20 Prozent Rendite müssen nicht sein Gastbeitrag in der Wirtschaftswoche

14.10.2016 | Andreas Dombret

Von allen Seiten hören Banken dieser Tage die Aufforderung, höhere Erträge zu erwirtschaften. Sie sollen ihre Geschäftsmodelle schneller anpassen und weiter in die Zukunft denken, um auf Niedrigzinsen, Digitalisierung, eine instabile Weltwirtschaft und den demographischem Wandel vorbereitet zu sein. In vielen Forderungen sind sich Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und auch die Bundesbank in ihrer Eigenschaft als Bankaufseher seit längerer Zeit einig.

Warum steht die Ertragslage des Bankensektors so sehr im Fokus? Noch vor einigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, sich um die Rendite der Banken zu sorgen. Und ist das überhaupt die Aufgabe der Bankenaufsicht? Aufseher müssen in erster Linie darauf achten, dass Banken stabil und widerstandsfähig sind. Dabei sind Erträge ein wichtiges Mittel zum Zweck, denn Institute müssen Erträge erwirtschaften, um Gewinne zu thesaurieren und externes Kapital aufzunehmen.

Das, was also als Aufforderung zu "höher, schneller, weiter" verstanden wird, ist eher eine Kritik an Geschäftsmodellen, die wenig solide und zu kurz ausgerichtet sind.

Diese Kritik läuft aber Gefahr, von zwei Seiten missbraucht zu werden. Zum einen könnten wieder Eigenkapitalrenditen von um die 20 Prozent gefordert werden – wie vor der letzten Finanzkrise. Zum anderen nutzen Interessenvertreter diese Debatte, um Politik und Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Bankenregulierung nachsichtiger sein müsse, damit der Bankensektor überhaupt noch Erträge erwirtschaften und überleben könne. Beides sind verfehlte Stoßrichtungen, die uns in die nächste Bankenkrise stürzen können.

Also, was nun? Das Bankgeschäft muss sich wieder ein ganz normaler Wirtschaftssektor wandeln, in dem Erträge durch solide Geschäftsmodelle erwirtschaftet werden, die eng an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet sind. Dafür brauchen Banken keine überambitioniert gesetzten Ertragsziele, die letztlich nur kurzfristig Gewinne abschöpfen. Vielmehr muss das Ertragsniveau von Kreditinstituten realistisch und auf Kontinuität ausgerichtet sein.

Geschäftsmodelle müssen deshalb überdacht und in vielen Fällen neu ausgerichtet werden. Dabei müssen sie einen schwierigen Spagat schaffen: Sie sollen sich einerseits auf ein solides Geschäftsmodell zurückbesinnen und andererseits den neuen, innovativen FinTech Konkurrenten mit eigenen Neuerungen entgegentreten. Und damit nicht genug: Parallel zum Geschäftsumbau müssen auch noch die operativen Prozesse deutlich effizienter werden – eine seit Jahren vernachlässigte Aufgabe.

Der Anker bei diesen Debatten darf weder ein einfaches Bank-Bashing noch eine krude Forderung nach höheren Eigenkapitalrenditen sein – beides lenkt nur vom eigentlichen Ziel ab. Unser Ziel ist ein solides und auf Kontinuität angelegtes Ertragsniveau, damit Banken stabil bleiben.