Carney: Klimawandel als Chance für Finanzstabilität

Mark Carney

"Green Finance darf kein Nischenthema bleiben, wenn wir unsere Wirtschaft langfristig wieder auf einen stabilen Wachstumskurs zurückbringen wollen", ist Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, überzeugt. Grüne Investitionen seien gerade in der noch immer angespannten Lage auf den Finanzmärkten eine große Chance, um langfristig Stabilität und Wachstum zu sichern, sagte er in einer Rede im Rahmen der Arthur Burns Memorial Lecture in Berlin, die traditionell von der Bundesbank im Kooperation mit der Atlantik-Brücke ausgerichtet wird.

Der 51-jährige Kanadier ist einer der bekanntesten Experten, die das Thema Green Finance auf die finanzpolitische Agenda gebracht haben. "Es ist vor allem Ihnen zu verdanken, dass das Financial Stability Board sich mit den langfristigen ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels befasst", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann in seiner Begrüßung.

Gefahren für die Finanzstabilität

Carney, der im Juli 2013 das Amt des Gouverneurs der Bank of England übernommen hat, nannte drei Kanäle, durch die der Klimawandel auf die Finanzstabilität wirke. Der erste betreffe die physischen Risiken, die mit immer häufiger auftretenden und schwerer ausfallenden Klimaereignissen einhergehen. Die Versicherungsbrache sei bisher zwar gut aufgestellt. "Zukünftig dürfte es für die Versicherer aber zunehmend schwieriger werden, flächendeckenden Versicherungsschutz vor Klimakatastrophen zu gewährleisten, was letztlich auch das Finanzsystem mit höheren Risiken konfrontiert", so Carney.

Ein zweites Problem, dass nach Ansicht Carneys künftig wichtiger werden könnte, sind Schadensersatzforderungen von Verbrauchern, die durch den Klimawandel Verluste erlitten haben. "Schon jetzt wird immer öfter der Vorwurf laut, Unternehmen würden die Risiken des Klimawandels für ihr Geschäftsmodell nicht transparent machen und damit finanzielle Schäden ihrer Kunden in Kauf nehmen", sagte der Notenbankgouverneur.

Die dritte und seiner Meinung größte Gefahr für die Finanzstabilität sieht Carney in den Risiken, die durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Volkswirtschaft entstehen könnten. Wenn sich politische, technologische und physische Risiken ändern, könne dies zu einer Neubewertung vieler Vermögenswerte führen – mit ungeahnten Folgen für das Finanzsystem.

Mit Weitblick investieren

Carney sieht die Weltwirtschaft zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise gefangen in einer "Falle von geringem Wachstum und niedriger Inflation". Um dieser Falle zu entkommen, sind seines Erachtens vor allem strukturelle Reformen notwendig. Hier könne eine grüne Finanzwirtschaft ansetzen. Wichtig sei allerdings, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen und ressourceneffizienten Volkswirtschaft langsam und planbar geschehe. "Je mehr wir mit Weitblick investieren, desto weniger werden wir im Nachhinein bereuen", sagte Carney. Dadurch würde auch das Risiko für die Finanzstabilität minimiert.

Letztlich seien es aber nicht die Notenbanken, sondern die Regierungen, die den Rahmen für einen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Volkswirtschaft schaffen müssten, betonte Carney. Vor allem die G20, die zusammen für 85 Prozent aller Emissionen verantwortlich sind, sieht der Gouverneur in der Verantwortung.