Die deutsche Zahlungsbilanz im Februar 2020

14.04.2020 | Deutsche Bundesbank

Leistungsbilanzüberschuss deutlich gestiegen

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Februar 2020 einen Überschuss von 23,7 Mrd . Das Ergebnis lag um 6,9 Mrd  über dem Niveau des Vormonats. Wesentlich dafür war der Anstieg des Aktivsaldos im Warenhandel. Hinzu kam ein leicht höherer Aktivsaldo im Bereich der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, der Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfasst.   

Der Überschuss im Warenhandel nahm im Berichtsmonat gegenüber dem Vormonat um 6,2 Mrd  auf 20,7 Mrd  zu. Dabei expandierten die Warenausfuhren, während die Wareneinfuhren nachgaben.

Der Aktivsaldo der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen vergrößerte sich im Februar um 0,7 Mrd  auf 3,0 Mrd , wobei der Anstieg des Saldos bei den Sekundäreinkommen den Saldorückgang bei den Primäreinkommen mehr als ausglich. Die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen sanken um 2,7 Mrd € auf 7,4 Mrd €. Maßgeblich dafür waren gestiegene Dividendenzahlungen für Wertpapieranlagen an Gebietsfremde. Das Defizit bei den Sekundäreinkommen ging um 2,9 Mrd € auf 4,2 Mrd € zurück; eine erhebliche Rolle spielten dabei geringere staatliche Zahlungen an den EU-Haushalt, die in Verbindung mit auf das Bruttonationaleinkommen bezogenen Finanzierungsleistungen standen. Zudem sank der Passivsaldo in der Dienstleistungsbilanz leicht um 0,5 Mrd  auf 0,2 Mrd .

Mittelzuflüsse im Wertpapierverkehr

Im Verlauf des Februars 2020 beeinflussten die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) – auch in Europa – und die damit einhergehende erhöhte Unsicherheit immer stärker die Entwicklung an den Finanzmärkten. Dies wirkte sich zum Teil auch im Kapitalverkehr von und nach Deutschland aus, wenngleich die typischen Safe-Haven-Flüsse im Berichtsmonat moderat blieben. Der grenzüberschreitende Wertpapierverkehr Deutschlands verzeichnete Netto-Kapitalimporte von 1,3 Mrd  (Januar: 7,5 Mrd ). Ausländische Investoren erwarben per saldo deutsche Wertpapiere für 13,4 Mrd €. Sie kauften vornehmlich Anleihen (13,3 Mrd €) und hier ganz überwiegend die als besonders sicher geltenden Papiere öffentlicher Emittenten. In geringerem Umfang fragten sie auch deutsche Aktien nach (1,9 Mrd €). Bei Investmentzertifikaten hielten sich Käufe und Verkäufe die Waage, während gebietsfremde Anleger inländische Geldmarktpapiere per saldo abgaben (1,8 Mrd €). Inländische Investoren nahmen im Ergebnis Wertpapiere aus dem Ausland für 12,1 Mrd € in ihre Portfolios auf. Sie erwarben ebenfalls in erster Linie Anleihen (8,1 Mrd €) sowie darüber hinaus Investmentzertifikate (3,2 Mrd €) und Aktien (1,2 Mrd €). Bei Geldmarktpapieren überwogen hingegen per saldo leicht die Verkäufe und Tilgungen (0,4 Mrd €).

Im Bereich der Direktinvestitionen kam es im Februar zu Netto-Kapitalexporten von 10,7 Mrd  (nach 3,3 Mrd  im Januar). Inländische Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 23,7 Mrd €. Sie stockten ihr Beteiligungskapital um 12,3 Mrd € auf, gut zur Hälfte über reinvestierte Gewinne. Auch im grenzüberschreitenden konzerninternen Kreditverkehr kam es zu Mittelabflüssen (11,4 Mrd €); im Vordergrund standen dabei zusätzliche Finanzkredite. Ausländische Unternehmen engagierten sich per saldo ebenfalls mit Direktinvestitionen in Deutschland (13,0 Mrd €). Sie gewährten verbundenen Unternehmen im Inland 10,3 Mrd € zusätzliche Kredite. Außerdem erhöhten sie ihr Beteiligungskapital um 2,7 Mrd €. Dies geschah fast ausschließlich durch reinvestierte Gewinne.

Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen), Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, kam es im Februar zu Netto-Kapitalimporten von 7,6 Mrd  (nach 6,5 Mrd  im Januar). Dabei sanken die Netto-Forderungen der Monetären Finanzinstitute (ohne Bundesbank) gegenüber dem Ausland um 10,4 Mrd €. Demgegenüber kam es bei der Bundesbank per saldo zu Netto-Kapitalexporten (10,0 Mrd €). Dies entsprach weitestgehend den um 10,1 Mrd € gestiegenen TARGET2-Forderungen gegenüber der EZB. Die Dispositionen der Unternehmen und Privatpersonen (5,1 Mrd ) sowie des Staates (2,0 Mrd ) führten im Ergebnis zu Netto-Kapitalimporten.

Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im Februar – zu Transaktionswerten gerechnet – um 0,7 Mrd  an.