Skyline von Frankfurt am Main

Studie zeigt quantitative Auswirkungen des finalisierten Basel III-Reformpakets für deutsche Institute – Baseler Ausschuss verschiebt Einführung um ein Jahr angesichts der Corona-Krise

Die Deutsche Bundesbank veröffentlichte heute die aktuellen Ergebnisse ihrer halbjährlichen Analyse zu den Auswirkungen der Eigenkapitalreformen und der Liquiditätsstandards aus den Basel III-Reformpaketen für deutsche Institute. Für die aktuelle Studie (Stichtag 30.06.2019) haben 26 deutsche Institute Daten eingereicht, davon werden fünf der Gruppe 1 zugeordnet, welche über eine Kernkapitalausstattung von mindestens 3 Mrd € verfügen und international aktiv sind. Die weiteren 21 Teilnehmer werden der Gruppe 2 zugeordnet, wovon fünf Institute ein Kernkapital von mehr als 3 Mrd € aufweisen, jedoch nicht als international aktiv eingestuft werden.

Der Baseler Ausschuss hat am 27. März 2020 bekannt gegeben, dass angesichts der aktuellen Lage die Einführung des im Dezember 2017 verabschiedeten Basel III-Reformpakets um ein Jahr auf 2023 verschoben wird. Die Ergebnisse der heute veröffentlichten Untersuchung sind hiervon nicht betroffen. „Der Baseler Ausschuss hat verantwortlich gehandelt. Die Verschiebung des Basel III-Reformpakets erlaubt es den Instituten, sich in diesem Jahr auf die Bewältigung der Corona-Krise zu konzentrieren“, sagte Joachim Wuermeling, der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank.

Laut der Studie steigen die Mindestkapitalanforderungen für deutsche Institute bei der Umsetzung des finalen Basel III-Reformpakets um 26,9 %. Größter Treiber ist die Einführung des sogenannten Output-Floors. Auf diesen entfallen 19,7 Prozentpunkte des Anstiegs. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Studie in der Vorperiode (Stichtag: 31.12.2018) sind die Auswirkungen des Reformpakets dabei etwas stärker ausgefallen. Dies ist vor allem auf eine veränderte Stichprobe zurückzuführen. So haben zwei Institute mit bisher unterdurchschnittlichem Anstieg an dieser Erhebung nicht teilgenommen. Der Gesamtkapitalbedarf bei einer Vollumsetzung des finalen Basel III-Reformpakets beträgt 17,2 Mrd €.

Zusätzlich enthält der Bericht eine Abschätzung ausgewählter Elemente des im November 2019 vom Baseler Ausschuss veröffentlichten Konsultationspapiers zu gezielten Überarbeitungen des Rahmenwerks für die Anpassung an die Kreditbewertung (Credit Value Adjustments, kurz CVA). Die Analyse ergänzt den im November 2019 veröffentlichten zweiten Bericht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zur Beratung der Europäischen Kommission 

um die Ergebnisse für deutsche Institute. „Ziel der Überarbeitungen war die Harmonisierung mit dem im Januar 2019 überarbeiteten Marktrisiko-Rahmenwerk sowie ganz klar auch die Reduzierung der Kapitalanforderungen“, erläuterte Wuermeling. Die Ergebnisse der Analyse für deutsche Institute bestätigen, dass dieses Ziel erreicht wird. So würde bei Umsetzung der ausgewählten Elemente der Vorschläge aus dem Konsultationspapier der Anstieg der Mindestkapitalanforderungen von insgesamt 26,9 % auf 25,4 % sinken. „Die Überarbeitungen erzielen die gewünschten Effekte“, sagte Wuermeling zu den Ergebnissen und ergänzte: „Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die vollständige Umsetzung der Vorschläge zu einer weiteren Reduzierung der Kapitalanforderungen führen wird.“ Die neuen Regelungen standen bis Anfang dieses Jahres zur Konsultation und sollen nach ihrer Verabschiedung im Baseler Ausschuss analog zu den weiteren Reformen bis 2023 implementiert werden.

Die ebenfalls in der Studie untersuchten Anforderungen an die Liquiditätsausstattung der Institute werden nahezu flächendeckend erfüllt. Alle Institute weisen eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) von über 100 % auf. Zur Erfüllung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) besteht weiterhin ein geringer zusätzlicher Bedarf an stabiler Finanzierung.

Die Auswirkungsstudie wird seit 2011 halbjährlich im Rahmen des Basel III-Monitoring durchgeführt. Der Baseler Ausschuss und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) untersuchen die Auswirkungen auf internationaler bzw. europäischer Ebene. Beide Institutionen haben heute ebenfalls ihre Berichte zum Stichtag 30.06.2019 veröffentlicht. An der europäischen Erhebung beteiligen sich 119 Institute aus 19 EU-Mitgliedsländern auf freiwilliger Basis.