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Wuermeling: Tragfähiges Geschäftsmodell entscheidend bei Bankfusionen

Wuermeling: Tragfähiges Geschäftsmodell entscheidend bei Bankfusionen

Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling hat darauf hingewiesen, dass die Bundesbank als Aufsicht bei Zusammenschlüssen von Banken eine neutrale Haltung einnehme. „Wir begleiten solche Prozesse zwar, initiieren sie aber ganz sicher nicht“, sagte Wuermeling beim Bundesbank-Symposium in Frankfurt am Main. Entscheidend für die Aufsicht sei vielmehr ein tragfähiges und nachhaltiges Geschäftsmodell.

Wuermeling wies darauf hin, dass es zwar immer mehr Fusionen gebe und allein in Deutschland die Zahl der Institute von fast 4.500 im Jahr 1991 auf inzwischen etwa 1.800 gesunken sei. Jedoch seien Zusammenschlüsse nicht der einzige Weg zur Konsolidierung des Bankensektors. Durch die Zentralisierung von einzelnen Elementen der Wertschöpfungskette könne die Effizienz weiter verbessert werden. Das könne innerhalb eines Instituts, in Verbünden, durch Kooperationen oder durch Auslagerung an Dritte geschehen. Insbesondere mittels neuer Technologien eröffneten sich für die Banken neue Möglichkeiten, so Wuermeling. „Innovative Formen der Zusammenarbeit selbstständiger Institute bringen oft mehr als der Zusammenschluss traditioneller Institute“, sagte Wuermeling.

Institute trotz Niedrigzinsen gut aufgestellt

Wuermeling zeigte sich davon überzeugt, dass der harte Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt und die geringen Margen auch in fünf Jahren noch ein Thema sein werden. Die Geschäftsmodelle von Banken müssten deshalb auch mit niedrigen Zinsen funktionieren, appellierte Wuermeling an die anwesenden Bankenvertreter. „An den Bilanzen von 2018 sehe ich, dass viele von Ihnen, aber nicht alle, beherzt Ihre Hausaufgaben machen“, sagte Wuermeling. Nicht jedes Institut habe ein solides Ertragspotenzial, da gelte es nachzubessern. Insgesamt bestehe jedoch kein Grund, den deutschen Bankenmarkt schlecht zu reden. „Die Institute sind robust, die Portfolien solide und die Kapitalausstattung ist hoch“, so Wuermeling.

Ende des Basel-Marathons in Sicht

In Bezug auf den Regulierungsprozess sieht Wuermeling Europas Banken auf der Zielgeraden. Das europäische Bankenpaket werde voraussichtlich noch vor den Wahlen zum Europäischen Parlament verabschiedet. Auch die Umsetzung von Basel III stehe vor der Finalisierung. „Ein Ende des Basel-Marathons ist also in Sicht“, so Wuermeling. Nun gehe es darum, die internationalen Vereinbarungen lückenlos umzusetzen. Auch beim Thema Proportionalität, also der Senkung unverhältnismäßig großer, operativer Lasten für kleine, nicht komplexe Institute, sei der Grundstein gelegt. Kleinen Instituten sollten in Zukunft dort Erleichterungen eingeräumt werden, wo der Verwaltungsaufwand nicht im Verhältnis zum aufsichtlichen Nutzen stehe, so Wuermeling.

Vernetzter europäischer Finanzmarkt

Wuermeling ging in seiner Rede auch auf die Gestaltung des europäischen Finanzplatzes nach dem Brexit ein. Er sprach sich für eine europäische Strategie zur Vertiefung und Modernisierung des Finanz-Binnenmarktes aus. „Unser Ziel sollte ein vernetzter europäischer Finanzmarkt sein“, sagte Wuermeling mit Blick auf den bevorstehenden Brexit. Gleichzeitig sollten aber nationale, regionale und lokale Spezialisierungen möglich sein. Der Bundesbank-Vorstand wagte in seiner Rede die Prognose, London werde in fünf Jahren nicht mehr die Rolle für den EU-Finanzplatz spielen, die es heute spiele. „Der Übergang wird kein leichter sein – aber wir sind als Finanzmarkt besser vorbereitet als andere Sektoren“, so Wuermeling.

Eine ähnliche Position vertrat auch Eva Wimmer, Ministerialdirigentin im Bundesfinanzministerium, die ebenfalls bei der Konferenz sprach. „Wir sind auf einen harten Brexit vorbereitet“, sagte Wimmer. Das Hauptproblem sei derzeit, dass niemand wisse, wie lange die Phase der Unsicherheit noch dauern werde. Für die Rolle Frankfurts als Finanzstandort könne der Brexit aber auch eine Chance bedeuten, so Wimmer.

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