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Weidmann: Inflationserwartungen der Deutschen gut verankert

Weidmann: Inflationserwartungen der Deutschen gut verankert

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat die Inflationserwartungen deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher als „gut verankert“ bezeichnet. Dies zeigten die ersten Ergebnisse einer Pilotstudie der Bundesbank, die Weidmann bei einer Konferenz in Frankfurt am Main präsentierte. Thema der Konferenz, bei der internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenkamen, waren die Erwartungen von Haushalten in Bezug auf wirtschaftliche Indikatoren wie die Entwicklung der Inflation, der Immobilienpreise und des Konsums. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung gemeinsam mit der französischen Notenbank.

Pilotstudie liefert neue Erkenntnisse

Haushaltserwartungen hätten eine direkte Bedeutung für den geldpolitischen Transmissionsprozess, sagte Weidmann. Sie seien beispielsweise direkt mit den Kaufabsichten der Haushalte verbunden und könnten damit auch den privaten Konsum beeinflussen, erklärte der Bundesbankpräsident. „Leider fehlen uns regelmäßige, detaillierte und quantitative Daten zu den Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen“, so Weidmann weiter. Um ein umfassendes Bild zu gewinnen, habe die Bundesbank deshalb eine internetbasierte Pilotstudie durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Erwartungen der Haushalte bezüglich der Inflationsentwicklung und der Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt, die einmal im Monat abgefragt wurden.

Haushalte erwarten weiter steigende Immobilienpreise

Erste Ergebnisse zeigten, dass der Median der Inflationserwartungen über einen Zeitraum von zwölf Monaten hinweg in allen drei bisherigen Befragungswellen bei 2 Prozent lag. „Das ist niedriger als in ähnlichen US-Studien und zeigt, dass die Inflationserwartungen deutscher Konsumenten gut verankert sind“, sagte Weidmann. Gut verankert bedeutet, dass die Erwartungen relativ stabil sind und auf Inflationsraten hindeuten, die dem Ziel des EZB-Rats entsprechen, mittelfristig eine Inflationsrate von unter, aber nahe 2 Prozent im Euroraum zu erreichen. Laut aktueller Studie rechneten nur wenige Menschen in Deutschland mit einer fallenden oder einer sehr hohen Inflation. Mit Blick auf die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt erwarte die Mehrheit der Befragten weiter steigende Preise. Ungefähr 70 Prozent der Befragten bezeichneten die Häuserpreise in ihrer Nachbarschaft als überbewertet. Über die Hälfte von ihnen geht davon aus, dass die Preise weiter steigen werden, wobei der Studie zufolge Mieter mit stärkeren Preissteigerungen rechnen als Eigentümer von Immobilien.

Kommunikation spielt entscheidende Rolle

Bei der Konferenz sprach auch der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau. Er bedauerte in seiner Rede ebenfalls, dass bisher nur wenige verlässliche Daten über die Inflationserwartungen von privaten Haushalten vorlägen. Dies gelte insbesondere für den Euroraum. Der französische Notenbankgouverneur begrüßte daher die neue Bundesbank-Studie, die dazu beitrage, die bestehende Lücke zu schließen.

Villeroy de Galhau betonte zudem die wichtige Rolle der Kommunikation von Notenbanken mit der Öffentlichkeit. Untersuchungen zeigten, dass diese in der Vergangenheit dazu beigetragen habe, die Inflationserwartungen zu verankern und ihre Volatilität zu reduzieren. Er forderte deshalb, die Kommunikation gegenüber der breiten Öffentlichkeit deutlich zu verbessern. „Das bestehende Informationsdefizit hindert uns daran, unsere Kommunikationsstrategie vollkommen effizient umzusetzen“, warnte er.

Haushalte seien zwar keine professionellen Prognostiker, ihre Inflationserwartungen korrelierten aber relativ stark mit den Markterwartungen, sagte der Gouverneur. Dies zeige eine Studie der Europäischen Kommission. In jüngster Zeit sei allerdings eine stärkere Abweichung der Konsumentenerwartungen von den Finanzmarktindikatoren zu beobachten gewesen. Daraus ergebe sich Bedarf nach weitergehenden Analysen und Forschungsarbeiten.

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