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Monatsbericht: Industrie und Export für Wirtschaftsrückgang verantwortlich

Eine Mechanikerin bei der Arbeit

Monatsbericht: Industrie und Export für Wirtschaftsrückgang verantwortlich

Die deutsche Wirtschaftsleistung hat sich im zweiten Quartal 2019 leicht verringert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bekanntgab, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Wert aller in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen, saisonbereinigt um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Zum Jahresauftakt war die Wirtschaft hierzulande noch um 0,4 Prozent gewachsen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann bezeichnete den jüngsten Rückgang als eine Konjunktur-„Flaute“. „Dabei läuft die Binnenwirtschaft noch gut, die Schwäche konzentriert sich bislang auf die Industrie und den Export. Wichtige Gründe sind die internationalen Handelskonflikte und der Brexit“, sagte Weidmann. Der leichte wirtschaftliche Rückgang betraf laut aktuellem Monatsbericht der Bundesbank viele Branchen in Deutschland: „Im Bau- und Gastgewerbe sanken die Umsätze. Der Großhandel geriet in den Abwärtssog der Industrie“, schreiben die Fachleute. Lediglich der Einzelhandel und einige sonstige Dienstleistungsbereiche dürften für positive Impulse gesorgt haben.

Sondereffekte bremsten

In dem Bericht thematisieren die Fachleute die Ursachen des Rückgangs des BIP im Detail. So habe sich der Abschwung in der Industrie etwas verstärkt, weil die Nachfrage aus dem Ausland gesunken sei. Besonders die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich seien im Frühjahr schwach ausgefallen. Ein Grund dafür sei der zunächst für Ende März angesetzte Brexit-Termin gewesen. Dieser habe umfangreiche Vorratskäufe im Vereinigten Königreich in den Wintermonaten zur Folge gehabt. Das führte im Frühjahr zu einer Gegenbewegung. Zudem bremsten Sondereffekte, die im ersten Quartal die Konjunktur gestützt hatten, die grundsätzlich noch intakten binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte spürbar. So sei die Bauproduktion kräftig gefallen, nachdem sie im Winter aufgrund der günstigen Witterung noch stark gestiegen sei. Bei den Autokäufen wiederum sei die Nachfrage, die sich aufgrund von Lieferengpässen im vergangenen Jahr aufgestaut hatte, bereits zu Beginn des Jahres 2019 weitgehend bedient worden. Daraufhin sei sie im Frühjahr nicht mehr gestiegen. Dies habe den privaten Konsum gedämpft, so die Ökonominnen und Ökonomen.

Unternehmen hielten sich vermutlich mit Investitionen zurück

Auch die Nachfrage schwächelte auf breiter Basis. Vor dem Hintergrund der kräftig gesunkenen Exporte und „angesichts der rückläufigen Kapazitätsauslastung sowie der gedämpften Perspektiven im Verarbeitenden Gewerbe hielten sich die Unternehmen bei Investitionen in neue Ausrüstungen und Anlagen vermutlich zurück“, schreiben die Expertinnen und Experten in dem Bericht. Auch die Bauinvestitionen seien zurückgegangen. Der private Verbrauch dürfte nur wenig über das Niveau des starken Vorquartals hinausgekommen sein. Lediglich der Staatsverbrauch könnte die Konjunktur nennenswert gestützt haben.

Auch im laufenden Vierteljahr könnte die wirtschaftliche Aktivität leicht zurückgehen, heißt es im Bericht. Ein Ende des Abschwungs in der Industrie sei noch nicht erkennbar. „Dies könnte außerdem nach und nach einige Dienstleistungsbereiche in Mitleidenschaft ziehen.“ Die Frühindikatoren des Arbeitsmarktes vermittelten ein gemischtes Bild. Die Industrie stufte ihre Beschäftigungspläne weiter zurück. In den Dienstleistungsbereichen, mit Ausnahme des Handels, sowie am Bau dominierten dagegen positive Beschäftigungspläne.

Vorquartale revidiert

Destatis hat die gesamten Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) grundlegend überprüft und überarbeitet und sie auf das Referenzjahr 2015 umgestellt. Für das reale BIP insgesamt haben sich dadurch in einzelnen Perioden neue Veränderungsraten ergeben. Auch in der jüngeren Vergangenheit ergaben sich kleinere Revisionen. So wurden unter anderem die Vorquartalsergebnisse für die ersten beiden Quartale des Jahres 2018 nach unten korrigiert. Im ersten Quartal lag das Wachstum damit bei 0,1 Prozent (statt 0,4 Prozent) und im zweiten Quartal bei 0,4 Prozent (statt 0,5 Prozent). Die Vorquartalsergebnisse für das dritte und vierte Quartal 2018 wurden hingegen nach oben korrigiert. Sie lagen bei –0,1 Prozent im dritten Quartal (statt –0,2 Prozent) und bei 0,2 Prozent im vierten Quartal (statt 0,0 Prozent). Das Ergebnis für das erste Quartal 2019 blieb unverändert bei 0,4 Prozent (alle Raten jeweils saison- und kalenderbereinigt).

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