Europa-Kulturtage: Glanzvoller Auftakt

Der letzte Ton von Schumanns "Rheinischer" war noch nicht verklungen, da mischten sich schon die ersten Klatscher in den Schlussakkord. Das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Marek Janowski hatte das prachtvolle Es-Dur-Werk des deutschen Romantikers mit viel Schwung und Leidenschaft interpretiert und insbesondere im lebhaften 5. Satz eine Verve an den Tag gelegt, die sich direkt aufs Publikum zu übertragen schien. Die Zuhörer waren entsprechend beeindruckt und würdigten diese Leistung mit lang anhaltendem Applaus.

Dirigent Marek Janowski

"In Zeiten, in denen die Stimmen der Skeptiker lauter sind als jene, die für Europa sprechen, ist es besonders wichtig zu zeigen, wofür Europa steht", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei einer Rede anlässlich des Eröffnungskonzerts der EUROPA-KULTURTAGE der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. "Und zwar für eine offene, dynamische, sich gegenseitig fördernde Kulturlandschaft", so Weidmann.

Im Zentrum der Auftaktveranstaltung in der Alten Oper in Frankfurt am Main stand zunächst die klassische Musik. So spielte das hr-Sinfonieorchester Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu Goethes Schauspiel "Egmont" und Robert Schumanns "Rheinische Sinfonie". Zudem begleitete das Orchester das international renommierte ATOS-Trio bei Beethovens Tripelkonzert. Unter dem Motto "facettenreiches Deutschland" finden nun bis zum 1. Dezember Konzerte, Lesungen und viele weitere Veranstaltungen statt, die die Bundesbank gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank ausrichtet. Das Programm solle den Besuchern einen Eindruck der deutschen Kultur vermitteln, sagte Weidmann beim Eröffnungsabend.

Wie facettenreich die Kultur hierzulande ist, zeigt das Programm nicht nur durch die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen, sondern auch durch sein breites Themenspektrum. "Unser Programm zeigt Künstler, die sich mit den wichtigsten Themen unserer Zeit auseinandersetzen", so Weidmann. Als Beispiel nannte er "Idomeneo" – diese Mozart-Oper wird am 3. und 4. November im Rahmen der Kulturtage von Musikern aus ganz Europa und Flüchtlingen gemeinsam aufgeführt und thematisiert Krieg, Flucht und den Verlust von Heimat und Angehörigen. Kulturelle Veranstaltungen erlaubten es, an die Idee der Europäischen Union zu erinnern. "Sie zeigen, dass wir in Vielfalt vereint sind", so der Bundesbankpräsident.

Dass sich die EUROPA-KULTURTAGE in Frankfurt am Main und der Region Rhein-Main abspielen, ist aus Sicht von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, besonders passend. "Frankfurt ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen", sagte er bei der gleichen Veranstaltung. Auch die Deutsche Bundesbank, die ihren Hauptsitz seit 1957 in Frankfurt am Main hat, fühle sich der Stadt und der Region sehr verbunden, sagte Weidmann.