Natur und Struktur. Bundesbank zeigt Werke aus ihrer Kunstsammlung in Chemnitz
Im Rahmen des Programms zur Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 zeigt die Deutsche Bundesbank vom 3. September bis zum 7. November die Ausstellung „Natur & Struktur. Aus der Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank“. In ihrer Filiale in Chemnitz können die Besucherinnen und Besucher rund 40 Kunstwerke aus der Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank sehen. Es handelt sich um Gemälde, Aquarelle und Collagen aus acht Jahrzehnten. Die Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler treten in der Ausstellung in überraschende Beziehungen zueinander. Gleichzeitig geben sie einen repräsentativen Einblick in die traditionsreiche Kunstsammlung der Bundesbank. Die Ausstellung wird am 2. September um 18 Uhr von Bundesbankpräsident Dr. Joachim Nagel eröffnet.
Das Konzept der Ausstellung „Natur & Struktur“ nimmt Ideen des renommierten Architekten Josep Lluís Mateo (*1949) auf. Er entwarf das Gebäude der Bundesbank-Filiale in Chemnitz, das 2004 fertiggestellt wurde. In seinem Entwurf bezieht sich Mateo auf die Besonderheiten der Region Chemnitz und setzt organische und anorganische Elemente in eine spannungsvolle Beziehung: Glas mit alabasterartigen Strukturen steht neben massivem Sandstein, Metall kontrastiert mit heimischem Holz. Mit dieser Gestaltung verweist er auch auf das Chemnitzer Naturdenkmal „Versteinerter Wald“.
Das Gebäude macht den Dialog zwischen Natur und konstruktiver Gestaltung sichtbar und genauso nehmen auch die ausgestellten Kunstwerke dieses Wechselspiel auf. Die Ausstellung gliedert sich in vier thematische Bereiche:
In einem ersten Teil geht es um „Blicke auf die Natur“: Landschaft als eigenständiges Bildmotiv ist eine eher junge Errungenschaft der Kunst. Die bekannten „Brücke“-Künstler Erich Heckel (1883‑1970) und Karl Schmidt-Rottluff (1884‑1976) erforschten das Atmosphärische in der Landschaftsdarstellung. Heckel arbeitete mit klaren Flächen und kräftigen Farben, Schmidt-Rottluff hingegen mit markanten Silhouetten und lichter Farbigkeit.
Den zweiten und dritten Abschnitt bestimmen die Themen „Architektonische Strukturen“ und „Häuser und Materialien“: Architektur ist mehr als Hülle und Funktion, sie spiegelt auch das Denken in Strukturen. Dieses Prinzip greifen bildende Künstlerinnen und Künstler auf. Isa Genzken (*1948) lässt sich von Hochhausfassaden inspirieren, doch sie dekonstruiert deren scheinbar perfekte Oberfläche. Thomas Scheibitz (*1968) untersucht die Entstehung von Räumen und verbindet geometrische Abstraktion mit figürlichen Bezügen. Bei Titus Schade (*1984) steht die sinnliche Präsenz von Materialien im Vordergrund. Er konstruiert aus Elementen der Baugeschichte irritierende, bühnenhafte Architekturen. Auch Henriette Grahnert (*1977) arbeitet mit Materialien und Oberflächen, die sie in ihrem Werk „Intrigant“ zu einer rätselhaften Figur zusammenfügt.
Ungegenständliche Kunst lebt wie Architektur von „Konstruktion und Ordnungen“. Hierum geht es im vierten Teil der Ausstellung. Esther Stocker (*1974) nutzt eine streng gerasterte Komposition in Schwarz und Grau, die von unregelmäßigen weißen Flächen durchbrochen wird. Die bewussten Abweichungen bringen Lebendigkeit und versetzen die geometrische Logik ins Flimmern. Carsten Nicolai (*1965), der wie Heckel und Schmidt-Rottluff direkte Bezüge zu Chemnitz hat, macht in seiner Serie „Milch“ naturwissenschaftliche Phänomene sichtbar. Klangfrequenzen werden zu sinnlich erfahrbaren Strukturen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotografien zur Architektur des Gebäudes. Die Arbeiten von Michael Moser (*1973) zeigen Außenansichten, Arbeitsbereiche sowie Innenräume.
Künstlerinnen und Künstler
Gerhard Altenbourg, Jan Brokof, Frauke Dannert, Isa Genzken, Hermann Glöckner, Henriette Grahnert, Eberhard Havekost, Erich Heckel, Per Kirkeby, Martin Mannig, Carsten Nicolai, Titus Schade, Sophia Schama, Thomas Scheibitz, Karl Schmidt-Rottluff, Heidi Specker, Esther Stocker, Hann Trier, Matthias Weischer, Claudia Wieser
Ausgewählte Bilder