Verhaltene Ausweitung der Direktinvestitionen von Konzernen im Jahr 2014

29.04.2016 | Deutsche Bundesbank EN

Die unmittelbaren deutschen Direktinvestitionsbestände im Ausland (aktive Direktinvestitionen) sowie die ausländischen Direktinvestitionsbestände in Deutschland (passive Direktinvestitionen) sind im Jahr 2014 per saldo nur gering angestiegen.

Deutsches Unternehmensvermögen im Ausland

Bei den aktiven Direktinvestitionen stiegen einerseits die Forderungen auf insgesamt knapp 1,3 Billionen € deutlich an. Das lag insbesondere an einer Zunahme des unmittelbaren Beteiligungskapitals (+ 78 Mrd €). Die Kredite an die deutschen Direktinvestitionsunternehmen im Ausland sowie an Schwestergesellschaften deutscher Konzerne im Ausland blieben annähernd auf dem gleichen Niveau (248 Mrd €). Andererseits erhöhten sich jedoch die Verbindlichkeiten aus Krediten der Investitionsobjekte an ihre deutschen Investoren sowie an Schwestergesellschaften deutscher Konzerne um insgesamt 40 Mrd €.

Unter Berücksichtigung der Wechselkurseffekte sind die aktiven Direktinvestitionen zum Jahresende 2014 um 43 Mrd € auf 956 Mrd € gewachsen. Der Euro hat im Vergleich zum Jahresende 2013 gegenüber vielen wichtigen Währungen an Wert eingebüßt, unter anderem 12 % gegenüber dem US-Dollar. Das führte bei einer Umrechnung der ausländischen Vermögensbestände in Euro zu höheren Beträgen. Vor allem aus diesem Grund entfielen zwei Drittel des Zuwachses (+ 29 Mrd €) auf Unternehmensbeteiligungen in den Vereinigten Staaten, die Ende 2014 einen Wert von 181 Mrd € erreichten. Anders war die Situation in China, wo der starke Anstieg des Unternehmensvermögens um fast ein Viertel auf 59 Mrd € vor allem auf eine tatsächliche Ausweitung des Engagements zurückzuführen war. Die deutliche Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Euro hat nur zu einem geringeren Teil zu diesem Zuwachs beigetragen.

Gut 550 deutsche Beteiligungen wurden aufgrund von Käufen oder Fusionen ("mergers and acquisitions") vor allem in den EU-Ländern, aber auch in den Vereinigten Staaten erstmals in der Statistik erfasst; sie erhöhten den Direktinvestitionsbestand um rund 6 Mrd €. Im Vergleich dazu ist es bemerkenswert, dass die lediglich 300 Erstmeldungen, die auf Neugründungen ("greenfield investments") zurückzuführen sind, fast den dreifachen Wert (14,5 Mrd €) an aktiven Direktinvestitionen erzielten. Zu erwähnen sind insbesondere 62 Neugründungen in den Vereinigten Staaten sowie an zweiter Stelle 32 neugegründete Unternehmen in China, die erstmals erfasst wurden.

Ausländisches Unternehmensvermögen in Deutschland

Das ausländische Direktinvestitionsvermögen in Deutschland (passive Direktinvestitionen) nahm nur geringfügig um 5 Mrd € auf 666 Mrd € zum Jahresende 2014 zu. Während das Beteiligungskapital ausländischer Investoren in Deutschland noch einen Zuwachs um 38 Mrd € verbuchte, gingen insbesondere die Kredite an Schwestergesellschaften ausländischer Konzerne in Deutschland um 21 Mrd € zurück. Gleichzeitig erhöhten sich auf der Gegenseite die Kredite der Investitionsobjekte in Deutschland an ihre ausländischen Investoren und Schwestergesellschaften insgesamt um 11 Mrd €.

Im Berichtsjahr 2014 wurden 180 Unternehmenskäufe und Fusionen von ausländischen Investoren in Deutschland mit einem Direktinvestitionsbestand von 16 Mrd € sowie gut 150 grenzüberschreitende Neugründungen in Deutschland mit passiven Direktinvestitionen in Höhe von 11 Mrd € erstmalig gemeldet. Diese Neuinvestitionen sowie die Ausweitung bestehender Unternehmensbeteiligungen wurden jedoch per saldo durch Liquidationen und Rückführung von Direktinvestitionskrediten weitgehend kompensiert.

Werden die passiven Direktinvestitionen nicht den unmittelbaren Kapitalgeberländern, sondern dem Land des Konzernsitzes zugeordnet, so kam es auch zum Jahresende 2014 zu deutlichen Verschiebungen zwischen den Mitgliedsländern der Währungsunion und den übrigen Ländern. Besonders auffällig dabei ist ein Rückgang der passiven Direktinvestitionen aus bekannten Holdingstandorten wie den Niederlanden um 104 Mrd € auf 40 Mrd € sowie Luxemburg um 84 Mrd € auf 45 Mrd €. Gleichzeitig führte diese Zuordnung zum letztendlichen Kapitalgeber fast zu einer Verdreifachung des Unternehmensvermögens der Vereinigten Staaten in Deutschland auf 155 Mrd € und einem Anstieg um 26 Mrd € auf 93 Mrd € bezogen auf das Vereinigte Königreich. Letztendlich waren auch 47 Mrd € der unmittelbaren passiven Direktinvestitionen in Deutschland Investoren aus Deutschland zuzuordnen ("round-tripping").

Detaillierte Ergebnisse der aktiven und passiven Direktinvestitionen nach Ländern und Wirtschaftszweigen sowie methodische Erläuterungen finden sich in der Statistischen Sonderveröffentlichung 10 "Bestandserhebung über Direktinvestitionen":