ist, die anonym herausgegeben wird und auf einer Technik beruht, die als Distributed-Ledger-Technologie oder auch Blockchain-Technologie von sich reden macht.

Bei Bitcoin etwa kommt für die Übertragung von Währungseinheiten ein sogenanntes "Ledger" zum Einsatz, ein Transaktionsregister. Dieses Transaktionsregister wird nicht zentral von einer einzigen Instanz verwaltet, sondern ist dezentral – distributed – bei den Nutzern abgelegt und für alle einsehbar. Bei Bitcoin handelt es sich um eine sogenannte "offene" Blockchain, in die jeder von überall Einblick haben kann.

Virtuelle Währungen, die auf solchen Blockchains beruhen, gelten inzwischen kaum noch als wirklich erfolgversprechend, weil sie hohen Wertschwankungen unterliegen. Die Diskussion dreht sich nun vor allem um geschlossene Blockchains, bei denen eine Zentraleinheit den Zugang kontrolliert. Das bedeutet, die Blockchain steht nur einem begrenzten Nutzerkreis zur Verfügung. Ein Beispiel ist das laufende R3-Projekt von mehr als drei Dutzend Großbanken, die in diesem Rahmen mögliche Anwendungsgebiete testen wollen.

Ferner löst sich die Blockchain-Entwicklung zunehmend von der Bindung an eine Kryptowährung und konzentriert sich auf die Anbindung zusätzlicher Funktionen. Denn mit der Blockchain lassen sich nicht nur Transaktionen verifizieren, sondern auch angehängte Programme ausführen. Die Nutzer programmieren dabei vordefinierte Prozesse. Deren Ablauf, zum Beispiel die Lieferung eines Wertpapieres, hängt vom faktischen Eintritt eines vorbestimmten Ereignisses ab, beispielsweise des Eingangs einer Zahlung, die auf der Blockchain dokumentiert wird.

Es lassen sich also selbst-erfüllende Verträge, sogenannte Smart Contracts via Blockchain nicht nur schließen, sondern auch umsetzen, ohne dass eine zentrale Einheit oder Institution eingreift.

Viele Marktakteure erforschen gerade die möglichen Einsatzgebiete der Blockchain-Technologie. Während sich die ersten Überlegungen und Anwendungen noch auf den Zahlungsverkehr bezogen, verlagert sich der Fokus zunehmend auf andere Bereiche. Zu nennen ist hier beispielsweise die Wertpapierabwicklung und -verwaltung. So haben einige begonnen, mit sogenannten "Smart Bonds" zu experimentieren. Diese sollen unter anderem Kouponzahlungen automatisch ausschütten können.

Im Vordergrund der Bemühungen steht die Entwicklung der Blockchain hin zu einer Basistechnologie, die Transaktionen zwischen Unternehmen erleichtern kann. Die Technik verspricht Kostenersparnis, Effizienzgewinne und die Verringerung von Risiken. So könnten durch die gemeinschaftliche Datenhaltung Kosten gespart werden, da Abstimmungsprozess automatisiert ablaufen und manuelle Datenabgleiche entfallen. Ferner würden Schnittstellen eliminiert und arbeitsteilige Prozesse automatisiert. Nicht zuletzt ließen sich Risiken eindämmen, indem Prozesse schneller verarbeitet und Verträge entsprechend eines Programmablaufs erfüllt und ausgeführt würden.

Es gibt Pilotprojekte und laufende Anwendungen, aber es scheint zu früh, um zu beurteilen, inwieweit die Erwartungen erfüllt werden können.

Die laufende Erprobungsphase zeigt, dass viele hochfliegende Projekte bisher noch nicht die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen können. Insgesamt sind meines Erachtens Blockchain-basierte Lösungen noch weit von einer Reife für den Massenmarkt entfernt.

Wir sollten zunächst die konkrete Leistungsfähigkeit dieser Techniken gründlich analysieren. Wieviel kosten Transaktionen mit "Distributed Ledger" im Unterschied etwa zum Korrespondenzbankgeschäft? Oder, wie lange dauert ihre Abwicklung? Und nicht zuletzt: Sind sie genauso sicher?

Die Deutsche Bundesbank beschäftigt sich eingehend mit dieser Technologie und beobachtet die Marktentwicklungen sehr genau. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass Sie sich nicht darum sorgen müssen, in Kürze nur noch mit digitalen Euro zahlen zu können. Die Blockchain-Technologie dürfte in den nächsten Jahren, wenn überhaupt, eher im "Maschinenraum" der Finanzwirtschaft ihren Platz finden. Der einzelne Verbraucher kommt damit wohl zunächst erst einmal nicht direkt in Berührung.

10 Fazit

Ich hoffe, ich konnte Ihnen verdeutlichen, warum zurzeit soviel über den Zahlungsverkehr zu hören ist. Inwieweit sich die skizzierten Entwicklungen schon im Zahlungsalltag der Menschen wiederfinden, werden wir im nächsten Jahr erneut genau ermitteln, wenn wir unsere vierte Studie zum Zahlungsverhalten neu auflegen.

Ich rechne zwar nicht mit ganz großen Veränderungen. Bargeld wird weiter wichtig bleiben. Eine andere Erwartung wäre unrealistisch. Cash bleibt vorerst weiter King. Aber die Nutzung von bargeldlosen Zahlungsmitteln dürfte weiter steigen – insbesondere wenn man bedenkt, dass viele Menschen ihre Einkäufe inzwischen weniger im Laden, sondern immer häufiger im Bus mit ihrem Smartphone oder zuhause mit ihrem Tablet-PC vornehmen.

Innovative Produkte im Zahlungsverkehr werden sich weiter verbreiten. Dabei sollte man übrigens nicht ausschließlich auf die jüngere Generation schauen. Auch die mittleren und höheren Altersgruppen schätzen die Vorteile eines Smartphones immer mehr. Viele FinTechs sind überrascht, wenn sie erfahren, wie alt ihre Kunden im Durchschnitt sind.

Diese neue Welt stellt die Kreditwirtschaft vor Herausforderungen. Lange Zeit hat sich im Zahlungsverkehr sehr wenig verändert. Nun zieht die Entwicklung plötzlich stark an. Ihnen meine Damen und Herren darf ich für die Aufmerksamkeit danken und Sie wie in London zu ersten "Tap and Go"-Versuchen hier vor Ort aufzufordern. Sie werden staunen, was in Hachenburg im Supermarkt und bei den großen Discountern schon möglich ist – fast wie in London.

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