Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main ©Robert Metsch / ECB

Europäischen Zentralbank aktualisiert geldpolitische Strategie

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Ergebnisse seiner jüngsten Strategieüberprüfung 2025 veröffentlicht und damit seine geldpolitische Strategie aktualisiert. Diese Überprüfung ist Teil der regelmäßigen Evaluierung, die der EZB-Rat nach der umfassenden Strategieüberprüfung in den Jahren 2020‑2021 eingeführt hat. Ziel ist es sicherzustellen, dass der geldpolitische Rahmen, das Instrumentarium und der strategische Ansatz der EZB auch in einem sich wandelnden wirtschaftlichen Umfeld zweckmäßig bleiben.

Hintergrund und Zielsetzung der Strategieüberprüfung

Die geldpolitische Strategie ermöglicht dem EZB-Rat, rechtzeitig auf wesentliche Veränderungen im Inflationsumfeld wirksam zu reagieren, um Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten. Zu diesen Veränderungen zählen geopolitische und wirtschaftliche Fragmentierung, der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz, der demografische Wandel sowie die Bedrohung der ökologischen Nachhaltigkeit. Diese Faktoren führen zu einem unsichereren und potenziell volatileren Inflationsumfeld, das stärkere Abweichungen vom symmetrischen 2-Prozent-Inflationsziel der EZB mit sich bringen könnte.

Kernelemente der aktualisierten Strategie

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hob hervor, dass die Überprüfung eine wertvolle Gelegenheit war, die bisherigen Denkmuster zu hinterfragen, das geldpolitische Instrumentarium zu prüfen und die Strategie an die aktuellen Herausforderungen anzupassen. 

Die wichtigsten Elemente der aktualisierten Strategie umfassen:

Symmetrisches Inflationsziel von 2 Prozent: Die EZB bleibt ihrem Ziel treu, eine Inflationsrate von 2 Prozent mittelfristig anzustreben. Dabei wird die Symmetrie des Ziels betont, was bedeutet, dass sowohl Abweichungen nach oben als auch nach unten mit gleicher Entschlossenheit bekämpft werden.

Die mittelfristige Orientierung ermöglicht eine flexible, den Umständen angemessene geldpolitische Reaktion. Ein zentraler Aspekt bei der Umsetzung der mittleren Frist bleibt die Verankerung der Inflationserwartungen. Das symmetrische Inflationsziel von 2 Prozent sowie der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) als Indikator zur Quantifizierung des Preisstabilitätsziels waren nicht Gegenstand der Prüfung, da sie sich nach Einschätzung des EZBR bewährt haben.

Die EZB betont, dass es in diesem Kontext entscheidend ist, auf starke und dauerhafte Abweichungen der Inflationsrate vom Zielwert – sowohl nach oben als auch nach unten – mit kraftvollen und gegebenenfalls lang anhaltenden geldpolitischen Maßnahmen zu reagieren. Dies soll dazu beitragen, eine Entankerung der Inflationserwartungen zu verhindern und die Preisstabilität langfristig zu sichern.

Flexibilität und Agilität: Die EZB behält alle derzeit verfügbaren geldpolitischen Instrumente wie Leitzinsen, Offenmarktgeschäfte, Mindestreservepolitik oder die Anleihekaufprogramme bei. Ihr Einsatz wird weiterhin einer umfassenden Verhältnismäßigkeitsprüfung unterzogen. Durch ausreichende Flexibilität bei der Wahl, Gestaltung und Umsetzung der Instrumente soll die EZB in der Lage sein, agil auf Veränderungen im Inflationsumfeld zu reagieren.

Berücksichtigung von Unsicherheiten und Risiken: Der EZB-Rat wird bei seinen geldpolitischen Entscheidungen nicht nur die Entwicklung der Inflation und der Wirtschaft berücksichtigen, sondern auch das Risikoumfeld und die herrschende Unsicherheit. Hierbei sollen Szenarien und Sensitivitätsanalysen eine wichtige Rolle spielen.