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Hochkonjunktur hält trotz vorübergehender Delle an

Zwei Arbeiter in einer Autofabrik

Hochkonjunktur hält trotz vorübergehender Delle an

19.11.2018

Die deutsche Wirtschaftsleistung hat sich im Sommer 2018 leicht verringert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Grund dafür sei vor allem ein starker temporärer Sondereffekt in der Automobilbranche gewesen, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Bei der Einführung eines EU-weiten Emissionstestverfahrens gab es erhebliche Probleme, die zu umfangreichen Produktionsausfällen geführt hätten. „Ungeachtet dieser vorübergehenden Sondereinflüsse dauert die Hochkonjunktur in Deutschland an“, schreiben die Expertinnen und Experten.

Einbruch der Kfz-Produktion

Durch den kräftigen Produktionsrückgang in der Kfz-Branche habe das verarbeitende Gewerbe entscheidend zu der schwachen Wirtschaftsleistung im Sommervierteljahr beigetragen, so die Bundesbank-Fachleute. Die Industrieproduktion verbuchte saisonbereinigt einen Rückgang um 1½ Prozent. Nach Bundesbank-Berechnungen könnte dies das BIP-Wachstum im dritten Vierteljahr schätzungsweise um 0,4 Prozentpunkte gedrückt haben. Negative Auswirkungen auf andere Branchen über Produktionsverflechtungen wurden dabei außer Acht gelassen. Die Produktion im Baugewerbe expandierte langsamer als im Frühjahr, wuchs mit ½ Prozent aber immer noch spürbar. Auch bei den Dienstleistungen ging es wohl leicht aufwärts.

Privater Konsum mit Dämpfer

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte gingen im dritten Quartal zurück. Dabei dürften die kräftig gestiegenen Preise für Energie die Konsumbereitschaft eingeschränkt haben. Der Einzelhandel setzte sogar weniger um als im Frühjahr. Vor allem die Umsätze im Handel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen seien stark zurückgegangen. Ein Grund dafür sei der extrem heiße und trockene Sommer gewesen, heißt es im Monatsbericht.

Das neue Emissionstestverfahren beeinträchtigte wohl den Handel mit Kraftwagen, da es zu Lieferschwierigkeiten und einer höheren Kfz-Steuerbelastung führte. Auch die Diskussion um Fahrverbote für Kraftfahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß könnte die Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert und dazu geführt haben, dass sie Pkw-Käufe aufschoben, so die Expertinnen und Experten. Aufgrund stark rückläufiger Kfz-Ausfuhren sanken auch die Exporte.

Nachfrage übersteigt Angebot am Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt hat sich laut Bundesbank in den Sommermonaten positiv entwickelt. Die Beschäftigung – insbesondere die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen – sei weiter gestiegen, und die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent. Der anhaltend hohen Nachfrage stehe jedoch ein langsamer steigendes Arbeitsangebot gegenüber, warnen die Fachleute der Bundesbank. Deshalb komme der Zuwanderung eine entscheidende Rolle zu. Rechnerisch habe nur knapp die Hälfte der Stellen, die es im August 2018 mehr gab als im selben Monat des Vorjahres, durch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit besetzt werden können. „Insbesondere Personen aus osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten sowie aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern füllten diese Lücke“, heißt es im Monatsbericht. Da die Zuwanderungszahlen seit geraumer Zeit nachließen, steige die Anspannung am Arbeitsmarkt. Für Unternehmen werde es zunehmend schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden, warnen die Expertinnen und Experten.

Expansion zum Jahresende

Die Inflation – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – ist im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 1,9 Prozent auf 2,1 Prozent gestiegen. Insbesondere Energie und Nahrungsmittel verteuerten sich. Lässt man diese beiden Komponenten außen vor und betrachtet nur die sogenannte Kerninflation, so ist diese von 1,2 Prozent auf 1,1 Prozent gesunken. Für die kommenden Monate geht die Bundesbank davon aus, dass die Inflationsrate schwächer ausfallen wird, weil die Preise für Energie und Nahrungsmittel weniger stark steigen werden.

Nach der Delle im dritten Vierteljahr sehen die Fachleute der Bundesbank die deutsche Wirtschaft zum Jahresende wieder auf Expansionskurs. So rechnen sie bei der Kfz-Produktion sowie beim Export von Kraftfahrzeugen mit einer Normalisierung. „Ferner dürfte der private Verbrauch seine Rolle als wichtige konjunkturelle Triebkraft wiedererlangen“, schreibt die Bundesbank.

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